Jost Vacano

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Jost Vacano mit Ehefrau Dagmar (2011)

Jost Vacano (* 15. März 1934 in Osnabrück) ist ein deutscher Kameramann, der durch seine Kameraarbeit für den Film Das Boot und für eine Reihe von US-amerikanischen Filmen des Regisseurs Paul Verhoeven international bekannt geworden ist.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Einweihung seines Stars auf dem Boulevard der Stars (2011)

In Anschluss an sein Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität München und einen Besuch des Deutschen Institut für Film und Fernsehen begann die Kamerakarriere Jost Vacanos Mitte der 1950er Jahre mit Werbe- und Dokumentarfilmen. So hat er in dieser Zeit unter anderem unter der Regie von Peter Schamoni am Dokumentarfilm Moskau 1957 über die Weltjugendfestspiele in Moskau mitgewirkt.

Nach einigen Fernsehfilmen, an denen er – u. a. unter der Regie von Peter Zadek – als Kameramann beteiligt gewesen war, war die Literaturverfilmung Schonzeit für Füchse (1966, Regie: Peter Schamoni) sein erster Kinofilm. Auch in den folgenden Jahren hat Vacano mit bekannten Regisseuren zusammengearbeitet: Unter anderem für die Tatort-Folge Kressin und der tote Mann im Fleet und Deutschstunde mit Peter Beauvais sowie für Supermarkt und Lieb Vaterland magst ruhig sein (Filmband in Gold für die Kamera) mit Roland Klick.

In der ersten Reihe der deutschen Kameramänner ist Vacano spätestens im Jahr 1975 durch die Bildgestaltung von Die verlorene Ehre der Katharina Blum angekommen. Hierfür ist er mit dem Deutschen Filmpreis geehrt worden. Lorbeeren konnte er im Jahr 1981 dann auch auf internationalem Parkett ernten: Zu den insgesamt sechs Oscar-Nomierungen für die Kinofassung von Das Boot gehörte auch eine Nominierung für Vacanos Kameraführung.

Die Zusammenarbeit mit Das Boot-Regisseur Wolfgang Petersen hat er im Jahr 1984 mit der Kameraarbeit für Die unendliche Geschichte fortgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war man allerdings auch bereits in den USA verstärkt auf ihn aufmerksam geworden. Dies gilt insbesondere für den dort etablierten niederländischen Regisseur Paul Verhoeven, für den Vacano bereits 1977 bei Der Soldat von Oranien und 1980 bei Spetters gearbeitet hatte. Unter der Regie von Verhoeven war er zunächst für die Bilder von RoboCop (1987) zuständig. Eine Kooperation, die sich anschließend für den Schwarzenegger-Film Die totale Erinnerung – Total Recall (1990), die an den US-amerikanischen Kinokassen gefloppte Produktion Showgirls (1995), den äußerst kontrovers aufgenommenen Film Starship Troopers (1997) sowie Hollow Man – Unsichtbare Gefahr (2000) fortsetzen sollte. Der zuletzt genannte Film markiert zugleich das vorläufige Ende der Liste von Produktionen, an denen Jost Vacano bisher beteiligt war.

Vacanos Bildgestaltung war bereits zu Beginn seiner Karriere durch eine extrem umtriebige Kameraführung geprägt. Diesen Stil, der insbesondere auf die Arbeit mit einer Handkamera oder Steadicam setzt, hat er im Laufe der Jahre weiter entwickelt bzw. perfektioniert. Einen vorläufigen Höhepunkt bildeten die Kamerabewegungen in Das Boot, die entlang der Längsachse des U-Bootes verliefen. Vacano verwendete für diese Fahrten ein selbstgebautes Gyroskop, um die Kamera wackelfrei durch die Bootskulisse zu tragen.[1] Diese Technik entwickelte Vacano 1973 in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Roland Klick für den Film Supermarkt. Die dynamische Joosticam, wie Vacanos Steadicam in Hollywood genannt wurde, ist wesentlicher Bestandteil des Filmes, da sie auf diese Weise den Zustand des ständig auf der Flucht befindlichen Hauptdarstellers am besten ausdrückt.

Getreu dem Motto „Motion Pictures – das sind bewegte Bilder“ hat er auch in den folgenden Jahren großen Wert darauf gelegt, dynamische Bilder zu liefern. Vacano ist heute auch als Dozent in der Ausbildung des Kamera-Nachwuchses engagiert.[2][3]

Seit 2008 führt Vacano einen Rechtsstreit bezüglich eines Fairnessausgleichs gem. § 32a UrhG wegen des außerordentlichen Erfolgs des Films Das Boot. 2009 und 2010 wurde bereits in zwei Verfahren zugunsten von Vacano entschieden.[4][5] Anhängig sind derzeit noch das Revisionsverfahren vor dem BGH gegen die Produktionsgesellschaft Bavaria und den WDR[6] sowie vor dem LG Stuttgart gegen den SWR und die übrigen ARD-Anstalten, eine Forderung von insgesamt 450.000 € Nachvergütung steht im Raum.[7]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marko Kregel: Jost Vacano – Die Kamera als Auge des Zuschauers. Schüren Verlag, Marburg 2005, ISBN 3-89472-395-5.
  • Peter Hartig: "Und Action..." – Interview mit Jost Vacano, in: cinearte XL 014 (2010), S. 14-31.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jost Vacano (2011): SOC 2011 Historical Shot: Das Boot by Jost Vacano
  2. Filmhaus Köln: Jost Vacano, abgerufen am 14. September 2011.
  3. die medienakademie: „Das Boot“ - Kameramann Jost Vacano als Gastdozent in Berlin, abgerufen am 14. September 2011.
  4. LG München I, Urteil vom 7. Mai 2009, Az. 7 O 17694/08.
  5. OLG München, Urteil vom 17. Juni 2010, Az. 29 U 3312/09 – Das Boot.
  6. BGH, Az. I ZR 127/10; vgl. GRUR-RR 2010, S. 422.
  7. Pressemitteilung des SWR vom 26. Juli 2011, abgerufen am 14. September 2011.
  8. Jost Vacano ist 10. Träger des Marburger Kamerapreises, in: Informationsdienst Wissenschaft vom 15. März 2010, abgerufen am 18. März 2010