Joseph Berliner

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Stadttafel an der Villa Simon für die Familie des Unternehmers und Vorsitzenden der Synagogengemeinde, darunter der Bruder Emil Berliner und Tochter Klara, die später enteignet und deportiert wurde und im Ghetto Theresienstadt umkam

Joseph Berliner (* 22. August 1858 in Hannover; † 23. Mai 1938 ebenda) war ein deutscher Fabrikant.[1]

Leben[Bearbeiten]

Pferdekutschen vor der Villa Simon, die die Familie Berliner ab 1895 bewohnte;
Ansichtskarte Nr. 769, unidentifizierter Fotograf

Joseph Berliner war ein Sohn des Kaufmanns Samuel Berliner und Bruder von Emil und Jacob. Nach seiner Banklehre und dem Militärdienst war er für zwei Jahre in den USA und studierte Schwachstromtechnik.

Siegelmarke der Telephon-Fabrik-Actiengesellschaft Hannover, vormals J. Berliner

1881 gründete er in Hannover die J. Berliner, Telefonfabrik in der Kniestrasse gemeinsam mit seinem Bruder Emil. Auf den Ausstellungen 1882 in München, 1883 in Wien und 1891 in Frankfurt/Main stellte er erfolgreich seine neue Übertragungstechnik aus. Das Körner-Mikrofon („Universal Transmitter“), ein Kohlemikrophon wurde Ende 1880 erstmals an die Deutsche Reichspost geliefert. Damit hatte die Firma großen Erfolg, denn die Post benutzte Kohlemikrophone bis in die 1970er Jahre. Auch Berliners vielgefragter „automatischer Hebellinienwähler“ trug zum Aufschwung des Unternehmens bei. Joseph gründete Filialen in Wien, Berlin, Budapest, London und Paris. 1898 wandelte er sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und gründete im gleichen Jahr mit Bruder Emil die Deutsche Grammophon Gesellschaft für die Herstellung von Schallplatten. Das Markenzeichen war His Master’s Voice als ein vor dem Grammophon sitzender Hund. 1900 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Jacob die Hackethal-Draht-Gesellschaft für die Erfindungen von Louis Hackethal. 1906 legte er die Leitung der Telefon-Fabrik nieder.

Ab 1895 wohnte er in der Villa Simon am Königsworther Platz. Er war Aufsichtsratsvorsitzender der Mechanischen Weberei in Linden bei Hannover. 1914 wurde er zum Kommerzienrat und 1921 zum Handelsrichter ernannt. 1921 wurde er auch Erster Vorsitzender der Synagogengemeinde und veranlasste den Bau des Jüdischen Friedhofs Bothfeld. Er selbst ist auf dem Jüdischen Friedhof An der Strangriede beerdigt. Sein Grabmal entwarf der Architekt und Hofbaurat Wilhelm Mackensen (1869–1955).

Tochter Klara wurde Anfang März 1943 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie ermordet wurde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joseph Berliner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dirk Böttcher: Hannoversches biographisches Lexikon; S. 54