Joseph D. Unwin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Joseph Daniel Unwin (* 1895; † 1936) war ein Ethnologe und Anthropologe an der der Universität Cambridge. Unwin untersuchte achtzig Völker und Volksgruppen bezüglich ihres Sexualverhaltens; seine Ergebnisse wurden von der Fachwelt nur teilweise rezipiert.

Sex und Kultur[Bearbeiten]

Sieben Jahre lang erforschte Unwin achtzig verschiedene Naturvölker und sechs verschiedene Kulturvölker im Hinblick auf den vermuteten Zusammenhang zwischen einem Verbot direkter Befriedigung der sexuellen Antriebe und einer damit korrelierenden gesellschaftlichen Förderung von Kultur und Zivilisation.[1] Er inkludiert dabei auch Beschreibungen historischer Kulturen bei den Sumerern, Babyloniern, Athenern, Römern und vielen anderen Völkern. Er sah sich schließlich veranlasst, seine eigene Lebensphilosophie aufgrund der Ergebnisse seiner Untersuchungen in Frage zu stellen.[2]

In seinem Buch Sex and Culture vertritt er die These, dass der jeweilige kulturelle Standard eines Volkes umso niedriger sei, je freizügiger Völker und Gesellschaften im Hinblick auf das sexuelle Leben sind.[3] Unwin spricht von der Sublimierung der sexuellen Energie in soziale Kompetenz.[4] Unwin ist zu seiner Untersuchung durch die Theorie der sexuellen Sublimierung Sigmund Freuds angeregt worden, wonach der Trieb „von einem ursprünglichen Ziel – z.B. sexueller Natur – auf ein anderes, kulturell höheres, hingelenkt wird.[5] Unwins Grundthese postulierte einen eindeutig feststellbaren empirischen Zusammenhang zwischen vorehelicher sexueller Enthaltsamkeit und strikter Monogamie auf der einen und dem höheren kulturellen Status einer Gesellschaft auf der anderen Seite.[6][7]

Werke[Bearbeiten]

  • Sex and Culture. Oxford University Press, London 1934.
  • Sexual Regulations and Cultural Behaviour. London 1935.
  • Our economic problems and their solution. 1944.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Any human society is free to choose either to display great energy or to enjoy sexual freedom; the evidence is that it cannot do both for more than one generation. In: Unwin: Sex and Culture. S. 412.
  2. Vgl. Unwin, Sexual Regulations, 5-6.
  3. Any human society is free to choose either to display great energy or to enjoy sexual freedom; the evidence is that it cannot do both for more than one generation.“ – Sex and Culture, London 1934, S. 412.
  4. Vgl. Unwin, Sexual Regulations, passim, bes. 45-47.
  5. Dieter Wyss: Die tiefenpsychologischen Schulen von den Anfängen bis zur Gegenwart. Entwicklung, Probleme, Krisen. Göttingen 1991, S. 64.
  6. Josef Spindelböck: Von der notwendigen Wiederentdeckung der Keuschheit:- Ein Ausweg aus sozialer und kultureller Dekadenz". In: Theologisches. 2009, Heft 9/10.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKonstantin Mascher: Sex and Culture. Eine Untersuchung von Joseph D. Unwin. In: DIJG-Bulletin 1/2005. Abgerufen am 15. März 2011.

Weblinks[Bearbeiten]