Jugendkultur

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Als Jugendkultur werden die kulturellen Aktivitäten und Stile von Jugendlichen innerhalb einer gemeinsamen Kulturszene bezeichnet. Der Begriff wurde von Gustav Wyneken (1875–1964) geprägt.[1] Der Kern einer Jugendkultur ist die Etablierung einer eigenen Subkultur innerhalb einer bestehenden Kultur der Erwachsenen, da diese den Heranwachsenden keine sie befriedigenden Ausdrucksmöglichkeiten für ihr als neu empfundenes Lebensgefühl anbietet.

Nähere Bestimmung[Bearbeiten]

Eine Jugendsubkultur im weitesten Sinne gibt es in jeder neuen Generation (vgl. dazu Jugendsoziologie), aber nicht jedes Mal wird die Gesamtkultur stilistisch stark von ihr beeinflusst. Auf Grund der Komplexität der Vorgänge innerhalb einer Jugendbewegung und ihrer Interaktion mit bestehenden gesellschaftlichen, politischen aber auch ästhetischen Elementen der Erwachsenenkultur, werden die Bedeutung und der Einfluss der Jugendkultur auf eine Gesellschaft oft kontrovers diskutiert.

Die Inhalte einer Jugendkultur stehen meistens dem Mainstream der Erwachsenenwelt oder konkret ihrer Elterngeneration und auch angepasster Peers entgegen oder ironisiert diese.

Ursachen und Wesen[Bearbeiten]

Ausgangspunkt für eine Jugendkultur ist häufig eine Innovation im Bereich von Musik, Moden und Attitüden, mit welchen kleinere Gruppierungen von Jugendlichen zunächst ein innovatives Verhalten entwickeln, Nachahmer finden, dann alternative Handlungsweisen ausbilden und Werte aufstellen, im Extremfall eine eigene Weltanschauung entwickeln und aktiv weitervermitteln. Die Akzeptanz innerhalb der jeweiligen Generation entscheidet darüber, ob diese Subkultur zu einer richtigen Jugendkultur expandiert, nur als Subkultur bestehen bleibt bzw. in Vergessenheit gerät.

Verschiedene Jugendliche zeigen − je nach psychischer Disposition und sozialem Niveau − eine unterschiedlich stark ausgeprägte Affinität zu ihrer Jugendkultur.

Diese Vorgänge sind nur von Fall zu Fall zu erfassen und allgemein und umfassend nicht erklärbar. Zum Einen liegen oft simple psychologische Motivationen wie die Steigerung der eigenen Attraktivität zum Zweck der beginnenden Partnersuche oder die Lösung vom Elternhaus, die Demonstration des „Erwachsenseins“, vor. Zum Anderen wirkt der Wunsch nach Teilnahme an kreativer Gestaltung der Gesellschaft, durchaus auch auf der Basis in der Kindheit vermittelter, auch ideologisierter Werte. Letzteres erweitert die Ursachen um soziologische Aspekte. Oft sucht man Ursachen für die Entstehung einer Jugendkultur auch in einer Orientierungsphase der Jugendlichen, in der bestehende Werte neu überprüft und beurteilt werden. Dieses scheint Jugendlichen innerhalb einer Gruppe leichter zu fallen, da hier gruppendynamische Effekte wirken.

Größtenteils identifizieren sich Angehörige einer bestimmten Jugendkultur mit dieser über Gruppensymbole. Diese artikulieren sich in Jugendsprache, bestimmten teilweise hochdifferenzierten Moderichtungen in Hinsicht auf Musikstil oder Kleidung, Schmuck, Tätowierungen, eventuell im Konsum bestimmter Rauschmittel. Zumeist hat das Kultcharakter.

Kommerzialisierung[Bearbeiten]

Oft werden jedoch die äußeren Merkmale einer solchen Kultur nach kurzer Zeit von einer breiten Masse aufgenommen, und innere Werte und kreative Aspekte bleiben auf der Strecke: Die Jugendkultur wird so zu einem Teil der Konsumgesellschaft. Diese Entwicklung hat seit Ende der 1980er Jahre stark zugenommen, als Jugendliche zunehmend zum Zielpublikum der Wirtschaft geworden sind. Immer schneller saugen die interessierten Industrien entstehende Jugendkulturen auf und nehmen ihnen so Inhalt und Authentizität. Dies geht bis zu Versuchen, allein durch Fernsehen und Werbung „Kulte“ zu kreieren, ohne dass zuvor eine Jugendbewegung da war und trägt wohl auch zu einem allgemeinen kulturellen Unbehagen sowie Bezugsverlusten innerhalb jüngster Generationen bei. Der „Kult“ dauert nur einen Moment und authentische Jugendkulturen entstehen nur noch sehr schwer.

Junge und Junggebliebene[Bearbeiten]

Durch die Entstehung der Popkultur in den 1950er Jahren entstand das Phänomen, dass immer mehr Menschen, die der Adoleszenz längst entwachsen sind, „jugendkulturellen“ Phänomenen verhaftet bleiben und sie weiter Teil ihres Lebensstils und ihrer Identität begreifen. So finden sich z. B. im Publikum der Rolling Stones Menschen fortgeschrittenen Alters, die dem Kulturgenuss des Rock heute noch Begeisterung abgewinnen. Es gibt aber auch kommerziell nicht erfolgreiche Bands (beispielsweise im Punkbereich), deren Motivation weniger im Profit liegt, sondern im Ausdruck einer Gefühlsstruktur, die nicht dem der breiten Masse entspricht. Erwachsene, die ihrer Jugendkultur treu bleiben, spielen oft eine wichtige Rolle, da sie über Ressourcen und Organisation zur Verbreitung verfügen, die Jugendlichen fehlen, und da sie Verständnisbrücken bauen können.

Dem gegenüber steht die „Verkindlichung“. Hierunter ist zu verstehen, dass Elemente der Jugendkultur derart populär werden, dass sie infolge der Kommerzialisierung, also vermittelt über Erwachsene auch Einzug in das Leben von Kindern halten. Hierbei wird die Jugendkultur natürlich meist banalisiert, karikiert und auf kindgerechte Versatzstücke reduziert. Beispiele sind der „Schlumpfentechno“ der 1990er Jahre, oder Kleidung für Kinder, die eine verniedlichte Version der Hip-Hop-Mode darstellt, und diese aus dem gesellschaftlichen Rahmen heraushebt, indem diese Bewegung ursprünglich stand.

Jugendkulturen vor 1945[Bearbeiten]

Eine materialreiche, international vergleichende Geschichte der Jugendkultur hat der britische Sachbuchautor und Populärmusikhistoriker Jon Savage 2007 mit dem seit 2008 auch auf Deutsch vorliegenden wegbereitenden Fachbuch TeenAge: die Erfindung der Jugend (1875–1945) vorgelegt. Weitere Beispiele sind:

Jugendkulturen nach 1945[Bearbeiten]

Hippies[Bearbeiten]

Die Hippiebewegung entstand in den 1960er Jahren in den USA. Hauptsächlich Studenten, die aus guten Familien der Mittel- und Oberschicht stammen, fühlten sich der Hippiebewegung zugehörig. Hippies hatten häufig auffällige, farbenfrohe Kleidung, lange Haare und trugen Sandalen (sog. Jesuslatschen). Viele von ihnen behängten sich mit Schmuck. Ihr Lebensstil orientierte sich an dem der Hipster. Typisch für Hippies war der Konsum von Marihuana, STP und LSD. Außerdem liebten sie Mutter Natur und setzten sich auch für diese ein. Sie besaßen viele Symbole z.B das Peace-Zeichen gegen Krieg und die Gitarre mit der sie ihr Gemeinschaftsgefühl ausdrückten. Ein weiteres Merkmal ist der Hippiebus. Ihr Ziel bestand darin, menschlichere Lebensweisen zu finden, den Krieg zu verhindern und die Natur zu schützen. Sie setzten sich für die freie Liebe, den Frieden und die Legalisierung von Drogen (um die Nähe zur Natur zu bewahren) ein. Ihre Vorbilder waren Christus, Buddha, Franz von Assisi und Mahatma Gandhi. Viele von ihnen waren Anhänger von fernöstlichen Religionen. Man sah sie selten einzeln, sondern meist in großen Gruppen. Die Gesellschaft sah sie als faule, schmutzige und drogenkonsumierende Vaganten an. Die Flowerpower entstand durch die Hippiebewegung. Berühmte Lieder zu ihrer Bewegung waren unter anderem: „San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in Your Hair)“ (von Scott McKenzie) und „All you need is love“ (von den Beatles). Kinofilme wie „Easy Rider“ und „Zusammen!“ drücken ihr Lebensgefühl aus.

68er[Bearbeiten]

Die vornehmlich linken politischen Bewegungen von 1967 bis Mitte der 1970er Jahre (Studentenbewegung), die anfangs stark von Jugendlichen und jungen Erwachsenen geprägt waren, allerdings zumindest im weiteren Verlauf nicht als eigenständige Jugendbewegung gilt (vgl. 68er, Ökos, Alternative Jugend, siehe auch Neue soziale Bewegungen)

Punk[Bearbeiten]

Punks

Die Punkszene entstand Mitte der 1970er Jahre in New York und wurde später nach London überliefert, wo die Szene sich schnell ausbreitete. Sie besteht größtenteils aus Jungen, Arbeitslosen und armen Studenten. Das Ziel der Punks ist es, die Umwelt zu provozieren, Spaß in der Gemeinschaft zu haben und sich von der restlichen Gesellschaft abzugrenzen. Auch der Drogenkonsum spielt dabei eine Rolle. Ihr Motto ist: Do it yourself. Sie produzieren ihre Platten und ihre Kleidung selbst. Alltagsobjekte wie beispielsweise Sicherheitsnadeln werden als Accessoires verwendet. Das Erscheinungsbild ist geprägt von zerfetzter Kleidung, Kampfstiefeln, Nieten, Buttons und Aufnähern. Auch Tattoos und Piercings sind bei den Punks beliebt. Anfangs trugen sie ihre Haare extrem kurz, später wurden sie mit viel Haarspray aufgestellt und gefärbt. Besonders die Irokesen-Frisur verbindet man automatisch mit der Punkszene. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist das Anarchie-Symbol, was die Punks oft an sich tragen. Der amerikanische Punkrock ist eine einfache Form des Rock'n'Roll. Die Musik der Punkszene zeichnet sich durch schnelle, kurze, aggressive und wütende Songs aus. Zu den ersten Punkbands gehören die „New York Dolls“, die „Ramones“ und die „Sex Pistols“.

Gothic und Schwarze Szene[Bearbeiten]

Im Umfeld der Punk- und New-Wave-Bewegung entstand Ende der 1970er Jahre die New-Romantic-Szene und zu Beginn der 1980er Jahre die Gothic-Kultur und viele weitere Subkulturen, von welchen viele unter der Bezeichnung Schwarze Szene zusammengefasst wurden. Bei der schwarzen Szene handelt es sich um ein Milieu, das sich aus Teilen verschiedener Szenen zusammensetzt und deren große Gemeinsamkeit ein ästhetisches, selbstdarstellerisches und individualistisches Konzept darstellt. Neben der dominierenden Farbe Schwarz stehen das Ästhetikbewusstsein und die vermeintliche Individualität im Zentrum der Schwarzen Szene. Diese Faktoren bedingen eine stetige individuelle Selbstinszenierung vor dem Bedeutungshintergrund szeneinterner Ästhetik.

Popper[Bearbeiten]

Die Popper sind eine Jugendkultur, die Ende der 1970er entstanden sind, und sich bis in die 1980er gehalten haben. Schüler des Hamburger Gymnasiums begannen sich stark für die richtige Konsumhaltung zu interessieren. Sie verbreiteten sich in West-Deutschland. Aufgrund ihrer Verhaltensweise bezeichnete man sie oft als Snobs. Popper hatten ein typisches Aussehen: Die Frisur, genannt „Popper-Schnitt“, ein langer Pony, der ins Gesicht frisiert wurde, war häufig anzutreffen. Dazu haben sie Markenkleidung von Lacoste, Burberry und Benetton sowie College-Schuhe getragen. Dadurch wurde die Rangordnung in der Clique bestimmt. Popper rauchten nur teure Zigaretten und bewegten sich mit ihrer Vespa fort. Sie stammten meist aus der Mittel- und Oberschicht, weshalb es ihnen möglich war, ihren Stil zu finanzieren. Im Gegensatz zu anderen Jugendkulturen waren sie friedlich, sie „rebellierten gegen die Rebellion“. Gemeint waren damit zum Beispiel konsumkritische Jugendkulturen (Punks, Hippies). Ihr Wesen wurde meist als arrogant, egoistisch und ignorant wahrgenommen. Ihr Auftreten zeichnete sich durch ihr Motto „Sehen und gesehen werden ist des Poppers Glück auf Erden“ aus. Sie hörten Musik von Synthesizern und Pop, die die Romantik beinhalteten. Alle anderen Außenstehenden galten als Proleten. Ihrer Meinung nach war der Spaß am Leben am Wichtigsten. Kritiker bezeichnen die heutige Gesellschaft als Abbild des Poppers, da sich viele Menschen durch ihr Aussehen definieren.

Raver[Bearbeiten]

Love Parade 2008 in Dortmund

Die Techno- und Houseszene ist zwar auch weniger konsumkritisch als die politisierten Jugendkulturen der 1960er und 1970er Jahre, versuchte sich aber durch eigene individualistischere Konsumstile dem Diktat des Mainstreams und des Konformismus zu entziehen und beim Rave oder im Club auf der Tanzfläche ein Gegenmodell zum Rockmusik-Starkult mit seinen überhöhten Bühnen zu schaffen. Im Mittelpunkt steht das – manchmal durch Drogen verstärkte – gemeinsame ekstatische Musikerlebnis und das expressive rauschartige Tanzen bis zum Exzess, das kollektiv vollzogen wird. Der DJ wird zum neuen Star. Auch bei Techno halten sich spezielle Lebenseinstellungen (z. B. Individualismus, Erlebnisorientiertheit, Expressivität, Bejahung oder Ironisierung der Technik, Politisierung). Es gibt sowohl massenkompatible Strömungen wie auch subkulturelle. Sub-Szenen: House, Goa, Hardcore Techno u. a. m.

Hip-Hop[Bearbeiten]

Im Hip-Hop mit den vier elementaren Disziplinen Rap, Graffiti-Writing, Breakdance und DJ-ing wurden viele Mitmach-Möglichkeiten eröffnet. Trotz der Kommerzialisierung der Musik und der Reduzierung auf einen kommerziellen Kleiderstil überlebte die Jugendkultur, da das Ansehen innerhalb der Hip-Hop-Szene nur durch die Teilnahme gesichert ist, und so das Selbermachen im Mittelpunkt steht.

Indie[Bearbeiten]

Die seit Mitte der 1980er Jahre entstehende Indie-/Alternative (Musik)-Bewegung hat bis heute wesentliche Einflüsse auf die Rockmusik. In Bezug auf die jugendkulturelle Praxis entstand das Bild des „Slackers“, idealtypisch repräsentiert durch den Musiker Beck („Loser“). Auch die Bands des Grunge Ende der 1980er / Anfang der 1990er Jahre mit ihren langen Haaren und Holzfällerhemden stellten ein entsprechendes jugendkulturelles Identifikationsmodell dar. Der Hype um diesen Musikstil ist allerdings ein gutes Beispiel für die rapide Kommerzialisierung einer (zudem lokal verankerten) Jugendkultur durch die Musikindustrie.

Rocker[Bearbeiten]

Der Rocker-Lifestyle hat seine Wurzeln bereits in den 1940ern. Geprägt von der Suche nach Gemeinschaft und Sicherheit waren es gerade heimkehrende Soldaten, die sich in Motorradclubs zusammenfanden um hier in ähnlich hierarchischer Form einer Interessengruppe verbunden zu sein. Dort wird zudem meistens ein sehr traditionelles patriarchalisches Geschlechterbild vertreten. Erhöhte Gewaltbereitschaft, bedingt durch einen überzogenen Ehrenkodex sind nur einige Tendenzen, die in darauffolgenden Jahren zu einer Radikalisierung der Szene beigetragen haben. Hierzu ist sicherlich die Gruppe von selbsterklärten Einprozentern zu zählen, die sich in Folge immer häufiger zu sogenannten Businessclubs (MC mit vorrangig wirtschaftlichem Interesse) gewandelt haben. Eine fortschreitende Überalterung dieser ursprünglich als Jugendkultur entstandenen Bewegung gilt als eines der großen Probleme, dem sich diese Gruppe zunehmend zu stellen hat.

Hooligans[Bearbeiten]

Die Hooligans, die ihre gewaltbereiten Rituale rund um Sportereignisse (in der Regel Fußballspiele) zelebrieren, grenzen sich ab vom gewöhnlichen Fan (Fußballfan) und von Ultràs. Bei Hooligans handelt es sich zwar überwiegend um Jugendliche und junge Erwachsene, aber es ist fraglich, ob sich diese Subkultur von ihrem Selbstverständnis her zu Recht als eine „Jugendkultur“ bezeichnen lässt.

Skinheads[Bearbeiten]

Skinheads

Skinheads ist heute eine Sammelbezeichnung für alle Angehörigen der Skinheadszene, einer sehr heterogenen, jugendlich dominierten Subkultur. Gemeinsam haben sie vor allem die kurz bis kahl geschorenen Köpfe sowie eine Kleidung, zu deren Merkmalen meist schwere Stahlkappenstiefeln und Bomber-, „Harrington“- oder „Donkey“-Jacken gehören. In der Öffentlichkeit wird der Begriff „Skinhead“ meist synonym zu „Neonazi“ gebraucht. Angesichts der auch politisch sehr heterogenen Szene ist diese Gleichsetzung jedoch nur halbrichtig. Die seit Ende der 1960er in Erscheinung tretenden Skinheads durchmachten seither Wandlungs- und Spaltungsprozesse. Ende der 1970er Jahre bildete sich ein neuer Teil der Szene heraus. Dieser entwickelte eine fremdenfeindliche, neonazistische Gesinnung und griff bewusst auf Kleidung und Stil der bisherigen Skinheads zurück. Des Weiteren wurden neonazistische Symbole zu den Erkennungsmerkmalen hinzugefügt. Seit Mitte der 90er Jahre finden sich ursprünglich rechts konnotierte Symbole, Ausdrucksformen bis hin zur Musik und eine zugehörige Kulturindustrie über das rechtsextreme Umfeld hinaus.[3], genauso wie sich im Umfeld einer rechten Jugendkultur auch Ansätze finden, sich vom rechtsextrem konnotierten Skinheadmilieu abzusetzen. Rechtsextremisten selbst versuchten demgegenüber, neue Symbole und Ausdrucksformen zu besetzen, die zwar nicht strafbewehrt sind oder waren, aber weiterhin als Erkennungssymbol für Eingeweihte wie Provokation für Gegner dienen konnten. Hierzu gehören bestimmte Zahlencodes und Symbole und verschiedene ursprünglich aus der germanischen Mythologie und dem Neuheidentum stammende Symbole[4]

Metal[Bearbeiten]

Die Jugendkultur der Metaller existiert seit den 1970er Jahren. Ihre Ursprünge liegen im Hard Rock und Punk. Sie entstand als Trotzreaktion auf den Niedergang der Hippiekultur und fokussiert sich auf Gefühle wie Hass und Wut. Typische Merkmale sind lange Haare, Kutten, Stiefel, Nietenschmuck und Bandshirts. Anhänger dieser Kultur äußern oft Kritik gegen die in ihren Augen „aufgesetzte“ Spaßgesellschaft und „simple“ Musik wie z.B. Hip Hop. Die Metalszene ist sehr heterogen, es haben sich mit den Subgenres der Musik teilweise eigene Subkulturen gebildet, z.B. der Black Metal. Die klassische Metalszene ist eher unpolitisch. Die sich am Hardcore orientierenden Richtungen (Metalcore, Deathcore) sind in der Regel linksorientiert, während es am Rande des Black Metal eine rechtsextreme Strömung (NSBM) gibt.

Psychobilly[Bearbeiten]

Die Psychobilly-Szene entwickelte sich Anfang der 1980er Jahre mit der Gründung der Band The Meteors. Die Musik ist eine Mischung aus Rockabilly und Punk. Typisches Merkmal dieser Gruppe ist die Frisur, das sogenannten Flattop, und fleckig gebleichten Hosen. Der Tanzstil ähnelt dem Pogo, wird aber als Wrecken bezeichnet. Die Szene sieht sich selbst als unpolitisch.

Straight Edge[Bearbeiten]

Straight Edge ist eine ursprünglich aus dem Umfeld des Hardcore Punks stammende Jugendkultur, die sich vom teilweise massiven Alkohol- und Drogengebrauch der übrigen Punkszene abzusetzen versucht. Zentral für den Straight-Edge-Gedanken ist der komplette Verzicht auf Alkohol, Tabak und alle anderen Drogen. Dies geht oft einher mit einer vegetarischen oder gar veganen Lebensweise. Gleichzeitig setzt man sich vom klassischen Öko durch Tattoos und ein betontes Körperstyling ab. Einen bedeutenden Einfluss hatte Straight Edge in Schweden Ende der Neunziger Jahre.

Emos[Bearbeiten]

Emo mit typischer Frisur und Piercings

Die Subkultur der Emos wird häufig als eine überemotionale und sensible dargestellt. Emos stellt man sich im Allgemeinen als Schwächlinge der Gesellschaft vor, welche sich selbst mit Rasierklingen verletzen, was eigentlich gar nicht der Fall ist. Der Begriff Emo leitet sich von „emotional“ ab, da Emos häufig sehr emotionale Liedtexte haben und sich auch selbst emotional präsentieren. Ihren Ursprung hat die Jugendkultur in Washington, D.C. Der Politik stehen die Emos neutral und der Gesellschaft kritisch gegenüber. Als Musikbeispiel dienen hier Bands wie zum Beispiel Callejon, Bullet For My Valentine, Black Veil Brides oder auch My Chemical Romance. Als äußere Merkmale sieht man die schwarzen Haare, der Pony wird häufig asymmetrisch getragen (ein Auge wird verdeckt), einzelne Haarsträhnen werden heller/dunkler gefärbt. Zu den beliebteren Klamotten zählen Merchandise-Shirts und -Pullis, häufig werden mit Symbolen versehene Handschuhe getragen, Frauen tragen bunte zerrissene Strumpfhosen, haben hoch toupierte Haare, auch Ketten zählen gelegentlich zu getragenen Accessoires. Zudem werden bestimmte Gesichtspartien, wie die Augen, meistens bei beiden Geschlechtern stark ausgeprägt geschminkt.

Gamer[Bearbeiten]

Die Jugendkultur der Gamer ist eine sehr moderne. Sie entstand mit der Entwicklung des Personal Computers, und wurde durch das Internet und die Entwicklung von Videospielen revolutioniert. Gamer investieren meist viel Zeit und Geld in solche Videospiele. Viele Gamer gehen ihrem Hobby alleine oder mit Gleichgesinnten nach.

Surfer und Skater[Bearbeiten]

Skateboarder im Sprung

Die Surfkultur entstand schon vor mehr als 1000 Jahren in Hawaii. Das Surfen wird häufig mit der Jugendkultur der Skater in Verbindung gebracht. Diese entstand in den 1950er Jahren in den USA. Die Kleidung und der Style sind meist recht einfach. Weite Hosen und einfach bedruckte T-Shirts machen den Style aus. Bekannte Surfermarken sind Billabong, O'Neill, Vans sowie Roxy und Quiksilver. Die meisten dieser Marken sind auch Skatermarken. Die Musik lässt sich nicht auf die allgemeine Surf/- und Skaterkultur beziehen, da sie sehr unterschiedlich ist. Sie erstreckt sich von Pop über Elektro und Dubstep und geht bis zu Rock. Politisch sind Surfer und Skater wenig aktiv.

Cosplayer[Bearbeiten]

Japanische Cosplayer (Comiket, Tokio)

Cosplay steht für „costume play“, was so viel bedeutet wie verkleiden und posieren als fiktive Figur. Es ist kein Lebensstil: Beim Cosplay steht der Spaß am Schneidern und Basteln im Vordergrund. Cosplayer sind ein Teil der Manga- und Animefanszene, so kommen auch die Vorlagen der Kostüme aus der japanischen Comicwelt. Cosplay stammt ursprünglich aus Japan. Die ersten Cosplayer gab es dort etwa gegen Ende der 1970er Jahre. In Deutschland verbreitete sich diese Jugendkultur ab 1996. Grund dafür waren die erste japanische Animeserie Sailor Moon und der erste Manga Dragonball. Seitdem wächst die Fangemeinde in Deutschland rasant. Mittlerweile gibt es einige tausende Cosplayer in Deutschland, Tendenz steigend. Cosplayer sind über das Internet vernetzt. Szenennews werden in einschlägigen Online-Communitys ausgetauscht. Treffen gibt es seit Ende der 1990er Jahre auf sogenannten Anime-Manga-Conventions und Buchmessen. Dort werden die selbstgemachten Kostüme präsentiert. Wer etwas auf sich hält bringt sein „Con-Hon“ mit, eine Art Poesie-Album, in der sich die Szene-Bekanntschaften mit Grüßen und Mangazeichnungen verewigen.

Jugendkulturen in der DDR[Bearbeiten]

Hauptartikel: Jugendkultur in der DDR

In der DDR entwickelte sich eine zum Teil eigenständige Jugendkultur. Eine DDR-spezifische Jugendszene war die Blueser- oder Kundenszene, die zum Ende der 1970er Jahre ihren Höhepunkt erreichte. Ihre Anhänger bezeichneten sich selbst als „Blueser“, „Kunden“ oder „Tramper“. Leitbild der Bewegung waren Ideale aus der Hippiära, wie Freiheit, Authentizität und Nonkonformismus. Sie zeichnete sich durch identische Verhaltensmuster, musikalische Vorlieben (Bluesrock, Southern Rock) und einem speziellen Outfit aus. Bekleidungsstandards waren Bluejeans der Marke Levi's 501, Sandalen („Jesuslatschen“), braune Wildlederschuhe („Tramper“), blau-weiß-gestreifte Arbeitshemden („Fleischerhemden“) und ein Parka („Shelli“). Motor der Szene waren einheimische Bands, wie Freygang, Engerling (Band), Jürgen Kerth, Monokel (Band) oder Jonathan Blues Band.[5]

Siehe auch: Bluesmusik in der DDR

Jugendkulturen außerhalb des westlichen Kulturraums[Bearbeiten]

Die Visual Kei-Bewegung entstand in Japan. In ihr wird Wert auf ein individuelles und meist sehr buntes und exotisches Aussehen gelegt, eine einheitliche Musikrichtung gibt es nicht. Die Kostüme sind zwar teilweise am Gothic und Punk angelehnt, aber ein Bezug zu diesen Szenen besteht nicht. Im ehemals sehr traditionellen und autoritären Japan mit seinem hohen Loyalitätsbegriff sind spätestens seit den 90ern auch alle gängigen ehemals westlichen Jugendkulturen vorhanden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Baacke: Jugend und Jugendkulturen: Darstellung und Deutung. Juventa-Verlag, Weinheim 1987.
  • Martin Biastoch: Duell und Mensur im Kaiserreich (am Beispiel der Tübinger Corps Franconia, Rhenania, Suevia und Borussia zwischen 1871 und 1895). Vierow 1995. ISBN 3-89498-020-6.
  • Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Sigmaringen 1996 (=Contubernium – Tübinger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte, Bd. 44). ISBN 978-3-515-08022-4
  • Klaus Farin: Jugend in Deutschland 1950–1989. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006.
  • Manfred Günther: Wörterbuch Jugend – Alter. Vom Abba zur Zygote. Rabenstück-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-935607-39-1.
  • Jon Savage: Teenage: Die Erfindung der Jugend (1875–1945). Campus-Verlag, Frankfurt/Main 2008.
  • Detlef Siegfried: Time is on my Side. Konsum und Politik in der westdeutschen Jugendkultur der 60er Jahre. Wallstein Verlag, Göttingen 2006.
  • Eva Kimminich, Heinz Geuen, Michael Rappe u. S. Pfänder, (Hrsg.,) Express Yourself! Europas Kreativität zwischen Markt und Underground. Bielefeld: Transcript. ISBN 978-3-89942-673-1.
  • Christoph Jacke, Eva Kimminich, Siegfried J. Schmidt (Hrsg.), Kulturschutt: Über das Recyceln von Theorien und Kulturen. Bielefeld: Transcript. ISBN 978-3-89942-394-5.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gustav Wyneken: Schule und Jugendkultur. Diederichs, 2.Aufl., Jena 1914.Im Bestand der Deutschen Nationalbibliothek
  2. Schon im Mittelalter gab es eine Jugendkultur. In: science.orf.at. 24. Februar 2014, abgerufen am 22. Juli 2014 (Johannes Koder vom Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Uni Wien).
  3. [1] Rechtsextreme Jugendkulturen, Neonazistische Orientierungen im urbanen Raum. Am Beispiel Berlins. Bianca Klose u.a.* Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier 8. Mai 2007
  4. Klose 2007 a.a.O. S.2
  5. Michael Rauhut: Blues in der DDR aus PopScriptum Nr. 8, Humboldt-Universität zu Berlin