Joseph Fourier

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Jean Baptiste Joseph Fourier, Porträt von Julien Léopold Boilly (1796)

Jean Baptiste Joseph Fourier (* 21. März 1768 bei Auxerre; † 16. Mai 1830 in Paris) war ein französischer Mathematiker und Physiker.

Leben[Bearbeiten]

Fourier war der Sohn eines Schneiders und wurde schon im Alter von 10 Jahren durch den Tod seiner Eltern zum Vollwaisen. Seine weitere Erziehung fand zunächst im Pensionat des Organisten der Kathedrale von Auxerre Joseph Pallais statt bis er in die Militärschule von Auxerre wechseln konnte. Dort entwickelte er ein starkes Interesse für die Mathematik und hatte schon im Alter von 14 Jahren den sechsbändigen Cours de mathématiques von Étienne Bézout studiert. 1783 erhielt er einen Preis für eine Arbeit über Charles Bossuts Mécanique en général. Im Jahr 1787 entschied sich Fourier, eine geistliche Laufbahn einzuschlagen und wechselte auf die Schule der Benediktiner-Abtei Saint-Benoît-sur-Loire. Sein Interesse für Mathematik pflegte er jedoch weiter. Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution im Jahr 1789 verließ Fourier wieder Saint-Benoît-sur-Loire und wurde Lehrer an der Militärschule in Auxerre, wo er seine Schulbildung erhalten hatte. Fourier engagierte sich politisch, unter anderem als Vorsitzender des lokalen Revolutionskomitees in seiner Heimatstadt Auxerre. Dieses politische Engagement führte dazu, dass er während der Zeit der Terrorherrschaft inhaftiert wurde und nur knapp der Guillotine entging. Im Alter von 26 Jahren, im Jahr 1795 wechselte er an die École normale supérieure in Paris, wo unter anderen Joseph-Louis Lagrange, Gaspard Monge und Pierre-Simon de Laplace zu seinen Mentoren zählten und 1797 wurde Fourier Nachfolger von Lagrange als Professor für Analysis und Mechanik an der École polytechnique in Paris.

Büste Fouriers in Grenoble

Im Jahr 1798 begleitete er Napoleon Bonaparte mit anderen französischen Wissenschaftlern auf dessen Ägyptischer Expedition. Dort übernahm er das Sekretariat des Institut d'Égypte, organisierte archäologische Expeditionen und arbeitete am Aufbau einer Verwaltung nach französischem Stil in Ägypten mit. Im Jahr 1801 kehrte Fourier zusammen mit den Resten des französischen Expeditionskorps wieder nach Frankreich zurück und wollte seine Professur an der École polytechnique wieder aufnahmen. Jedoch wurde er von Napoleon, der Fouriers organisatorische Fähigkeiten schätzen gelernt hatte, im Jahr 1802 zum Präfekten des Départements Isère mit Sitz in Grenoble ernannt. Fourier war nicht sehr glücklich darüber, die akademische Welt von Paris verlassen zu müssen, fügte sich jedoch den Wünschen Napoleons. Als Präfekt erwarb er sich Verdienste um die Trockenlegung der Sümpfe bei Bourgoin-Jallieu und ließ eine feste Straßenverbindung zwischen Grenoble und Turin ausbauen. In Grenoble arbeitete er wissenschaftlich weiter, unter anderem auch als Mitautor an der Description de l’Égypte. Dort begegnete er auch dem jungen Jean-François Champollion, der ihm als begabter Schüler an der Académie de Grenoble vorgestellt wurde. Fourier zeigte Champollion eine Kopie der Inschrift des Steins von Rosette und dieser zeigte sich davon so beeindruckt, dass er sich die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen zur Lebensaufgabe vornahm. Fourier unterstützte Champollion auch später in dessen Ausbildung und diesem gelang schließlich in den Jahren 1822 bis 1824 die Entzifferung der Inschrift des Rosetta-Steins. 1808 wurde Fourier zum Baron de l'Empire erhoben. Während der Herrschaft der Hundert Tage 1815 ernannte ihn Napoleon zum Präfekten des Départements Rhône. Seit 1815 lebte Fourier in Paris und war Sekretär auf Lebenszeit der Académie des sciences.

Fouriers Grabmal auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise im Stil eines altägyptischen Monuments

Nebenbei beschäftigte er sich auch mit der Physik, und zwar mit der Wärmeausbreitung in Festkörpern (Fouriersches Gesetz). Eine einschlägige Abhandlung wurde von der Pariser Akademie 1807 preisgekrönt. Neben der Herleitung der Gleichungen enthielt sie einen Lösungsansatz mittels Fourierreihen. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist die Analytische Theorie der Wärme (1822). In einem Artikel von 1824 beschrieb er zum ersten Mal die wesentlichen Mechanismen des atmosphärischen Treibhauseffekts (ohne jedoch den Begriff zu verwenden).[1]

Mit der Fourieranalyse legte er einen Grundstein für den Fortschritt der modernen Physik und Technik.

Er ist namentlich auf dem Eiffelturm verewigt (siehe dazu Die 72 Namen auf dem Eiffelturm).

Außerdem trägt die Universität Joseph Fourier Grenoble I seinen Namen, außerdem wurden der Mondkrater Fourier und der Asteroid (10101) Fourier nach ihm benannt.

Schriften[Bearbeiten]

  • Oeuvres, 2 Bände, Paris, Gauthier-Villars 1888, 1890, Herausgeber Gaston Darboux, Band 2 bei Gallica
  • Théorie analytique de la chaleur. Paris 1822. Online bei archive.org
  • Mémoire sur les températures du globe terrestre et les espaces planétaires, Mémoires de l'Academie royal des Sciences de l'Institut de France, Paris, Band 7, 1827, S. 570-604 Online, PDF
  • Analyse des équations déterminées. (postum durch Navier hrsg.; Paris 1831).

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Dhombres, Jean-Bernard Robert Joseph Fourier 1768-1830: créateur de la physique-mathématique, Paris, Belin, 1998
  • Ivor Grattan-Guinness, J. Ravetz Joseph Fourier 1768-1830. A survey on his life and work, MIT Press 1972
  • dieselben, Artikel Fourier in Dictionary of Scientific Biography
  • J. Herivel Joseph Fourier. The man and the physicist. Oxford, Clarendon Press 1975
  • L. Charbonneau Catalogue des manuscripts de Joseph Fourier, Cahiers d´histoire et de philosophie des sciences, Band 42, 1994 (Charbonneau schrieb auch seine Dissertation über Fourier)
  • Francois Arago Éloge de Joseph Fourier, Memoirs de l´Academie des Sciences, Band 14, 1838, LXIX (auch in Arago Oeuvres, Band 5, Paris 1854)
  • Victor Cousin Notes biographiques sur M. Fourier, Paris 1831 (und in Cousin Fragments et souvenirs, 3. Auflage, Paris 1857, S. 283)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joseph Fourier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mémoire sur les températures du globe terrestre et des espaces planétaires, Annales de Chimie et de Physique 1824, leicht verändert 1827 in den Mémoires de l'Academie royal des Sciences de l'Institut de France, Band 7, S. 570-604, nachgedruckt und in Fouriers Werken 1890, Band 2, bei Gallica