Josip Broz Tito

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Josip Broz Tito (1961)
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Josip Broz Tito Aussprache?/i (serbisch-kyrillisch Јосип Броз Тито) (* 7. Mai 1892 als Josip Broz in Kumrovec, Österreich-Ungarn; † 4. Mai 1980 in Ljubljana, Jugoslawien) war ein jugoslawischer kommunistischer Politiker und als Generalsekretär des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, Ministerpräsident und Staatspräsident von 1945 bis 1980 der langjährige diktatorische Staatschef Jugoslawiens.

Das Pseudonym Tito nahm Josip Broz 1934 an, als er Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei Jugoslawiens wurde und in den politischen Untergrund ging.

Als Marschall führte Tito im Zweiten Weltkrieg die kommunistischen Partisanen im Kampf gegen die deutschen und italienischen Besatzer Jugoslawiens sowie die faschistischen Ustascha und die königstreuen Tschetniks. Nach dem Krieg wurde er zunächst Ministerpräsident (1943–63) und schließlich Staatspräsident (1953–80) seines Landes; ein Amt, das er bis zu seinem Tod bekleidete. Er verfolgte eine von der Sowjetunion unabhängige Politik und galt seit den 1950er Jahren als einer der führenden Staatsmänner der Bewegung der Blockfreien Staaten. Um ihn wurde ein intensiver Personenkult betrieben.

Leben[Bearbeiten]

Jugend und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Titos Geburtshaus in Kumrovec
Josip Broz (1911)

Josip Broz entstammte einer kleinbäuerlichen Familie im kroatischen Kumrovec, das zur Zeit seiner Geburt zu Österreich-Ungarn gehörte. Sein Geburtshaus ist heute Bestandteil des Freilichtmuseums Etno-selo Kumrovec. Sein Vater Franjo war ein Kroate, dessen Vorfahren aus dem damals ebenfalls zu Österreich-Ungarn gehörenden Welschtirol (heute Trentino, Italien) eingewandert waren, seine Mutter Marija war Slowenin. Er war das siebte Kind der Familie.

Er absolvierte eine Schlosserlehre in Sisak und trat 1910 in die Sozialdemokratische Partei Kroatiens und Slavoniens ein. Er arbeitete als Metallarbeiter in Zagreb, Kamnik, in der Autofabrik Laurin & Klement in Mladá Boleslav und im Deutschen Reich, um 1911 unter anderem bei Benz & Cie. in Mannheim.[1][2] Später arbeitete Tito als Einfahrer bei Daimler in Wiener Neustadt und wohnte bei seinem Bruder in Neudörfl.

1913 wurde Broz in die österreichisch-ungarische Armee eingezogen. Als im Jahr darauf der Erste Weltkrieg ausbrach, kam er zunächst als Artillerie-Unteroffizier an die Front gegen Serbien. 1915 geriet er an der Ostfront in russische Kriegsgefangenschaft. Die ihm zugesprochene Silberne Tapferkeitsmedaille konnte ihm nicht mehr überreicht werden.

Während der Februarrevolution 1917 wurde Broz aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kam im Juni nach Petrograd, wo er sich politisch betätigte. Broz wurde Zeuge der Oktoberrevolution und trat in jenen Tagen in die Rote Garde (Rote Armee) ein. Auf ihrer Seite kämpfte er im Bürgerkrieg zwischen den Bolschewiki und ihren Gegnern.

1920 kehrte er in seine Heimat zurück, die nun zum neu geschaffenen Königreich Jugoslawien gehörte.

In der Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Broz schloss sich nach seiner Heimkehr der Kommunistischen Partei Jugoslawiens (KPJ) an. Als Schmied und Schlosser ausgebildet, benutzte Broz in den zwanziger Jahren seine Kenntnisse zur Verfertigung von Nachschlüsseln und Brecheisen, wurde als Einbrecher verurteilt und kam im Jahr 1928 durch eine allgemeine Amnestie frei. Die Akten der jugoslawischen Polizei belegen seine Beteiligung an einem Raubüberfall in dem Dorf Kaiserica bei Zagreb (heute Stadtteil von Zagreb) im Februar 1935, bei dem einige Landgendarmen verwundet wurden und einer ums Leben kam. Sie belegen ferner die Beteiligung von Josip Broz an einer Geldfälscherbande. Der Staatsanwalt in Zagreb ließ Broz wegen der Fälschung von 733 Stück jugoslawischer 50-Dinar-Noten verfolgen. 1927 wurde er zum Sekretär der Metallarbeitergewerkschaft gewählt. Da die KPJ damals verboten war, wurde er wegen politischer Agitation mehrmals inhaftiert, zuletzt von 1928 bis 1934. Nach seiner Entlassung emigrierte er nach Paris, wurde aber noch im selben Jahr in das Zentralkomitee des Politbüros der KPJ gewählt.

In den Jahren von 1936 bis 1938 engagierte sich Tito (wie er sich ab 1934 nannte) auf der Seite der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg, wo er der Verantwortliche für die Einschleusung von 11.000 Jugoslawen nach Spanien war, die bis auf einen Rest von weniger als 1.000 Menschen später nicht mehr nach Jugoslawien zurückkehrten. Tito war an der Seite des französischen Kommunistenführers André Marty in Albacete, Spanien, an der militärischen Schulung der Kommunisten der Internationalen Brigaden beteiligt. Nach blutigen Parteisäuberungen, denen auch der Generalsekretär der KPJ Milan Gorkić zum Opfer fiel, wurde Tito 1937 von der Komintern zu dessen Nachfolger ernannt, da er als zuverlässiger Anhänger Stalins galt. 1940 wurde er in dieser Funktion durch eine konspirative Nationalkonferenz seiner Partei in Zagreb bestätigt.[3]

Partisanenführer im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Tito und Churchill (1944)

Am 25. März 1941 unterzeichnete die Regierung Cvetković den Beitritt zum Dreimächtepakt. In der zweiten Nacht darauf vollzog sich in Belgrad der Putsch unter Führung des Generals Dušan Simović, der mit den Westmächten sympathisierte. Nachdem Deutschland Jugoslawien im April 1941 überfallen hatte (Balkanfeldzug), lebte Tito zunächst von den Deutschen unbehelligt weiterhin im Belgrader Villenviertel. Erst nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion musste er untertauchen und organisierte den bewaffneten Widerstand der jugoslawischen Kommunisten gegen die deutschen und italienischen Besatzer in Form des Partisanenkrieges.

Während des Krieges gelang es den kommunistischen Partisanen Jugoslawiens unter der Führung Titos, sich gegen die Besatzer und die mit ihnen verbündete faschistische Ustascha-Bewegung aus Kroatien durchzusetzen. Dabei wurde er erst nach der Konferenz von Teheran durch die Alliierten unterstützt. Vor allem in Serbien kämpften sie gegen die zunächst kollaborierenden Tschetnik-Freischärler. Die Volksbefreiungsarmee (Narodnooslobodilačka vojska/armija), wie die Partisanen sich nannten, konnte sich als politisch einflussreichste Gruppe etablieren. Während des Widerstandskampfes wurde Tito zum Marschall ernannt und stand ab dem 29. November 1943 an der Spitze des Antifaschistischen Rates der Nationalen Befreiung (AVNOJ), der eine provisorische Regierung bildete und weite Teile des besetzten Landes kontrollierte.

Seit Ende 1944 übte der Antifaschistische Rat die Macht in ganz Jugoslawien aus. Er wurde auch von den Alliierten anerkannt und vor allem vom britischen Premier Churchill unterstützt. Bereits während des Krieges zielte Titos Diplomatie darauf ab, ein Gleichgewicht zwischen den Westmächten und der Sowjetunion zu halten.

Der Staatschef der Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach Kriegsende ließ sich Tito in einer Volksbefragung den Machterhalt bestätigen. Am 29. November 1945 wurde er Ministerpräsident der Volksrepublik Jugoslawien. Bis 1953 betrieb er mit Hilfe der Nationalen Volksbefreiungsfront und der KPJ die Umwandlung Jugoslawiens in einen realsozialistischen Staat.

Dabei setzte er auch Repressionen ein. Zahlreiche politische Gegner, vor allem Stalinisten, wurden in den folgenden Jahren inhaftiert, vor allem auf der Gefängnisinsel Goli Otok.
Entgegen seiner Anweisung, keine Kriegsgefangenen zu exekutieren, sondern vor ein Militärgericht zu stellen, geschah in der unmittelbaren Nachkriegszeit beispielsweise das Massaker von Bleiburg.[4][5] Laut Rudolph Joseph Rummel fielen Titos Regime im Zeitraum von 1944 bis 1987 insgesamt etwa 1,072 Millionen Menschen zum Opfer.[6]

In Jugoslawien waren nur wenige Truppen aus der Sowjetunion stationiert, hauptsächlich in Belgrad selbst und in der Vojvodina. Dies ermöglichte Tito eine auf Unabhängigkeit und Gleichberechtigung beruhende Außenpolitik, zu der auch eigenständige Beziehungen zum Westen gehörten.

Zudem nahm er für Jugoslawien in Anspruch, einen eigenen Weg zum Sozialismus zu gehen, der im Kern ein gewisses Maß an Selbstverwaltung der Betriebe vorsah. Dieser so genannte Titoismus brachte das Land in Gegensatz zu den sowjetischen Hegemoniebestrebungen und führte 1948 zum Bruch zwischen Tito und Stalin. Die Auseinandersetzung wurde mit erbitterter Härte geführt. Stalin versuchte vergeblich, die jugoslawische Partei gegen Tito aufzuhetzen, und drohte ihm in der Prawda öffentlich mit Mord (das Schicksal Trotzkis ist lehrreich, konnte man dort in Bezug auf Tito lesen). Die Einladung Stalins, in Moskau die Differenzen „freundschaftlich“ zu besprechen, lehnte Tito folglich ab. Am 29. November 1949 riefen die Kominform-Mitglieder offen zum Sturz von Tito und zum Kampf gegen den Titoismus auf. Im Zuge der Entstalinisierung nach Stalins Tod unter Nikita Chruschtschow (1956) und der Auflösung des Kominform normalisierten sich die Beziehungen mit der Sowjetunion wieder.

Nach der Annahme einer neuen Verfassung im Jahr 1953 wurde Tito am 14. Januar 1953 in das Amt des Staatspräsidenten gewählt, das er ab 1963 auf Lebenszeit innehatte. Er setzte sich für die Gleichberechtigung der Staaten, die friedliche Koexistenz der Blöcke und die Entwicklungsländer ein. Zusammen mit dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser, dem indischen Premierminister Jawaharlal Nehru sowie dem indonesischen Präsidenten Sukarno, gehörte er zu den Protagonisten einer Politik der Blockfreiheit. Diese wurde mit der Gründung der Bewegung der Blockfreien Staaten institutionalisiert. Durch sein Charisma und seine auf Ausgleich zielende Politik erwarb er sich auch außerhalb Jugoslawiens besonderes Ansehen. Er war einer der angesehensten Vertreter der blockfreien Staaten. 1967, nach dem Sechstagekrieg, fror Tito die diplomatischen Beziehungen zu Israel ein.[7]

Josip Broz Tito (1971)

Innenpolitisch verfolgte Tito weiterhin einen autoritären Regierungsstil, obwohl es nach der Absetzung des Sicherheitschefs Aleksandar Ranković 1966 zu einer deutlichen Liberalisierung der jugoslawischen Gesellschaft kam, die sich z. B. in einer relativen Freiheit von Kunst und Kultur ausdrückte. Den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die ČSSR 1968 verurteilte Tito scharf, was sein Image im westlichen Ausland zusätzlich verbesserte. Im Jahr 1971 wandte er sich gegen nationalistische Demonstrationen in Kroatien. Auf diesen so genannten Kroatischen Frühling reagierte Tito mit Massenverhaftungen, da er den Kern des jugoslawischen Sozialismus, die „Brüderlichkeit und Einheit“ (Bratstvo i Jedinstvo) angegriffen sah. Die Ereignisse führten dazu, dass Jugoslawien 1974 auf Initiative Titos eine neue Verfassung erhielt, die den Föderalismus stärker betonte. Dies war, neben einer neuen Aufteilung der erwirtschafteten Devisen, eine der Forderungen des Kroatischen Frühlings gewesen. Gleichzeitig wurde durch die Verfassung von 1974 die Stellung des Staatspräsidenten gestärkt, da Tito uneingeschränkte Vollmachten als Staatsoberhaupt auf Lebenszeit eingeräumt wurden. Die neue Verfassung legte ausdrücklich fest, dass der Staatspräsident keinem anderen staatlichen Organ gegenüber politisch oder rechtlich verantwortlich war.

Personenkult[Bearbeiten]

Titos Regime zeichnete sich durch einen starken Personenkult aus, der sich zunächst am Stalinismus orientierte.[8] Tito wurde in staatlich kontrollierten Ritualen als Held eines nationalen Mythos gefeiert und verehrt. Eine besondere Rolle spielte dabei der 25. Mai, an dem Tito 1944 in seinem Unterschlupf bei Drvar dem Zugriff deutscher Fallschirmjäger knapp entkommen war. Dieser Tag wurde bis 1988 als der angebliche Geburtstag des Marschalls, als ein Siegestag der Partisanen und als Tag der Jugend (bis 1987 mit einem landesweiten Staffellauf unter der Bezeichnung Stafette der Jugend) begangen.[9] Bis zu Titos Tod endete er in Belgrad mit der Übergabe kunstvoll gestalteter Stafetten an ihn.[10]

In Jugoslawien waren acht Städte (in jeder Republik und autonomen Region) sowie ein Berg nach Tito benannt:

Nach dem Zerfall Jugoslawiens erhielten alle Städte wieder ihre alten Namen.

Tod und Begräbnis[Bearbeiten]

Deckplatte von Titos Sarkophag

Im Januar 1980 wurde der 87-Jährige mit einer schweren Thrombose im linken Bein in ein Krankenhaus in Ljubljana eingeliefert. Das Bein musste kurze Zeit danach amputiert werden. Tito verstarb nach monatelanger Krankheit am 4. Mai 1980 um 15.05 Uhr in Ljubljana. Bei der Überführung seines Leichnams von der Hauptstadt der Teilrepublik Slowenien nach Belgrad erwiesen ihm Millionen Menschen die letzte Ehre. Am 8. Mai wurde er um 15 Uhr Ortszeit begraben. An der Beerdigung nahmen vier Könige, fünf Prinzen, sechs Parlamentspräsidenten, 31 Staatspräsidenten, 22 Premierminister und 47 Außenminister teil, darunter Helmut Schmidt, Saddam Hussein, Jassir Arafat, Leonid Breschnew und Margaret Thatcher. Insgesamt waren Gäste aus 127 Staaten anwesend. Kein anderes Begräbnis eines Staatspräsidenten im 20. Jahrhundert wurde von so vielen hochrangigen Politikern begleitet.

Tito wurde im Belgrader Mausoleum „Kuća cveća” („Haus der Blumen”) beigesetzt.[11]

Privatleben[Bearbeiten]

Ehen und Nachkommen[Bearbeiten]

  • Pelagija Belousova (Russin, 1904–1960), 1. Ehefrau.
Kinder:
  • Žarko Broz (1924–1995)
Enkel:
  • Herta Haas (Sloweniendeutsche, 1914–2010), 2. Ehefrau, lebte bis zu ihrem Tod Anfang März 2010 in Belgrad.[13]
Kinder:
Enkel:
  • Saša Broz (* 1969), Regisseurin, ehemalige Theaterdirektorin in Pula
  • Andreja Broz (* 1971), Firmeninhaberin (Combis) in Zagreb
  • Davorjanka Paunović (Serbin, 1921–1946), 3. Ehefrau, starb an Tuberkulose. Die Ehe blieb kinderlos.
  • Jovanka Budisavljević-Broz (Serbin, 1924–2013), 4. Ehefrau, die Ehe blieb kinderlos. Die ehemalige „First Lady“ Jugoslawiens trat bereits seit etwa 1977 vermutlich auf Betreiben einer Gruppe slowenischer Parteifunktionäre um Stane Dolanc und Mitja Ribičič bis zum Begräbnis Titos nicht mehr in der Öffentlichkeit auf.[14] Danach stand sie Jahre unter Hausarrest, ihr Vermögen wurde eingezogen. Sie lebte bis zu ihrem Tod zurückgezogen und in ärmlichen Verhältnissen in Belgrad.[15]

Außereheliche Beziehungen[Bearbeiten]

Titos Beziehungsleben war durch einen häufigen Wechsel der Partnerinnen gekennzeichnet. Er versprach mehreren Frauen die Ehe. Bereits den ersten Hochzeitstermin hielt er aber nicht ein und verließ seine erste Verlobte am Hochzeitstag vor der Eheschließung. Tito hatte mehrere außereheliche Kinder von mehreren Frauen.[16][17] Titos zweiter außerehelicher Sohn Hans Studer fiel als Soldat der deutschen Wehrmacht im Einsatz gegen die Partisanen Titos.

Sonstiges[Bearbeiten]

Um Tito ranken sich zahllose Legenden. Unter anderem erzählt Bruno Kreisky in seiner Autobiographie Zwischen den Zeiten von Titos Trinkfestigkeit, aber auch davon, dass er auch abseits des Protokolles noch ein halbes Jahrhundert nach Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie persönliche Bezüge zu Österreich bewahrt haben soll. Laut Kreisky soll Tito nach dem Ende des offiziellen Teiles eines Staatsbankettes seine Dolmetscher ins Hotel geschickt und dann mit Kreisky in österreichischem Deutsch und gelöster Atmosphäre geplaudert haben.

Zu Titos Sprachkenntnissen bemerkt Milovan Đilas, dieser habe trotz seiner geringen Schulbildung leicht Fremdsprachen gelernt. Während des Ersten Weltkrieges habe er Russisch, nach dem Bruch mit der Sowjetunion 1948 Englisch gelernt. Auch erwähnt er die guten Deutschkenntnisse Titos. Im Kroatischen habe er jedoch lange Zeit Probleme mit der Rechtschreibung gehabt und serbische und kroatische Ausdrücke durcheinander verwendet. Vor allem aber habe er in seinen Reden russische Fremdwörter verwendet, „und da er, wie es die Art der Menschen aus der Zagorje ist, die Worte langzog, erweckte er bei den Menschen, die ihn nicht kannten, den Verdacht, keiner der Unseren, sondern ein Russe zu sein.[18]

Tito hatte sich die Adriainsel Brijuni zur Präsidentenresidenz und zu einem zweiten Regierungssitz ausbauen lassen.[19] Eine Zeit lang war es bei Staatsbesuchen üblich, Tito als Geschenk Tiere für seinen Privatzoo mitzubringen. Einige Nachkommen dieser Gastgeschenke bevölkern heute das Naturschutzgebiet auf der Insel Brijuni. Daneben hatte er noch einen Wohnsitz bei Bled in der damaligen Teilrepublik Slowenien.

Titos blauer Sonderzug (2013)

Für Titos Sonderzug aus blauen Wagen wurden spezielle Lokomotiven vorgehalten, zunächst drei blau gestrichene Schnellzug-Dampflokomotiven der jugoslawischen Baureihe 11 (Nachbauten der MÁV-Baureihe 424). In den 1960er Jahren kaufte die Jugoslawische Staatsbahn hierfür drei blaue Diesellokomotiven des Typs ML 2200. Tito verfügte auch über zwei dieselmechanische Salontriebwagen der italienischen Firma Breda aus der Vorkriegszeit. Im Frühjahr 1961 erhielt Tito den modernen hochmotorisierten Salontriebwagen MOT 410. Seit 1952 nutzte er die Galeb als Staatsyacht.

Als Titos Leben verfilmt werden sollte, wurde mit Richard Burton ein westlicher Spitzendarsteller verpflichtet. Während der Dreharbeiten des Filmes (ursprünglicher Titel: The Battle of Sutjeska, später in The Fifth Offensive umbenannt) kam es zu einer Begegnung mit dem Schauspieler, dem – wie Tito – der Ruf der Trinkfestigkeit vorauseilte.

In Teilen der Bevölkerung der ehemaligen jugoslawischen Republiken wird Tito weiterhin verehrt. In seinem Geburtsort Kumrovec in Kroatien wurde ein Tito-Museum mit angegliedertem Bildungszentrum eingerichtet.

Nachdem die meisten der früher nach Tito benannten Straßen und Plätze in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens anfang der 1990er Jahre umbenannt worden waren, wurde 2009 in Ljubljana wieder eine Straße nach Tito benannt, was in einer Meinungsumfrage von 60 % der Einwohner gutgeheißen wurde. Aufgrund einer Klage der Jugendorganisation der konservativen Partei Neues Slowenien verbot das Verfassungsgericht Sloweniens jedoch die Neubenennung von Straßen nach Tito, da dies als Befürwortung von dessen totalitärem Regime verstanden werden könne. Das Urteil wurde von Mitgliedern der Socialni demokrati, des Partisanenverbandes, sowie von dem Historiker Jože Pirjevec kritisiert, da es die Rolle Titos bei der Befreiung Sloweniens vom Faschismus ignoriere.[20]

Ursprung des Namenszusatzes „Tito“[Bearbeiten]

Über den Ursprung des Namenszusatzes „Tito“ herrscht nach wie vor Unklarheit. Einer volkstümlichen Erklärung zufolge sei der Zusatz durch die Verbindung von zwei Wörtern entstanden: ti (dt. „Du“) und to (dt. „dies“ bzw. „das“). In der volkstümlichen Überlieferung wird erwähnt, dass Josip Broz in den hektischen Kriegsjahren diese Worte häufig in seinen Kommandos benutzt haben soll. Dabei soll er zunächst auf die betreffende Person gezeigt haben und dann auf die konkrete Aufgabe. Übersetzt würde der Befehl folgendermaßen lauten: „Du (tu) dies und du (tu) das!“ Diese These wird im 1949 erschienenen Werk Eastern Approaches von Fitzroy Maclean erwähnt.

Tito ist überdies ein alter, heutzutage jedoch recht unüblicher Name kroatischen Ursprungs, welcher sich auf den einstigen römischen Kaiser Titus bezieht.[21] Titos Biograph Vladimir Dedijer behauptete, dass dieser Name auf den kroatischen Schriftsteller der Romantik Tituš Brezovački zurückzuführen sei. Der Name war jedoch in Titos Ursprungsgegend, dem kroatischen Zagorje, allgemein geläufig. Josip Broz selbst bestätigte in einem handschriftlichen Vermerk, dass dieser Name sehr typisch für seine Region war, und fügte hinzu, dass dies auch der Hauptgrund war, weshalb er diesen Namen zwischen 1934 und 1936 annahm (das besagte Dokument befindet sich im Archiv der Kommunistischen Partei Jugoslawiens). Josip Broz verwendete zuvor in Dokumenten mit innerstaatlichem Bezug den Spitznamen „Rudi“, bei internationalen Angelegenheiten wiederum den Spitznamen „Walter“. Rodoljub Čolaković hingegen verwendete damals bereits den Spitznamen „Rudi“. Daher soll Tito diesen durch „Tito“ ersetzt haben.[22]

Eine aktuelle Theorie wurde vom kroatischen Journalisten Denis Kuljiš (Journalist bei der Wochenzeitschrift Globus) aufgeworfen. Dieser soll Informationen von einem Nachfahren von Baturin, einem Spion der Komintern, der in den 1930er Jahren in Istanbul operiert haben soll, erhalten haben. Baturin soll von einem Code-System berichtet haben, das von Josip Broz verwendet worden sein soll. Josip Broz soll einer seiner Agenten gewesen sein, dessen geheime Spitznamen angeblich stets auf Pistolenbezeichnungen beruhten. Broz selbst soll bestätigt haben, dass er den Spitznamen „Walter“ verwendet hatte, welcher wohl auf die deutsche Pistole Walther PPK zurückzuführen ist. Baturin zufolge war einer seiner letzten Spitznamen „TT“, der von der sowjetischen Pistole TT-33 abgeleitet war. Angeblich sollen nach Broz' Rückkehr nach Jugoslawien zahlreiche Dokumente der Kommunistischen Partei mit diesem Pseudonym unterzeichnet worden sein. Kuljiš zufolge soll sich die Bezeichnung „TT“ (im Kroatischen als „te te“ ausgesprochen) nach einigen Jahren zu „Tito“ gewandelt haben.[23]

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten]

Innen- wie außenpolitisch gehörte das Sammeln von Orden für Tito zur jugoslawischen Staatspolitik. Innenpolitisch konnte der Staat damit Errungenschaften und Jubiläen feiern, bei denen Tito die Hauptrolle spielte, weil es diese ohne ihn möglicherweise nicht gegeben hätte. So machte der Sozialistische Bund des werktätigen Volkes Jugoslawiens (SSRNJ)[24] noch kurz vor Titos Tod den (verschwiegenen) Vorschlag, ihm einen vierten Orden des Volkshelden, wegen seiner „erfolgreich überstandenen Operation“, zu verleihen. Außenpolitisch gehörte der Ordenstausch bei Staatsbesuchen oder -empfängen in der Regel zur verabredeten Pflicht. Tito wurde durch diese Praxis zu dem Staatsmann mit den meisten Orden.[25]

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Josip Broz Tito – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulla Hoffmann: Wo Jugoslawiens Staatschef am Schraubstock stand. In: IHK – Wirtschaftsmagazin Rhein-Neckar 7/8. 2008, S. 41–42.
  2. M. Roth: Titos Lehrjahre als Schlosser beim Benz. In: Bergsträßer Anzeiger vom 28. Januar 2011.
  3. Adam Bruno Ulam, Tito, Titoismus, in: Sowjetsystem und demokratische Gesellschaft. Eine vergleichende Enzyklopädie, Bd. VI, Herder, Freiburg, Basel und Wien 1972, Sp. 451 f.
  4. Jacques Sémelin: Säubern und Vernichten. Die politische Dimension von Massakern und Völkermorden. Hamburg 2007, S. 24.
  5.  Sabrina P. Ramet, Davorka Matić: Democratic transition in Croatia: value transformation, education & media. Texas A&M University Press, 2007. S. 274.
  6. http://www.hawaii.edu/powerkills/20TH.HTM
  7.  Teddy Preuss: Allianz der Opfer. In: Die Zeit. Nr. 25, 17. Juni 1994 (online, abgerufen am 15. Oktober 2013).
  8. Petra Bock und Edgar Wolfrum: Umkämpfte Vergangenheit. Geschichtsbilder, Erinnerung und Vergangenheitspolitik im internationalen Vergleich. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1999, S. 216.
  9. Elmir Camic, Tito als politischer Held, in: Peter Tepe, Thorsten Bachmann et al. (Hrsg.), Mythos No. 2. Politische Mythen, Königshausen & Neumann, Würzburg 2006, S. 194–213.
  10. Weißer Riese. In: Der Spiegel, 21/1984, abgerufen am 25. Mai 2011
  11. knerger.de: Das Grab von Josip Broz Tito
  12. Titos Enkel will Kommunisten in Serbien vereinigen Meldung auf orf.at, abgerufen am 26. November 2009.
  13. Ehemalige Frau Titos in Belgrad gestorben. In: Der Standard vom 9. März 2010.
  14. Vgl. dazu http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40749032.html, http://www.politika.rs/ilustro/2409/2.htm, http://www.cafe.ba/vijesti/20277_Progovorila-Jovanka-Broz-Dolanc-je-sve-smislio.html, http://www.vecer.si/clanek2007051905204877, M. Đilas: Tito, S. 271; R. West: Tito, S. 329 f.
  15. sueddeutsche.de: Nachruf
  16. http://www.titoville.com/women.html
  17. Martin Rath, Parlamentarier sind keine Affen & andere normative Ideen, Legal Tribune vom 3. Februar 2013[1]
  18. Milovan Đilas, Tito. Eine kritische Biographie, 1980, S. 15-18. Zum Dialekt der Zagorje siehe Kajkavisch.
  19. Inside Tito's luxury playground, Frank Partridge, BBC Radio 4, 8. August 2009
  20. Verfassungsgericht verbietet Tito-Straße (orf.at, 5. Oktober 2011, abgerufen am 8. Oktober 2011)
  21. Gerhard Herm: Der Balkan. Das Pulverfaß Europas. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf / Wien / New York / Moskau, 1993, S. 315. ISBN 978-3-430-14445-2
  22. Male Novine, Titovim Stazama Revolucije, Special edition, 1977, S. 96.
  23. fehlende Quelle
  24. In der deutschen Übersetzung des Buches von Đilas vereinfacht als „Sozialistischer Bund der Nationalen-Front-Organisation“ übersetzt.
  25. Milovan Đilas: TITO: Eine kritische Biographie. Molden, Wien 1980, S. 209. ISBN 3-217-01158-9
  26. Jean Schoos: Die Orden und Ehrenzeichen des Großherzogtums Luxemburg und des ehemaligen Herzogtums Nassau in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag der Sankt-Paulus Druckerei AG. Luxemburg 1990. ISBN 2-87963-048-7. S. 344.
  27. Badurina, Berislav; Saračević, Sead; Grobenski, Valent; Eterović, Ivo; Tudor, Mladen (1980). Bilo je časno živjeti s Titom. Vjesnik. p. 102.