Judas der Galiläer

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Judas der Galiläer (auch "Judas Galilaeus" oder "Judas von Gamala" genannt) war ein jüdischer Rebell gegen die römische Oberherrschaft zur Zeit Jesu. Der Beginn seiner Aktivitäten fällt in die Zeit des Coponius, der als erster römischer Präfekt in Judäa amtierte und etwa von 6 bis 9 n. Chr. für dieses Gebiet zuständig war.

Nach Angaben des jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus (Jüdischer Krieg, II 8,1 und 8,6; Altertümer XVIII 1,1) stammte Judas aus Gamala in der Gaulanitis (dem Golan-Gebiet). Auslöser für seine Rebellion war die zu dieser Zeit von den Römern mit politischem Druck und militärischer Gewalt durchgesetzte Volkszählung und Vermögensschätzung, die unter Publius Sulpicius Quirinius stattfand und auf großen Widerstand in der Bevölkerung stieß. (Auch im Neuen Testament, Lukas-Evangelium 2, 1-3, wird von diesem Vorgang berichtet, wobei der römische Statthalter in Syrien als „Cyrenius“ bezeichnet wird.) Der in Galiläa geborene Jesus von Nazareth war zu diesem Zeitpunkt etwa 10–12 Jahre alt und dürfte von den Aktivitäten der Rebellen durch Erzählungen aus seiner Umwelt erfahren haben.

Empört über die römischen Herrschaftsansprüche, wie sie sich in der Schätzung des Landes durch Quirinius zeigten, wiegelte Judas der Galiläer das Volk zum Widerstand gegen die Römer auf, indem er öffentlich kundtat, „die Schätzung bringe nichts anderes als offenbare Knechtschaft mit sich“. Gemeinsam mit dem Pharisäer Sadduk schürte er den Aufruhr und forderte – wie Josephus berichtet – das Volk auf, „seine Freiheit zu schützen. Denn jetzt sei die beste Gelegenheit gegeben, sich Ruhe, Sicherheit und dazu auch noch Ruhm zu verschaffen. Gott werde aber nur dann bereit sein, ihnen zu helfen, wenn sie ihre Entschlüsse tatkräftig ins Werk setzten und das insbesondere, je wichtiger diese ihre Entschlüsse seien und je unverdrossener sie dieselben ausführten“. Nach Josephus wurden derartige Reden „mit größtem Beifall aufgenommen, und so dehnte sich das tollkühne Unternehmen bald ins ungeheuerliche aus“.

Judas der Galiläer hatte zwei Söhne, Simon und Jakobus, die wie ihr Vater ihr Leben in den Dienst der Rebellion gegen die römische Fremdherrschaft stellten. Sie wurden von dem römischen Prokurator Tiberius Alexander (46–48 n. Chr.) gekreuzigt (Altertümer XX 5,2).

Nach Josephus vertrat Judas der Galiläer eine eigene ideologische Richtung, die er von den drei traditionellen „Philosophenschulen“ der Juden (den Sadduzäern, den Pharisäern und den Essenern) getrennt behandelt. Er beschreibt Judas den Galiläer und Sadduk (auch: Zadok) den Pharisäer als die geistigen Väter eines radikalen Pharisäertums, die zu Wegbereitern eines jüdischen nationalen Extremismus und Fanatismus wurden. Josephus zufolge stimmten die Anhänger dieser Richtung in allen anderen Stücken mit den Pharisäern überein, hingen "dabei aber mit großer Zähigkeit an der Freiheit" und erkannten Gott allein als ihren König und Herrn an: "Sie unterziehen sich auch jeder möglichen Todesart und machen sich selbst nichts aus dem Morde ihrer Verwandten und Freunde, wenn sie nur keinen Menschen als Herrn anzuerkennen brauchen".

Durch die Attentate dieser sogenannten "Zeloten" ("Eiferer") auf prominente Vertreter des römischen Herrschaftssystems und ihre terroristischen Überfälle wurden die Unruhen im Lande geschürt, bis es schließlich 66 n. Chr. zum Aufstand der Juden und zum verhängnisvollen Krieg mit den Römern kam, der 70 n. Chr. mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem und des jüdischen Staatswesens endete.

Quellen[Bearbeiten]

  • Flavius Josephus: „Der jüdische Krieg“. (Wilhelm Goldmann Verlag, München 1964/1980).
  • Flavius Josephus: „Jüdische Altertümer“ (Fourier Verlag, Wiesbaden, o.J.).

Literatur[Bearbeiten]