Judith N. Shklar

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Judith Nisse Shklar (* 24. September 1928 in Riga; † 17. September 1992 in Cambridge (Massachusetts)) war eine amerikanische Politologin und Professorin an der Harvard Universität.

Leben und wissenschaftliche Laufbahn[Bearbeiten]

Judith Shklar, die in Riga als Kind jüdischer Eltern geboren wurde, war dreizehn Jahre alt, als die Familie das Land verließ und nach Kanada auswanderte.

Sie studierte an der McGill University in Montreal und, nachdem sie dort den Bachelor und den Master of Arts (1949/50) erlangt hatte, an der Harvard University, wo sie das Studium 1955 mit den Ph.D. abschloss. Danach lehrte sie in Harvard, bis sie in den Ruhestand ging. Sie war die erste Frau, die im Government Department der Universität eine Festanstellung hatte. Sie war die Vorsitzende der American Society for Political and Legal Philosophy und der American Political Science Association.

Als Hochschullehrerin und als Beraterin erwarb sie hohes Ansehen. Viele ihrer Schüler trugen zu einer Festschrift für Judith Shklar mit dem Titel Liberalism Without Illusions, herausgegeben von Bernard Yack, bei.

1984 war sie MacArthur Fellow.

Das Werk[Bearbeiten]

Im Mittelpunkt ihrer Theorie stehen zwei Gedanken: Grausamkeit ist das größte aller Übel (summum malum). Dieses Thema berührt sie zunächst in Putting Cruelty First und Bad Characters for Good Liberals (dem ersten bzw. letzten Kapitel ihres Buches Ordinary Vices) und in dem Essay The Liberalism of Fear, in dem sie ihre Theorie des Liberalismus der Furcht weiter ausführt. [1]

Der Liberalismus der Furcht gilt als ihre wichtigste Schrift[2] und gründet in der Auffassung, dass Grausamkeit das größte aller Übel sei und dass Regierungen dazu neigen, die "unvermeidbare Machtverteilung", die sich aus der politischen Organisation ergibt, auszunutzen. Sie befürwortet daher eine konstitutionelle Demokratie, die zwar unvollkommen sein mag, jedoch immer noch die denkbar beste Form der Regierung ist, da sie die Menschen vor den Mächtigen schützt, indem die Macht der Regierenden beschränkt wird und ferner die Macht auf eine Vielzahl von politisch tätigen Gruppen verteilt wird.

Shklar ging davon aus, dass "jeder Erwachsene die Möglichkeit haben sollte, zu jedem Lebensbereich so viele Entscheidungen ohne Furcht und ohne Begünstigung zu fällen, wie es mit der entsprechenden Freiheit der anderen Erwachsenen vereinbar ist." Für sie war das "die ursprüngliche und einzig vertretbare Bedeutung von Liberalismus." (The Liberalism of Fear)

Rechte sind für sie weniger absolute Freiheit in Bezug auf Moral, vielmehr Handlungsmöglichkeiten, die die Bürger haben müssen, um sich vor Machtmissbrauch zu schützen.

Shklars Interesse galt vor allem der Ungerechtigkeit und den Übeln in der Politik. Sie war der Auffassung, dass die Philosophie der Ungerechtigkeit nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenkt. In der Vergangenheit hätten die meisten Philosophen das Problem der Ungerechtigkeit ignoriert und stattdessen nur über Gerechtigkeit gesprochen, so wie sie das Laster ignoriert und nur über die Tugend gesprochen hätten. In Ordinary Vices und in The Faces of Injustice versucht Shklar, diese Lücke im philosophischen Denken zu schließen. Sie stützt sich auf Literatur und Philosophie, um aufzuzeigen dass Ungerechtigkeit und das Gefühl für Ungerechtigkeit zeitübergreifend und kulturübergreifend vorhanden und von großer Bedeutung für die moderne politische und philosophische Theorie sind.

Schriften[Bearbeiten]

Shklar schrieb zahlreiche Bücher und Artikel auf dem Gebiet der Politikwissenschaft, unter anderem:

  • After Utopia: The Decline of Political Faith, Princeton University Press, Princeton, N.J. 1957
  • Legalism: Law, Morals, and Political Trials, Harvard University Press 1964, ISBN 0-674-52351-2
  • Men and Citizens: A Study of Rousseau's Social Theory 1969, Nachdruck: Cambridge University Press, Cambridge, Mass. 1987, ISBN 0-521-31640-5
  • Freedom and Independence: A Study of the Political Ideas of Hegel's Phenomenology of Mind, University Press, Cambridge 1976, ISBN 0-521-21025-9
  • Ordinary Vices, Belknap Press, Cambridge, Mass. 1984, ISBN 0-674-64175-2
  • Montesquieu, Oxford University Press, Oxford 1987, ISBN 0-19-287649-X
  • The Liberalism of Fear in: Nancy L. Rosenblum, Liberalism and the Moral Life, Cambridge/London 1989, S. 21-38 und 255-256
  • The Faces of Injustice, Yale University Press, New Haven 1990, ISBN 0-300-05670-2
    • deutsch: Über Ungerechtigkeit. Erkundungen zu einem moralischen Gefühl. Aus dem Amerikanischen von Christiane Goldmann, Rotbuch-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-88022-780-2; Fischer, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-13614-8
  • American Citizenship: The Quest for Inclusion 1991, Nachdruck: Harvard University Press, Cambridge, Mass. (u.a.) 1995, ISBN 0-674-02216-5

Verschiedene Essays wurden posthum veröffentlicht, darunter:

  • Political Thought and Political Thinkers, herausgegeben von Stanley Hoffmann, University of Chicago Press, Chicago 1998, ISBN 0-226-75346-8
  • Redeeming American Political Thought,herausgegeben von Stanley Hoffmann, University of Chicago Press, Chicago 1998, ISBN 0-226-75348-4

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. zustimmend z.B. Bernard Williams in Toleranz: eine politische oder moralische Frage?, enthalten in Toleranz: philosophische und gesellschaftliche Grundlagen einer umstrittenen Tugend, Rainer Forst (Hrsg.), Campus,. Frankfurt am Main 2000
  2. Jan-Werner Müller: Furcht ist eine gute Ratgeberin, in: NZZ, 8. Oktober 2013, S. 45

Weblinks[Bearbeiten]