Joseph Baumgartner

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Dieser Artikel behandelt den vormaligen bayerischen Landwirtschaftsminister Joseph Baumgartner. Siehe aber auch Josef Baumgartner

Joseph Baumgartner, auch Josef Baumgartner (* 16. November 1904 in Sulzemoos, Oberbayern; † 21. Januar 1964 in München) war ein bayerischer Politiker (BVP, später CSU, Bayernpartei). Joseph Baumgartner setzte sich für ein freiheitliches, demokratisches und selbstständiges Bayern ein.

Leben[Bearbeiten]

Denkmal für Joseph Baumgartner in seiner Heimatgemeinde Sulzemoos

Nach der Lateinschule des Benediktinerklosters Scheyern besuchte Baumgartner, eines von sechs Kindern eines Kleinbauern aus Sulzemoos nahe Dachau, das humanistische Gymnasium in Freising. 1925 bis 1929 studierte er Philosophie, Geschichte und Nationalökonomie in München. Das Studium beendete er als Diplom-Volkswirt und Dr. rer. pol. 1929 war er Volontär beim Oberbayerischen Christlichen Bauernverein, 1929 bis 1933 war er stellvertretender Generalsekretär des Bayerischen Bauernvereins und Mitglied der Bayerischen Volkspartei (BVP). 1933 wurde er Angestellter beim Allianz-Versicherungskonzern. Zur NS-Diktatur blieb Baumgartner auch wegen seiner christlichen Weltanschauung auf Distanz. Unter den Nationalsozialisten war er 1942 wegen eines vorgeblichen Verstoßes gegen das Heimtückegesetz kurzfristig in Gestapo-Haft, aus der er in den Kriegsdienst entlassen wurde.

Seit Januar 1945 war Baumgartner Personalreferent beim Amt für Ernährung und Landwirtschaft in München. Nach dem Krieg war er einer der Mitbegründer der CSU. Vom 5. Oktober 1945 bis zum 12. Dezember 1947 war er bayerischer Landwirtschaftsminister.

Von 1946 bis zu seinem Tode war Baumgartner Landtagsabgeordneter in Bayern. 1948 verließ der Hochschulprofessor die CSU und trat der neu gegründeten Bayernpartei bei. In der Bayernpartei kam Baumgartner in das dreiköpfige Direktorium der Partei. Bis 1952, dann wieder von 1953 bis 1959 war er Vorsitzender der Bayernpartei.

Seit Januar 1948 hatte er einen Lehrauftrag an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Weihenstephan inne. In der ersten Wahlperiode wurde er über die Landesliste der Bayernpartei in den Deutschen Bundestag gewählt, legte das Mandat aber zum 1. Januar 1951 nieder, um sich seinen Aufgaben in Bayern zu widmen.

Baumgartner führte innerhalb der BP die Gruppe um Ludwig Volkholz, Ludwig Lallinger, Jakob Fischbacher und Ernst Falkner, die auf eine prinzipielle Gegnerschaft zur CSU setzten. Die Bayernpartei fand in Baumgartner einen in weiten Teilen der bayerischen Bevölkerung beliebten Vorsitzenden. Viele seiner Aussagen spiegelten die Meinungen von Teilen der Bevölkerung wider, so z. B., dass auf die Entnazifizierung eine 'Entbazifizierung' folgen müsse.[1]

Als Vorsitzender der Bayernpartei wurde Baumgartner 1957 auch Vorsitzender der Wahlbündnispartei Föderalistische Union.

Während der von Wilhelm Hoegner geleiteten Viererkoalition aus Bayernpartei, SPD, FDP und GB/BHE in den Jahren 1954 bis 1957 war er stellvertretender bayerischer Ministerpräsident und erneut Landwirtschaftsminister.


Im Untersuchersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags, wurde behauptet, dass er und Max Klotz Geld von einem Spielbank-Konzessionär angenommen hätten.[2]:S. 94 f. Dieser Konzessionär zeigte sich vorher selbst an, nachdem er von dem hochrangigen CSU-Politiker Friedrich Zimmermann als Gegenleistung eine Konzession angeboten bekommen hatte.[3]:zitiert nach [2]:S. 359

Ein Urteil des Landgericht München I wegen 'Meineid' wurde nie rechtskräftig, denn Baumgartner war bei der Neuauflage des Prozesses verhandlungsunfähig.[4]

1964 starb Baumgartner an einem Schlaganfall.

Die CSU und die Bayernpartei rangen damals um die Macht in Bayern. Für die Bayernpartei war diese Affäre ein schwerer Schlag, von dem sie sich lange Zeit nicht mehr erholt hat.[2]:S. 97 Durch den Niedergang der Bayernpartei gelang der CSU der Aufstieg zur Mehrheitspartei.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joseph Baumgartner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hubensteiner: Bayerische Geschichte, Rosenheimer Verlagshaus, 17. Auflage 2009, S. 488–489.
  2. a b c Thomas Schuler: Strauß. Die Biographie einer Familie. Verlag Scherz, Zweite Auflage 2006, Frankfurt am Mai
  3. Wochenzeitschrift Stern: Herr Staatsanwalt, übernehmen Sie!, 6. September 1970, S. 96,
  4. Am Ende ein gebrochener Mann