Josippon

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Josippon (1546)

Josippon (auch: Josephon) ist ein im Jahr 953 von einem anonymen jüdischen Verfasser in Süditalien niedergeschriebenes hebräisches Volksbuch.

Charakterisierung[Bearbeiten]

Es stellt eine Nacherzählung des „Jüdischen Krieges“ (De Bello Judaico) von Josephus (ergänzt durch Hegesipp und einige andere Texte) dar: eine Geschichte der Juden vom Fall Babylons bis zur Zerstörung des (Zweiten) Tempels in Jerusalem.

Das Werk wurde fälschlich dem jerusalemitischen Patrizier zur Zeit des großen Aufstandes gegen die Römer, Josef ben Gorion (hingerichtet 68 n. Chr.), und nochmals fälschlich wegen der Identifizierung des einen mit dem anderen dem Flavius Josephus selbst zugeschrieben und damit zum Pseudepigraphen gemacht, obwohl der Verfasser seine Abhängigkeit von Josephus klar zu erkennen gibt.

In sehr lebendigem Hebräisch verfasst, mit Fabeln und Märchen durchsetzt, erschien das Werk in unzähligen Auflagen. Neben dem so genannten Vulgärtext existieren eine weitere hebräische Rezension sowie verschiedene arabische Versionen; sodann wurde das Werk auch stark erweitert, u. a. durch eine hebräische Fassung des Alexanderromans.

Völkerliste[Bearbeiten]

In § 10 des Abschnittes Genesis zählt der Verfasser neben anderen auch zahlreiche Völker seiner Zeit, das heißt des frühen 10. Jahrhunderts, auf.
Es sind unter anderem Angeln, Sachsen, Bulgaren, Ungarn, Petschenegen sowie Morava Mährer, Karvati Chorwaten, Sorbin Sorben, Lutschanin Lutizen, Ljachin Lachen, Krakar Krakauer, Bojmin Böhmen, Dodanin Dadosanen, Russen am Fluss Kiva (der Dnepr in Kiew?) am Meer Gurgan (Kaspisches Meer).[1][2]

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Erstdruck Mantua 1480
  • Flusser, David (Hg.): ספר יוסיפון, סדור ומוגה על־פי כתבי־יד בלוויית מבוא, ביאורים וחילופי גרסאות [The Josippon [Josephus Gorionides], edited with an Introduction, Commentary and Notes]. 2 Bde. Jerusalem 1978–80.

Lateinische Übersetzung[Bearbeiten]

  • Jean Gagnier: Josippon sive Josephi ben-Gorionis historiae Judaicae libri sex ex Hebraeo Latine vertit, praefatione et notis illustravit Johannes Gagnier. Oxford 1706.
  • Johann Friedrich Breithaupt: Josephus Gorionides sive Josephus Hebraicus accessit .... Gotha 1707.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leopold Zunz: Gottesdienstliche Vorträge. 146-154.
  • Julius Wellhausen: Der arabische Josippus. Kraus Reprint, Nendeln 1970 (Nachdr. d. Ausg. Berlin 1897).
  • Günter Stemberger: Einführung in Talmud und Midrasch. 7. Aufl., C. H. Beck, München 1982, S. 299/300
  • Dagmar Börner Klein, Beat Zuber: Josippon: Jüdische Geschichte vom Anfang der Welt bis zum Ende des Aufstands gegen Rom Hebräisch-Deutsche Textausgabe. Marix Verlag, 2010.
  • David Flusser: Josippon. In: Encyclopaedia Judaica. 2. Auflage. Band 11, Detroit/New York u.a. 2007, ISBN 978-0-02-865939-8, S. 461–462 (englisch).
  • Saskia Dönitz: Überlieferung und Rezeption des Sefer Yosippon. Mohr Siebeck, Tübingen 2013, ISBN 978-3-16-152663-3

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Gustav Flusser, Zpráva o Slovanech v hebrejské kronice z 10. století, ČČH 48-49, 1947–1948, Teil 1, S. 239
  2. Die Umschrift aus dem hebräischen Text kann die Vokale a, e nur vermuten, o und u sind durch denselben Buchstaben ausgedrückt, deshalb ist die Transkription nur ungefähr möglich