Juliette Gréco

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die französische Chansonsängerin und Schauspielerin, für die deutsche Schauspielerin siehe Juliette Greco (Schauspielerin)
Juliette Gréco (2006)

Juliette Gréco (* 7. Februar 1927 in Montpellier, Languedoc-Roussillon) ist eine französische Chansonsängerin und Schauspielerin.

Leben[Bearbeiten]

Sie wird als Grande Dame de la Chanson bezeichnet und gilt als Muse der französischen Existentialisten. Ihre Mutter war während des Zweiten Weltkriegs in der französischen Résistance aktiv. Über ihre Mutter und Familie berichtete die Künstlerin: Meine Mutter war niemals eine richtige Mutter zu mir. Sie war ihr ganzes Leben lang Soldat. An ihrer Brust hingen unzählige Auszeichnungen und Medaillen der französischen Widerstandskämpfer … sie war eine Frau, die man achten mußte, aber nicht lieben konnte. Ich habe niemals eine richtige Familie gehabt (zit. n. Rückseite der LP Juliette Gréco in Deutschland).

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte sie 1937 im Alter von zehn Jahren auf einem schulinternen Talentwettbewerb. Juliette Gréco wurde 1943 mit ihrer Mutter sowie ihrer älteren Schwester von der Gestapo verhaftet. Sie wurde zuerst in ein Lager, dann in das Gefängnis Frèsnes gebracht, wo man sie nach drei Wochen wieder entließ. Auch ihre Mutter und Schwester überlebten das KZ Ravensbrück und den Krieg. Grécos Verhältnis zu Deutschland blieb distanziert. Erst 1959 trat sie in der Bundesrepublik auf.

Nach dem Krieg blieb sie in Paris und hielt sich mit kleineren Gesangseinlagen über Wasser und zählte bald zur Bohème der Hauptstadt. In dieser Zeit kam sie mit kommunistischem Gedankengut in Berührung. 1946 eröffnete sie im Pariser Künstlerviertel Saint-Germain des Prés die Kellerdiskothek „Tabou“, die zu einem legendären Treffpunkt der Existenzialisten wurde. Boris Vian spielte hier Trompete, zu ihren Stammgästen zählten Jean-Paul Sartre, Orson Welles und Marlene Dietrich. Im Kellerlokal wurde sie von Jean-Paul Sartre entdeckt und gefördert: Eines Nachts, nach einer Theater-Vorstellung, stieg sie im Tabou auf einen Tisch und sang den Künstlern und Literaten Chansons vor. Tags darauf bestellte sie der Philosoph Jean-Paul Sartre in seine Wohnung und gestand ihr, er sei davon überzeugt, daß sie bald eine der großen Chanson-Sängerinnen sein werde. Juliette Gréco durfte sich zwei Sartre-Gedichte aussuchen, die der Dichter dann vom Komponisten Joseph Kosma vertonen ließ. Wenig später, im Juni 1949, sang sie die Sartre-Chansons und vier weitere vom Förderer ausgesuchte Texte in dem der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft gehörenden Existentialisten-Keller La rose rouge.[1]

Juliette Gréco (2009)

Ihre Chansons wie Si tu t’imagines oder L’Éternel féminin wurden Ende der 1940er Jahre zu Hits. Schriftsteller wie Sartre, Francoise Sagan, Jacques Prévert, Francois Mauriac oder Albert Camus schrieben für sie Texte. Gleichzeitig wurde sie als Schauspielerin bekannt. Sie nahm verschiedene Rollen am Theater wahr und betätigte sich in einer Poesie-Sendung im Radio. Mit der Revue April in Paris ging sie 1952 auf Tournee in die Vereinigten Staaten und nach Brasilien. Ihre Anhänger feierten sie als „Königin der Existenzialisten“ oder als „Muse von Saint-Germain-des-Prés“.

Trotz ihrer Erfolge erreichte die Gréco zu keiner Zeit eine Popularität wie beispielsweise Édith Piaf. Dafür galten ihre Lieder als zu politisch und intellektuell. So verlief ihre Karriere in einem ständigen Auf und Ab, immer wieder gelang ihr aber ein Comeback. Im deutschsprachigen Raum trat sie zuletzt vereinzelt zusammen mit ihrem Ehemann, am 13. November 2007 in Berlin (Admiralspalast), am 16. November 2007 in München (Prinzregententheater), am 19. Juni 2010 in Pirmasens (Festhalle) und am 1. Juli 2010 im Rahmen des Jazzfests in Wien (Staatsoper) auf. Am 5. Februar 2012 wurde anlässlich ihres 85. Geburtstags ein Interview bei ARTE ausgestrahlt, gefolgt von Aufnahmen eines Auftritts im Pariser Olympia 2004. Am 14. April 2012 trat sie im Theaterhaus in Stuttgart in Begleitung ihres Pianisten und Mannes Gérard Jouannest vor ausverkauftem Haus auf.

Auch privat verlief das Leben der Gréco nicht immer in ruhigen Bahnen. Eine erste Ehe (1953 bis 1956) mit dem Schauspieler Philippe Lemaire, aus der Tochter Laurence Marie hervorging, scheiterte. Von 1966 bis 1977 war sie mit dem französischen Schauspieler Michel Piccoli verheiratet, 1989 trat sie mit dem Komponisten und Pianisten Gérard Jouannest vor den Traualtar. Die Künstlerin bekannte freimütig in einem Interview für die Wochenzeitung Die Zeit,[2] dass sie auch sexuelle Kontakte zu Frauen hatte. Diesbezüglich sagte sie: Ich wollte schließlich nicht als Idiotin sterben … Warum sollte man nicht die gleiche sinnliche und intellektuelle Liebe für eine Frau empfinden können wie für einen Mann? Seit der Antike, seit dem Bestehen der Welt liebten die Frauen Frauen. Also, wo ist das Problem?

Von 1959 bis 1969 widmete sie sich dem französischen Chanson, entdeckte und förderte neue Talente wie Serge Gainsbourg und Leo Ferré. 1982 erschien mit Jujube ihre Autobiografie. Gréco erlitt im Mai 2001 bei einem Auftritt in Montpellier einen leichten Herzinfarkt. Sie lebt heute mit Jouannest auf einem Bauernhof in der Nähe von Paris und hat seit 2004 wieder Auftritte im In- und Ausland.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Gesamtaufnahme[Bearbeiten]

  • 2003: L’Éternel féminin – Gesamtaufnahme in 21 CD (Mercury/Universal).

Studioalben[Bearbeiten]

  • 1964: Gréco chante Mac Orlan (Neuauflage 2001 Mercury/Universal).
  • 1967: La Femme (Réédition 1998 Mercury/Universal).
  • 1991: Juliette Gréco chante Maurice Fanon (Neuauflage 2002 Mercury/Universal).
  • 1993: Vivre dans l’avenir (Réédition 2002 Universal).
  • 1998: Un jour d’été et quelques nuits (Disques Meys).
  • 2003: Aimez-vous les uns les autres ou bien disparaissez … (Polydor/Universal).
  • 2006: Le Temps d’une chanson (Polydor/Universal).
  • 2009: Je me souviens de tout
  • 2012: Ça se traverse et c’est beau
  • 2013: Gréco chante Brel

Livealben[Bearbeiten]

  • 1965: Juliette Gréco à la Philharmonie de Berlin (LP: Philips)
  • 1966: Juliette Gréco in Deutschland (LP: Philips)
  • 1992: Juliette Gréco à l’Olympia (Doppel-CD, Neuauflage 2004 Mercury/Universal).
  • 1999: Juliette Gréco Odéon 1999 (Doppel-CD, Disques Meys).
  • 2004: Juliette Gréco Olympia 1955 – Olympia 1966 (Mercury/Universal).
  • 2004: Juliette Gréco Olympia 2004 (Doppel-CD, Polydor/Universal).

Sampler[Bearbeiten]

  • 1990: Je suis comme je suis (Doppel-CD, Neuauflage 2002 Mercury/Universal).
  • 1991: Déshabillez-moi (Doppel-CD, Neuauflage 2003 Mercury/Universal).

Video[Bearbeiten]

  • 2004: Juliette Gréco Olympia 2004 (Polydor/Universal).

Chansons[Bearbeiten]

  • Si tu t’imagines
  • Parlez-moi d’amour
  • Paris Canaille
  • Accordéon
  • À la belle étoile
  • Ça va (Le Diable)
  • C’est à aimer que le temps passe
  • Chanson pour l’Auvergnat
  • Coin de rue
  • Daphénéo
  • Deshabillez-moi
  • Dieu est Nègre
  • Embrasse-moi
  • Il y avait
  • Je Hais les Dimanches
  • Je suis comme je suis
  • La Chanson de Barbara
  • La Chanson de Margaret
  • La Fiancée du Pirate
  • La Fourmi
  • La Rue
  • La Rue des Blancs Manteaux
  • Les Cloches (& La Tzigane)
  • Les Croix
  • Les Dames de la poste
  • Les Enfants qui s’aiment
  • Les Feuilles mortes
  • L’Éternel féminin
  • L’Ombre
  • Romance
  • Sir Jack l’eventreur
  • Si Tu T'Imagines
  • Sous le ciel de Paris
  • La belle vie

deutsche Texte (Album Abendlied):

  • Die Ameise (La fourmi)
  • Mein Kind, sing! (Mon fils, chante)
  • Die Gammlerin (La rôdeuse)
  • Lösch die Lampe aus (Deshabillez-moi)
  • Der tote Baum (Sur l’arbre mort)
  • Davor hab ich Angst (J’en tremble)
  • Abendlied (Et le pays s’endort)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Régine Deforges (Text), Irmeli Jung (Photos): Juliette Gréco. Imprimerie Nationale, Paris 1990
  • Bertrand Dicale: Juliette Gréco. Les vies d’une chanteuse. Edition Lattès, Paris 2001, ISBN 2-7096-2102-9
  • Juliette Gréco: So bin ich eben. Erinnerungen einer Unbezähmbaren (aus dem Französischen von Herbert Fell, Originaltitel Je suis faite comme ça, Flammarion). C. Bertelsmann Verlag, Edition Elke Heidenreich, München 2012, ISBN 978-3-570-58038-7 (auch als e-Book)
  • Michel Grisolio: Juliette Gréco Edition Seghers, Paris 1975
  • Josyaune Savigneau: Juliette Gréco. Actes Sud, Arles 1998, ISBN 2-7427-2059-6
  • Ich bin eine schreckliche alte Dame. In: Die Zeit, Nr. 38/2012; Interview mit Juliette Gréco.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Juliette Gréco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. zit. n. Rückseite der LP Juliette Gréco in Deutschland
  2. Ziehen Sie mich aus! In: Die Zeit, Nr. 46/2007