Joseon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Artikel Joseon-Dynastie und Joseon überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Ingochina - 难得糊涂 14:26, 27. Mär. 2014 (CET)
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Joseon (Begriffsklärung) aufgeführt.
Koreanische Schreibweise
koreanisches Alphabet: 조선국
chinesische Schriftzeichen: 朝鮮國
Revidierte Romanisierung: Joseon-guk
McCune-Reischauer: Chosŏn-guk
Geschichte Koreas
ab 10. Jahrhundert
Staaten der Reichseinheit
Kolonialzeit
Teilung Koreas
Wappen zur Zeit des Königreichs Joseon

Joseon war ein koreanisches Königreich. Es wurde von Yi Seong-gye, einem General Goryeos, im Jahre 1392 gegründet. Mit der Ausrufung eines Groß-Koreas 1897 endete das Bestehen des Königreichs. Der Begriff „Joseon“ als Bezeichnung des Landes wurde von 1910 bis 1945, als Korea eine Kolonie Japans war, wiederverwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von 1531

1392 wurde der koreanische General Yi Song-gye in das Kaiserreich China entsandt, um gegen die neue Ming-Dynastie zu kämpfen, die die Mongolen abschüttelte. Stattdessen tat er sich mit den Chinesen zusammen und kam zurück, um die Goryeo-Dynastie zu beseitigen. Als Folge konnte sich die Joseon-Dynastie etablieren. Im Jahre 1394 wurde die Hauptstadt nach Seoul verlegt und der schon vorher etablierte, aber nicht dominierende Konfuzianismus wurde als offizielle Religion propagiert.

Zwischen 1592 und 1598 startete im Rahmen des des Imjin-Kriegs Japan zwei Invasionsversuche in Korea. Admiral Yi Sunsin, Koreas berühmtester Militärführer, war maßgeblich daran beteiligt, das Land gegen Japan zu verteidigen. Er hatte das erste gepanzerte Kriegsschiff der Geschichte erfunden, eine wendige Galeere, die wegen ihres gewölbten bronzegepanzerten Oberdecks Schildkrötenschiff genannt wurde. Diese Schiffe vernichteten die japanischen Nachschubflotten und auch Ming-China wehrte sich energisch, so dass Hideyoshi seine Truppen zurückziehen musste.

Ab 1627 kam Korea unter die Vorherrschaft der Mandschu,[1] die auch China eroberten.

Politisch verweigerte sich Korea vom 17. bis zum 19. Jahrhundert einer Öffnung des Landes nach außen. Alle Grenzen wurden geschlossen und jeglicher Kontakt zum Ausland, mit Ausnahme zum Kaiserreich China, wurde abgebrochen. Als Folge davon wurde Korea im englischen Sprachraum Hermit Kingdom („Einsiedlerkönigreich“) genannt. Symptomatisch für die Abschottung des Landes ist die Affäre um das amerikanische Schiff General Sherman, das 1866 über den Taedong-Fluss nach Korea eindrang und den Gouverneur von Pjöngjang entführte, als der koreanische Regent Daewon-gun unter dem minderjährigen König Gojong entschied, dass das Schiff Korea unverzüglich verlassen müsse. In der darauf folgenden Eskalation kam es zu schweren Kämpfen, bei denen die Besatzung getötet und das Schiff von aufgebrachten Volksmassen in Brand gesetzt wurde.

1871 kam Korea zum ersten militärischen Kontakt mit den Vereinigten Staaten, in Korea bekannt als der Shinmiyangyo. Ab 1876 zwang Japan Korea Handelsabkommen auf. China förderte jetzt ebenfalls die Öffnung des Landes (siehe Paul Georg von Möllendorff) und suchte den japanischen Einfluss zurückzudrängen. Nachdem Japan gegenüber China in den Jahren 1894 bis 1895 den Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg gewann, verstärkte sich der japanische Einfluss über Korea. 1897 wurde von König Gojong das Kaiserreich Groß-Korea ausgerufen, womit das Königreich Joseon offiziell abgeschafft wurde.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung bestand aus Adligen und Beamten sowie Gemeinfreien und Leibeigenen. Es gab neben der Ober- und Unterschicht auch erstmals in Korea eine Mittelschicht, welche sich in der Zeit der 500 Jahren des Bestehens Joseons aus den Leibeigenen heraus formte. Die Adeligen waren nicht zum Kriegsdienst verpflichtet, genossen eine gewisse Unverletzlichkeit für sich und ihre Wohnung sowie Schonung von Seiten der Beamten. Fast alle höheren Ämter wurden durch den Adel eingenommen. Auch Äußerlich unterscheidete sich der Adel vom gemeinen Volk, in dem er besondere Kleidung, die in hohen, geflochtenen Hüten und farbigen Kleidern bestand, trug, während das gewöhnliche Volk nur ungefärbte oder weiße Kleidung tragen durfte. Die Frauen lebten im Allgemeinen in strenger Abgeschlossenheit.[3]

Schulen waren Privateinrichtungen und nach chinesischem Vorbild aufgebaut. Auch die Prüfungen erfolgten auf Chinesisch. Dennoch konnte das niedere Volk durchweg die koreanische Landessprache lesen und schreiben.[3][4]

Politisches System[Bearbeiten]

Aufbau[Bearbeiten]

Der Staat selbst war eine Erbmonachie, sein politischer Status war der eines tributpflichtigen Vasallen gegenüber China. Der König wählte sich seinen Nachfolger selbst aus. Unter ihm waren drei ressortlose Premierminister, unter diesen standen die sechs Minister mit ihren Ressorts für Zeremonien, Krieg, Zivilverwaltung, Justiz, öffentliche Arbeiten und Finanzen. Gegen Ende des Bestehens Joseons kam noch ein Auswärtiges Amt dazu.[3][4]

Veränderungen[Bearbeiten]

Die Gründung von Joseon basierte auf eine grundlegende Veränderung in der herrschenden Klasse, weg von der aristokratischen Gesellschaft und hin zu einer bürokratisch intellektuellen Gesellschaft.[5] Der Buddhismus wurde als Lehre außer Kraft gesetzt und durch das konfuzianische Weltbild ersetzt. Bemerkenswert für die Joseon-Ära ist auch, dass die Vererbbarkeit von Ämtern beseitigt wurde, Wert auf ein differenziertes Bildungssystem gelegt wurde und die Großgrundbesitzer abgeschafft wurden.[6] Ebenfalls wurde das Leben des gemeinen Volkes allgemein hin verbessert und der Status der Farmer gestärkt.[5]

Während der Joseon-Ära wurde die Verwaltung zentralisiert.

Politische Gliederung[Bearbeiten]

Zu Anfang wurde in Joseon die politische Gliederung seines Vorgängers Goryeo übernommen. 1413 erfolgte eine Neueinteilung in acht Provinzen (Chungcheong-do, Gangwon-do, Gyeonggi-do, Gyeongsang-do, Hamgyeong-do, Hwanghae-do, Jeolla-do und Pyeongan-do), welche sich wiederum in insgesamt 332 Bezirken[3] unterteilten. Die Provinzen wurden je von einem Statthalter regiert.[3] Im Grundlegenden kann bis heute diese provinziale Gliederung in der Verwaltungsgliederung Nord- und Südkoreas wiedergefunden werden.

1895 wurde ein neues System aus 23 Bezirken in Kraft gesetzt. Jeder Bezirk erhielt seinen Namen nach seiner Hauptstadt. Die Bezirke waren: Andong-bu, Chuncheon-bu, Chungju-bu, Daegu-bu, Dongnae-bu, Gangneung-bu, Ganggye-bu, Gapsan-bu, Gongju-bu, Gyeongseong-bu, Haeju-bu, Hamheung-bu, Hanseong-bu, Hongju-bu, Incheon-bu, Jeju-bu, Jeonju-bu, Jinju-bu, Gaeseong-bu, Naju-bu, Namwon-bu, Pyeongyang-bu, Uiju-bu.

Das System der 23 Bezirke wurde 1896, also im folgenden Jahr wieder abgeschafft und die vorherigen Provinzen wiederhergestellt, wobei es allerdings zu einer Teilung von fünf der vorherigen Provinzen kam: Chungcheong-do wurde zu Chungcheongbuk-do und Chungcheongnam-do, Gyeongsang-do zu Gyeongsangbuk-do und Gyeongsangnam-do, Hamgyeong-do zu Hamgyeongbuk-do und Hamgyeongnam-do, Jeolla-do zu Jeollabuk-do und Jeollanam-do sowie Pyeongan-do zu Pyeonganbuk-do und Pyeongannam-do. Die Aufteilung in 13 Provinzen hatte durch alle weitere Epochen Koreas bis zu seiner Teilung 1945 bestand.

Handel[Bearbeiten]

Mit China wurde auf dem Landweg gehandelt. Da hierfür nur dreimal jährlich an der Grenze zu China ein Markt abgehalten wurde, waren der Umsatz gering.[4]

Mit Japan begann der Handel Ende des 16. Jahrhunderts. Dafür wurde eine japanische Niederlassung in Busan gegründet, von wo aus Handelswege nach Tsushima und Nagasaki eingerichtet wurden. Allerdings war der Handel mit Japan bis zum Japanisch-Koreanischen Freundschaftsvertrag unbedeutend, entwickelte sich aber danach lebhaft.[3][4]

Sehr bedeutend ist der Schmuggel gewesen.[3]

Religion[Bearbeiten]

Katholische Missionare kamen zuerst 1837[4] aus China nach Korea. Der neue Glaube wurde zunächst nicht toleriert und gewaltsam verfolgt.[4] 1859 waren 15.200 Christen gezählt worden.[4] Erst 1886 hörten die Verfolgungen auf, und 1899 wurde in Korea die Religionsfreiheit gewährt. Am Ende des Bestehens Joseons lebten dort neben der hauptsächlich buddhistischen Bevölkerung etwa 22.000 römisch-katholische und 330 protestantische Christen.[3] Pjöngjang wurde wegen vieler Kirchen und rund 300.000 Gläubigen zu dieser Zeit auch als „Jerusalem des Ostens“ bezeichnet.

Wissenschaft und Technik[Bearbeiten]

Am Ende des Bestehens Joseons erreichten verschiedene Wissenschaften wie die Drucktechnik, Astronomie und Agronomie ein hohes Niveau. Dank der Entwicklung der Astronomie und Agronomie stiegen die Ernteerträge. Mit Hilfe der (schon im Goryeo-Reich seit dem 12. Jahrhundert verbreiteten) Drucktechnik mit beweglichen Lettern konnten seit dem 16. Jahrhundert auch agronomische Bücher verbreitet werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Brockhaus in Text und Bild 2003 [SW], elektronische Ausgabe für Office-Bibliothek, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, 2003; Artikel: "Korea"
  2. Brockhaus Enzyklopädie, 1991, 19. Auflage, 12. Band , S. 357, Abschnitt: "Korea", F. A. Brockhaus Mannheim
  3. a b c d e f g h Korea. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 10. Band, S. 632.
  4. a b c d e f g Korea (Bevölkerung, Handel und Verkehr).. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 10, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 87–87.
  5. a b  신형식: Koreanische Geschichte. 2009, S. 102.
  6.  Eggert, Plassen: Kleine Geschichte Koreas. 2005, S. 65.