Jugendwanderkutter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jugendwanderkutter Kersten Miles (Segelnummer 20) beim Auslaufen aus einem dänischen Ostsee-Hafen

Der Jugendwanderkutter ist ein offenes Segelboot mit Luggersegeln, das in der Jugendarbeit von Segelvereinen Verwendung findet.

Geschichte[Bearbeiten]

Klassenzeichen
Zeichen nicht vorhanden
Bootsmaße
Länge WL: 8,50 m
Breite üA: 2,50 m
Tiefgang: 0,8 - 2,1 m
Masthöhe: 6 m
Gewicht (segelfertig): 1100 - 2000 kg
Segelfläche
Segelfläche am Wind: ca. 33 m²
Sonstiges
Takelungsart: Lugger

Der Jugendwanderkutter wurde aus Marinekuttern (Kutter zweiter Klasse, K II K) der kaiserlichen Marine entwickelt und ist entfernt mit dem später entwickelten Kutter ZK10 verwandt. Die traditionelle Rumpfbauweise der heutigen Jugendwanderkutter ist fast identisch mit der der Rettungsboote der kaiserlichen Marine um 1900. Damals wurden diese Boote von größeren Besatzungen mit Muskelkraft durch die stärksten Stürme bewegt, um Seeleuten in Not zu helfen.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Nachfrage nach Beschäftigung für Jugendliche stieg, suchten Segelvereine nach einem stabilen und sicheren Boot für ihre Jugendarbeit. Mit dem Jugendwanderkutter wurde, unter Anlehnung an die bewährten Marinekutter, aber geändertem Lateralplan und Rigg, ein Bootstyp konzipiert, der von einer kleineren, 6–9-köpfigen Gruppe Jugendlicher gesegelt oder gerudert werden konnte. Die Boote sind als Lugger-Ketsch getakelt. Sie tragen nicht das kutterübliche einmastige Rigg, sondern sind mit einem zweimastigen Luggerrigg ausgestattet, dessen Großsegel baumlos gefahren wird. Ein Rundschwert lässt sich stufenlos fieren, um beim Segeln den Lateralplan zu vergrößern.[1]

Traditionell wird der Kutter in Kraweel-Bauweise gebaut und muss, nachdem er längere Zeit an Land stand, erst gewässert werden, damit die Stöße zwischen den Planken zuquellen. Ein Vorteil dieser Bauweise ist, dass das Boot robust und reparaturfreundlich ist. Seit einigen Jahren werden formverleimte und GFK-Kutter gebaut, die zwar leichter sind und weniger Pflege benötigen, dafür aber aufwendiger zu reparieren sind.

Der Jugendwanderkutter wurde in den 1960er Jahren vom Deutschen Segler-Verband als eigene Bootsklasse anerkannt und ist seitdem etwa 40 Mal gebaut worden. Das Segelzeichen wechselte mehrfach. Durchgesetzt hat sich ein Nummernsystem mit unterstrichenen schwarzen Ziffern im Besan.[1] Etwa 15 bis 20 Exemplare sind noch auf der Elbe rund um Hamburg aktiv, einige weitere gibt es auf Nord- und Ostsee und im Weser-Ems-Gebiet. Viele der traditionsreichen Segler mussten jedoch inzwischen „ihre letzte Reise antreten“ und sind ausgemustert worden.

Gegenwart[Bearbeiten]

Das Boot ist für küstennahe Tages- und Wochenendtouren konzipiert und ideal für die Elbe geeignet. Einmal im Jahr jedoch, im Sommer, fahren die Jugendwanderkutter auf eine drei- bis vierwöchige Langfahrt, meist mit dem Ziel Dänische Südsee. Einige Crews unternehmen auch ein- bis zweiwöchige Herbsttouren, die zwar kalt sein können, andererseits durch Wind und Wetter einen besonderen Reiz haben.

Der Bootstyp soll 14- bis 20-Jährige ansprechen und kann ab einer Mannschaftsstärke von fünf Personen gesegelt werden. Er gilt als geeignetes „Lehrmittel“ für das Erlernen von Segeln und guter Seemannschaft. Kuttersegeln ist außerdem preiswert, da die meisten Vereine von Schülern und Studenten nur den ermäßigten Mitgliedsbeitrag verlangen. Dennoch sind die Boote zunehmend seltener zu sehen, da die Vereine mit Jugendwanderkuttern Nachwuchssorgen haben.

Liste der Jugendwanderkutter mit den Segelnummern[Bearbeiten]

Segelnummer Jugendwanderkutter Club Heimathafen Baujahr Bemerkung
1 Helgoland SVAOe Hamburger Yachthafen (Wedel)
2 Unterelbe WSCHa Haseldorf früher SCU (Hamburg)
3 Lühesand WSC Lühe Grünendeich Hafen
4 (unbekannt)
5 (unbekannt)
6 Alte Nordwest JKN Hamburger Yachthafen (Wedel)
7 Rasmus ASC Hamburger Yachthafen (Wedel) mitte 1950er früher Kurt Lange, nun in Bremen
8 Keen Tied ESV Elb-Segler-Vereinigung e.V.
9 (unbekannt)
10 Genosse III VHS Hamburg-Harburg
11 Tine Haus Warwisch Yachthafen Mühlenberg
12 Neumühlen SVAOe Hamburger Yachthafen (Wedel)
13 Eny VII K.SC Kiel - Camp 24/7
14 Teufelsbrück SVAOe Hamburger Yachthafen (Wedel)
15 (unbekannt)
16 Dwars-driever II WYCN Wischhafen
17 Roland von Wedel SVWS Wedel-Schulau 1974
18 Dockenhuden K.SC Kiel - Camp 24/7 1974 früher MSC (Hamburg)
19 Hachede SVG Geesthacht
20 Kersten Miles SK Hansa Hamburger Yachthafen (Wedel)
21 Scharhörn Inselschule Juist Juist 1959
22 Mim MSK Kiel - Möltenort
23 Kleverberg YCS Strande
24 Oevelgönne SCOe Hamburger Yachthafen (Wedel) 1959
25 Onkel Hanne BSC Hamburg - Blankenese
26 Finkenwerder TUS-Finkenwerder Hamburg - Finkenwerder 1983
27 Elmsfuer SVN Hamburger Yachthafen (Wedel) 1985
28 Dwarslöper SPSD Fischereihafen Travemünde
29 Viet BSC Hamburg - Blankenese
30 Kurt Hahn SSVL Schulsportverein Louisenlund
31 (unbekannt)
32 Nordwest JKN Hamburger Yachthafen (Wedel) 1991
33 Hornblower DHH Glücksburg
34 Robinson Crusoe DHH Glücksburg
35 Spiekeroog 2 SSVL Schulsportverein Louisenlund
36 Butenplöner SRSV Plön Plön 1996
37 Louisenlund 2 SSVL Schulsportverein Louisenlund 2003
39 Möwe von Köhlfleet SCOe Hamburger Yachthafen (Wedel) 2006
keine Vorhanden Barbara Haus Warwisch Yachthafen Mühlenberg

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsche Marinekutter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Freundeskreis Klassische Yachten, Yachtsport-Archiv: Geschichte der Jugendwanderkutter, abgerufen 20. Oktober 2007