Judentum in Indien

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Verbreitungsgebiete indischer Juden
Juden aus Cochin (1900)
Innenansicht der Paradesi-Synagoge in Kochi
Hebräische Inschrift an der Mattancherry-Synagoge in Kochi (Kerala)

Juden in Indien sind eine religiöse Minderheit in dem hinduistisch geprägten Land.

Allgemeines[Bearbeiten]

Man vermutet, dass einige Juden bereits während der Zeit des Südreiches (926 bis 586 v. Chr.) nach Indien kamen, andere waren möglicherweise Abkömmlinge der zehn verlorenen Stämme Israels (ab 722 v. Chr.).

Die Hälfte der indischen Juden lebt heute in den nordöstlichen Bundesstaaten Manipur und Mizoram, ein Viertel in der westindischen Metropole Mumbai. In Indien haben Juden im Gegensatz zu anderen Ländern kaum Antisemitismus erfahren; erst seit wenigen Jahren gibt es gewalttätige Auseinandersetzungen mit Muslimen (die islamische Terrororganisation Lashkar-e-Toiba in Kaschmir erklärte kürzlich Juden und Hindus zu Feinden des Islam).

Ab 1947 (Unabhängigkeit Indiens) erfolgte eine Alija (Auswanderungswelle) eines Großteils der indischen Juden nach Israel, das ein Jahr nach Indien seine Unabhängigkeit erlangte. Heute wird die Zahl der in Indien verbliebenen Juden auf 5000 bis 6000 geschätzt. Dazu kommen die 5000 bis 7000 Angehörigen der Bnei Menashe, deren Zugehörigkeit zum Judentum aber umstritten ist.

Es gibt in Indien fünf Gruppen:

Cochin-Juden[Bearbeiten]

Hauptartikel: Cochin-Juden

Cochin-Juden sind die älteste Gruppe und waren ursprünglich Händler aus Judäa, die vor 2500 Jahren in Kochi (früher Cochin; Kerala) siedelten und rasch Gemeinden gründeten. Heute leben nur noch einige wenige Cochin-Juden in Indien. Die große Mehrheit, etwa 5000 Gläubige, ist bereits nach Israel ausgewandert. Die Synagoge von Kochi ist ein bedeutendes Kulturdenkmal, das 1568 erbaut wurde.

Beni Israel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Beni Israel

Die Beni Israel erreichten den Subkontinent vor ca. 2100 Jahren, nachdem ein Schiff aus Judäa in Navagaon nahe Alibag (Mumbai) zerschellte. Sie stellen die größte Gruppe indischer Juden. Von den heute 65.000 Angehörigen leben nur noch 4000 in Indien (60.000 in Israel).

Baghdadi-Juden[Bearbeiten]

Die Baghdadi-Juden kamen vor etwa 250 Jahren aus Irak, Iran, Afghanistan sowie arabischen Ländern nach Mumbai. Sie galten als geschäftstüchtige Händler. Von Mumbai aus zerstreuten sie sich in weite Teile des Landes, wobei eine große Gruppe in Kolkata entstand.

Bene Ephraim[Bearbeiten]

Bene Ephraim (auch Telugu-Juden genannt) ist eine kleine Gruppe indischer Juden in Ost-Andhra Pradesh, die Telugu sprechen.

Bnei Menashe[Bearbeiten]

Die etwa 5000 bis 7000[1] Bnei Menashe leben in den nordöstlich gelegenen Bundesstaaten Manipur und Mizoram. Sie kamen erst in den 1970er Jahren zum Judentum, behaupten jedoch von sich, Nachkommen des israelitischen Stammes Manasse zu sein. Erst 2005 wurden sie von Shlomo Amar, einem der beiden Oberrabbiner Israels, als solche anerkannt. Damit steht ihnen die Auswanderung nach Israel frei.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Quelle für 5000 Angehörige: BBC(1), BBC(2); Quelle für 6000 Angehörige: Rabbinate Recognizes Bnei Menashe as “Descendants of Israel"; Quelle für 7000 Angehörige Let My People Come: Why is Israel Blocking Bnei Menashe Aliyah?

Literatur[Bearbeiten]

  • Monique Zetlaoui : Shalom India - Histoire des communautés juives en Inde. Imago, Paris 2000, ISBN 2-911416-37-6.
  • Shalva Weil (Hrsg.): Indian Jewish Heritage: Ritual, Art and Life-Cycle. Marg Publications, Mumbai 2002, ISBN 81-85026-58-0.
  • Nathan Katz: Who Are the Jews of India? University of California Press, Berkeley 2000, ISBN 0-520-21323-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Judaism in India – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

- jeweils Engl. -