Jugenheim in Rheinhessen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Jugenheim in Rheinhessen
Jugenheim in Rheinhessen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Jugenheim in Rheinhessen hervorgehoben
49.8958.085156Koordinaten: 49° 54′ N, 8° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Verbandsgemeinde: Nieder-Olm
Höhe: 156 m ü. NHN
Fläche: 6,17 km²
Einwohner: 1570 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 254 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55270
Vorwahl: 06130
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 031
Adresse der Verbandsverwaltung: Pariser Straße 110
55268 Nieder-Olm
Webpräsenz: www.jugenheim-rheinhessen.de
Ortsbürgermeister: Herbert Petri (SPD)
Lage der Ortsgemeinde Jugenheim in Rheinhessen im Landkreis Mainz-Bingen
Breitscheid (Hunsrück) Bacharach Manubach Oberdiebach Oberheimbach Niederheimbach Weiler bei Bingen Trechtingshausen Waldalgesheim Münster-Sarmsheim Bingen am Rhein Ingelheim am Rhein Budenheim Heidesheim am Rhein Wackernheim Grolsheim Gensingen Horrweiler Aspisheim Welgesheim Zotzenheim Badenheim Sprendlingen Sankt Johann (Rheinhessen) Wolfsheim (Gemeinde) Ockenheim Gau-Algesheim Appenheim Nieder-Hilbersheim Bubenheim (Rheinhessen) Ober-Hilbersheim Engelstadt Schwabenheim an der Selz Jugenheim in Rheinhessen Stadecken-Elsheim Essenheim Ober-Olm Klein-Winternheim Nieder-Olm Sörgenloch Zornheim Bodenheim Gau-Bischofsheim Harxheim Nackenheim Lörzweiler Mommenheim (Rheinhessen) Hahnheim Selzen Nierstein Oppenheim Dienheim Dexheim Dalheim (Rheinhessen) Köngernheim Friesenheim (Rheinhessen) Undenheim Uelversheim Uelversheim Ludwigshöhe Guntersblum Weinolsheim Dolgesheim Eimsheim Hillesheim (Rheinhessen) Wintersheim Dorn-Dürkheim Rhein-Lahn-Kreis Hessen Mainz Rhein-Hunsrück-Kreis Landkreis Bad Kreuznach Donnersbergkreis Landkreis Alzey-WormsKarte
Über dieses Bild

Jugenheim in Rheinhessen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Der Weinort gehört der Verbandsgemeinde Nieder-Olm an.

Geographie[Bearbeiten]

Jugenheim liegt mitten zwischen Mainz, Bingen, Alzey und Bad Kreuznach in Rheinhessen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits seit der jüngeren Steinzeit war die Gegend um Jugenheim besiedelt, was sich durch zahlreiche Funde beweisen lässt. Ein südlich des Dorfes 1924 entdeckter fränkischer Friedhof und die Endung des Ortsnamens auf -heim lassen darauf schließen, dass es sich bei Jugenheim um eine Gründung der Franken in der Landnahmezeit (5./6. Jahrhundert) handelt. Ob sich die Erwähnung eines Ortes „Gaginheim“ im Lorscher Codex von 767 auf Jugenheim bezieht, wird von der Forschung gelegentlich bestritten. In Urkunden tritt der Ortsname im 9. Jahrhundert als „Goganheim“ sowie im 13 bzw. 14. Jahrhundert als „Guginheim“ und „Gugenheym“ auf, bis sich die endgültige Bezeichnung „Jugenheim“ daraus entwickelte. Nur wenige Urkunden belegen die Entwicklung im hohen Mittelalter.

Kaiser Otto I. schenkte 966 der Kirche des Heiligen Moritz in Magdeburg verschiedene Güter in Jugenheim. Durch einen Gütertausch kam das Dorf 1112 an den Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken. Nachdem Jugenheim dann nachweislich seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts im Besitz der Raugrafen von der Altenbaumburg und danach derer von Sponheim-Dannenfels war, gelangte der Ort 1393 durch Heirat an die Dynastie Nassau. Diese Zugehörigkeit an wechselnde Linien des Hauses Nassau-Saarbrücken blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestehen. Von 1769 bis 1777 war Jugenheim an Nassau-Usingen verpfändet. 1794 wurde Jugenheim kurzzeitig Residenz des Saarbrücker Fürsten (Erbprinz) Heinrich (Ludwig Karl Albrecht), der auf der Flucht vor den französischen Revolutionstruppen, die 1795 auch Jugenheim besetzten, hierher geflohen war. Bis heute blieb der Löwe von Nassau-Saarbrücken im Ortswappen.

Seit dem 13. Jahrhundert war Jugenheim Sitz eines Gerichts, unter Nassau-Saarbrücken wurde der Ort Mittelpunkt eines Amtes, zu dem Tiefenthal sowie Teile von Wöllstein, Gumbsheim und Pleitersheim gehörten.

Dem Haus Nassau-Saarbrücken verdankt Jugenheim auch eine neue Kirche St. Martin, die Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken (1718–1768) nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges am 31. März 1762 erbauen ließ. Die erste Erwähnung der Pfarrei Jugenheim stammt von 1299, bei der damals schon bestehenden Kirche handelt es sich um eine Chorturmkirche, die dem Mainzer Dompatron, dem Heiliger Martin, geweiht war. Erst am 28. Mai 1775 konnte nach vielen finanziellen Schwierigkeiten das neue Gotteshaus seiner Bestimmung übergeben werden. Eine gebrauchte Orgel wurde erst 1804 angeschafft. Als bedeutendste Epoche Jugenheims kann man das 18. Jahrhundert bezeichnen, in dem die Neubauten von Kirche, Amtshaus und Pfarrhaus entstanden. Von der dreifachen Umwallung und den drei mittelalterlichen Toren ist nichts mehr erhalten.[2] Von 1798 bis 1814 gehörte der Ort zum Kanton Oberingelheim im Departement Donnersberg.

Das 19. Jahrhundert brachte für Jugenheim eine ruhige Entwicklung. Die Bevölkerungszahl stieg von 717 in 1815 auf 1100 Einwohner an. Maßgebend für die bescheidene bauliche Entwicklung blieben die alten Grenzen des Ortes, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg überschritten wurden. 1852 richtete man ein „Rettungshaus für sittlich verwahrloste Knaben“ in einem heute noch erhaltenen und renovierten Haus am Edelsberg ein. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Jugenheim an die rheinhessische Wasserversorgung angeschlossen, die Kanalisierung erfolgte in den 1920er Jahren. Seit 1904/05 gab es eine eingleisige Bahnlinie nach Ingelheim am Rhein. Die Strecke, an die der inzwischen Wohnzwecken dienende Bahnhof erinnert, wurde 1954 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Ein Kriegerdenkmal, das eine Statue der Germania zeigt, wurde zum Andenken an den Krieg 1870/71 an der Hauptstraße gegenüber dem neuen Dorfplatz errichtet. Gedenkstätten an die Toten der beiden Weltkriege finden sich auf dem alten Friedhof der bei der Kirche. Der neue Friedhof wurde an der Straße nach Stadecken-Elsheim angelegt. Westlich des Ortes liegt der alte Judenfriedhof, ein bedeutendes historisches Zeugnis. Bestattet wurden hier Juden aus Jugenheim und umliegenden Gemeinden vom 18. Jahrhundert bis etwa 1935.

Zu den wenigen öffentlichen Bauaufgaben nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte unter anderem die Errichtung eines neuen Schulhauses 1951. Seit Auflösung der Schule dient das Gebäude als Rathaus und Dorfgemeinschaftshaus. 1978 konnte die Sport- und Gemeindehalle eingeweiht werden. Im Zuge der Gebietsreform kam Jugenheim zur Verbandsgemeinde Nieder-Olm im Landkreis Mainz-Bingen. Die Bauliche Entwicklung des Ortes hat Ende der 1980er Jahre die alten Dorfgrenzen überschritten. Seit 1960 wurden Neubaugebiete im Süden des Ortskerns angelegt. Nach wie vor kommt der Landwirtschaft – vor allem der Weinbau – große Bedeutung zu, doch werden immer mehr Betriebe im Nebenerwerb geführt. Die meisten der erwerbstätigen Einwohner gehen auswärts einer Tätigkeit nach.[3] Seit 1987 ist Jugenheim eine anerkannte Dorferneuerungsgemeinde.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Jugenheim in Rheinhessen, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[4][1]

Jahr Einwohner
1815 717
1835 1.050
1871 1.132
1905 1.093
1939 869
1950 1.083
Jahr Einwohner
1961 927
1970 1.008
1987 1.016
1997 1.418
2005 1.649
2012 1.570

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Jugenheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[5]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2009 10 1 5 16 Sitze
2004 9 2 5 16 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung lautet: „Auf blauem, mit sieben silbernen Kreuzchen bestreutem Grund ein silberner, steigender, rotgekrönter und silbernbewehrter Löwe.“[6]

Das Wappen heht auf ein historisches Gerichtssiegel und auf das Wappen der Grafen von Saarbrücken-Commercy zurück.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

ehemaliges Mühlenanwesen in der Hauptstraße

Bauwerke[Bearbeiten]

Die evangelische Martinskirche wurde 1775 geweiht und ist mit ihren 1.000 Sitzplätzen eine der größten Kirchen Rheinhessens. Ihre Wegmann-Orgel von 1762 samt originaler Orgelbrüstung stammt aus der Mainzer Welschnonnenkirche. An den Wänden und in den tiefen Laibungen der drei Fenster des Turmes konnten qualitätvolle Wandmalereien aus der Zeit um 1420 erhalten werden. Im späten 15. Jahrhundert wurde ein gotisches Sakramentshäuschen eingebaut.[7]

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Jugenheim in Rheinhessen

Vereine[Bearbeiten]

  • Freiwillige Feuerwehr
  • Landfrauenverein
  • gIG-Jugenheim e.V. (gewerbliche InteressensGemeinschaft)
  • GV Jugenheim
  • Jugenheimer MusikFreunde 2001
  • Reit- und Zuchtverein Rheinhessen-Mitte
  • TC 1988 Jugenheim
  • TuS 1899 Jugenheim

Sport[Bearbeiten]

  • drei Tennisplätze unter freiem Himmel
  • die 1999 erbaute Tennishalle mit 2 Spielfeldern
  • Sportanlage mit Naturrasenplatz
  • Reitplatz mit Reithalle
  • Beachvolleyballfeld (erbaut 2005)
  • Skaterpark (erbaut 2009)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Ort gibt es eine seit dem 18. Jahrhundert immer noch im Familienbesitz stammende Brot- und Feinbäckerei. Die älteste Gaststätte wurde um 1880 gegründet. Außerdem gibt es einen CAP-Lebensmittelmarkt.

Seit 1980 ist Jugenheim am Erdgas-Verbundnetz angeschlossen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Gemeindekindergarten
  • Kindergarten der evangelischen Kirchengemeinde
  • Freiwillige Feuerwehr
  • Gemeindehaus
  • Jugendtreff im Rathauskeller

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Claus Schick (* 6. November 1944), Politiker der SPD und Landrat des Landkreises Mainz-Bingen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jugenheim in Rheinhessen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Dehio für Rheinland-Pfalz/Saarland von 1972: S. 332
  3. Informationstafel in der Hauptstraße, Stand: 1988
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  5. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  6. Einwohnerbroschüre 2010 Verbandsgemeinde Nieder-Olm (PDF; 2,9 MB)
  7. Liebfrauenland: Kulturführer Gotik in Rheinhessen