Julia Franck

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Julia Franck - Lesung im Literaturhaus München 2007

Julia Franck (* 20. Februar 1970 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Julia Franck wurde 1970 in Berlin-Lichtenberg als eineiiger Zwilling geboren. Ihre Mutter ist Schauspielerin, ihr Vater Regisseur. Julia Franck ist Enkelin der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger und Ururenkelin des Malers Philipp Franck. 1978 reiste Francks Mutter mit ihren vier Töchtern über das Notaufnahmelager Marienfelde aus und konnte nach neun Monaten nach Schleswig-Holstein in die Nähe von Rendsburg ziehen. Dort besuchte Julia Franck von der vierten bis zur siebten Klasse die Freie Waldorfschule.[1] Ab 1983 lebte sie bei Freunden in Berlin und holte 1991 das Abitur nach. In ihrer offiziellen Biografie hebt sie hervor, dass sie neben dem Studium der Fächer Jura, Altamerikanistik, Neuere deutsche Literatur und Philosophie an der FU Berlin „sieben lange Jahre als Putzfrau, zehn kurze Jahre als Kindermädchen, drei nicht zu verachtende Jahre als Kellnerin, sowie als Hilfsschwester, Phonotypistin, wissenschaftliche Hilfskraft an der Freien Universität und auch als freie Mitarbeiterin für das Radio und verschiedene Zeitungen“ gearbeitet habe; unter anderem war sie Regieassistentin in der Abteilung Feature/Hörfunk beim Sender Freies Berlin. Außerdem hielt sie sich einige Monate in den Vereinigten Staaten, in Mexiko und in Guatemala auf. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern in Berlin-Friedenau.[2] Das Jahr 2005 verbrachte sie als Stipendiatin in der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. Seit 2001 ist Franck Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland. 2010 berichtete sie im Zeitmagazin, der Unfalltod ihres ersten Freundes 1992 sei das Erlebnis gewesen, das sie am meisten prägte.[3]

[Bearbeiten] Literarisches Werk

Die Sinnlichkeit ihrer Prosa beziehe Franck, so Literaturkritiker Denis Scheck, zunächst aus menschlichen Beziehungen, vor allem in Der neue Koch, Liebediener und Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen. In ihren jüngeren Werken entdecke Julia Franck ihre eigene Familiengeschichte, aber auch die deutsche Geschichte als Thema für ihr literarisches Schaffen. Großen Wert legt sie dabei auf den Umstand, dass reale Ereignisse lediglich der kreativen Anregung dienten, keiner ihrer Romane aber die konkrete Charakterisierung eines Familienangehörigen enthalte. Dabei zeichne, so Scheck, sich ihre sehr dichte Prosa dadurch aus, dass sie durch ihre Bildhaftigkeit und Sinnlichkeit allen Lesern zugänglich sei und keine Vermittlung durch Literaturkritiker benötige.[2] Die Schriftstellerin Dagmar Leupold ordnet Julia Franck auf Grund ihres Sprachstils und ihres sicheren Auftretens, aber auch wegen ihrer gemäßigten Kritik am kapitalistischen System als westdeutsche Schriftstellerin ein.[2] Dennoch wurde Julia Franck dadurch geprägt, dass sie ihre halbe Kindheit in Ost-Berlin verbrachte und 1978/79 mit ihrer Familie neun Monate im Notaufnahmelager Marienfelde lebte. Von diesen Erfahrungen und einer Kritik an beiden deutschen Systemen zeugt ihr Roman Lagerfeuer, wie auch ihr Vorwort in der Anthologie Grenzübergänge.

Julia Franck wurde von der Literaturkritik lange Zeit zu den Autorinnen des Fräuleinwunders gezählt, da sie, wie viele andere junge deutsche Autorinnen, zu Beginn des 21. Jahrhunderts innerhalb kürzester Zeit mit ihren Veröffentlichungen Kultstatus erlangte, obwohl sie in dem Spiegel-Artikel von Volker Hage, der diesen Begriff geprägt hat, nicht erwähnt wird.[4] Der Begriff „Fräuleinwunder“ ist wegen seiner unklaren Definition und seiner chauvinistischen Bedeutung in Literaturkritik und Literaturwissenschaft umstritten, wird aber noch verwendet.[5]

Julia Francks Werke wurden in mehr als 34 Sprachen übersetzt, u. a. in das Dänische, Englische, Französische, Griechische, Italienische, Niederländische, Portugiesische, Russische, Spanische, Tschechische und Ungarische. Ihr erfolgreichster Roman ist Die Mittagsfrau.

[Bearbeiten] Auszeichnungen

[Bearbeiten] Werke

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Medien

  • Julia Franck Dokumentation, 52 und 43 Min., Buch und Regie: Daniela Schmidt-Langels, Produktion: Blueprint, SF und RBB/Arte für die Reihe Mein Leben/Ma vie, Erstausstrahlung: 7. September 2009 im SF, 28. September 2009 Arte, 21. März 2010 RBB [2] von blueprint; für die Dokumentation erhielt Schmidt-Langels den Juliane-Bartels-Medienpreis[8]

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Julia Franck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Neon, Oktober 2009.
  2. a b c Julia Benkert: Ein Tag im Leben von Julia Franck. Erstausstrahlung am 25. Oktober 2009 um 12:45 Uhr im BR.
  3. www.zeit.de Zeitmagazin 24, Seite 46
  4. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-10246374.html
  5. Ralf Schnell: Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit 1945. Metzler, Stuttgart 2003, S. 583.
  6. http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/books/features/champions-of-the-word-treasures-from-berlin-to-bengal-feature-on-the-independent-foreign-fiction-prize-shortlist-1945754.html
  7. http://jewishquarterly.org/events/wingate-prize-2010/
  8. [1]auf www.rbb-online.de
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