Joseph Delmont

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Joseph Delmont, als Josef Pollak, (* 8. Mai 1873 in Loiwein, Österreich-Ungarn; † 12. März 1935 in Bad Pystian, Tschechoslowakei) war ein österreichischer Filmregisseur und Schriftsteller.

Als Artist in einem internationalen Wanderzirkus aufgewachsen, wurde er später als Filmregisseur für die Miteinbeziehung von Raubtieren in seine Filme weltberühmt. In seinen letzten Lebensjahren betätigte er sich als Schriftsteller. Neben einigen Langspielfilmen inszenierte der Filmpionier, der auch als Drehbuchautor, Kameramann und Schauspieler in seinen Filmen tätig war, ab 1900 auch insgesamt rund 200 Kurzfilme. Drei seiner Bücher waren laut der "Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" von 1938 von den Nationalsozialisten verboten (z.B. "Juden in Ketten")[1]

Leben[Bearbeiten]

Joseph Delmont wurde im Jahr 1873 als eines von 16 Kindern von Moses (später Maximilian) Pollak, Kaufmann, und Resi (oder Rösi, später Theresia) geb. Fuchs, geboren. Im Wiener Geburtsbuch 1872 – 74, Reihenzahlen 6229 – 6234, der Israelitischen Kultusgemeinde, wurden infolge einer Note der k.k. Bezirkshauptmannschaft Krems vom 11. Oktober 1873 sechs Kinder eingetragen, alle geboren in Loywein, NÖ, darunter Josef, geb. 15. Mai 1873. In allen anderen Dokumenten und Unterlagen ist der Tag der Geburt mit 8. Mai 1873 angegeben. Laut Eintragung im Staatlichen Bezirksarchiv in Pelhrimov, Archivgemeinde Pavlov, Buch 1, Seite 17, hat Josef Pollak am 26. Juni bzw. am 7. Juli 1910 die Änderung seines Namens auf Josef Delmont beantragt.

Im Alter von acht Jahren trat er der Artistengruppe eines Zirkus bei, mit der er in den folgenden Jahren als unter anderem als Luftakrobat auftrat. Danach absolvierte er eine Lehre als Metalldreher. Er wirkte jedoch weiterhin als Artist und Dompteur, später auch als Tierfänger und -wärter in einem Zirkus mit und bereiste mit ihm zahlreiche Länder rund um den Erdball. 1901 blieb er nach einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten dort um als Leiter einer Tierhandlung zu arbeiten.

Der bereits in einigen Vorführungen des jungen Mediums Films gewesene und daran interessierte Joseph Delmont begann eigenen Angaben zufolge 1903 im Auftrag der Filmproduktionsgesellschaft Vitagraph minutenkurze Einakter (One-Reeler), etwa Westernfilmchen, zu drehen. 1905 stellte er seinen ersten Zweiakter her.

1910 kehrte er nach Wien zurück, wo er unter anderem für die Österreichisch-ungarische Filmindustrie als Kameramann arbeitete. So war er Kameramann und szenisch-technischer Leiter für den ältesten, heute noch vollständig erhaltenen österreichischen Spielfilm: Der Müller und sein Kind. Wenig später ging er aber weiter nach Deutschland. In Berlin, unter anderem in den Rex-Ateliers, inszenierte er, teils gemeinsam mit Harry Piel als Co-Regisseur und Fred Sauer, Curt und Ilse Bois als Schauspieler eine Reihe von abenteuerlichen, fantastischen, dramatischen und actiongeladenen Filmen. Die Sensation dieser Filme war für die damalige Zeit außergewöhnliche Aufnahmen von Raubtieren gewesen, die in seinen Filmen vorkamen.

Im Zuge von Dreharbeiten bereiste er Panama, Portugal, England, Frankreich, Spanien und die Niederlande. 1924 beendete Delmont seine Karriere beim Film weitgehend und widmete sich verstärkt dem Schriftstellertum, das er seit 1892 nur nebenbei betrieb. Er verfasste bis zu seinem Tod im Jahre 1935 mehrere Romane und Erzählungen und schrieb zahlreiche Zeitungsartikel. Neben Kriminalgeschichten und Erzählungen über seine Arbeit mit Tieren verfasste er Abenteuer- und Kriminalromane, aber mit „Der Ritt auf dem Funken“ (1928) auch einen Zukunftsroman - eine Science Fiction-Geschichte über die Möglichkeit sich in naher Zukunft mit eigenen Geräten auf elektrischen Wellen fortzubewegen. Zum letzten Mal beim Film tätig war Delmont 1925 - als Regisseur von Der Millionenraub im Rivieraexpreß.

Laut Todesanzeige, herausgegeben von der Gemeinde Wien –städt. Leichenbestattung, IV. Goldeggasse 19, vom 15. März 1935, ist Joseph Delmont am 12. März 1935 um 21.35 Uhr, nach kurzem schwerem Leiden und Empfang der heiligen Sterbesakramente im 62. Lebensjahr gestorben. Die heiligen Seelenmessen wurden in mehreren Pfarrkirchen gelesen.

Die Angaben, wonach Joseph Delmont als Karl Pick geboren wurde, ebenso die langen Ausführungen von Gerhard Winkler in seiner 2005 herausgegebenen Biographie über Joseph Delmont, wonach dieser seine Herkunft aus Loiwein erfunden hätte, sind reine Spekulationen und auf mangelnde Recherchen zurückzuführen. Ebenso sind die Ausführungen von Gerhard Winkler, wonach Joseph Delmont seine Tätigkeit als Tierfänger bei Hagenbeck erfunden und anstatt dessen die Zeit in polizeilichem Gewahrsam verbracht haben könnte, ausschließlich nicht beweisbare Spekulationen. Laut Auskunft des Archivars von Hagenbeck vom 18. September 2007 liegen dort zwar keine Hinweise auf die Tätigkeit von Joseph Delmont vor, dies allerdings deshalb, weil ein großer Teil der Geschäftsunterlagen im Jahr 1943 bei einem Bombenangriff vernichtet wurde, weshalb die Bestände sehr lückenhaft sind. Aus der Familienüberlieferung der Familie Pollak ist allerdings bekannt, dass Joseph Delmont längere Zeit als Tierfänger für Hagenbeck tätig war.

Filmografie[Bearbeiten]

Bei folgenden, ausgewählten, kurzen und langen Filmen führte Joseph Delmont Regie, bei manchen spielte er auch mit oder schrieb das Drehbuch (siehe Angabe in Klammer):

  • 1910: Der Müller und sein Kind, Teil I (Drehbuch)
  • 1911: Der Müller und sein Kind, Teil II (Kamera)
  • 1911: Der Streikbrecher
  • 1911: Mutter und Sohn
  • 1911: Verirrte Seelen
  • 1912: Das sechste Gebot
  • 1912: Der Fremde
  • 1912: Die Puppe
  • 1912: Schuld und Sühne (Drehbuch)
  • 1912: Der wilde Jäger (Drehbuch)
  • 1912: Dichterlos
  • 1912: Das Sterben im Walde (Drehbuch, Schauspiel)
  • 1913: Das Recht aufs Dasein
  • 1913: Der letzte Akkord (Drehbuch)
  • 1913: Das rote Pulver (Drehbuch)
  • 1913: Das Tagebuch eines Toten
  • 1913: Auf einsamer Insel (Drehbuch, Schauspiel)
  • 1913: Der geheimnisvolle Klub
  • 1914: Der Desperado von Panama
  • 1915: Ein Erbe wird gesucht
  • 1915: Ein ungeschriebenes Blatt (Drehbuch)
  • Der Silbertunnel (D 1915)
  • Titanenkampf (D 1916; Drehbuch)
  • Theophrastus Paracelsus (D 1916; Drehbuch)
  • Die Töchter des Eichmeisters (D 1916; Drehbuch)
  • Das Geheimnis des Waldes (Ö 1917; Co-Regie mit Hans Otto Löwenstein, Drehbuch)
  • Der Bastard (D 1919; Drehbuch)
  • Margot de Plaisance (D 1919; Drehbuch)
  • Der Kampf der Geschlechter (D 1919; Drehbuch)
  • Die Geächteten (D 1919; Drehbuch)
  • Die Insel der Gezeichneten (D 1920)
  • Madame Recamier / Des Großen Talma letzte Liebe (D 1920)
  • Der König der Manege (D 1921; Co-Drehbuch, Schauspiel)
  • Die eiserne Faust (D 1921)
  • Julot, der Apache (D 1921; Drehbuch)
  • Der Mann aus Stahl (D 1922)
  • Der Sieg des Maharadscha (D 1923)
  • Marco unter Gauklern und Bestien (D 1923)
  • Mater Dolorosa (D 1924)
  • Um eine Million (D 1924; Co-Regie, Drehbuch)
  • Der Millionenraub im Rivieraexpreß (D/FRA 1925-1927)

Werke[Bearbeiten]

Der Deutschen Nationalbibliothek sind 15 Romane und 11 andere Werke (Sachbücher) von Joseph Delmont bekannt. Im Folgenden eine Auswahl:

  • Wilde Tiere im Film: Erlebnisse aus meinen Filmaufnahmen in aller Welt. Dieck, Stuttgart 1925 (Sachbuch; erschien in 14 Auflagen)
  • Die Stadt unter dem Meere. Leipzig 1925 (Roman)
  • In Ketten. Fr. Wilh. Grunow, Leipzig 1926 (wurde in den folgenden Jahren noch mehrmals mit dem Titel Juden in Ketten aufgelegt)
  • Von lustigen Tieren und dummen Menschen: Eine Melange. Neue Berliner Verlags-GmbH, Berlin 1927
  • Abenteuer mit wilden Tieren: Erlebnisse e. Raubtierfängers Enßlin & Laiblin, Reutlingen 1927 (Teil der Sammlung „Aus weiter Welt“)
  • Der Gefangene der Wüste Neufeld & Henius, Berlin 1927
  • Die Sieben Häuser: Wanderfahrten e. Lausbuben. Grethlein & Co., Leipzig 1927
  • Der Ritt auf dem Funken: Phantastischer Zukunftsroman. O. Janke, Berlin 1928
  • Der Casanova von Bautzen. Leipzig 1931 / Neuauflage Lusatia-Verlag, Bautzen 2005
  • Die Abenteuer des Johnny Kilburn. F. W. Grunow, Leipzig 1934

Literatur[Bearbeiten]

  • Delmont Josef. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 176.
  • Winkler, Gerhard: Joseph Delmont: 1873 - 1935; Abenteurer - Filmer - Schriftsteller; sein Leben - seine Filme - seine Bücher. Dokumentationsstelle für Literatur in Niederösterreich – Literaturedaktion Niederösterreich, St. Pölten 2005

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verbannte Bücher

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