Jugoslawische Volksarmee

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Flag of SFR Yugoslavia.svg Jugoslawische Volksarmee
Jugoslovenska Narodna Armija
Југословенска народна армија
Jugoslovanska ljudska armada
Logo of the JNA.svg
Führung
Oberbefehlshaber: Präsident Jugoslawiens (1945–1980);
Präsidium der SFRJ (1980–1992)
Verteidigungsminister: Volkskommissar für Verteidigung
Militärische Führung: Präsident Jugoslawiens (1945–1980); Oberbefehlshaber (1980–1992)
Sitz des Hauptquartiers: Belgrad
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: ca. 620.000 (1980er)
Reservisten: ca. 3.200.000 Soldaten inklusive TO (1980er)
Wehrpflicht: 18 Monate
Wehrtaugliche Bevölkerung: ca. 6.200.000 (1980er)
Wehrtauglichkeitsalter: 15–65
Geschichte
Gründung: 1. März 1945
Ablösung: 12. Mai 1992
Höchste Mannstärke: ca. 680.000 aktive Soldaten (1974)

Die Jugoslawische Volksarmee (serbokroatisch: Jugoslovenska narodna armija (JNA) beziehungsweise Југословенска народна армија; slowenisch: Jugoslovanska ljudska armada) waren die Streitkräfte der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien bis 1992.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Streitkräfte hatten ihren Ursprung im bewaffneten Teil des antifaschistischen Widerstands unter Führung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens während des Zweiten Weltkrieges zwischen 1941 und 1945.

Am 1. März 1945 wurde die Armee formell aus den Partisaneneinheiten Titos gebildet. Am 22. Dezember 1951 erfolgte die offizielle Umbenennung in Jugoslawische Volksarmee.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie zu einer regulären Armee mit starker kommunistischer Prägung umgebildet (so waren 1990 rund 96 % der Offiziere und etwa die Hälfte der zivilen Angestellten Mitglieder des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens). Obwohl die noch während der Gründungsphase nach sowjetischem Muster eingeführten Politkommissare bereits 1953 wieder abgeschafft wurden, blieb die politische Arbeit in der JNA außerordentlich intensiv.

1968 wurde die Armee neu gegliedert und – unter dem Eindruck der Niederschlagung des Prager Frühlings – die Territorialverteidigung (TO) als gleichwertiger Truppenteil geschaffen. Bei der Territorialverteidigung handelte es sich um eine parallel zur Armee existierende Institution, welche mit einer der Feuerwehr ähnlichen Organisationsform im Falle eines Angriffes schnell und unbürokratisch die Verteidigung bis zum Eintreffen der Armee organisieren sollte und dem Befehl der Gemeindeverwaltung unterstand. Diese Ausrichtung auf einen Guerillakrieg sollte einen schnellen Einmarsch feindlicher Kräfte (der NATO und des Warschauer Paktes) erschweren. Die TO wurde territorial in den sechs Republiken und den zwei Autonomen Provinzen aufgestellt und auch von diesen jeweils einzeln verwaltet.[1]

1974 wurden sechs Feldarmeen geschaffen, die über fünf der Republiken Jugoslawiens verteilt wurden. Die 1. Armee (Hauptquartier Belgrad) in Serbien und der autonomen Provinz Vojvodina, die 2. Armee (HQ Niš) in Südserbien und im Kosovo, 3. Armee (HQ Skopje) in Mazedonien, die 5. Armee (HQ Zagreb) in Kroatien, die 7. Armee (HQ Sarajevo) in Bosnien sowie die 9. Armee(HQ Ljubljana) in Slowenien. Zudem wurden in Montenegro zwei Korps stationiert. Die ehemalige 4. Armee wurde in den Militärdistrikt Küste mit HQ in Split umgewandelt, der sich über die gesamte Küste des Landes erstreckte. Die Marine verfügte mit einer Adria-Flotte mit mehreren schweren Einheiten, der Fluss-Flottille, zwölf Marineinfanterie-Brigaden und 25 Küstenartillerie-Batterien über schlagkräftige Einheiten zum Schutz der Adriaküste. Die Luftstreitkräfte waren nach sowjetischem Vorbild aufgebaut und verfügte über drei Luftkorps (1, 3 und 5), die jeweils zu der Armee mit derselben Nummer gehörte. Zudem verfügten die Luftstreitkräfte über eine Luftabwehr-Brigade und zwei Luftabwehr-Regimenter. Diese Organisation blieb bis 1988 bestehen.[1]

Nach dem Beginn der ersten Unruhen 1988 und nachdem klar wurde, dass es immer mehr separatistische Strömungen innerhalb der einzelnen Republiken gab, wurden zunächst die Armeen in Militärdistrikte aufgeteilt, die nicht mehr mit den Grenzen der Republiken übereinstimmten. Zudem wurde die Territorialverteidigung aufgelöst.[1]

Die Distrikte waren bis 1991 endgültig neu aufgeteilt, die vorherigen Infanterie-Divisionen aufgelöst und deren Brigaden zu Korps neu zusammengesetzt worden. Die Distrikte umfaßten den 1. Militärdistrikt (HQ Belgrad) in Nordserbien, Nordostkroatien, Bosnien und Vojvodina, den 3. Militärdistrikt (HQ Skopje) in Südserbien, Kosovo, Montenegro und Mazedonien, Teile der mazedonischen, serbischen und montenegrinischen TO, den 5. Militärdistrikt (HQ Zagreb) in Slowenien, Westkroatien, die slowenische und Teile der kroatischen TO. Einzig der Militärdistrikt Küste blieb, mit kleineren Veränderungen, bestehen.

Jugoslawienkriege und Auflösung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zerfall Jugoslawiens

Die Auflösung der JNA ging gemeinsam mit der Auflösung des Staates Jugoslawiens vonstatten. Während die Armee zunächst noch als Puffer zwischen den einzelnen Volksgruppen eingesetzt wurde und die Einheit Jugoslawiens garantieren sollte, geriet sie im Laufe des Jahres 1992 immer mehr unter die Kontrolle Serbiens.

Am 10. März 1991 kam es zu einer dramatischen Sitzung des Präsidiums der SFRJ. Die JNA forderte dabei vom Präsidium – das formal den Oberbefehl über die Streitkräfte hatte – die Ausrufung des Ausnahmezustandes, um gegen die Unruhen in Kroatien und Slowenien vorgehen zu können. Während Serbien, Montenegro, Kosovo und die Vojvodina dafür stimmten, stimmten Kroatien, Slowenien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina dagegen. Damit war der Antrag abgelehnt.

Vor den Jugoslawienkriegen war die Armee ein multiethnischer Verband. Die meisten (Berufs-)Soldaten und insbesondere Offiziere fühlten sich Jugoslawien als Gesamtstaat verbunden, aber auch ihrer Ethnie verpflichtet. Ende 1991, als Slowenien und Kroatien endgültig aus der Bundesrepublik ausgetreten waren, war die Volksarmee in ihrer Rolle als Armee aller Jugoslawen praktisch gelähmt.

Am 15. März 1991 erklärte Serbien, dass es sich nicht mehr an die Weisungen des Präsidiums gebunden fühle und gab damit der Armee freie Hand zu agieren.

Hauptartikel: 10-Tage-Krieg

Die ersten Gefechte im Bürgerkrieg um Jugoslawien gab es im Rahmen des 10-Tage–Kriegs um Sloweniens Unabhängigkeit. Slowenien übernahm am 25. Juni 1991 den Oberbefehl über seine TO-Truppen und begann mit der Sicherung seiner Grenzen zu Österreich, Italien, Ungarn und zum Rest Jugoslawiens.

Die JNA war nicht auf die Situation vorbereitet. Die aus der slowenischen TO und Polizei entstandenen Slowenischen Streitkräfte schafften es, die JNA in ihren Kasernen zu blockieren und von der Versorgung abzuschneiden. Dank der Hilfe des ebenfalls in die Unabhängigkeit strebenden Kroatiens konnten kaum JNA-Einheiten aus Bosnien und Serbien nachrücken.

Nach zehn Tagen wurde ein Waffenstillstand zwischen der JNA und den Slowenen vereinbart. Im Oktober 1991 verließ der letzte jugoslawische Soldat das Land. Insgesamt hatte die JNA 44 Gefallene und 146 Verwundete sowie 4.693 Gefangene. Auf slowenischer Seite gab es 18 Tote und 182 Verwundete.

Hauptartikel: Kroatienkrieg

Der zweite Schauplatz des Krieges war Kroatien, das am 25. Juni 1991 ebenfalls die Unabhängigkeit erklärt hatte.

Er wurde vor allem um das mehrheitlich von Serben bewohnte Gebiet der sogenannten Krajina geführt; es waren aber auch größere kroatische Städte sowie die Gebiete Slawonien und Nord-Dalmatien betroffen, in denen Serben eine Minderheit darstellten. Ziel Serbiens war es, die Kontrolle über ein zusammenhängendes Territorium zu bekommen, um so den Anschluss der serbisch besiedelten Gebiete an ein „Rest-Jugoslawien“ zu vollziehen. Das Ziel Kroatiens war die Sicherung seiner Grenzen.

Auf Grund eines Beschlusses des Präsidiums der SFRJ, zunächst nicht einzugreifen, beteiligte sich die JNA zunächst nicht direkt an den Kämpfen, unterstützte aber logistisch serbische Verbände. Als sich Kroatien zur Blockade der Kasernen der JNA auf ihrem Territorium entschloss, trat die Armee offen als kriegführende Partei in Erscheinung. Sie beteiligte sich an dem Beschuss kroatischer Städte wie Vukovar, Osijek und Dubrovnik und blockierte kroatische Adriahäfen.

Hauptartikel: Bosnienkrieg

Am 27. April 1992 wurde mit der Gründung der Bundesrepublik Jugoslawien, die nur noch aus Serbien und Montenegro bestand, auch die Armee in Armee Jugoslawiens (Vojska Jugoslavije) umbenannt.

Im Mai 1992 bestätigte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die neuen Republiken auf dem ehemaligen Staatsgebiet Jugoslawiens. Die Armee Jugoslawiens musste sich aus den souveränen Staaten Kroatien und Bosnien und Herzegowina zurückziehen.

Am 12. Mai 1992 wurden die Reste der Volksarmee aufgeteilt, ein Teil zog sich nach Serbien zurück, während der andere Teil die Vojska Republike Srpske bildete. Damit verblieb der größte Teil der Bewaffnung der Volksarmee in der Hand der Serben. Die Armee Jugoslawiens griff in diesen Krieg offiziell nicht ein, da Serbien mit Bosnien und Herzegowina nicht im Krieg stand.

Aufbau und Struktur[Bearbeiten]

Die JNA bestand 1988 aus vier Teilstreitkräften:

  • Landstreitkräfte der Jugoslawischen Volksarmee (Serbokroatisch: Kopnena Vojska)
  • Luftstreitkräfte der Sozialistisch Föderativen Republik Jugoslawien (Serbokroatisch: Ratno vazduhoplovstvo i protiv vazdušna odbrana – RV i PVO SFRJ)
  • Marine Jugoslawiens (Serbokroatisch: Jugoslavenska ratna mornarica)
  • Territorialverteidigung (TO)
  • Zivilverteidigung

Die Struktur der JNA wurde nach dem beginnenden Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) in den Jahren 1991 einschneidend verändert. Nach der letzten Änderung wurde die JNA in drei Militärdistrikte (1., 3. und 5. Armee) und einen Militärdistrikt der Marine unterteilt. Die Luftstreitkräfte besaßen eigene Hauptquartiere mit derselben Kommandostruktur. Jeder Militärdistrikt (MD) war für die Truppen in der jeweiligen geografischen Region verantwortlich.

Die Rüstungsindustrie Jugoslawiens umfasste 56 Fabriken mit 8.000 Wissenschaftlern und 72.000 Arbeitern. Weitere 100.000 arbeiteten in Zulieferfirmen. Etwa 60 Prozent der Produktion lag in Bosnien und Herzegowina.

Landstreitkräfte[Bearbeiten]

Emblem der Jugoslawischen Landstreitkräfte

In den 1980er-Jahren hatten die jugoslawischen Landstreitkräfte eine Truppenstärke von etwa 240.000 bis 260.000 Berufssoldaten und ungefähr 100.000 wehrpflichtige Rekruten sowie 1.500.000 ausgebildete Reservisten. Dazu kamen ca. 1.500.000 Angehörige der TO.

Aufbau[Bearbeiten]

Der Aufbau der Jugoslawischen Volksarmee bis 1988.

1. Armee[Bearbeiten]

Belgrad unterteilt in

  • 4. Korps mit Hauptquartier in Sarajevo
  • 5. Korps mit Hauptquartier in Banja Luka
  • 12. Korps mit Hauptquartier in Novi Sad
  • 17. Korps mit Hauptquartier in Tuzla
  • 24. Korps mit Hauptquartier in Kragujevac und
  • 37. Korps mit Hauptquartier in Užice

3. Armee[Bearbeiten]

Skopje unterteilt in

5. Armee[Bearbeiten]

Zagreb unterteilt in

  • 10. Korps mit Hauptquartier in Zagreb
  • 13. Korps mit Hauptquartier in Rijeka
  • 14. Korps mit Hauptquartier in Ljubljana
  • 31. Korps mit Hauptquartier in Maribor und
  • 32. Korps mit Hauptquartier in Varaždin

Ausrüstung[Bearbeiten]

Standardhelm der JNA, links mit kommunistischem roten Stern, rechts mit der Staatsflagge der Sozialistischen Republik Serbien
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  • Mittlere Panzer
  • Leichte Panzer
  • Schützenpanzer und Transportpanzer
  • Selbstfahrlafetten
  • Raketenartillerie

Luftstreitkräfte[Bearbeiten]

Logo der Luftstreitkräfte

Das Hauptquartier der Luftstreitkräfte befand sich im Belgrader Stadtteil Zemun.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Stand 1990 der Luftstreitkräfte und Luftverteidigung (Ratno vazduhoplovstvo i protiv vazdušna odbrana, kurz RV i PVO):

Kampfflugzeuge

Hubschrauber

Transportflugzeuge

Trainer

Fliegerhorste[Bearbeiten]

Marine[Bearbeiten]

Emblem der Jugoslawischen Kriegsmarine (JRM)
Gösch der JRM

Die Marine hatte ihr Hauptquartier in Split.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Die Jugoslawische Kriegsmarine (Jugoslavenska ratna mornarica, kurz JRM) verfügte über folgende Ausrüstung:

U-Boote

  • 3 × Heroj-Klasse (Patrouillen-U-Boote)
  • 3 × Sava-Klasse (Patrouillen-U-Boote)
  • 2 × Sutjeska-Klasse (Trainings-Boote)
  • 2 × Una-Klasse (Klein-U-Boote)
  • 4 × Mala-Klasse (Klein-U-Boote)

Überwasserschiffe

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jugoslawische Volksarmee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c  N. Thomas und K. Mikulan: Der Jugoslawienkrieg (1) Slowenien & Kroatien 1991–95. Osprey Publishing Ltd., New York, USA 2006 (Originaltitel: The Yugoslav Wars (1) Slovenia & Croata 1991–95), ISBN 184 176 963 0, The Yugoslav People's Army, S. 7.