Joyn

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Joyn
Entwickler GSM Association
Erscheinungsjahr 2012
Aktuelle Version
Betriebssystem Apple iOS, Android, Windows Phone 8
Kategorie Instant Messaging
Lizenz proprietäre Software
Deutschsprachig ja
www.joynus.com/
Mobile Videotelefonie

Joyn (Eigenschreibung „joyn“; auch „Rich Communications Suite enhanced“, abgekürzt RCS-e) ist ein technischer Standard für Kommunikationsdienste der Industrievereinigung der internationalen Mobilfunkanbieter.[1] Der Standard ermöglicht unter anderem die Übertragung von Kurznachrichten, Dateien, Sprache und Videotelefonie.[2] Die Kosten für Joyn sind analog zu SMS, MMS und Telefonie abhängig von der Tarifstruktur der Provider.[3] Joyn soll insbesondere mit mobilen Instant-Messenger-Diensten wie WhatsApp, Google+ Hangouts, LINE; Apple iMessage und Facebook Messenger konkurrieren, die für die Mobilfunkanbieter unlukrativ sind.[4]

Verfügbarkeit und Unterstützung in Deutschland[Bearbeiten]

Die Einführung war von der Deutschen Telekom, Vodafone und O2 für Ende 2011 geplant und verschob sich seitdem mehrmals.[5] Vodafone bietet den Dienst seit Juni 2012 an. Die Telekom Deutschland bietet den Dienst seit dem 5. März 2013 an, allerdings wird sich Joyn bis März 2014[veraltet] noch im Beta-Stadium befinden. Joyn ist bisher nur für direkte Telekom-Kunden verfügbar. Kunden des Tochterunternehmens Congstar und anderer Anbieter können derzeit Joyn nicht verwenden.

Bei O2 soll Joyn einer O2-Foren-Moderatorin zu Folge voraussichtlich im März 2013[veraltet] starten, die Pressestelle bestätigte einen Termin im ersten Halbjahr 2014.[6] E-Plus beteiligt sich derzeit nicht und wartet die Entwicklung ab.[7]

Insgesamt zehn Endgerätehersteller[8] unterstützen Joyn oder haben angekündigt, Geräte auszuliefern, auf denen Joyn bereits vorinstalliert ist:[9] Sony, Samsung, LG, RIM, Nokia, Motorola, HTC, Alcatel OneTouch, ZTE, Huawei. Apps für Android und iOS werden bereits von mehreren Software-Entwicklungsfirmen angeboten, u.a. WIT[10] und Summit-Tech[11]. Für den Endkunden bieten in Deutschland die Telekom Deutschland und Vodafone eine App für iOS und Android an. Zudem existiert eine Applikation für Windows Phone, die jedoch exklusiv von Nokia vertrieben wird.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung begann 2008 auf Initiative Nokias und wird vom internationalen Branchenverband der GSM-Provider (GSMA) vorangetrieben, um wegbrechende Einnahmen aus dem Rückgang des SMS-Dienstes mit einem neuen, multimediafähigen Dienst auszugleichen.

RCS-e wird auf den Betriebssystemen von Microsoft (Windows Mobile, Windows Phone 8, Windows-NT-Linie ab Windows XP), Apple (iOS) und Google (Android) laufen.[12]

Die offizielle Premiere fand auf dem GSMA Mobile World Congress 2012 statt.[13]

Technische Merkmale[Bearbeiten]

Die Einbindung in Android-Smartphones erfolgte schon ab Version 2.3 und in iOS ab Version 4.3, aktuell über eine App. Später soll die Technik fest in die Betriebssysteme integriert werden.[14]

RCS-e greift auf bestehende Standards der 3GPP und Open Mobile Alliance (OMA) zurück. Er soll die Stärke des GSM-Standards, die einfache und intuitive Handhabung, nutzen und um die geplanten Zusatzfunktionen (siehe unten) erweitern.[15] Zentrale Neuerung ist ein verbessertes Telefonbuch, in dem die Funktionen zusammenlaufen. Dieses soll zukünftig anzeigen, welche Art der Kontaktaufnahme möglich ist. Hat der zu Kontaktierende eine schlechte Internetverbindung, soll ein Videotelefonat gar nicht erst angeboten werden.[14]

Geplante Merkmale und Funktionen von RCS-e:[16][12]

  • Möglichkeiten der Erreichbarkeit
  • erweiterte Telefonie (klassische mobile Sprachtelefonie mit gleichzeitiger IP-basierter Videoübertragung, Instant Messaging oder Übertragung von Dateien)
  • Textnachrichten mit einem oder mehreren Teilnehmern
  • Austausch von Bild- und Videodateien (auch während eines Telefonats oder mit verzögerter Auslieferung, wenn der Empfänger nicht erreichbar ist) und Kontaktinformationen (VCARDs)
  • Ortung des Kontakts (nach Erlaubnis des zu Ortenden)
  • SMS
  • MMS
  • einfache Anpassung der Benutzeroberfläche, beispielsweise durch Hersteller oder Anbieter
  • unterstützte Audio-Codecs: AMR-NB, AMR-WB, G.711 a-law, G.711 u-law, Speex, iLBC
  • unterstützte Video-Codecs: H.263, H.264, WebM

Zur Markteinführung sollen nach Herstellerangaben folgenden Funktionen verfügbar sein: [17]

Auf Netzwerkebene setzt RCSe auf folgenden Protokollen auf:

Vergleich mit anderen Anbietern[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu zentralisierten Diensten wie WhatsApp steht es jedem Mobilfunkanbieter frei, seine eigene Infrastruktur aufzubauen. Über so genannte „Interconnects“ wird sichergestellt, dass auch providerübergreifend Kommunikation möglich ist.[18]

Whatsapp sendet, je nach Plattform ggf. ohne Notwendigkeit einer Nutzerbestätigung, alle lokal auf dem Telefon gespeicherten Telefonnummern zum zentralen Whatsapp-Server, um festzustellen, welcher Telefonbucheintrag bereits Whatsapp-Nutzer ist. Bei RCSe dagegen sendet das Endgerät SIP-Nachrichten zu den Kontakten im Telefonbuch und wartet auf eine Antwort von dem angefragten Endgerät. Es werden keine Telefonbucheinträge auf einem zentralen Server gespeichert. Dies und die dezentrale Struktur machen Joyn aus Datenschutz-Sicht deutlich sicherer als Alternativen wie Whatsapp.

Wichtige Versionen[Bearbeiten]

Legende:
Alte Version
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version
Version Veröffentlichung Wichtigste Änderungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 1.0 Erste Definitionen zur Verbindung von Sprache und Chat mit dem Telefonbuch[19]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 2.0 Verbesserungen beim Messaging; ermöglicht Austausch von Dateien[19]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 3.0 Vorrang der Breitbandnutzung[19]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 4.0 LTE-Unterstützung[19]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.0 27. Februar 2012 Geolocation;[20] Offizielle Vorstellung auf dem Mobile World Congress 2012.[21]
Aktuelle Version: 5.1 20. Juli 2012

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. GSMA: Rich Communications, abgerufen am 17. September 2012
  2. GSMA: Rich Communications Specifications, abgerufen am 17. September 2012
  3. GSMA: Rich Communications Commercialisation, abgerufen am 17. September 2012
  4. GSMA: Rich Communications Thinking of evaluating RCS?, abgerufen am 17. September 2012
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatIngo Pakalski: Netzbetreiber starten neuen Handydienst. In: golem.de. 22. Januar 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  6. Hans-Georg Kluge: o2-Forum: Joyn startet Mitte März - Statement spricht vom ersten Halbjahr 2014. In: teltarif.de. 4. März 2014, abgerufen am 4. März 2014.
  7. Meike Lorenzen: Telekom verschiebt offiziellen Joyn-Start. In: Wirtschaftswoche. 28. Januar 2013, abgerufen am 5. Januar 2014.
  8. Offizielle Joyn-Website: Smartphone Hersteller
  9. Vodafone launching low-budget brand ‘Yu’, plugging Joyn. 25. Oktober 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  10. wit Software
  11. SUMMIT TECH
  12. a b http://www.richcommunicationsuite.com/
  13. Angela Göpfert: Die SMS ist tot, es lebe die App! tagesschau.de, 27. Februar 2012, archiviert vom Original am 4. Juli 2012, abgerufen am 27. Februar 2012.
  14. a b  In den Startlöchern: SMS-Nachfolgetechnik - der neue Goldesel. In: Computer Bild. Nr. 5, 2012, S. 12.
  15. http://www.gsma.com/rcs/
  16. Communication Suite Initiative. Ericsson, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  17. Offizielle joyn Website: Produktdetails
  18. Doug Mohney: IPX Interconnection Becoming Urgent for HD Voice, RCS and LTE. In: SIP Trunking Report. 28. November 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  19. a b c d http://www.gsma.com/rcs-history/
  20. Joyn statt SMS. golem.de, 28. Februar 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  21. David Meyer: Operators Joyn hands to ward off app store threat. zdnet.co.uk, 27. Februar 2012, abgerufen am 27. Februar 2012.