Juli Zeh

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Juli Zeh

Juli Zeh (* 30. Juni 1974 in Bonn) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Zeh besuchte das Pädagogium Otto-Kühne-Schule in Bonn und legte dort das Abitur ab. Anschließend studierte sie Rechtswissenschaften in Passau, Krakau, New York und Leipzig. Studienschwerpunkt war das Völkerrecht, insbesondere das Nation Building. Im Jahr 1998 bestand die Autorin das Erste Juristische Staatsexamen. Nach einem Praktikum bei der UNO in New York folgte ein juristischer Aufbaustudiengang „Recht der Europäischen Integration”, der mit dem Magister der Rechte (LL.M.Eur.) abschloss. Im Jahr 2003, nach dem Rechtsreferendariat, absolvierte Zeh das Zweite Juristische Staatsexamen; derzeit arbeitet sie an ihrer Dissertation über den Status des Kosovo aus völkerrechtlicher Sicht,[1][2] wobei sie die Promotion „eher als Hobby“ begreift, während die „Schriftstellerei“ ihr „Beruf“ sei.[3]   Das Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig hatte Zeh 1996, noch vor Abschluss des Jurastudiums, begonnen und im Jahr 2000 mit dem Diplom abgeschlossen. Ihren literarischen Ruf setzt Juli Zeh mittlerweile auch politisch ein. Im Bundestagswahlkampf 2005 gehörte sie zu den Autoren, die den Aufruf von Günter Grass zur Unterstützung der Rot-Grünen Koalition unterschrieben haben. Außerdem leiht sie als „Tierschutzbotschafterin” der Stiftung Vier Pfoten ihre Stimme.

Zeh ist die Tochter des ehemaligen Direktors beim Deutschen Bundestag, Professor Dr. Wolfgang Zeh.

Ende Januar 2008 wurde bekannt, dass Zeh beim Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde gegen den biometrischen Reisepass eingereicht hat,[4] da die obligatorische Erfassung von Fingerabdrücken in Reisepässen keine wirksame Maßnahme der Sicherheitspolitik, sondern als „sinnlose[r] Grundrechtseingriff“[3] ein „grundsätzliches Problem in einer freiheitlichen Gesellschaft“[5] darstelle. Bislang habe noch kein Politiker erklären können, wie die Erfassung einen Terroranschlag verhindern solle, da in keinem der bisher durchgeführten oder geplanten Attentate gefälschte Pässe eine Rolle gespielt hätten.[3]

Seit 2007 lebt Zeh in Barnewitz im Landkreis Havelland, Brandenburg.

[Bearbeiten] Werk

Juli Zehs Debütroman Adler und Engel – in 28 Sprachen übersetzt – spielt im Milieu international tätiger Juristen und der Drogenmafia. Der Biographie der Autorin entsprechend hat der Roman einen juristischen Gehalt: Er thematisiert das Völkerrecht und damit eine „sehr spezielle Rechtsform, die eigentlich den Charakter oder den Namen Recht nur zur Hälfte verdient,“ weil es in „jeder Sekunde immer noch im Entstehen begriffen“ sei, sich „ständig mit [seinem] eigenen Untergang konfrontiert“ sehe und „mit [seiner] eigenen Wirkungslosigkeit.“[6]

Der Schauplatz von Spieltrieb ist ein Gymnasium in Zehs Heimatstadt Bonn. Die Protagonisten sind Schüler und Lehrer der Schule, an deren Verhalten und Einstellungen exemplarisch die rechtsphilosophische Frage nach der objektiven Existenz von Recht und Unrecht thematisiert wird. Mit einem Auszug aus dem Roman nahm Juli Zeh 2004 am Ingeborg-Bachmann-Preis teil. Ihr Text stieß auf geteiltes Echo bei der Jury. Der Roman erreichte allerdings ein breites Publikum und erhielt überwiegend positive Rezensionen in den deutschen Feuilletons. Bernhard Studlar erarbeitete aus diesem Roman ein gleichnamiges Bühnenstück, welches am 16. März 2006 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt wurde und seit Anfang 2007 auch am Jungen Theater Bremen läuft.

Das Reisetagebuch Die Stille ist ein Geräusch ist Produkt einer Reise nach Bosnien-Herzegowina im Sommer 2001. Es geht um die tiefe Verstörung der Menschen angesichts der Nichtbeachtung des Landes durch die Völkergemeinschaft, das Nicht-Gesehenwerden durch Europa. Ein Hund läuft durch die Republik ist eine gemeinsam mit David Finck und Oskar Ters herausgegebene Anthologie mit Erzählungen junger Bosnier in deutscher Sprache über die Situation in ihrem Land. Das Kleine Konversationslexikon für Haushunde mit Photographien von David Finck erschien 2005. Darin erklärt Othello, der Haushund einer Schriftstellerin, die Welt, wie sie wirklich ist – aus dem Blickwinkel eines Hundes. Alles auf dem Rasen, erschienen im März 2006, ist ein Sammelband von 30 Essays.

Der Roman Schilf, erschienen in 2007, verbindet eine Kriminalhandlung um zwei elitäre Physiker mit Reflexionen zum Phänomen der Zeit. Zeh stellt ihrem Roman einen „Prolog“ voran, der mit vagen Vorausdeutungen Spannung erzeugt.

„Ein Kommissar, der tödliches Kopfweh hat, eine physikalische Theorie liebt und nicht an den Zufall glaubt, löst seinen letzten Fall. Ein Kind wird entführt und weiß nichts davon. Ein Arzt tut, was er nicht soll. Ein Mann stirbt, zwei Physiker streiten, ein Polizeiobermeister ist verliebt.“

Juli Zeh: Schilf, Prolog

Das Theaterstück Corpus delicti[7] spielt im Jahr 2057. Grundlage des gesamten Staatswesens ist die Methode geworden, das heißt, der Staat zwingt seine Bürger zu gesundheitlicher Prävention und behandelt selbst das Rauchen einer Zigarette als Delikt. Das Drama wurde bei der Ruhrtriennale 2007 uraufgeführt. Der gleichnamige Roman erschien 2009.

Das Schreiben Juli Zehs dreht sich um den Antagonismus von Chaos und Ordnung; sie fragt, ob und wie sich Sinn und Moral neu aufbauen lassen, wenn tradierte Werte bedeutungslos wurden. Wiederkehrende Motive sind die Fragen des Verlorengehens des Zusammenhalts und der tragenden Normen und die Lebenswelt in einer Gesellschaft der Individualisierung und Globalisierung, in der keine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft einer Weltgemeinschaft mehr erkennbar wird.

Literarisches Schreiben sei, so Zeh, im Zeitpunkt des Entstehens der Texte ausschließlich Kommunikation mit sich selbst.[8] Literaturtheoretisch sieht sich die Autorin im Einklang mit der „Mode“, nicht als Anhängerin „intentionale[n] Schreiben[s] mit Hinblick auf eine bestimmte Botschaft“, sondern gibt auf die „berühmte Frage“, die man im Deutschunterricht immer noch stelle – „Was will uns der Autor damit sagen?“ – die Antwort „Gar nichts!“[9] Zugleich geht die Autorin indes davon aus, dass man Geschichten nicht schreibe, weil „irgend etwas gut funktioniert“, sondern immer nur über das, was „nicht klappt.“[10] Für sie sei „prägend“, dass sie den „Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit marginal“ finde. Zeh habe immer viel gelesen und sich als Kind „selbst als Romanfigur betrachtet“. Sie bekennt: „Bei mir ist auch einmal eine schizoide Störung diagnostiziert worden.“[11]

[Bearbeiten] Auszeichnungen

[Bearbeiten] Werke

Bücher

Kinderbücher

Theaterstücke

  • Corpus Delicti (Rowohlt Theater Verlag)

Kurzgeschichten

  • Do ut des, in: Bettina Hesse (Hrsg.): Von Sinnen. Ein erotisches Lesebuch, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2001, S. 84–91; ISBN 3-499-23037-2
  • Der Hof, in: Martin Brinkmann / Werner Löcher-Lawrence (Hrsg.): 20 unter 30. Junge deutsche Autoren, DVA, Stuttgart München, 2002
  • Feindliches Grün, in: Else Buschheuer (Hrsg.): Hochzeitstanz, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2003, S. 127–144; ISBN 3-499-23368-1

Zeitungsartikel

Interviews

[Bearbeiten] Nachweise

  1. Über Recht und Literatur. Ein Gespräch mit Juli Zeh und Martin Mosebach, geführt von Britta Lange und Hermann Weber, abgedruckt in: Hermann Weber (Hrsg.): Literatur, Recht und Musik. Tagung im Nordkolleg Rendsburg vom 16. bis 18. September 2005, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2007, S. 183–204 (195); ISBN 978-3-8305-1339-1
  2. Autorin Zeh will endlich Doktorarbeit beenden, ddp, 26. September 2007
  3. a b c Juli Zeh: Interview – Biometrischer Fingerabdruck auf Reisepass, in: Neue Juristische Wochenschrift, Heft 35/2008, S. XIV.
  4. Jochen Bittner: „Finger weg, Otto!“, Bericht zur Verfassungsbeschwerde in Die Zeit Nr. 6 vom 31. Januar 2008, S. 10
  5. „Vollständiger Text der Verfassungsbeschwerde“
  6. Über Recht und Literatur. Ein Gespräch mit Juli Zeh und Martin Mosebach, geführt von Britta Lange und Hermann Weber, abgedruckt in: Hermann Weber (Hrsg.): Literatur, Recht und Musik. Tagung im Nordkolleg Rendsburg vom 16. bis 18. September 2005, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2007, S. 183-204 (189); ISBN 978-3-8305-1339-1
  7. Vgl. Christopher Schmidt, Die Erfindung der Realität. Über Juli Zehs Theaterstück Corpus delicti, in: Sprache im technischen Zeitalter 46 (2008), H. 187, S. 263–269
  8. Über Recht und Literatur. Ein Gespräch mit Juli Zeh und Martin Mosebach, geführt von Britta Lange und Hermann Weber, abgedruckt in: Hermann Weber (Hrsg.): Literatur, Recht und Musik. Tagung im Nordkolleg Rendsburg vom 16. bis 18. September 2005, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2007, S. 183–204 (194); ISBN 978-3-8305-1339-1
  9. Über Recht und Literatur. Ein Gespräch mit Juli Zeh und Martin Mosebach, geführt von Britta Lange und Hermann Weber, abgedruckt in: Hermann Weber (Hrsg.): Literatur, Recht und Musik. Tagung im Nordkolleg Rendsburg vom 16. bis 18. September 2005, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2007, S. 183–204 (hier: S. 190, siehe auch 194); ISBN 978-3-8305-1339-1
  10. Über Recht und Literatur. Ein Gespräch mit Juli Zeh und Martin Mosebach, geführt von Britta Lange und Hermann Weber, abgedruckt in: Hermann Weber (Hrsg.): Literatur, Recht und Musik. Tagung im Nordkolleg Rendsburg vom 16. bis 18. September 2005, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2007, S. 183–204 (hier: S.191); ISBN 978-3-8305-1339-1
  11. Juli Zeh: Der Unterschied zwischen Realität und Fiktion ist marginal, Werkstattgespräch mit Birte Lipinski u.a. in der Reihe: Im Atelier. Beiträge zur Poetik der Gegenwartsliteratur, hrsg. von Sabine Doering und Monika Eden, Fruehwerk Verlag, Oldenburg 2008, S. 26.

[Bearbeiten] Weblinks

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