Juan-Fernandez-Kolibri

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Juan-Fernandez-Kolibri
Juan-Fernandez-Kolibri ♂

Juan-Fernandez-Kolibri ♂

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kolibris (Trochilinae)
Gattung: Chile-Kolibris (Sephanoides)
Art: Juan-Fernandez-Kolibri
Wissenschaftlicher Name
Sephanoides fernandensis
(King, 1831)
Weibchen des Juan-Fernandez-Kolibri

Der Juan-Fernandez-Kolibri (Sephanoides fernandensis) ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Die Art kommt nur auf der Insel Robinsón Crusoe, die ein Teil der Juan-Fernández-Inseln ist, vor. Hier ist sein Vorkommen auf elf Quadratkilometer beschränkt. Der Bestand wird von der IUCN als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) eingeschätzt. Die Unterart leyboldi, welche früher auf der Alejandro Selkirk-Insel lebte, gilt als ausgestorben (extinct).

Merkmale[Bearbeiten]

Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 12 Zentimetern und wiegt ca. 10,9 Gramm. Das Weibchen wird nur 10 Zentimeter und wiegt 7,4 Gramm.[1] Männchen und Weibchen weisen einen derart ausgeprägten Sexualdimorphismus auf, dass sie früher als unterschiedlichere Arten betrachtet wurden. Das Gefieder des Männchens ist überwiegend rotbraun-orange. Nur die Flügel sind dunkelgrau. Es hat einen rot-gelben Scheitel, der relativ dunkel wirkt. Zwischen dem Schnabel und den Augen befindet sich ein dunkler Streifen.[2] Das Weibchen hat eine dunkelgrüne Oberseite und einen bläulichen Scheitel. Die Unterseite ist weiß mit dichten grünen Sprenkeln am Hals. Diese grünen Flecken ziehen sich über die gesamten Flanken.

Lebensweise[Bearbeiten]

Der Kolibri bewegt sich vorzugsweise in ursprünglich heimischer Vegetation. Insbesondere während der Brutzeit meidet er eingeführte Pflanzen. Außerhalb der Brutzeit sieht man ihn auch an eingeführte Pflanzenarten wie beispielsweise am Blauen Eukalyptus (Eucalyptus globulus) oder auf anderen Zier- bzw. Gartenpflanzen. Meist geht er nur im Herbst an die eingeführten Arten, da in dieser Zeit nur eine heimische Pflanze namens Raphithamnus venustus blüht. Eine andere bevorzugte Pflanze ist Dendroseris litoralis, eine palmenartige pachycaule Pflanze, die nur auf Juan-Fernandez vorkommt und ebenfalls gefährdet ist.[3] Allerdings steht er bei dieser Pflanze in starkem Konkurrenzkampf mit dem Chilekolibri (Sephanoides sephaniodes). Sein bevorzugtes Habitat ist Macchie-Vegetation.[4] Der Vogel ist hauptsächlich ein Nektarsammler. Außerdem ernährt er sich von Insekten, die er auf Blättern findet oder im Flug fängt. Es wurden Männchen beobachtet, die das Weibchen in nur 50 Zentimeter Entfernung verscheuchen und dabei zur Warnung zwitscherten. Das Zwitschern hat vor allem den Zweck einen potentiellen Nahrungskonkurrenten abzuschrecken.

Unterarten[Bearbeiten]

Es werden die beiden Unterarten Sephanoides fernandensis fernandensis (King, 1831)[5] und Sephanoides fernandensis leyboldi (Gould, 1870)[6] unterschieden. Letztere ist 1908 durch Ratten, Ziegen und klimatische Veränderungen ausgerottet worden.[7]

Schutzprogramm[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Juan-Fernandez-Kolibris

Seit dem Jahr 2004 versuchen die Organisationen The Hummingbird Society, American Bird Conservancy[8] und Juan Fernández Islands Conservancy, Oikonos - Ecosystem Knowledge[9] im Rahmen eines Schutzprogrammes den Vogel vor dem Aussterben zu bewahren. Die Gefährdungsfaktoren sind vielfältig. Zum einen wird die ursprüngliche Flora der Insel und damit die wichtigste Nahrungsquelle des Vogels durch den Menschen zerstört. Die Ausbreitung exotischer Pflanzen wie Rubus ulmifolius, Aristotelia chilensis und Ugni molinae verdrängen den endemischen Luma-Baum (Nothomyrcia fernandeziana), der einen wichtigen Brutplatz für den Vogel darstellt. Dazu fangen eingeführte Katzen immer wieder Exemplare. Auch Nutztiere wie Ziegen oder Hasen zerstören die ursprüngliche Vegetation.

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Phillip Parker King beschrieb den Juan-Fernandez-Kolibri unter dem Namen Trochilus Fernandensis.[5] Das Typusexemplar hatte King während seiner Forschungen in der Magellanstraße gesammelt.[10] Später wurde die Art der Gattung Sephanoides zugeordnet. Dieser Name ist aus den griechischen Worten »Stephanē στεφάνη« für »Diadem, Krone« und »-oīdēs οιδες« für »ähnelnd« gebildet.[11] Das Wort »fernandensis« bezieht sich auf das Verbreitungsgebiet, die Juan-Fernández-Inseln.[5] Der Name »leyboldi« ist eine Widmung an Friedrich Leybold (1827–1879), der einen Sammler zur Insel Más Afuera schickte, um weitere Informationen über den Kolibri zu erhalten.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Coral Wolf: Interactions Between Sympatric Hummingbirds on the Juan Fernandez Islands: Foraging Behavior and Competition, 2008, Diplomarbeit (Master of Science)
  • Ingo Hahn, Biographical Isolation and Bioacoustics: the Juab Fernandez Firecrown, Sephanoides fernandesis, Bonner zoologische Beiträge, 2007, Seite 101-103 (online; PDF; 410 kB)
  • Michael S. Roy, Juan Carlos Torres-Mura, Fritz Hertel: Evolution and history of hummingbirds (Aves: Trochilidae) from the Juan Fernandez Islands, Chile, Ibis, 2008, Volume 140 Issue 2, Seite 265 – 273
  •  James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  •  Phillip Parker King: Several species of Birds belonging to the collection recently made by Capt. Philip P. King, R. N. during his survey of the Straits of Magellan, were exhibited. Other birds from the same collection had been named and characterized at the Meeting on the 14th of December: and on the present occasion Capt. King pointed out the distinctive characters of the following species which he believed to be new.. In: Proceedings of the Committee of Science and Correspondence of the Zoological Society of London. Bd. 1, 1830/31, S. 29-30 (online, abgerufen am 12. Februar 2014).
  •  John Gould: On a supposed new Species of Humming-bird from Juan-Fernandez Group of Islands. In: Annals and Magazine of Natural history including Zoology, Botany, and Geology (= 4. Bd. 6). 1870, S. 406 (online, abgerufen am 12. Februar 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Juan-Fernandez-Kolibri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographical Isolation and Bioacoustics: the Juan Fernandez Firecrown (PDF; 1,6 MB)
  2. Greg Lasley Bilder und Informationen
  3. Dendroseris litoralis
  4. Interactions Between Sympatric Hummingbirds on the Juan Fernandez Islands: Foraging Behavior and Competition (PDF; 658 kB)
  5. a b c Phillip Parker King, S. 30
  6. a b John Gould, S. 406
  7. J. Del Hoyo, A. Elliot, J. Sargatal (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World. Volume 5: Barn-Owls to Hummingbirds. Lynx Edicions, Barcelona. 1999. ISBN 84-87334-25-3
  8. Conservation of the Juan Fernández Firecrown
  9. Conservation of the critically endangered Juan Fernández Firecrown
  10. Phillip Parker King, S. 29
  11. James A. Jobling S. 354