Juan Ramón Jiménez

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Juan Ramón Jiménez

Juan Ramón Jiménez (* 24. Dezember 1881 in Moguer, Andalusien; † 29. Mai 1958 in San Juan, Puerto Rico) war ein spanischer Dichter, der die Erneuerung der spanischen Lyrik des 20. Jahrhunderts einleitete und in seinem Werk die Einflüsse des Modernismus von Rubén Darío, die spätromantische Gefühlswelt von Rosalía de Castro und Gustavo Adolfo Becquer und die volkstümliche Tradition des Romancero vereinigte. Er war der Wegbereiter der Generación del 27, zu der Dichter wie Federico García Lorca, Rafael Alberti, Jorge Guillén u.a. gehören. Juan Ramón Jiménez erhielt 1956 den Nobelpreis für Literatur.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend (1881–1900)[Bearbeiten]

Geburtshaus des Dichters

Juan Ramón – wie er in der spanischen Literaturwissenschaft auch genannt wird – kam in Moguer, an der Atlantiküste Andalusiens zur Welt. Sein Vater Victor Jiménez de Nestares, ein wohlhabender Besitzer von Weinbergen und Handelsschiffen, stammte aus der Rioja, im spanischen Norden, seine Mutter Pura de Casa-Mantecón gehörte einer andalusischen Adelsfamilie aus Osuna (Sevilla) an.[1] Juan Ramón besuchte das erlesene Jesuiten-Internat in El Puerto de Santa María bei Cádiz, wo er eine humanistisch-klassische Erziehung erhielt, mit den spanischen Meistern des XVII. Jahrhunderts vertraut wurde und die französische Literatur entdeckte. 1896 zog er als Student nach Sevilla, um auf Wunsch des Vaters Jura zu studieren, verbrachte aber seine Zeit in der Bibliothek des Ateneo de Sevilla mit Lesen und Schreiben. Zu seiner Lektüre gehörten Romantiker wie Musset, Heine, Byron und Symbolisten wie Moréas oder Maeterlinck, aber auch die spanischen Spätromantiker Rosalía de Castro und Becquer.[2]

Seine ersten Verse publizierte er in lokalen Zeitungen Sevillas, aber bald erschienen seine Gedichte in der Madrider Zeitschrift Vida Nueva, die sich der jungen Literaten annahm und den von Rubén Darío vertretenen Modernismo auf ihre Fahne schrieb. Juan Ramón war in dieser ersten Schaffensperiode ein überzeugter Modernist, obwohl er kaum etwas von dem in Madrid gefeierten Dichter aus Nicaragua gelesen hatte. Dies holte er nach, als er im Frühjahr 1900 auf Einladung seines Dichterfreunds Francisco Villaespesa zum ersten Mal nach Madrid reiste, um dem Meister kennenzulernen und ihm seine Gedichte vorzulegen. Darío schrieb ein Vorwort für die erste Gedichtsammlung des angehenden Poeten und gab ihr auch den Titel Almas de violeta. Ramón del Valle-Inclán, die andere große Figur der damaligen Madrider literarischen Szene, taufte den zweiten Versband Juan Ramóns Ninfeas. Beide Bändchen erschienen 1900. Dieser erste Erfolg wurde jedoch durch den plötzlichen Tod des Vaters in Moguer, wo der Sohn in der Familie den Sommer verbrachte, zunichte gemacht. Der Schicksalschlag stürzte den jungen Dichter in eine tiefe Depression, die ihn im Frühjahr 1901 nach Castel d’Andorte, am Fuss der Pyrenäen, in die Privatklinik des französischen Arztes Lalanne führte.[3] Dort verbrachte er ein halbes Jahr, in dem er intensiv an seinen Gedichten arbeitete und Mallarmé und Verlaine für sich entdeckte.

Keineswegs erholt kehrte er Ende 1901 nach Madrid zurück und flüchtete in das Sanatorium El Retiro, wo er seiner Dichtkunst nachging und einen kleinen literarischen Salon hielt. Er publizierte 1902 den Gedichtband Rimas, der von der Kritik und den jüngeren Literaten gut aufgenommen wurde. Zu ihnen zählten die Brüder Antonio und Manuel Machado, die auch regelmäßige Besucher des Salons im Sanatorium waren. Aus diesem Kreis um Juan Ramón entsprang die Zeitschrift Helios, – „eine der besten dieser Epoche“ –, zu deren Mitarbeiter Valle Inclán, Rubén Darío, Azorín, Unamuno, die Brüder Machado, die Maler Santiago Rusiñol und Emilio Sala, der Romancier Juan Valera zählten.[4] Die 1903 erschienenen Arias tristes stellen einen ersten Höhepunkt in der ersten Schaffensperiode Juan Ramóns dar. Dieser kehrte 1905 nach Moguer zurück des Stadtlebens überdrüssig und von seiner Hypochondrie geplagt. Dort musste er der Auflösung der väterlichen Geschäfte und dem finanziellen Niedergang der Familie beiwohnen. Mit Selbstmordgedanken beschäftigt fand er in der vertrauten Natur und in seinem dichterischen Schaffen einen Halt.[5]

In dieser Atmosphäre des Aufgehens in der Natur entstand 1907 die lyrische Prosa von Platero y yo, wohl das bekannteste Werk des Dichters, das 1917 erschien. Es entstanden auch die Gedichtbände Elegías puras (1908), Baladas de primavera (1910), La soledad sonora (1911), Melancolía (1912), die den bereits Dreissigjährigen zum anerkannten Meister machten. Auf Einladung der Residencia de Estudiantes zog Juan Ramón 1912 wieder nach Madrid. In dieser fortschrittlich gesinnten Bildungsstätte, die sowohl Studenten der Madrider Hochschulen als auch Forscher, Künstler oder Schriftsteller aufnahm, verbrachte der Dichter die Jahre bis zu seiner Heirat 1916 mit Zenobia Camprubí, der Tochter eines spanischen Ingenieurs mit Familienbeziehungen in den USA und einer in Puerto Rico seit Generationen verwurzelten Spanierin. Zenobia war durch ihre Familie und Erziehung weltoffen, belesen und unabhängig. Die Heirat des einsamen und melancholischen Dichters und der lebensfrohen jungen Frau fand am 2. März 1916 in New York statt und war eine Überraschung für alle.[6]

Porträt Zenobias von Joaquín Sorolla

Tagebuch eines verliebten Dichters (1916–1936)[Bearbeiten]

Das Paar ließ sich in Madrid nieder, und für den Dichter begann eine glückliche Zeit, in der sein Werk den modernistischen Prunk abstreifte und den Weg zur poesía pura seines Reifestils antrat.[7] Diario de un poeta enamorado (1917), Eternidades (1918) und Piedra y cielo (1919) sind Marksteine auf diesem Weg. In den zwanziger Jahren wurde Juan Ramón zur zentralen Figur des spanischen literarischen Lebens, von seinen Altersgenossen anerkannt und von den Jungen verehrt. Er publizierte seine Segunda antología poética (1922), in der er eine strenge Auswahl aus seinen zwischen 1898 und 1918 erschienenen Gedichten traf. Die gleiche künstlerische Kompromisslosigkeit wandte der reife Meister auch bei seiner Beurteilung der Werke anderer. Dies brachte ihm den Ruf der Intoleranz und des Hochmuts ein. Der damals junge Luis Cernuda spricht sogar von einer „wahren Diktatur“ Juan Ramóns in den Jahren 1917 bis 1930.[8]

Dichter im Exil (1936–1958)[Bearbeiten]

Der Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs am 18. Juli 1936 bereitete diesen literarischen Scharmützeln ein jähes Ende. Juan Ramón und Zenobia verließen schon im August Madrid und reisten über Frankreich in die Vereinigten Staaten, um sich von dort nach Kuba zu begeben. Als sie 1939 Havanna in Richtung Florida (USA) verließen, war der spanische Bürgerkrieg beendet und Juan Ramón Jiménez war ein Dichter im Exil.

Während des spanischen Bürgerkriegs hielt er sich meist in Amerika auf, wo er, vor allem in Kuba, triumphale literarische Erfolge feierte. Seit 1951 lebte er in Puerto Rico.

Jiménez gilt als wichtigster Vertreter des Modernismus, der unter anderem von Rubén Darío beeinflusst war und besonders für jüngere Autoren wie Federico García Lorca wichtig wurde. Als Höhepunkt seines Schaffens gilt das Prosagedicht Platero y yo (Platero und ich), die Geschichte einer Freundschaft zwischen dem Ich-Erzähler und einem kleinen Esel, die in 138 Prosaminiaturen das Leben in Andalusien vor dem Ersten Weltkrieg beleuchtet.

A zenobia

Werke[Bearbeiten]

  • 1900: Almas de violeta (Violette Seelen)
  • 1900: Ninfeas (Gedichte)
  • 1902: Rimas (Gedichte)
  • 1903: Arias tristes
  • 1904: Jardines lejanos
  • 1905: Pastorales
  • 1908: Elegías puras
  • 1909: Elegías intermedias
  • 1909: Olvidanzas: Las hojas verdes (auch in: Libros de poesía)
  • 1910: Elegías lamentables
  • 1910: Baladas de primavera (Balladen des Frühlings)
  • 1911: Illustraciones líricas
  • 1911: La soledad sonora (Die wohlklingende Einsamkeit)
  • 1911: Poemas mágicos y dolientes
  • 1912: Melancolía (1910–1911)
  • 1913: Laberinto (1910–1911)
  • 1916: Estío (A punta de espina) (1915)
  • 1917: Platero y yo (Platero und ich 1953) (1907–1916) (Nobelpreis für Literatur)
  • 1917: Poesías escogidas (1899–1917)
  • 1917: Sonetos espirituales (Geistliche Sonette)
  • 1917: Diario de un poeta recién casado (Tagebuch eines jungverheirateten Dichters)
  • 1918: Eternidades (Ewigkeiten): Ein Werk mit Sammlungen von Gedichten; eine davon: Yo no soy yo (Ich bin nicht ich)
  • 1919: Piedra y cielo (Stein und Himmel)
  • 1922: Segunda antología poética (1898–1918)
  • 1923: Belleza en verso
  • 1925: Unidad (Ocho cuadernos)
  • 1928: Obra en marcha
  • 1932: Sucesión (Ocho pliegos)
  • 1932: Poesía en prosa y verso (1902–1923)
  • 1934: Presente (Veinte cuadernos)
  • 1935: I (Hojas nuevas, prosa y verso)
  • 1935: La estación total
  • 1936: Canción - Amor y poesía cada día
  • 1936: Política poética
  • 1937: Verso y prosa para niños
  • 1937: La poesía cubana (1936)
  • 1938: Ciego ante ciegos
  • 1942: Españoles de tres mundos (Spanier der drei Welten)
  • 1944: Antología poética
  • 1945: Voces de mi copla
  • 1946: El Zaratán
  • 1948: Romances de Coral Gables (1939–1942)
  • 1949: Animal de fondo (Wesen der Tiefe)
  • 1951: Antología para niños adolescentes
  • 1953: De ríos que se van
  • 1957: Tercera antología poética (1908–1953)
  • 1958: Mis páginas mejores
  • 1959/1961: Libros de poesía (Zwei Bände gesammelte Gedichte)
  • 1961: Por el cristal amarillo
  • 1961: La corriente infinita

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Graciela Palau de Nemes, Vida y obra de Juan Ramón Jiménez, Gredos, Madrid 1957, S. 15-16
  2. Palau de Nemes, S. 35
  3. Palau de Nemes, S. 75 ff
  4. Palau de Nemes, S. 90
  5. Palau de Nemes, S. 134-135
  6. Francisco Garfias, "Juan Ramón Jiménez", Taurus, Madrid 1958, S. 104ff
  7. Literaturlexikon 20. Jahrhundert", Hrsg. Helmut Olles, Rowohlt, Reinbek, 1971, S. 406-407
  8. Luis Cernuda, "Estudios sobre poesía española contemporánea", Guadarrama, Madrid 1957, S. 121-135)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Juan Ramón Jiménez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien