Joseph Hardtmuth

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Joseph Hardtmuth (* 13. Februar 1758 in Asparn an der Zaya; † 23. Mai 1816 in Wien) war ein österreichischer Architekt, Erfinder und Fabrikant.

Biografie[Bearbeiten]

Joseph Hardtmuths Vater Anton stammte aus Bayern und wanderte um 1740 nach Asparn an der Zaya aus, wo er war als Tischlermeister und Holzschnitzer mehrere Altäre schuf. Seine Mutter Theresia war die Tochter des Maurermeisters Franz Meissl, ebenfalls aus Asparn an der Zaya. Das Ehepaar hatte acht Kinder, deren viertes Joseph Hardtmuth war.

Im Jahre 1771 begann Joseph Hardtmuth bei seinem Onkel Joseph Meissl in Poysdorf eine Maurer- und Steinmetzlehre und arbeitete auch als Zeichner. Nach dreijähriger Lehre wurde er als Geselle entlassen. Als sein Onkel unter Alois I. Fürstlich Liechtensteinischer Baudirektor wurde, ging er mit ihm nach Wien und konnte erste Erfahrungen als Planer und Baumeister sammeln.

Der Baumeister
Amphitheater in Maria Enzersdorf

Im Jahre 1787 erhielt sein Onkel den Auftrag zur Erweiterung des Liechtensteinischen Majoratshauses in der Herrengasse in Wien zu einem Palais, für das Joseph Hardtmuth die Fassade entwarf. Nach dem Tod seines Onkels stieg er im Jahre 1790 zum Fürstlich Liechtensteinischen Architekten auf und heiratete 1793 die verwitwete Elisabeth Marchand mit der er vier Söhne hatte. Nach dem Tod von Alois I. wurde er unter dessen Nachfolger Johann I. Josef im Jahre 1805 zum Liechtensteinischen Baudirektor ernannt. Hardtmuth zählte später zu den führenden Baukünstlern der Romantik. Die weitläufigen Liechtensteinischen Besitzungen führten den Baudirektor ins damalige Böhmen, Mähren und zurück nach Niederösterreich.[1] Er war mit Umbauten von Wirtschaftsgebäuden und Schlössern, der Errichtung von Schulen und Patronatskirchen und anderen Baumaßnahmen wie der Anlage und Ausgestaltung der Landschaftsgärten beschäftigt. So errichtete er Obelisken, Triumphbögen, Obelisken, exotische Bauwerke, künstliche Ruinen und ähnliche Bauwerke. Im Jahre 1811 kam es zu einem Bauunfall, als auf dem Kleinen Anninger während des Bauens ein Aussichtsturm einstürzte. Dieser Vorfall führte zu einer Trübung des Verhältnisses von Hardtmuth zu Johann I. Josef in dessen Folge Hardtmuth im Jahre 1812 seinen Dienst als Baudirektor beendete.[2]

Der Erfinder

Berühmt wurde Hardtmuth nicht nur durch seine architektonischen Leistungen, sondern auch durch seine Erfindungen, die während seiner Tätigkeit als Liechtensteinischer Baudirektor nur teilweise entwickelt werden konnten. Viele seiner Erfindungen und Patente entstanden aus dem Suchen nach der Nutzung von Materialien im Arbeitsprozess und deren effizienter Handhabung. So hatte er bereits im Jahre 1802 eine maschinelle Steinpresse zur Produktion von Steinquadern für den Bau der Tiergartenmauer in Valtice konstruiert. Im Jahre 1789 erfand er eine neue Art von Steingut für die Geschirrerzeugung, das sogenannte Wiener Steingut.[3]und 1810 den künstlichen Bimsstein, Jahre später das sogenannte Steingeschirr, welches zu Mörsern, Trichtern usw. verarbeitet wird, sowie eine elastische, unzerbrechliche Schreibtafel.

Der Fabrikant
Die Fabrik in Budweis

1792 gründete Hardtmuth eine Bleistiftfabrik in Wien, nachdem es ihm gelungen war, aus Ton und Graphitpulver künstliche Bleistiftminen herzustellen. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten Bleistiftminen aus wesentlich teureren, ganzen Graphitstücken geschnitten werden, die aus England importiert wurden. Darüber hinaus war es ihm durch unterschiedliche Mischungsverhältnisse möglich, Bleistifte in 6 verschiedenen Härtegraden anzubieten. 25 Jahre später stellte seine Fabrik knapp 2,5 Millionen Bleistifte pro Jahr her, was damals 15 % des Weltbedarfs entsprach. Sein Unternehmen existiert in Tschechien als Koh-i-Noor Hardtmuth bis heute. Die österreichische Koh-i-Noor Hardtmuth AG ging 1996 in Konkurs; ihre Produktion wurde von der Firma Cretacolor übernommen.

Im Jahre 1798 ließ sich Hardtmuth das Wiener Steingut patentieren nachdem er bereits drei Jahre vorher eine Steingutgeschirrfabrik am Alserbach in Wien gegründet hatte.[3]

Hardtmuth machte sich zudem als Mäzen einen Namen: Im musischen Bereich förderte er Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert sowie Repräsentanten der Wiener Hausmusik. Er starb an Brustwassersucht und wurde auf dem alten Währinger Friedhof neben Schubert und Beethoven bestattet. Seine Söhne Ludwig und Carl übernahmen im Jahre 1816 nach dem Tod des Vaters die Firmen und bauten sie weiter aus. Nach der Auflassung des Währinger Friedhofes wurde der Grabstein von Joseph Hardtmuth nach Budweis auf den Loduser Friedhof transferiert.

1894 wurde die Hardtmuthgasse in Wien-Favoriten nach ihm benannt. An seinem Geburtshaus in Asparn an der Zaya erinnert eine Gedenktafel an Joseph Hardtmuth.[4]

Bauwerke[Bearbeiten]

Werkliste (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Wien, Palais Liechtenstein, 1789-91 (Umbau mit J. Meißl, Fassade und Innengestaltung), abgebrochen 1913-17
  • Mödling, Schwarzer Turm, 1810
  • Husarentempel am kleinen Anninger bei Mödling in seiner Urversion, der aber im Folgejahr zerstört wurde
  • Minarett in Eisgrub (Lednice, Tschechische Republik), 1798-1802
  • Hansenburg in Eisgrub (Lednice, Tschechische Republik), 1801-02
  • Dianatempel (Rendez-vous) in Feldsberg (Valtice, Tschechische Republik), Bau durchgeführt von Joseph Kornhäusel, 1810-1812
  • Raistenkolonnade in Feldsberg (Valtice, Tschechische Republik), 1810-12
  • Jagdschloss Pohanska in Lundenburg (Břeclav, Tschechische Republik), 1810-12

Abbildungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Har(d)tmuth Joseph. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 187.
  • Gustav Otruba: Hardtmuth Josef. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 669 f. (Digitalisat).
  • Gustav Wilhelm: Joseph Hardtmuth 1758-1816. Architekt und Erfinder. Böhlau, Wien 1998, ISBN 978-3205053231.
  • Die keramische Bleistiftmine. Zum 200. Geburtstag von Joseph Hardtmuth. in: Blätter für Technikgeschichte. 20. Heft. Forschungsinstitut für Technikgeschichte, Technisches Museum für Industrie und Gewerben in Wien. Springer Verlag, 1958. S. 43-52.
  • Helmut Karl Rester, Koh-i-noor Hardtmuth AG: Joseph Hardtmuth: 13. 02. 1758 - 23. 05. 1816: Erfinder, Fabrikant und Architekt, ein Sohn Asparns a.d. Zaya (zum 200. Firmenjubiläum 1790 - 1990), Zeitgeschichtl. Dokumentationsarchiv Asparn an d. Zaya, 1990
  • Heinrich Kábdebo: Hardtmuth, Joseph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 10, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 597.
  •  Freya Martin: Das etwas andere Weinviertel. Styria, Wien – Graz – Klagenfurt 2013, ISBN 978-3-7012-0131-0, S. 90–93.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joseph Hardtmuth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das etwas andere Weinviertel S. 91
  2. Vita von Joseph Hardtmuth im Architektenlexikon abgerufen am 20. Februar 2014
  3. a b Das etwas andere Weinviertel S. 92
  4. Das etwas andere Weinviertel S. 93