Jugend musiziert

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
25 Jahre „Jugend musiziert“, Briefmarke 1988

Jugend musiziert ist ein sowohl in Deutschland als früher auch in Österreich ausgetragener Musikwettbewerb für Kinder und Jugendliche.

Jugend musiziert in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland bezieht der bundesweit durchgeführte Wettbewerb junge Erwachsene bis zum vollendeten 20., für Gesang und Orgel 27. Lebensjahr ein. Er dient sowohl der Förderung der Laienmusik als auch der Förderung von Jugendlichen mit professionellen musikalischen Ambitionen. Die Teilnehmer dürfen also noch nicht in einer musikalischen Berufsausbildung (Vollstudium) oder Berufspraxis stehen. Viele bekannte Instrumentalisten konnten sich als Preisträger bei Jugend musiziert erstmals einem größeren Publikum vorstellen. Außerdem wird das Abschneiden bei dem Wettbewerb oftmals als Vergleichsmaßstab für die Qualität von Musikschulen und Instrumentalunterricht herangezogen. Durch das Fehlen einheitlicher Kriterien für die Entscheidungen der Jurys sind die Bewertungen nur als Anhaltspunkte geeignet. Die Anzahl der Teilnehmer am Regionalwettbewerb aus einer Einrichtung ist allerdings ein deutlicher Hinweis auf deren Engagement und die damit verbundene Leistungsmotivation. Es finden drei verschiedene Wettbewerbe statt: der Regionalwettbewerb, der Landeswettbewerb und der Bundeswettbewerb.

Der Wettbewerb gliedert sich in drei Stufen: Zunächst wird er auf Regionalebene ausgetragen, die weitergeleiteten Preisträger nehmen am Landeswettbewerb teil und deren Sieger werden zum Bundeswettbewerb weitergeleitet, sofern sie das notwendige Alter dafür erreicht haben. Die Instrumentkategorien wechseln als Solovortrag in einem dreijährigen Turnus, in der Zwischenzeit gibt es die Möglichkeit, an einem Duo- oder Ensemblevortrag teilzunehmen. 1993 ist der Gesang zu dem ursprünglich reinen Instrumentalwettbewerb hinzugekommen. Derzeit läuft in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein eine Pilotphase für die Kategorie Populäre Musik mit den Instrumenten Pop-Gitarre, Pop-Bass, Drums und Pop-Gesang in Berlin und Nordrhein-Westfalen außerdem die Kategorie DJ. Im Jahr 2008 führte Berlin auch als Pilotprojekt die Kategorie Interkulturelle Perkussion ein.

Die Teilnehmer spielen Musikstücke aus unterschiedlichen Epochen vor, in der neuen Kategorie Populäre Musik werden außerdem Improvisation und Eigenkomposition verlangt. Die Länge des Vortrags richtet sich nach der Altersgruppe und dauert von 6 bis 20 Minuten.

Im Jahre 2005 hatte Jugend musiziert bundesweit über 20.000 Teilnehmer in 148 Regionalwettbewerben und 30 Deutschen Schulen im Ausland. Rund 6.500 von ihnen wurden zu den Landeswettbewerben weitergeleitet, am Bundeswettbewerb nahmen knapp 2.000 erste Preisträger teil. Im Jahr 2013 lag die bundesweite Teilnehmerzahl bei ca. 18.000. Die Regionalwettbewerbe finden meist in den ersten Monaten eines Jahres statt. Ausschreibungen und Anmeldungen sind bei den Landesmusikräten erhältlich.

Der 1963 gegründete Wettbewerb steht unter der Trägerschaft des Deutschen Musikrats und der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Durchführende Verbände sind: Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände, Deutscher Tonkünstlerverband (DTKV), Jeunesses Musicales Deutschland (JMD), Verband deutscher Musikschulen (VdM), Verband Deutscher Schulmusiker (VDS), Arbeitskreis für Schulmusik (AfS). Gefördert wird Jugend musiziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den kommunalen Spitzenverbänden, den Kommunen sowie von Sponsoren.

Jazz-Musiker können am Wettbewerb Jugend jazzt teilnehmen.

Aktuelles Punktesystem bei „Jugend musiziert“ Deutschland

Die Punkteverteilung[Bearbeiten]

Für das Wettbewerbsjahr 2007 wurde ein neues Punktesystem eingeführt, das eine übersichtlichere und gerechtere Bewertung ermöglichen soll. Dazu wurden die zuvor üblichen Prädikate (wie z. B. „mit hervorragendem Erfolg teilgenommen“) bei den Preisen entfernt; ab sofort gibt es diese nur noch bei Urkunden, die keine Preise sind. Näheres dazu ist aus der Grafik ersichtlich.

Jugend musiziert in Österreich[Bearbeiten]

Der österreichische Wettbewerb wurde 1969 von F. Knoppek in Leoben begründet als Instrumental- und Gesangswettbewerb für Jugendliche aus Österreich und Südtirol im Alter von 10–21 Jahren (für Spieler von Blechblasinstrumenten, Kontrabass und Fagott bis 23, für Sänger von 16-26 Jahren). Er findet im Zweijahresrhythmus statt – seit 1975 mit Vorauswahl in sog. „Landeswettbewerben“ in den Landeshauptstädten und dem „Bundeswettbewerb“ in Leoben. Teilnehmer werden aus allen österreichischen Bundesländern delegiert. In der Tiroler Delegation sind auch Teilnehmer aus Südtirol.

Im österreichischen Wettbewerb stiegen die Zahlen der Teilnehmer von 235 im Jahre 1969 auf über 2000 ab 1989 an. Die Vertreter der Bundesländer erarbeiteten Reformvorschläge (jährliche Durchführung, Teilung in einen mehr Förderungs-orientierten Basiswettbewerb und einen am professionellen Ausbildungsstandard orientierten Spitzenbewerb, Aufnahme fehlender Instrumente und Besetzungen, Einführung eines verbindlichen „Pflichtstückes“ aus dem 20. Jh. u. a.). 1993 fand der Wettbewerb letztmals bundesweit unter altem Namen statt. Als Alternative begründeten die Länder und die mit den Aspekten Jugend, Schule und Hochschule sowie Musikförderung befassten Bundesministerien die Organisation Musik der Jugend, die den Wettbewerb Prima La Musica durchführt.

In Leoben selbst veranstaltete der Trägerverein unter dem von ihm geschützten Namen Jugend musiziert in den Folgejahren noch weiterhin kleinere Wettbewerbe, allerdings auf einzelne Wertungskategorien beschränkt und in unregelmäßigen Abständen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Invention und Durchführung. 25 Jahre Wettbewerbe „Jugend musiziert“ - Spektrum eines jugendkulturellen und musikpädagogischen Förderungsprogrammes. Materialien und Dokumente 1963-1988. Hrsg. im Auftrag des Deutschen Musikrats von Eckart Rohlfs. Deutscher Musikrat, München 1991 ISBN 3-928544-00-4
  • Hans Günther Bastian: Jugend musiziert - Der Wettbewerb in der Sicht von Teilnehmern und Verantwortlichen. Ergebnisse einer vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft geförderten Studie "Lebensgeschichten musikalischer Begabungen", zu der 60 Bundespreisträger intensiv befragt wurden, Schott Mainz 1987, ISBN 3-7957-2653-0
  • Peter Linzenkirchner, Gudrun Eger-Harsch: Gute Noten mit kritischen Anmerkungen. Wirkungsanalyse der Wettbewerbe „Jugend musiziert“ 1984-1993. Dokumentation und Kommentierung. Hrsg. für den Deutschen Musikrat von Eckart Rohlfs. Deutscher Musikrat, Bonn/München 1995 ISBN 3-928544-20-9
  • Bundesgeschäftsstelle „Jugend musiziert“ (Hrsg.): 33 Jahre Wettbewerbe „Jugend musiziert“. Bestandsaufnahme und weitere Planung. Deutscher Musikrat, München 1996 ISBN 3-928544-25-X
  • Deutscher Musikrat (Hrsg.): Lass hören - 50 Jahre Jugend musiziert - Das Buch zum Jubiläum, Regensburg 2013, ISBN 978-3-940768-38-4
  • Oesterreichisches Musiklexikon, Stichwort „Jugendmusikwettbewerbe“

Weblinks[Bearbeiten]