Joyce Carol Oates

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Joyce Carol Oates

Joyce Carol Oates (* 16. Juni 1938 in Lockport, New York) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Gelegentlich publiziert Oates auch unter den Pseudonymen Rosamond Smith und Lauren Kelly.

Oates' erster Roman erschien im Jahr 1963. Seitdem hat sie mehr als vierzig Romane sowie eine Reihe Theaterstücke, Novellen sowie mehrere Sammlungen von Kurzgeschichten, Lyrik, Essays und Biographisches veröffentlicht. In ihrem Werk finden sich sowohl realistisch-sozialkritische Themen (Jene, Foxfire) als auch Fantastisches (Bellefleur, Die Schwestern von Bloodsmoor). Ihre Jugendbücher wie Unter Verdacht und Sexy handeln zumeist vom Erwachsenwerden und den Schwierigkeiten, eine eigene Identität zu finden und sie gegenüber der Umwelt zu verteidigen. Oates gilt als eine der vielseitigsten und bedeutendsten Autorinnen der amerikanischen Gegenwartsliteratur und wird seit Jahren zu den Anwärtern auf den Nobelpreis für Literatur gerechnet.

Zu den Auszeichnungen, die sie bislang in ihrem Leben erhalten hat, gehört der National Book Award für den Roman them (dt. Titel: Jene, 1970), zwei Mal der O. Henry Awards und die National Humanities Medal. Sie war mehrfach für den Pulitzer-Preis nominiert: 1992 für Blackwater (dt. Titel: Schwarzes Wasser), 1994 für What I lived For (dt. Titel: Wofür ich gelebt habe) und 2000 für Blonde (dt. Titel: Blond).

Leben und Werk[Bearbeiten]

Joyce Carol Oates, September 2013

Joyce Carol Oates ist die älteste von drei Geschwistern. Ihre Mutter Carolina Bush ist ungarischer Abstammung[1][2] und ihr Vater Frederic James Oates war ein Werkzeugmacher.[1][3] Sie wurde katholisch erzogen, ordnet sich heute aber als Atheistin ein.[4] Ihr Bruder Fred Jr. kam 1943 zur Welt, ihre Schwester Lynn Ann, die unter Autismus leidet, wurde 1956 geboren.[1] Sie wuchs in Millersport auf, einer von Arbeitern und Landwirten geprägte Gemeinde im US-Bundesstaat New York.[5] Sie selber sagte über ihre Kindheit, dass sie angesichts der Zeit, dem Ort und den ökonomischen Verhältnis das Glück gehabt habe, in einer glücklichen, eng zusammenstehenden und ansonsten ganz gewöhnlichen Familie aufgewachsen sein.[1]

Von großem Einfluss in ihrer Kindheit war ihre väterliche Großmutter Blanche Woodside, die bei der der Familie lebte.[5] Oates begann sehr früh sehr viel zu lesen und erhielt von Blanche unter anderem Lewis Carrolls Alice im Wunderland geschenkt. Oates selbst bezeichnet diese Erzählung als den größten Schatz meiner Kindheit und das literarischen Werk mit dem größten Einfluss auf mich. Es war Liebe auf den ersten Blick!.[6] Bereits als junger Teenager begann sie Werke von William Faulkner, Fjodor Dostojewski, Henry David Thoreau, Ernest Hemingway, Charlotte Brontë und Emily Brontë zu lesen, von denen sie behauptet, dass ihr Einfluss bis heute nachwirke.[7] Oates begann im Alter von 14 Jahren zu schreiben - die Schreibmaschine, die sie dafür nutzte, war ein Geschenk ihrer Großmutter Blanche.[5] Erst nach Blanches Tod erfuhr Oates, dass Blanches Vater Selbstmord begangen hatte und dass Blanche danach ihre jüdische Abstammung leugnete. Oates hat Einzelheiten aus dem Leben ihrer Großmutter in dem 2007 erstveröffentlichten Roman The Gravedigger's Daughter (dt. Titel: Geheimnisse) verarbeitet.[5]Ihren Highschool-Abschluss machte Oates 1956 und war die erste ihrer Familie, die einen solchen Schulabschluss besaß.[1]

1956 erhielt Oates ein Stipendium und studierte in Syracuse[8] und an der University of Wisconsin Englisch und Philosophie. Sie erwarb 1960 den Bachelor of Arts und 1961 den Master of Arts. Bereits während ihres Studium an der Syracuse University begann sie, sich intensiv dem Schreiben zu widmen, im sie Roman um Roman verfasste und diese wegwarf, sobald sie fertig waren.[9] Ihren eigenen Horizont begann sie zu erweitern, indem sie Erzählungen von D. H. Lawrence, Flannery O'Connor, Thomas Mann und Franz Kafka zu lesen begann. Unverändert billigt sie diesen Autoren einen Einfluss auf ihr eigenes Werk zub.[7] Im Alter von 19 Jahren gewann sie den College Short Story-Wettbewerb, der von dem amerikanischen Frauenmagazin Mademoiselle gesponsert wird. Evelyn Shrifte, Leiterin von Vanguard Press lernte Oates kennen, kurz nachdem sie ihren Master gemacht hatte. 1963 erschien Oates' erste Kurzgeschichtensammlung bei diesem Verlag.[10]

Von 1961 bis 1967 war Oates Anglistik-Dozentin an der University of Detroit, von 1967 bis 1978 wirkte sie an der Universität im kanadischen Windsor. Nachdem sie von 1978 bis 1981 als Writer in Residence an der Princeton University (New Jersey) gearbeitet hatte, wurde sie dort 1987 Professorin für Kreatives Schreiben.

Ab 1961 war Joyce Carol Oates mit Raymond J. Smith (1930–2008) verheiratet, der als Professor für Literaturgeschichte in Princeton lehrte. Das Paar hatte keine Kinder. Gemeinsam gaben sie die „Ontario Review of Books“ heraus. Im März 2009 heiratete Oates den Neurowissenschaftler Charles Gross.

Preise[Bearbeiten]

  • 1959: Mademoiselle college fiction award für In the Old World
  • 1967: O.-Henry-Preis für In the Region of Ice
  • 1968: Rosenthal Award, National Institute of Arts and Letters für A Garden of Earthly Delights
  • 1970: National Book Award für them
  • 1973: O.-Henry-Preis für The Dead
  • 1990: Heidemann Award for one-act plays für Tone Clusters (geteilter Preis)
  • 1996: Bram Stoker Award for Superior Achievement in a novel für Zombie
  • 1996: Boston Book Review's Fisk Fiction Prize für Zombie
  • 2001: Oprah’s Book Club für We Were the Mulvaneys[11]
  • 2005: Prix Femina Etranger für The Falls
  • 2006: Chicago Tribune Literary Prize[12]
  • 2010: National Humanities Medal
  • 2011: World Fantasy Award für Fossil-Figures

Nominierungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • With Shuddering Fall (1964)
  • A Garden of Earthly Delights (1967) (dt. Ein Garten irdischer Freuden, 1967)
  • Expensive People (1968)
  • them (1969) (dt. Jene, 1975)
  • Wonderland (1971)
  • Do with Me What You Will (1973)
  • The Assassins: A Book of Hours (1975)
  • Childwold (1976) (dt. Im Dickicht der Kindheit, 1983)
  • Son of the Morning (1978)
  • Cybele (1979)
  • Unholy Loves. The Vanguard Press, New York City 1979 (dt. von Helga Huisgen: Unheilige Liebe. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-06173-4)
  • Bellefleur (1980) (dt. Bellefleur, Deutsche Verlags-Anstalt, München 1982, ISBN 3-421-06106-8).
  • Angel of Light (1981) (dt. Engel des Lichts, 1984)
  • A Bloodsmoor Romance (1982) (dt. Die Schwestern von Bloodsmoor, 1982)
  • Mysteries of Winterthurn (1984) (dt. Die Geheimnisse von Winterthurn, 2014)
  • Solstice (1985) (dt. Im Zeichen der Sonnenwende, 1985)
  • Marya: A Life (1986) (dt: Marya: Ein Leben, 1986)
  • You Must Remember This (1987) (dt. Die unsichtbaren Narben, 1992)
  • American Appetites (1989) (dt. Amerikanische Begierden, 1993)
  • Because It Is Bitter, and Because It Is My Heart (1990) (dt. Bitterkeit des Herzens, 1990)
  • Foxfire: Confessions of a Girl Gang (1993) (dt. Foxfire, 1993)
  • What I Lived For (1994) (dt. Wofür ich gelebt habe, 1997)
  • Zombie (1995) (dt. Zombie, 1997)
  • We Were the Mulvaneys (1996) (dt. Wir waren die Mulvaneys, 2003)
  • Man Crazy (1997)
  • My Heart Laid Bare (1998)
  • Broke Heart Blues (1999)
  • Blonde (2000) (dt. Blond, 2000)
  • Middle Age: A Romance (2001) (dt. Hudson River, 2003)
  • I’ll Take You There (2002) (dt. Ausgesetzt, 2007)
  • The Tattooed Girl (2003)
  • The Falls (2004) (dt. Niagara, 2007)
  • Missing Mom (2005) (dt. Du fehlst, 2008)
  • Black Girl/White Girl (2006)
  • The Gravedigger’s Daughter (2007) (dt. Geheimnisse, 2010)
  • The Fair Maiden (2010)
  • The Accursed (2013)

Romane als „Rosamond Smith“[Bearbeiten]

  • Lives of the Twins (1987) (dt. Der Andere, 1987)
  • Soul/Mate (1989) (dt. Dein Tod, mein Leben, 1993)
  • Nemesis (1990) (dt. Frühlingsopfer, 1990)
  • Snake Eyes (1992) (dt. Schlangenhaut, 1997)
  • You Can’t Catch Me (1995) (dt. Komm wenn es dunkel wird, 1996)
  • Double Delight (1997) (dt. Lockender Engel, 1998)
  • Starr Bright Will Be With you Soon (1999)
  • The Barrens (2001) (dt. Die Tote im Moor, 2002)

Romane als „Lauren Kelly“[Bearbeiten]

  • Take Me, Take Me With You (2003)
  • The Stolen Heart (2005)
  • Blood Mask (2006)

Novellen[Bearbeiten]

  • The Triumph of the Spider Monkey (1976)
  • I Lock My Door Upon Myself (1990) (dt. Ich schließe mich selbst ein, 2002)
  • The Rise of Life on Earth (1991) (dt. Zorn des Engels, 1997)
  • Black Water (1992) (dt. Schwarzes Wasser, 1993)
  • First Love: A Gothic Tale (1996)
  • Beasts (2002)
  • Rape: A Love Story (2003), dt.: Vergewaltigt. Eine Liebesgeschichte

Kurzgeschichtensammlungen[Bearbeiten]

  • By the North Gate (1963)
  • Upon the Sweeping Flood And Other Stories (1966)
  • The Wheel of Love And Other Stories, The Vanguard Press, New York City 1970 (dt. von Barbara von Bechtolsheim und Barbara Henninges: Das Rad der Liebe. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1970, ISBN 3-421-06460-1)
  • Marriages and Infidelities (1972) (daraus dt. Das Mittwochskind, Die heilige Ehe)
  • The Goddess and Other Women (1974)
  • The Hungry Ghosts: Seven Allusive Comedies (1974)
  • Where Are You Going, Where Have You Been?: Stories of Young America (1974)
  • The Poisoned Kiss And Other Stories from the Portuguese (1975)
  • The Seduction & Other Stories (1975)
  • Crossing the Border: Fifteen Tales (1976) (dt. Grenzüberschreitungen, 1976)
  • Night-Side (1977)
  • All the Good People I've Left Behind (1979)
  • A Sentimental Education: Stories (1980)
  • Last Days: Stories. E. P. Dutton, New York 1984
    • deutsch: Letzte Tage. Erzählungen. Übersetzt von Eva Bornemann. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1986, ISBN 3-421-06215-3.
  • Wild Saturday (1984)
  • Raven’s Wing: Stories (1986)
  • The Assignation: Stories (1989)
  • Oates In Exile (1990)
  • Heat And Other Stories (1991)
  • Where Is Here? (1992)
  • Where Are You Going, Where Have You Been?: Selected Early Stories (1993)
  • Haunted: Tales of the Grotesque (1994) (dt. Das Spukhaus, 1996)
  • Demon and other tales (1996)
  • Will You Always Love Me? And Other Stories (1996)
  • The Collector of Hearts: New Tales of the Grotesque (1998)
  • Faithless: Tales of Transgression (2001)
  • I Am No One You Know: Stories (2004)
  • The Female of the Species: Tales of Mystery and Suspense (2006)
  • High Lonesome: New & Selected Stories, 1966–2006 (2006)
  • The Corn Maiden (2011)

Dramen[Bearbeiten]

  • Miracle Play (1974)
  • Three Plays (1980) (daraus dt. Ontologischer Beweis meines Daseins)
  • In Darkest America (1991)
  • I Stand Before You Naked (1991)
  • Twelve Plays (1991)
  • The Perfectionist and Other Plays (1995)
  • New Plays (1998)
  • Dr. Magic: Six One Act Plays (2004)

Interviews und Journale[Bearbeiten]

  • Joyce Carol Oates: Conversations 1970–2006 (2006)

Essays und Memoiren[Bearbeiten]

  • The Edge of Impossibility: Tragic Forms in Literature (1972)
  • The Hostile Sun: The Poetry of D.H. Lawrence (1974)
  • New Heaven, New Earth: The Visionary Experience in Literature (1974)
  • Contraries: Essays (1981)
  • The Profane Art: Essays & Reviews (1983)
  • On Boxing (1987) (dt. Über Boxen, 1987)
  • (Woman) Writer: Occasions and Opportunities (1988)
  • George Bellows: American Artist (1995)
  • Where I’ve Been, And Where I’m Going: Essays, Reviews, and Prose (1999)
  • The Faith of A Writer: Life, Craft, Art (2003) (dt. Beim Schreiben allein – Handwerk und Kunst, 2006)
  • Uncensored: Views & (Re)views (2005)
  • A Widow's Story. A Memoir (2011)[15]

Gedichtsammlungen[Bearbeiten]

  • Anonymous Sins & Other Poems (1969)
  • Love and Its Derangements (1970)
  • Angel Fire (1973)
  • The Fabulous Beasts (1975)
  • Women Whose Lives Are Food, Men Whose Lives Are Money (1978)
  • Invisible Woman: New and Selected Poems, 1970–1982 (1982)
  • The Time Traveler (1989)
  • Tenderness (1996)

Jugendromane[Bearbeiten]

  • Big Mouth & Ugly Girl (2002) (dt. Unter Verdacht, 2004)
  • Small Avalanches and Other Stories (2003)
  • Freaky Green Eyes (2003) (dt. Mit offenen Augen, 2005)
  • Sexy (2004) (dt. Sexy, 2006)
  • After the Wreck, I Picked Myself Up, Spread My Wings, and Flew Away (2006) (dt. Nach dem Unglück schwang ich mich auf, breitete meine Flügel aus und flog davon, 2008)

Kinderbücher[Bearbeiten]

  • Come Meet Muffin! (1998)
  • Where Is Little Reynard? (2003)

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1985: Bedrohliches Geflüster (Smooth Talk)
  • 1991: Man liebt nur zweimal (Lies of the Twins)
  • 1996: Foxfire
  • 1999: Als wir uns kennen lernten (Getting to know you)
  • 2001: Blond (Blonde)

Literatur[Bearbeiten]

  • Greg Johnson: Invisible Writer. Dutton Verlag, New York 1998.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joyce Carol Oates – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Edemariam, Aida. "The new Monroe doctrine", The Guardian, 4. September 2004, Abgerufen am 29. Oktober 2008
  2. Helen Leighton, "Hanging On Every Word – Joyce Carol Oates receives the International Literary Grand Prix", The Rover, 22.04.2012. Roverarts.com. 22. April 2012. Abgerufen am 6. August 2013.
  3. Oates, Joyce Carol – American Women Writers: A Critical Reference Guide from Colonial Times to the Present. Encyclopedia.com. 16. Juni 1938. Abgerufen am 6. August 2013.
  4. Oates, Joyce Carol. "Humanism and Its Discontents", The Humanist, November–December 2007.
  5. a b c d Reese, Jennifer. "Joyce Carol Oates gets personal", Entertainment Weekly, 13. Juli 2007
  6. Oates (2003), The Faith of a Writer, S. 14. Im Original lautet das Zitat: the great treasure of my childhood, and the most profound literary influence of my life. This was love at first sight!
  7. a b Milazzo, Lee, ed. Conversations with Joyce Carol Oates. University Press of Mississippi, 1989, S. 143.
  8. Oates, Joyce Carol. "Lowest Ebb: Bound", The New Yorker, 22. April 2002, aufgerufen am 12. März 2014.
  9. Phillips, Robert. "The Art of Fiction No. 72: Joyce Carol Oates" (interview), The Paris Review 74, Fall–Winter 1978.
  10. Woo, Elaine, "Obituaries: Evelyn Shrifte, Longtime Head of Vanguard Press"; Los Angeles Times, September 8, 1999
  11. Liste der Preisträger (englisch)
  12. Liste der Preisträger (englisch)
  13. Website zu Awards (englisch)
  14. Horror Writers Association Names 2011 Bram Stoker Award Winners
  15. Janet Maslin: The Shock of Losing a Spouse, The New York Times, 13. Februar 2011