Joseon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Joseon (Begriffsklärung) aufgeführt.
Koreanische Schreibweise
koreanisches Alphabet: 조선국
chinesische Schriftzeichen: 朝鮮國
Revidierte Romanisierung: Joseon-guk
McCune-Reischauer: Chosŏn-guk
Geschichte Koreas
ab 10. Jahrhundert
Staaten der Reichseinheit
Kolonialzeit
Teilung Koreas
Wappen zur Zeit des Königreichs Joseon

Joseon war ein koreanisches Königreich. Es wurde von Yi Seong-gye, einem General Goryeos, im Jahre 1392 gegründet. Mit der Ausrufung eines Groß-Koreas 1897 endete das Bestehen des Königreichs. Der Begriff „Joseon“ als Bezeichnung des Landes wurde von 1910 bis 1945, als Korea eine Kolonie Japans war, wiederverwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von 1531

Vorgeschichte zur Gründung[Bearbeiten]

Joseon entstand aus einer Revolution heraus. Die ständigen Überfälle der Wokou und die von Norden her einfallenden Roten Turbane ließen große Zweifel aufkommen, ob Gongmin (kor. 공민황), 31. König der Goryeo-Dynastie, noch stark genug war das Land zu beschützen. Des Weiteren gab es Konflikte zwischen den Herrscherfamilien auf der einen Seite und den intellektuellen Bürokraten als liberale, aufstrebende Klasse des Landes auf der anderen.[1]

Als nach Gongmins Tod auf Betreiben des Generals Yi Inmin im Jahr 1374 der elfjährige Sohn des früheren buddhistischen Mönchs und Premierministers Sin Ton und einer Sklavin als König U (우황) inthronisiert wurde, war klar, dass sich die Macht Goryeos bereits schon in Händen des Militärs befand.[2]

Die Schwächen der Monarchie destabilisierten Goryeo. Zusätzlich zu den immer noch andauernden Überfällen und Plünderungen bediente sich eine despotisch verhaltende Schicht an dem Land der armen Bauern und machten sie von sich abhängig, ohne dass U daran etwas ändern konnte. In der Bevölkerung kam schließlich der Ruf nach einem starken Herrscher auf, der den chaotischen Zuständen im Land ein Ende bereiten und den Bauern wieder zu ihrem Recht verhelfen konnte.[3]

Gründung[Bearbeiten]

1388 wurde General Yi Inmin von den beiden Generälen Choe Yeong und Yi Seong-gye, die sich im Kampf gegen die immer wieder einfallenden Wokou verdient gemacht hatten, aus dem Weg geräumt. Als General Choe Yeong als Oberbefehlshaber der Armee den Befehl gab, die Halbinsel Liaodong, die vom Kaiser Hongwu der chinesischen Ming-Dynastie beansprucht wurde, zu erobern, machte sich General Yi Seong-gye widerstrebend mit seiner Armee auf den Weg, kehrte aber alsbald um und wandte sich mit Unterstützung der Ming gegen General Choe Yeong. Yi Seong-gye, der als Sieger aus dem Machtkampf hervorging, setzte König U noch im selben Jahr ab und installierte 1389 mit Gongyang ein Mitglied des vorherigen Herrscherhauses als neuen König. Als Militärmachthaber setzte Yi Seong-gye eine umfassende Landreform um, entmachtete den alten Hochadel und konzentrierte die Macht wieder beim König, den er aber 1392 zum Abdanken zwang.[4]

Das Militär auf seiner Seite und mit Hilfe der Intellektuellen des Landes unter Führung von Jeong Do-jeon gründete Yi Seong-gye am 17. Juli 1392[5] die Joseon-Dynastie[6] und machte sich mit Unterstützung der Ming-Dynastie selbst zum König.[4]

Weitere Geschichte[Bearbeiten]

König Taejo, wie Yi Seong-gye posthum bezeichnet wurde, gründete 1394 Hanyang, und machte es zur Hauptstadt Joseons.

Zwischen 1592 und 1598 startete im Rahmen des Imjin-Kriegs Japan zwei Invasionsversuche in Korea. Admiral Yi Sunsin, Koreas berühmtester Militärführer, war maßgeblich daran beteiligt, das Land gegen Japan zu verteidigen. Er hatte das erste gepanzerte Kriegsschiff der Geschichte erfunden, eine wendige Galeere, die wegen ihres gewölbten bronzegepanzerten Oberdecks Schildkrötenschiff genannt wurde. Aufgrund der Zerstörung der japanischen Nachschubflotten durch diese neuentwickelten Schiffe sowie aufgrund die Entsendung von Soldaten durch das China der Ming-Dynastie, welche auf Seiten Koreas in den Kampf eingriffen, musste Hideyoshi seine Truppen zurück ziehen.

Ab 1627 kam Korea unter die Vorherrschaft der Mandschu,[7] die auch China eroberten.

Politisch verweigerte sich Korea vom 17. bis zum 19. Jahrhundert einer Öffnung des Landes nach außen. Alle Grenzen wurden geschlossen und jeglicher Kontakt zum Ausland, mit Ausnahme zum Kaiserreich China, wurde abgebrochen. Als Folge davon wurde Korea im englischen Sprachraum Hermit Kingdom („Einsiedlerkönigreich“) genannt. Symptomatisch für die Abschottung des Landes ist die Affäre um das amerikanische Schiff General Sherman, das 1866 über den Taedong-Fluss nach Korea eindrang und den Gouverneur von Pjöngjang entführte, als der koreanische Regent Daewon-gun unter dem minderjährigen König Gojong entschied, dass das Schiff Korea unverzüglich verlassen müsse. In der darauf folgenden Eskalation kam es zu schweren Kämpfen, bei denen die Besatzung getötet und das Schiff von aufgebrachten Volksmassen in Brand gesetzt wurde.

1871 kam Korea zum ersten militärischen Kontakt mit den Vereinigten Staaten, in Korea bekannt als der Shinmiyangyo. Ab 1876 zwang Japan Korea Handelsabkommen auf. China förderte jetzt ebenfalls die Öffnung des Landes (siehe Paul Georg von Möllendorff) und suchte den japanischen Einfluss zurückzudrängen. Nachdem Japan gegenüber China in den Jahren 1894 bis 1895 den Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg gewann, verstärkte sich der japanische Einfluss über Korea. 1897 wurde von König Gojong das Kaiserreich Groß-Korea ausgerufen, womit das Königreich Joseon offiziell abgeschafft wurde.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung bestand aus Adeligen und Beamten sowie Gemeinfreien und Leibeigenen. Es gab neben der Ober- und Unterschicht auch erstmals in Korea eine Mittelschicht, welche sich in der Zeit der 500 Jahren des Bestehens Joseons aus den Leibeigenen heraus formte. Die Adeligen waren nicht zum Kriegsdienst verpflichtet, genossen eine gewisse Unverletzlichkeit für sich und ihre Wohnung sowie Schonung von Seiten der Beamten. Fast alle höheren Ämter wurden durch den Adel eingenommen. Auch äußerlich unterschied sich der Adel vom gemeinen Volk, in dem er besondere Kleidung, die in hohen, geflochtenen Hüten und farbigen Kleidern bestand, trug, während das gewöhnliche Volk nur ungefärbte oder weiße Kleidung tragen durfte. Die Frauen lebten im Allgemeinen in strenger Abgeschlossenheit.[9]

Schulen waren Privateinrichtungen und nach chinesischem Vorbild aufgebaut. Auch die Prüfungen erfolgten auf Chinesisch. Dennoch konnte das niedere Volk durchweg die koreanische Landessprache lesen und schreiben.[9][10]

Politisches System[Bearbeiten]

Aufbau[Bearbeiten]

Der Staat selbst war eine Erbmonarchie, sein politischer Status war der eines tributpflichtigen Vasallen gegenüber China. Der König wählte sich seinen Nachfolger selbst aus. Unter ihm waren drei ressortlose Premierminister, unter diesen standen die sechs Minister mit ihren Ressorts für Zeremonien, Krieg, Zivilverwaltung, Justiz, öffentliche Arbeiten und Finanzen. Gegen Ende des Bestehens Joseons kam noch ein Auswärtiges Amt dazu.[9][10]

Veränderungen[Bearbeiten]

Die Gründung von Joseon basierte auf eine grundlegende Veränderung in der herrschenden Klasse, weg von der aristokratischen Gesellschaft und hin zu einer bürokratisch intellektuellen Gesellschaft.[6] Der Buddhismus wurde als Lehre außer Kraft gesetzt und durch das konfuzianische Weltbild ersetzt. Bemerkenswert für die Joseon-Ära ist auch, dass die Vererbbarkeit von Ämtern beseitigt wurde, Wert auf ein differenziertes Bildungssystem gelegt wurde und die Großgrundbesitzer abgeschafft wurden.[4] Ebenfalls wurde das Leben des gemeinen Volkes allgemein hin verbessert und der Status der Farmer gestärkt.[6]

Während der Joseon-Ära wurde die Verwaltung zentralisiert.

Politische Gliederung[Bearbeiten]

Zu Anfang wurde in Joseon die politische Gliederung seines Vorgängers Goryeo übernommen. 1413 erfolgte eine Neueinteilung in acht Provinzen (Chungcheong-do, Gangwon-do, Gyeonggi-do, Gyeongsang-do, Hamgyeong-do, Hwanghae-do, Jeolla-do und Pyeongan-do), welche sich wiederum in insgesamt 332 Bezirken[9] unterteilten. Die Provinzen wurden je von einem Statthalter regiert.[9] Im Grundlegenden kann bis heute diese provinziale Gliederung in der Verwaltungsgliederung Nord- und Südkoreas wiedergefunden werden.

1895 wurde ein neues System aus 23 Bezirken in Kraft gesetzt. Jeder Bezirk erhielt seinen Namen nach seiner Hauptstadt. Die Bezirke waren: Andong-bu, Chuncheon-bu, Chungju-bu, Daegu-bu, Dongnae-bu, Gangneung-bu, Ganggye-bu, Gapsan-bu, Gongju-bu, Gyeongseong-bu, Haeju-bu, Hamheung-bu, Hanseong-bu, Hongju-bu, Incheon-bu, Jeju-bu, Jeonju-bu, Jinju-bu, Gaeseong-bu, Naju-bu, Namwon-bu, Pyeongyang-bu, Uiju-bu.

Das System der 23 Bezirke wurde 1896, also im folgenden Jahr wieder abgeschafft und die vorherigen Provinzen wiederhergestellt, wobei es allerdings zu einer Teilung von fünf der vorherigen Provinzen kam: Chungcheong-do wurde zu Chungcheongbuk-do und Chungcheongnam-do, Gyeongsang-do zu Gyeongsangbuk-do und Gyeongsangnam-do, Hamgyeong-do zu Hamgyeongbuk-do und Hamgyeongnam-do, Jeolla-do zu Jeollabuk-do und Jeollanam-do sowie Pyeongan-do zu Pyeonganbuk-do und Pyeongannam-do. Die Aufteilung in 13 Provinzen hatte durch alle weitere Epochen Koreas bis zu seiner Teilung 1945 bestand.

Handel[Bearbeiten]

Mit China wurde auf dem Landweg gehandelt. Da hierfür nur dreimal jährlich an der Grenze zu China ein Markt abgehalten wurde, waren die Umsätze gering.[10]

Mit Japan begann der Handel Ende des 16. Jahrhunderts. Dafür wurde eine japanische Niederlassung in Busan gegründet, von wo aus Handelswege nach Tsushima und Nagasaki eingerichtet wurden. Allerdings war der Handel mit Japan bis zum Japanisch-Koreanischen Freundschaftsvertrag unbedeutend, entwickelte sich aber danach lebhaft.[9][10]

Sehr bedeutend ist der Schmuggel gewesen.[9]

Religion[Bearbeiten]

Nach der Gründung Joseons wurde von seinem Gründer König Taejo, wie Yi Seong-gye posthum bezeichnet wurde, der schon vorher etablierte, aber nicht dominierende Konfuzianismus als offizielle Religion propagiert.

Katholische Missionare kamen zuerst 1837[10] aus China nach Korea. Der neue Glaube wurde zunächst nicht toleriert und gewaltsam verfolgt.[10] 1859 waren 15.200 Christen gezählt worden.[10] Erst 1886 hörten die Verfolgungen auf, und 1899 wurde in Korea die Religionsfreiheit gewährt. Am Ende des Bestehens Joseons lebten dort neben der hauptsächlich buddhistischen Bevölkerung etwa 22.000 römisch-katholische und 330 protestantische Christen.[9] Pjöngjang wurde wegen vieler Kirchen und rund 300.000 Gläubigen zu dieser Zeit auch als „Jerusalem des Ostens“ bezeichnet.

Wissenschaft und Technik[Bearbeiten]

Am Ende des Bestehens Joseons erreichten verschiedene Wissenschaften wie die Drucktechnik, Astronomie und Agronomie ein hohes Niveau. Dank der Entwicklung der Astronomie und Agronomie stiegen die Ernteerträge. Mit Hilfe der (schon im Goryeo-Reich seit dem 12. Jahrhundert verbreiteten) Drucktechnik mit beweglichen Lettern konnten seit dem 16. Jahrhundert auch agronomische Bücher verbreitet werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  신형식: Koreanische Geschichte. 2009, S. 100 ff.
  2.  Eggert, Plassen: Kleine Geschichte Koreas. 2005, S. 64.
  3.  Han Young Woo: Joseon Era. 2010, S. 26.
  4. a b c  Eggert, Plassen: Kleine Geschichte Koreas. 2005, S. 65.
  5.  Han Young Woo: Joseon Era. 2010, S. 30.
  6. a b c  신형식: Koreanische Geschichte. 2009, S. 102.
  7. Der Brockhaus in Text und Bild 2003 [SW], elektronische Ausgabe für Office-Bibliothek, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, 2003; Artikel: "Korea"
  8. Brockhaus Enzyklopädie, 1991, 19. Auflage, 12. Band , S. 357, Abschnitt: "Korea", F. A. Brockhaus Mannheim
  9. a b c d e f g h Korea. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 10. Band, S. 632.
  10. a b c d e f g Korea (Bevölkerung, Handel und Verkehr).. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 10, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/ Wien 1885–1892, S. 87–87.