Julia Franck

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Julia Franck - Lesung im Literaturhaus München 2007

Julia Franck (* 20. Februar 1970 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Julia Franck wurde 1970 zusammen mit ihrer Zwillingsschwester in Berlin-Lichtenberg geboren. Ihre Mutter ist die Schauspielerin Anna Franck, ihr Vater der Fernsehregisseur Jürgen Sehmisch. 1978 reiste Anna Franck mit ihren vier Töchtern über das Notaufnahmelager Marienfelde in die Bundesrepublik Deutschland aus. Nach neun Monaten im Notaufnahmelager zog die Familie 1979 nach Schleswig-Holstein in die Nähe von Rendsburg. Dort besuchte Julia Franck von der vierten bis zur siebten Klasse die Freie Waldorfschule.[1] Im Jahr 1983 zog Julia Franck alleine zurück nach Berlin, wo sie 1991 ihr Abitur machte. In der Folge begann sie ein Jura-Studium, entschied sich aber nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in San Francisco für ein Studium der Altamerikanistik, Philosophie und Neueren Deutschen Literatur an der Freien Universität Berlin. Während ihrer Schul- und Studienzeit arbeitete Julia Franck unter anderem als Putzfrau, Kindermädchen, Hilfsschwester, Phonotypistin, Kellnerin, Hilfskraft an der FU Berlin sowie als freie Journalistin für den Hörfunk (Sender Freies Berlin) und den Berliner Tagesspiegel.[2] Weitere Auslandsaufenthalte führten sie in die Vereinigten Staaten, nach Mexiko und Guatemala.[3]

Für ihre Texte und Bücher erhielt Julia Franck zahlreiche Auszeichnungen, Preise und Stipendien. 1998 erhielt sie das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste, 2004 erhielt sie den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis, das Jahr 2005 verbrachte sie als Stipendiatin in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Im September 2007 erhielt sie für ihren Roman Die Mittagsfrau den Deutschen Buchpreis. Seit 2001 ist Julia Franck Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Vor ihrer literarischen Laufbahn wirkte Julia Franck als Nebendarstellerin in verschiedenen Filmen mit, unter anderem 1974 neben Nina Hagen und Käthe Reichel im DDR-Fernsehfilm Heute ist Freitag[4] sowie 1993 neben Bruno Ganz und Lotte Loebinger im Kinofilm Heller Tag von André Nitzschke[5].

Julia Franck verfasste Ausstellungs- und Katalogtexte zu Werken zeitgenössischer Künstler, darunter Thomas Demand, Peter Krauskopf, Friedemann Grieshaber und Gerhard Richter. Am 3. Februar 2012 hielt Julia Franck die Festrede für Gerhard Richter anlässlich der großen europäischen Retrospektive zu Ehren seines 80. Geburtstags.[6]

Julia Franck ist die Enkelin der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger und Ururenkelin des Malers Philipp Franck. Sie lebt mit ihren beiden Kindern in Berlin.[7]

Literarisches Werk[Bearbeiten]

Als Autorin trat Julia Franck erstmals Mitte der 1990er Jahre mit der Teilnahme an literarischen Wettbewerben in Erscheinung. 1994 gewann sie den Jugend-Wettbewerb der Neuen Gesellschaft für Literatur.[8], 1995 den Wettbewerb Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin mit der Kurzgeschichte „Die Wunde“[9]

Julia Francks literarisches Debüt, ihr erster Roman Der neue Koch, wurde 1997 beim Ammann Verlag veröffentlicht. Geschildert wird die Innenansicht einer in ihren Lebensumständen gefangenen Hotelerbin, die nach dem Tod ihrer Mutter gezwungen ist, sich mit neuen Freiheiten und Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

Ab 1998 veröffentlichte Julia Franck Texte in zahlreichen Anthologien, darunter die Erzählung Zwei in Ein Spaziergang war es nicht. Kindheiten zwischen Ost und West (Susanne Schädlich, Anna Schädlich (Hrsg.)), die sie gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Cornelia verfasst hatte.[10]

1999 erschien Julia Francks Roman Liebediener beim DuMont Verlag. Beschrieben wird ein Beziehungsgeflecht im Dreieck und seine Auswirkungen. Die Süddeutsche Zeitung entdeckte darin „womöglich 'die' Liebesgeschichte der neunziger Jahre“.[11] Für Liebediener erhielt Julia Franck das Stipendium für das zweite Buch der Stiftung Niedersachsen.

Einer größeren Öffentlichkeit wurde Julia Franck im Sommer 2000 bekannt. Im Juni wurde sie mit der Kurzgeschichte mir nichts dir nichts aus ihrem später in diesem Jahr veröffentlichten Erzählband Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen (ebenfalls DuMont Verlag) zum Ingeborg-Bachmann-Preis nach Klagenfurt eingeladen und gewann den 3sat-Preis.[12] Im August 2000 wurde Bauchlandung im Literarischen Quartett besprochen,[13] zudem war Julia Franck zu Gast in der Harald Schmidt Show.[14]

Im Jahr 2003 erschien der Roman Lagerfeuer. Er erzählt aus vier Perspektiven das Leben von DDR-Flüchtlingen im sogenannten Goldenen Westen der 70er Jahre. Franck beleuchtet die Dämonisierung des Anderen im Spannungsfeld Ost-West sowie die überall herrschenden Ansprüche auf Wohlstand, Glück und Verständnis auf beiden Seiten der Mauer.

Für den im September 2007 im S. Fischer Verlag erschienenen Roman Die Mittagsfrau erhielt Julia Franck den Deutschen Buchpreis 2007. Der Roman verkaufte sich daraufhin fast eine Million Mal[15] und hielt sich über Monate auf der Spiegel-Bestsellerliste.

2009 gab Julia Franck die Anthologie Grenzübergänge: Autoren aus Ost und West erinnern sich (ebenfalls S. Fischer Verlag) heraus, die Beiträge zahlreicher namhafter Autoren zur Grenzthematik versammelt.

2011 erschien der Roman Rücken an Rücken (S. Fischer Verlag). Julia Franck erzählt darin ausgehend vom Schicksal eines Geschwisterpaars eine Familiengeschichte im Deutschland der 1950er und 60er Jahre.

Julia Francks Werk ist bei Literaturkritik und Lesern gleichermaßen beliebt. Nach Ansicht von Literaturkritiker Denis Scheck bezieht Francks Prosa ihre Sinnlichkeit aus der gekonnten Beschreibung menschlicher Beziehungen, vor allem in Der neue Koch, Liebediener und Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen. Ihre dichte Prosa zeichne dadurch aus, dass sie durch ihre Bildhaftigkeit und Sinnlichkeit allen Lesern zugänglich sei und keine Vermittlung durch Literaturkritiker benötige.[7]

In ihren jüngeren Werken setzt sich Julia Franck mit ihrer Familiengeschichte auseinander, überhaupt wird Deutsche Geschichte ein zentrales Thema ihres literarischen Schaffens. In Interviews betont Julia Franck, dass reale Ereignisse ihr lediglich als kreative Anregung dienen, jedoch keiner ihrer Romane die konkrete Charakterisierung beispielsweise eines Familienangehörigen enthalte. Von ihren Erfahrungen und Recherchen sowie einer Kritik an beiden deutschen Systemen zeugt ihr Roman Lagerfeuer wie auch ihr Vorwort in der Anthologie Grenzübergänge.

Julia Franck wurde wie viele andere junge deutsche Autorinnen und Autoren um die Jahrtausendwende bekannt, als sich ein starker Fokus auf die zeitgenössische deutsche Literatur richtete und viele Schriftsteller der jüngeren Generation innerhalb kurzer Zeit mit ihren Veröffentlichungen Kultstatus erlangten. Von Teilen der Literaturkritik wurde sie lange Zeit zu den Autorinnen des sogenannten Fräuleinwunders gezählt, auch wenn sie im Spiegel-Artikel von Volker Hage, der diesen Begriff geprägt hat, nicht erwähnt wird.[16] Der Begriff „Fräuleinwunder“ ist wegen seiner unklaren Definition und seiner chauvinistischen Bedeutung in Literaturkritik und Literaturwissenschaft umstritten, wird aber noch verwendet.[17]

Die Bücher von Julia Franck wurden in 39 Sprachen übersetzt.[18]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Übersetzung[Bearbeiten]

Veröffentlichungen zu Kunstwerken[Bearbeiten]

Theater, Film, Hörbuch[Bearbeiten]

Julia Francks Roman Die Mittagsfrau wird in unterschiedlichen Bühnenbearbeitungen aufgeführt, so am Deutschen Theater Göttingen 2010 in der Bearbeitung von Volker Hesse,[22] am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen in der Bearbeitung von Eveline Günther und Beatrix Schwarzbach,[23] am Theater Osnabrück unter der Regie von Annette Pullen.[24]

Die Romane und Erzählungen von Julia Franck sind als Hörbücher, zumeist von der Autorin selbst gelesen, im Hörverlag München erschienen.[25]

Francks Roman Lagerfeuer. wurde 2012-2013 für das Kino unter dem Titel Westen unter der Regie von Christian Schwochow verfilmt.[26]

Ebenfalls in Planung ist die Verfilmung des Romans Die Mittagsfrau, produziert von der UFA Cinema.

Literatur[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

  • Julia Franck Dokumentation, 52 und 43 Min., Buch und Regie: Daniela Schmidt-Langels, Produktion: Blueprint, SF und RBB/Arte für die Reihe Mein Leben/Ma vie, Erstausstrahlung: 7. September 2009 im SF, 28. September 2009 Arte, 21. März 2010 RBB[27] von blueprint; für die Dokumentation erhielt Schmidt-Langels den Juliane-Bartels-Medienpreis[28]
  • Durch die Nacht mit Julia Franck und Jens Friebe Arte 2007.[29]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Julia Franck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neon, Oktober 2009.
  2. diepresse.com
  3. www.lovelybooks.de
  4. www.imdb.com
  5. www.ofdb.de
  6. www.dnn-online.de
  7. a b Julia Benkert: Ein Tag im Leben von Julia Franck
  8. www.goethe.de
  9. literaturwerkstatt.org
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFreiheit ist anders. In: tagesspiegel.de. undatiert, abgerufen am 7. Dezember 2014.
  11. www.perlentaucher.de
  12. www.3sat.de
  13. www.dieterwunderlich.de
  14. www.imdb.com
  15.  Der Kampf der Krähe. In: Der Spiegel. Nr. 46, 2011 (online).
  16.  Volker Hage: Ganz schön abgedreht. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1999 (online).
  17. Ralf Schnell: Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit 1945. Metzler, Stuttgart 2003, S. 583.
  18. www.fischerverlage.de
  19. www.independent.co.uk
  20. jewishquarterly.org
  21. www.independent.co.uk
  22. www.nachtkritik.de
  23. www.theater-bautzen.de
  24. www.theater-osnabrueck.de
  25. www.randomhouse.de
  26. www.crew-united.com
  27. [1]
  28. [2]auf www.rbb-online.de
  29. Video auf YouTube