Joseph Eberle

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Dieser Artikel behandelt den katholischen Publizisten. Für den Verleger und Mundartdichter siehe Josef Eberle, für den Überlinger Bildhauer siehe Josef Eberle (Bildhauer).

Joseph Eberle (* 2. August 1884 in Ailingen-Reinachmühle; † 14. September 1947 in Salzburg) war ein deutscher Publizist und Herausgeber der katholischen österreichischen Zeitschrift Schönere Zukunft, zu deren Aufgabe er unter dem Nationalsozialismus 1940 gezwungen wurde.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Studium[Bearbeiten]

Joseph Eberle wurde 1884 in einer Mühle in Ailingen (Reinachmühle), heute ein Stadtteil von Friedrichshafen, als Sohn des Mühlenbesitzers Johann und dessen Frau Agathe, die aus Bavendorf stammte, geboren. Sein Bruder starb im Alter von vier Jahren beim Sturz von einem Holzfuhrwerk. Daraufhin errichteten seine Eltern eine Kapelle, die 1922 auf den Haldenberg versetzt wurde. Nach dem Besuch der Ailinger Volksschule entschloss sich Joseph, die Mühle seines Vaters nicht zu übernehmen, sondern die Lateinschule Mergentheim und das humanistische Obergymnasium in Rottweil zu besuchen. Nach seiner Reifeprüfung 1904 studierte er an den Universitäten Tübingen, Straßburg und Freiburg, wo er Vorlesungen in Philosophie, katholischer Theologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Soziologie und Volkswirtschaft belegte. Seit 1908 war er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Arminia Freiburg im Breisgau. In Straßburg promovierte er mit einer Arbeit über den Theologen Bonaventura von Bagnoregio zum Doktor der Philosophie. Aufgrund einer Kehlkopferkrankung brach er die Vorbereitung zum theologischen Staatsexamen ab. Die Diagnose der Fachärzte, er dürfe seine Stimme nicht stark beanspruchen, schränkte ihn stark in der Berufswahl ein. Daher beschloss Joseph Eberle, sich der Pressearbeit zu widmen und besuchte deshalb ab 1911 Vorlesungen an der Universität Berlin.

Erste Werke[Bearbeiten]

Als Ergebnis seiner Studien veröffentlichte Joseph Eberle 1912 sein erstes Buch mit dem Titel „Großmacht Presse“, das seine Bekanntheit steigerte. 1913 zog er nach Wien um, wo er als Redakteur für die Reichspost, eine katholische Zeitung, arbeitete und den Bereich „Allgemeine Kultur und religiöse Fragen“ leitete. Dort erregten seine Artikel durch die Sprache und seine Ideen allgemeine Aufmerksamkeit. Während seiner dortigen Arbeit, publizierte Joseph Eberle außerdem weitere Bücher, die sich mit der Gesellschaft, der Politik, der Wirtschaft und der Kultur der Weltkriegszeit beschäftigten. 1916 heiratete er Edith Zacherl und erwarb die österreichische Staatsbürgerschaft. Nach der Leitung der Wochenschrift „Das Neue Reich“ in den Jahren 1918 bis 1925 gründete er seine eigene Zeitschrift, der er den Namen „Schönere Zukunft“ gab und die allgemeine Themen aus katholischer Sichtweise beleuchtete. 1932 vereinigten sich beide Zeitschriften - Eberle setzte sich bei der Namensgebung durch.

Im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Grab auf dem Salzburger Petersfriedhof

Da sich mit 14.000 Beziehern die Hauptleserschaft der „Schönere Zukunft“ in Deutschland befand, wurden ab 1935 immer wieder einzelne Ausgaben beschlagnahmt. Anfang 1937 erfolgte ein vierteljähriges Verbot der Zeitschrift. Auf Anregung des Kardinals von Wien, Theodor Innitzer, wurde die „Schönere Zukunft“ mit dem Hinweis, dass auch deutsche Zeitschriften in Österreich erlaubt wären, wiederzugelassen. Unmittelbar nach dem Anschluss Österreich an das Deutsche Reich, wurde Joseph Eberle zum ersten Mal zur Gestapo vorgeladen. Bei jeder Wiederholung solcher Verhöre wurde er von der Angst vor „Schutzhaft“ oder Gefängnis begleitet. Außerdem erhielt er schriftliche Verwarnungen des Reichspropagandaministeriums. Um seine Zeitschrift zu retten, verkaufte er sie an den Schwabenverlag, der das Redaktions- und Verwaltungspersonal beibehielt. Doch schon 1941 wurden Joseph Eberle und das gesamte Personal der „Schöneren Zukunft“ verhaftet. Die Anklage gegen Eberle persönlich lautete auf Störung und Zersetzung der Erziehungsarbeit des Führers. Nach der Einlieferung in ein Konzentrationslager wurde seine Zeitschrift als erste der großen, religiösen verboten. Aufgrund der Gefängniszustände wurde Joseph Eberle bereits nach drei Monaten krank und nach insgesamt acht Monaten auf das Gutachten eines Universitätsklinikers hin wieder freigelassen. Sein Wohnort wurde jedoch polizeilich kontrolliert und er wurde aus der Liste der Berufsschriftsteller gestrichen. Er zog in ein Landgut, das seinem Sohn gehörte, jedoch großteils für die Unterbringung Evakuierter beschlagnahmt worden war. Seine finanziellen Probleme versuchte er durch das Schreiben seines zweibändigen Werkes „Die Bibel im Lichte der Weltliteratur und Weltgeschichte“ zu bewältigen. Aufgrund der wachsenden Lebensmittelknappheit und des Bombardements auf Wien beschloss Eberle, zur befreundeten Familie Kohler nach Bezau zu ziehen. Dort erlebte er das Ende des Krieges.

Die Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Seine Kriegserfahrungen und Lebenserinnerungen verarbeitete Joseph Eberle in der Autobiographie „Erlebnisse und Bekenntnisse“. Seine Zeitschrift „Schönere Zukunft“ belebte er entgegen den Erwartungen vieler Freunde und ehemaliger Leser nicht wieder. Nach einer Behandlung 1946/47 im Sanatorium Mehrerau und zwei Operationen am Magengeschwür in Salzburg, starb Joseph Eberle am 12. September 1947. Er wurde am dortigen Petersfriedhof beigesetzt.

Haltung[Bearbeiten]

Joseph Eberle vertrat in seinen Büchern und seiner Zeitschrift eine katholisch-konservative Weltsicht. Er lehnte die Demokratie ab und propagierte eine ständische Gesellschaft. Seine Meinung zum Nationalsozialismus war gespalten: zum einen war sie durch das Verbot seiner Zeitschrift und seine Verhaftung geprägt, zum anderen deckte sie sich mit seinen antijüdischen Aussagen. Beispielsweise stimmte er einer „Volkshymne“ von Richard Kralik zu, die folgendermaßen lautet:

„Gott erhalte, Gott beschütze vor den Juden unser Land! Mächtig durch des Glaubens Stütze, Christen, haltet festen Stand! Lasst uns unser Väter Erbe schirmen vor dem ärgsten Feind, dass nicht unser Volk verderbe, bleibt in Treue fest vereint!“

Die Novemberpogrome 1938 verstand er als Reaktion auf die „jüdische Schuld der Vergangenheit“ und billigte sie;[1] in seiner Zeitschrift hetzte er gegen die „Verjudung Österreichs“ und gegen den jüdischen Einfluss auf die Kultur.[2]

Siehe auch: Antisemitismus bis 1945

Ehrungen[Bearbeiten]

Nach Joseph Eberle waren zwei staatliche Schulen im Friedrichshafener Ortsteil Ailingen benannt. Beide verwenden den Namen inzwischen nicht mehr.[3]

Ein Gedenkstein an der Friedhofsmauer in Friedrichshafen-Ailingen erinnert an Joseph Eberle. Dabei wird er als "Defensor ecclesiae" (Verteidiger der Kirche) betitelt. Dieser Ehrentitel stammt von Kardinal Franz König (Wien), der in einem Vorwort zu Eberles Schriften den Autor so hervorhob.

Werke[Bearbeiten]

  • Großmacht Presse, Berlin 1912
  • Schönere Zukunft, Wien 1916
  • Zertrümmert die Götzen, Wien 1918
  • Die Überwindung der Plutokratie, Wien 1918
  • De Profundis, Innsbruck 1921
  • Zum Kampf um Hitler, Wien und Regensburg 1931
  • Die Bibel im Lichte der Weltliteratur und Weltgeschichte, Wien 1944
  • Das Los der christlichen Presse im dritten Reich, Bregenz 1945
  • Der Weg ins Freie, Stuttgart 1946
  • Erlebnisse und Bekenntnisse, Stuttgart, 1947

Literatur[Bearbeiten]

  • Sepp Bucher u. a.: 1200 Jahre Ailingen. Hrsg. von der Gemeinde Ailingen. Gessler, Friedrichshafen 1971 (Auszug S. 50–56)
  • Karl Buchheim: Eberle, Joseph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 244 (Digitalisat).
  • Peter Eppel: Zwischen Kreuz und Hakenkreuz. Die Haltung der Zeitschrift "Schonere Zukunft" zum Nationalsozialismus in Deutschland 1934-1938. Wien 1980.
  • B. Hofer: Der Publizist Joseph Eberle. Dissertation, Salzburg 1995.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joseph Eberle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Auszug aus Nina Scholz, Heiko Heinrich - „...alles werden sich die Christen nicht gefallen lassen.“ Wiener Pfarrer und die Juden in der Zwischenkriegszeit ISBN 3-7076-0120-X
  2. Gedenkdienst - Abschnitt: Das katholische antisemitische Lager
  3. siehe http://www.hsailingen.fn.bw.schule.de/ und http://www.ailingen.de/unsere-ortschaft/oeffentl-einrichtungen/jugend-schule/schulen.html