Jugend und Sport

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Jugend+Sport, bekannt als J+S, ist eine Schweizer Institution des Bundesamt für Sport (BASPO) und ist dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) untergestellt. Bund, Kantone, Jugend- und Sportfachverbände arbeiten partnerschaftlich zusammen.

J+S ist das staatliche Förderungsprogramm der Schweiz für den Breitensport und den leistungsorientierten Nachwuchs. Zielgruppen des Programms sind Kinder zwischen 5 und 10 Jahren (J+S-Kindersport) und Jugendliche im Alter von 10 bis 20 Jahren. J+S bildet qualifizierte J+S-Leitende (meist ab 18 Jahren) aus, die in Sportorganisationen und im freiwilligen Schulsport Kinder und Jugendliche in ihrer Sportart unterrichten und Freude am Sport vermitteln. Die Hauptleistungen des Bundes sind in dieser Hinsicht die Aus- und Weiterbildung von J+S-Leitenden sowie die direkte finanzielle Unterstützung von Sportkursen und Sportlagern.

Leitende haben bis zum 30. Lebensjahr gesetzlichen Anspruch auf bis zu einer Arbeitswoche unbezahlten Urlaub für "unentgeltliche leitende, betreuende oder beratende Tätigkeit im Rahmen ausserschulischer Jugendarbeit" (OR Art. 329e). Dieser Jugendurlaub gilt allerdings auch für Jugendarbeit ausserhalb J+S.

Geschichte[Bearbeiten]

J+S ist die Nachfolgeorganisation des Militärischen Vorunterrichts. Der Aufbau begann 1971, nach der Genehmigung des Verfassungsartikels über Turnen und Sport durch das Schweizervolk. Waren die Angebote des Vorunterricht auf ab 16-jährige jugendliche Männer zur körperlichen Ertüchtigung und Vorbereitung auf den Militärdienst zugeschnitten, durften bei J+S Jungen und Mädchen ab 14 Jahren teilnehmen. Das Mindestalter wurde in mehreren Stufen bis auf 10 Jahre herabgesetzt, so dass heute alle Schulen die Angebote nutzen können. Im Zusammenhang mit zunehmendem Übergewicht von Kindern wurden die Leistungen 2009 auch auf Vorschulkinder ab 5 Jahren ausgedehnt: mit dem Programm J+S-Kids (heute J+S-Kindersport). So können heute die meisten Schweizer Schulen und Vereine die J+S-Leistungen nutzen. Der Bund unterstützt sportliche Tätigkeiten durch J+S-Angebote in über 70 Sportarten mit einem Aufwand von rund 60 Mio. Franken.

Am 11. November 2009 überwies der Bundesrat dem Parlament eine Botschaft zur Totalrevision des für J+S grundlegenden Bundesgesetzes. Es sollte neu Bundesgesetz über die Förderung von Sport und Bewegung (Sportförderungsgesetz, SpoFöG) heissen [1] [2]. Am 1. Oktober 2012 ist das SpoFöG in Kraft getreten. Dies brachte auch zahlreiche Änderungen und Optimierungen für das Programm Jugend+Sport mit sich.[3]

Ziele von J+S[Bearbeiten]

  1. gestaltet und fördert kinder- und jugendgerechten Sport und berücksichtigt dabei die Grundsätze der Fairness und der Sicherheit
  2. ermöglicht Jugendlichen und Kindern, Sport ganzheitlich zu erleben und mitzugestalten,und fördert ihre Einbettung in eine Sportgemeinschaft
  3. unterstützt unter pädagogischen, sozialen und gesundheitlichen Gesichtspunkten die Entwicklung und Entfaltung junger Menschen
  4. fördert die langfristige, hochstehende und leistungsorientierte Ausbildung von talentierten Nachwuchsathletinnen und -athleten
  5. bereitet Sportleiterinnen und Sportleiter mit einer spezifischen Ausbildung auf ihre Aufgaben als J+S-Kader vor, bildet sie bedürfnisgerecht weiter und begleitet sie in der Ausübung ihrer J+S-Kaderfunktion

Altersgerechter Sport trägt zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bei und bildet die Basis für eine weiterführende aktive und gesunde Lebensgestaltung im Erwachsenenalter. Für J+S ist es zentral, dass Kinder und Jugendliche Freude an Sport und Bewegung entwickeln und schrittweise auf allen Stufen Mitverantwortung übernehmen können. Die ideale Entwicklung führt vom sporttreibenden Kind resp. vom aktiven Jugendlichen zum engagierten J+S-Leitenden und vom erfahrenen J+S-Leitenden zum unterstützenden J+S-Coach oder zum J+S-Experten, welcher selber angehende Leitende ausbildet. Entsprechend wichtig ist dabei die Förderung der Leiterpersönlichkeit.

Das Bundesamt für Sport (BASPO) kann zum Zweck der sozialen Integration, der Geschlechtergleichstellung, der Gesundheitsförderung oder der Promotion von J+S Massnahmen zur verstärkten Förderung von einzelnen J+S-Sportarten oder von J+S insgesamt bei bestimmten Gruppen von Kindern und Jugendlichen treffen (Rechtliche Grundlagen).

Zahlen 2012/13[Bearbeiten]

  • 75 Sportarten und Disziplinen
  • Jährlich 55'000 Kurse und -Lager mit rund 700'000 Teilnahmen
  • Mehr als 65'000 tätige Leiterinnen und Leiter (jährlich 12'000 neu ausgebildete)
  • 9'000 aktive Coachs
  • 3'500 Expertinnen und Experten
  • 3'000 Aus- und Weiterbildungsmodule pro Jahr

Sportarten[Bearbeiten]

Insgesamt werden 75 Sportarten intensiv und differenziert - aber auch integrativ und sportartenübergreifend gefördert. Dabei arbeiten das BASPO mit Sitz in Magglingen und die jeweiligen Jugend- und Sportverbände eng zusammen. Die grössten Sportarten sind:

J+S-Leiterausbildung[Bearbeiten]

Um die 5 bis 6-tägige Grundausbildung zum J+S-Leiter absolvieren zu können, muss man mindestens 18 Jahre alt sein(Kalenderjahr) (für die Sportart Lagersport/Trekking 17 Jahre), Erfahrungen und Kenntnisse in der Sportart mitbringen und sich verpflichten regelmässig als Leiter tätig zu sein. Die Anmeldung erfolgt durch den J+S-Coach des entsprechenden Vereins, der die Arbeit zwischen Leitern und Verwaltung koordiniert. Die Leiterkurse sind sportartenspezifisch und konzentrieren sich neben Fachkompetenz auf die Ausbildung pädagogischen und didaktischen Fertigkeiten eines zukünftigen J+S-Leiters. J+S-Leiter kann auch werden, wer den Grundkurs zwar nicht besucht, aber über eine äquivalente Trainerausbildung verfügt.

Nach der Grundausbildung ist alle zwei Jahre eine Weiterbildung (Wiederholungskurs oder Spezialisierung) Pflicht. Die Weiterbildung erfolgt modular und die Spezialisierung und Fortbildung eigenverantwortlich und bedürfnisorientiert. So kann man sich bspw. zum J+S Kindersport Leiter weiterbilden, der ausschliesslich 5-10-jährige Kinder unterrichtet. Die J+S-Leiterqualifikation entspricht gleichzeitig der Trainerqualifikation im entsprechenden Sportverband.

Der Leiter mit Grundausbildung betreut eine Gruppe von bis zu 24 Teilnehmern (je nach Gefahrenpotential der Sportart auch nur 6 Jugendliche).

Der Experte unterstützt und berät die Leiter in der Praxis. Er ist verantwortlich für die Leiterausbildung und die Qualitätssicherung in der jeweiligen Sportart.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lutz Eichenberger: Die Eidgenössische Sportschule Magglingen 1944–1994: 50 Jahre im Dienst der Sportförderung. Eidgenössische Sportschule, Magglingen 1994.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] Medienmitteilung des VBS
  2. [2] Behandlung im Parlament
  3. [3] Dossier: Revision Sportförderungsgesetz