Joseph Elsner (Komponist)

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Joseph Elsner

Joseph Anton Franz Elsner (auch Joseph Xaver Elsner, Joseph Elsner, polnisch Józef Ksawery Elsner; * 1. Juni 1769 in Grottkau, Fürstentum Neisse; † 18. April 1854 in Elsnerowo b. Warschau) war ein deutscher Komponist, Dirigent und Musikpädagoge, der durch sein jahrzehntelanges Wirken in Warschau ein Wegbereiter der polnischen Musik wurde.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Joseph Elsner entstammte einer musikalischen Familie. Sein Vater Franz Xaver Elsner war Tischler und Musikinstrumentenbauer in Grottkau, Mutter Anna Barbara war die Tochter des Glatzer Lauten- und Violinmachers Joseph Matzke. Obwohl die Familie deutsch war, fühlte sich Elsner seiner späteren Wahlheimat Warschau sehr verbunden, bezeichnete sich selbst jedoch weiterhin als Schlesier.

Nach einem kurzen Medizinstudium in Breslau studierte Elsner ab 1789 Musik in Wien. 1791 nahm er eine Stelle als Geiger in Brünn an. Schon nach einem Jahr wechselte er als zweiter Kapellmeister an die Deutsche Oper in Lemberg. Dort komponierte er erfolgreiche Singspiele und erwarb sich großes Ansehen mit der Gründung einer Musikakademie. Für den aus Warschau geflüchteten Theaterdirektor Wojciech Bogusławski komponierte er die Singspiele Lanufa-Iskahar und Sidney und Zuma. Auf Anraten Bogusławskis, der 1799 nach Warschau zurückkehrte, ging auch Elsner dorthin. In Warschau wirkte er zunächst als Kapellmeister, später als Theaterdirektor, wo er Opern u. a. von Mozart und Weber aufführte und Libretti in der Landessprache verfasste. 1805 gründete er mit E. T. A. Hoffmann, den er in Posen kennengelernt hatte, die Musikressource, der Polen und Deutsche angehörten. Zudem erwarb er sich Verdienste um die Errichtung einer Notenstichanstalt. Im ministeriellen Auftrag gründete er eine Schule für Musik und Gesang, deren Direktor er 1816–1830 war. Bereits 1820 hatte er das Theater verlassen, nachdem er angefeindet worden war, er bevorzuge deutsche Kräfte.

Elsners kompositorisches Werk ist sehr umfangreich. Er war der erste Komponist Polens, der Opern in der Landessprache schrieb, wobei er Stoffe und nationale Motive aus der Geschichte Polens nahm. Er komponierte die Opern Leszek Biały (König Leszek der Weiße) und Król Łokietek (König Ladislaus Ellenlang), mehrere Symphonien, Messen, Polonaisen, das Oratorium Męka Pana Naszego Jezusa Chrystusa (Passion unseres Herren Jesu Christi) u. a. Seine Orchester- und Kammermusik-Kompositionen wurden in Wien und anderen europäischen Musikzentren begeistert aufgenommen.

Unvergänglich bekannt wurde Elsner als Lehrer von Frédéric Chopin, dem er den Weg zur Künstlerlaufbahn ebnete. Er war auch Lehrer und Vorbild für den polnischen Komponisten Stanisław Moniuszko, der die polnische Nationaloper Halka komponierte und der Elsner als “Begründer der nationalen Musik” bezeichnete.

Werke[Bearbeiten]

  • 32 Opern
  • 8 Sinfonien
  • Polonaisen mit Orchester
  • 1 Septett
  • 1 Streichquintett
  • 11 Streichquartette
  • 2 Klavierquartette
  • Klaviersonaten
  • 1 Passionsoratorium
  • Messen
  • Requiem

Literatur[Bearbeiten]

  • Array von Dommer: Elsner, Joseph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 70 f.
  • Christian Weickert: Elsner, Joseph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 466 f. (Digitalisat).
  • Martina Homma: Nationale Musik und nationale Musikwissenschaft. Der Fall Joseph Elsner. In: Deutsch-polnische Ansichten zur Literatur und Kultur. Wiesbaden 1995, S. 104–116.
  • J. Herrmann: Józef Elsner und die polnische Musik. München 1969.
  • Paul Preis: Musik- und Theaterleben von Stadt und Kreis Glatz. 1. Teil, S. 18–19.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Józef Elsner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien