Julija Tymoschenko

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Julija Tymoschenko 2010

Julija Wolodymyriwna Tymoschenko (ukrainisch Юлія Володимирівна Тимошенко [ˈjulijɑ ʋɔlɔˈdɪmɪriʋnɑ tɪmɔˈʃɛnkɔ], deutsch oft in der russischen Variante Timoschenko geschrieben; geborene Hryhjan (Григян), * 27. November 1960 in Dnipropetrowsk, Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik) ist eine ukrainische Politikerin (Allukrainische Vereinigung „Vaterland“). Sie kam 2004, nach den allzu offensichtlichen Wahlfälschungen, aus der „Revolution in Orange“ und der Präsidentschaftswahl mit ihrem Verbündeten Wiktor Juschtschenko an die Macht. Von Januar bis September 2005 und von Dezember 2007 bis März 2010 war sie Ministerpräsidentin der Ukraine. Aufgrund einer Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs befand sie sich von August 2011 bis zum Regierungsumsturz nach den Protesten des Euromaidans am 22. Februar 2014 in Haft. Am 24. Juni 2014 stellte das Oberste Gericht der Ukraine fest, dass sich Julija Tymoschenko beim Abschluss der Gasverträge zwischen dem staatlichen Gasversorger Naftogaz Ukrainy und dem russischen Gaskonzern Gazprom im Jahr 2009 keines Verbrechen schuldig gemacht habe.[1] Am 30. August 2014 hat Timoschenko angekündigt, das Referendum über die Mitgliedschaft in der NATO der Ukraine abzuhalten.[2]

Familie und Jugend[Bearbeiten]

Julija Hryhjan[3][4][5] wurde in eine Nomenklatura-Familie in der damaligen UdSSR geboren. Ihre Mutter Ljudmyla Telehina (geb. Nelepowa) (ukr. Людми́ла Теле́гіна) wurde am 11. August 1937 in Dnipropetrowsk geboren.[6] Ihr Vater, Wolodymyr Abramowytsch Hrihyan, verließ die Familie, als Julia drei Jahre alt war.[7] Er wurde am 3. Dezember 1937 in Dnipropetrowsk geboren; laut seinem sowjetischen Reisepass Lette[6], war sein Vater Abram Kelmanowytsch Kapitelman (Абрам Кельманович Капітельман), geboren 1914. Nach seinem Abschluss 1940 an der Nationalen Universität Dnipropetrowsk arbeitete Kapitelman in der Westukraine, wo er in „einem akademischen Viertel“ Schule in der Stadt Sniatyn als Direktor leitete.[6] Kapitelman wurde im Herbst 1940 in die Armee eingezogen und am 8. November 1944 im Deutsch-Sowjetischen Krieg (1941-1945) im Rang eines „Oberleutnants der Nachrichtentruppen“ getötet.[6]

Julija wuchs bei ihrer Mutter auf und nahm deren Namen „Telehina“ 1977 an.[7][8] Während des ersten Semesters ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften (Wirtschaftskybernetik) an der Nationalen Universität Dnipropetrowsk lernte sie Olexandr Tymoschenko kennen, den sie 1979 heiratete. Am 20. Februar 1980 wurde die gemeinsame Tochter Jewhenija in Dnipropetrowsk geboren. Julija Tymoschenko schloss mit 24 Jahren ihr Studium ab und arbeitete anschließend fünf Jahre, von 1984 bis 1988, als Wirtschaftsingenieurin bei der Maschinenbaufirma Lenin für die Rüstungsindustrie in ihrer Heimatstadt Dnjepropetrowsk. Ihre Muttersprache ist Russisch. Zur Konversation bevorzugt sie Ukrainisch.[9]

Die Tochter Jewgenia wuchs in London auf, besuchte dort neun Jahre zunächst die Rugby School und dann die London School of Economics and Political Science[10][11][12], sie war von 2005 bis 2013 mit dem englischen Rockmusiker Sean Carr verheiratet.[13]

Aufstieg als Unternehmerin[Bearbeiten]

Pawlo Lasarenko, 1996/97

Noch während Michail Gorbatschows Perestroika machte das Ehepaar Tymoschenko 1988 mit der Gründung eines Videoverleihs erste Schritte in der Privatwirtschaft. Ab 1989 arbeitete sie als Geschäftsführerin des Jugendzentrums „Terminal“ in Dnipropetrovsk.[14] 1991, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, stieg Julija Tymoschenko mit ihrem Ehemann und ihrem Schwiegervater Hennady Tymoschenko (Hennady Tymoschenko war Leiter der "Abteilung der Kinos" an der Dnepropetrovsk Regionalrates) - sie gründeten das sowjetisch-zypriotische (später ukrainisch-zypriotische) Joint-Venture Ukrajinskyj Bensin (Український бензин), das zunächst Fabriken mit Treibstoff versorgte. Julija Tymoschenko war Geschäftsführerin, dann Direktorin des Unternehmens. 1992 war die Aktiengesellschaft Monopolist (in der Region Dnipropetrowsk) auf dem Gebiet landwirtschaftlich genutzter Erdölprodukte. Dnipropetrowsk blieb in den ersten anderthalb Jahrzehnten der Unabhängigkeit des Landes das informelle wirtschaftliche und politische Machtzentrum der Ukraine.

Zu einem milliardenschweren Vermögen und Einfluss kam Tymoschenko ab 1995 als Chefin des Energiekonzerns „Vereinigte Energiesysteme der Ukraine“ (EESU). EESU entwickelte sich zu einem der mächtigsten Wirtschaftsunternehmen der Ukraine dank zwielichtiger Gaslieferverträge mit dem russischen Konzern Gazprom. Von 1995 bis 1997 war sie Chefin des EESU. Ihr schneller Aufstieg war nur möglich dank der Protektion Pawlo Lasarenko, der ebenfalls aus Dnipropetrowsk stammte und von 1996 bis 1997 Ministerpräsident der Ukraine war. Danach fiel er in Ungnade und flüchtete in die USA, wo er 2006 wegen Korruption und Erpressung zu neun Jahren Gefängnis verurteilt wurde.[15]

Auch aus Dnipropetrowsk kommt Oleksandr Turtschinow, mit dem Tymoschenko seit Ende der 1980er Jahre zusammenarbeitete, er war Funktionär des kommunistischen Jugendverbandes, der in der Endphase der Sowjetunion die organisatorische Basis für die ersten privaten Unternehmen war. Anfang der neunziger Jahre arbeitete Turtschinow zunächst als Vorsitzender des dortigen Privatisierungskomitees und dann in Kiew als Wirtschaftsberater für den Präsidenten Leonid Kutschma. Tymoschenko und Turtschinow begannen ihren gemeinsamen politischen Aufstieg in Lasarenkos Partei.[16]

Seit 2000 wird Tymoschenko nicht mehr in der Forbes-Rating-Liste der "100 reichsten Menschen in der Ukraine" geführt.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Julija Tymoschenko, 2007

Anfänge[Bearbeiten]

1996 wurde Tymoschenko mit großer Stimmenmehrheit für den Wahlkreis Kirowohrad in das ukrainische Parlament gewählt. 1999 gründete sie gemeinsam mit ihrem langjährigen politischen Weggefährten Olexandr Turtschynow die Partei Batkiwschtschyna, deren Vorsitzende sie bis heute ist.

Während Wiktor Juschtschenkos Amtszeit als ukrainischer Ministerpräsident von Dezember 1999 bis Mai 2001 war sie dessen Stellvertreterin mit Verantwortung für den Energiebereich. Ihre Aufgabe war es, den korrupten Energiesektor des Landes zu reformieren. Darüber fiel sie bei Präsident Leonid Kutschma in Ungnade, wurde im Januar 2001 entlassen und anschließend durch die ukrainischen Behörden verfolgt. 2001 saßen Tymoschenko und ihr Mann einige Wochen lang wegen der EESU-Geschäftspraktiken in Untersuchungshaft.[17] In Russland läuft gegen sie außerdem ein Verfahren wegen Bestechung von Militärs, deshalb landete sie im Dezember 2004 auf der Suchliste von Interpol.[18]

Bei den Parlamentswahlen 2002 trat ihre Partei erstmals in einem Bündnis mit anderen Parteien als Blok Juliji Tymoschenko (Block Julija Tymoschenkos, BJuT) an. Dieser erreichte 7,2 % der Wählerstimmen; seitdem führt Tymoschenko die Werchowna Rada-Fraktion ihres Blocks. Julija Tymoschenko war eine der treibenden Kräfte in der Opposition gegen die autoritäre Herrschaft des Präsidenten Kutschma und neben Wiktor Juschtschenko deren populärste Vertreterin.

Erste Amtszeit als Regierungschefin[Bearbeiten]

Nach den turbulenten Ereignissen um die Präsidentschaftswahl 2004 und der Amtseinführung von Präsident Wiktor Juschtschenko ernannte dieser sie am 24. Januar 2005 zur geschäftsführenden Ministerpräsidentin. Am 4. Februar 2005 bestätigte das Parlament die Ernennung. Als Ministerpräsidentin verfolgte Julija Tymoschenko einen eher sozialdemokratischen Kurs und geriet dabei in Konflikt mit dem wirtschaftsliberalen Präsidenten.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika George W. Bush und die Ministerpräsidentin der Ukraine Julija Tymoschenko, in Washington, 1. April 2008

Oppositionsführerin[Bearbeiten]

Bereits am 8. September 2005 entließ Präsident Juschtschenko während einer Live-TV-Ansprache an die Nation Julija Tymoschenko zusammen mit der gesamten Regierung; ihr Nachfolger als Ministerpräsident wurde Jurij Jechanurow. In den nachfolgenden Wahlen zur Werchowna Rada am 26. März 2006 erhielt der Block Julija Tymoschenko (BJuT) 22,3 % der Stimmen und wurde mit 129 Sitzen zweitstärkste Fraktion im neuen Parlament. Nach dreimonatigen Koalitionsverhandlungen scheiterte eine Neuauflage der „Koalition der Orangen Revolution“ mit der Präsidentenpartei Nascha Ukrajina. Die Wahl Tymoschenkos als Ministerpräsidentin scheiterte im Parlament und im August 2006 wurde Janukowytsch erneut zum Ministerpräsident ernannt. Tymoschenko wurde Oppositionsführerin in der Werchowna Rada.

Julija Tymoschenko zu Besuch im Kreml mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin, 2009

Zweite Amtszeit als Regierungschefin[Bearbeiten]

Bei den Parlamentswahlen am 30. September 2007 erreichte der BJuT knapp 31 % der Stimmen, während die Partei der Regionen (PR) des amtierenden Ministerpräsidenten Wiktor Janukowytsch mehr als 34 % erzielte. Tymoschenko einigte sich Ende November 2007 mit der drittgrößten Gruppierung im Parlament, der Wahlallianz Nascha Ukrajina - Narodna Samooborona (NU-NS) von Präsident Juschtschenko, auf die Bildung einer Koalitionsregierung und so wählte das neue Parlament Julija Tymoschenko am 18. Dezember 2007 erneut zur Ministerpräsidentin.

BJuT und NU-NS verfügten im Parlament nur über eine dünne Mehrheit. Tymoschenkos zweite Amtszeit als Regierungschefin war denn auch geprägt vom Konflikt mit der Opposition, der die legislative Arbeit zuweilen ganz zum Erliegen brachte, aber auch von sich verstärkenden Differenzen mit Staatspräsident Juschtschenko. Dieser stand einer Regierung unter Tymoschenkos Führung von Beginn an skeptisch gegenüber und hatte sich kurz nach der Wahl zuerst für eine Koalition seiner Partei mit der Partei der Regionen Janukowytschs ausgesprochen. Dieser Konflikt innerhalb des westlich orientierten Lagers wurde von Beobachtern als Indiz für einen Kampf zwischen Tymoschenko und Juschtschenko um die zukünftige Machtverteilung gedeutet.[19]

Am 6. Juni 2008 erklärten zwei Abgeordnete des Regierungslagers, die Regierung nicht weiter stützen zu wollen, wodurch Tymoschenko ihre Mehrheit im Parlament einbüßte.[20] Am 11. Juli 2008 scheiterte jedoch überraschend ein Misstrauensvotum gegen sie. Dabei stimmten die beiden abtrünnigen Abgeordneten des Regierungslagers gegen Tymoschenko, während ihr zwei Abgeordnete der oppositionellen PR, Anatolij Kinach und Witalij Chomutynnik, das Vertrauen aussprachen.[21]

Karte von bestehenden und geplanten Gaspipelines in Europa

In der Nacht zum 3. September 2008 beschloss die NU-NS-Fraktion der Werchowna Rada, die Koalition zu verlassen. Die Entscheidung fiel auf Druck von Präsident Juschtschenko und unter dem Eindruck der vorangegangenen Parlamentssitzung, in der Tymoschenkos BJuT mehrere Parlamentsbeschlüsse gemeinsam mit der oppositionellen Partei der Regionen (PR) durchgesetzt hatte. Ferner wurde dem BJuT vorgeworfen, sich mit der PR auf ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten geeinigt zu haben. Zuvor hatten sich die Koalitionspartner nicht auf eine gemeinsame Stellungnahme zum Kaukasus-Konflikt einigen können.[22] Das offizielle Ende der Regierungskoalition aus BJuT und NU-NS verkündete Parlamentspräsident Arsenij Jazenjuk am 16. September 2008.[23][24]

Fast drei Monate später, am 9. Dezember 2008, einigten sich Juschtschenko und Tymoschenko auf eine Fortsetzung ihres Bündnisses. Der Koalition gehörte seither auch der Blok Lytwyna an, dessen Vorsitzender Wolodymyr Lytwyn gleichentags zum Parlamentspräsidenten gewählt wurde.[25] Der Streit zwischen Juschtschenko und Tymoschenko setzte sich aber fort – und so handelte Tymoschenko im Alleingang während des Gaskonflikts im Winter 2008/2009, als große Teile Europas betroffen waren. Aufgrund der akuten Notsituation übernahm sie die Verantwortung, um schnell die Wiederaufnahme der Gaslieferungen für die Ukraine und die Transitpartner zu erreichen. In den zwischen Tymoschenko und dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin vereinbarten Gaslieferverträgen waren neue Formeln für die Ermittlung des Gaspreises und die Überführung des noch im Besitz von RosUkrEnergo befindlichen Gases im Wert von etwa 4,5 Milliarden Dollar in Eigentum des ukrainischen Staatsunternehmens Naftohas beschlossen worden. Und sie kamen überein ab 2009 den dubiosen im Schweizer Zug ansässigen Zwischenhändler RosUkrEnergo (der Oligarch Dmytro Firtasch hielt 45 % der Anteile) auszuschließen, um direkt zwischen Gazprom und Naftogaz zu handeln. Die EU bewertete die Lösung des Gaskonflikts durch Tymoschenko und Putin als positiv.[26][27]

Tymoschenko bei einem Kongress der Europäischen Volkspartei in Bonn, September 2009

Im Jahr 2009, aufgrund des andauernden Machtkampfs und vor dem Hintergrund der dramatischen Auswirkungen der internationalen Wirtschaftskrise auf die Ukraine, verhandelte Tymoschenko auch mit Janukowytsch über eine mögliche große Koalition. Die Verhandlungen scheiterten aber im Juni 2009.[28] Im Oktober 2009 gab Tymoschenko ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2010 bekannt.[29] In beiden Wahlgängen am 17. Januar und 7. Februar 2010 kam sie sehr knapp hinter Janukowytsch auf den zweiten Platz. Den Wahlsieg Janukowytschs bezeichnete sie als Resultat von Unregelmäßigkeiten bei der Wahl, auf eine Klage gegen das Ergebnis verzichtete sie aber. Am 3. März 2010 wurde ihrer Regierung – als Folge ihrer Niederlage bei der Präsidentschaftswahl – von der Mehrheit der Parlamentsabgeordneten das Misstrauen ausgesprochen. Tymoschenko lehnte es ab, bis zur Bildung eines neuen Kabinetts als kommissarische Ministerpräsidentin im Amt zu bleiben, und übergab die Amtsgeschäfte ihrem Stellvertreter Olexandr Turtschynow.[30]

Im Januar 2010 sprach sie Juschtschenko, bezugnehmend auf die international umstrittene postume Anerkennung des Titels „Held der Ukraine“ an Stepan Bandera, ihre Unterstützung aus.[31]

Tymoschenko bei Karlspreisverleihung in Aachen[Bearbeiten]

Julija Tymoschenko nahm an der Verleihung des Karlspreises an Donald Tusk am 13. Mai 2010 in Aachen teil, dabei traf sie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Repräsentanten der Europäischen Union. Bei ihrem Gespräch mit Angela Merkel seien die Wahrung der Demokratie, die Innenpolitik und die Energie-Unabhängigkeit der Ukraine erörtert worden, heißt es.

Zudem erhielt Tymoschenko von Herman Van Rompuy, dem Präsidenten des Europäischen Rates, eine Einladung nach Brüssel. Dieser sagte dabei: “Ich unterstütze die Anstrengungen aller proeuropäischen Kräfte, die auf eine Integration der Ukraine in die EU, der Stärkung der Demokratie und den Schutz der Meinungsfreiheit abzielen.”

Die Frage der Beziehungen zwischen der Ukraine und der EU wurde ebenfalls beim Treffen mit dem Präsidenten des Europaparlaments, Jerzy Buzek, thematisiert. Dieser betonte, dass er “immer die demokratische, proeuropäische Ukraine und die Politiker unterstützt habe, welche diese strategische Ausrichtung der Ukraine unterstützen”.[32]

Ukrainische Parlamentswahlen 2012[Bearbeiten]

Bei den Ukrainischen Parlamentswahlen im Oktober 2012 durfte die inhaftierte Tymoschenko nicht kandidieren. Sie rief aus dem Gefängnis zur Abwahl der Regierung von Präsident Janukowytsch auf.[33]

Juristische Verfahren[Bearbeiten]

Nach dem Verlust ihres Regierungsamtes wurden gegen Tymoschenko – wie auch gegen Mitglieder ihres Kabinetts – mehrere Strafverfahren eingeleitet: Ab Mai 2010 ermittelte die Staatsanwaltschaft erneut wegen des alten Verdachts, sie habe im Jahr 2003 versucht, Richter des Obersten Gerichtshofs der Ukraine zu bestechen.[34]

Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs[Bearbeiten]

Ein zweites Verfahren wurde nach Veröffentlichung eines Berichts von US-amerikanischen Anwaltsfirmen eingeleitet, sie hatten die zweite Regierungszeit Tymoschenkos untersucht und Hinweise auf den Missbrauch öffentlicher Gelder, Betrug und Geldwäsche durch Beamte, mehrere Ministerien und private Unternehmen festgehalten.[35]

Die Staatsanwaltschaft ermittelte in drei Angelegenheiten:

  1. die zweckfremde Verwendung von Einnahmen aus dem Handel mit CO2-Emissionsrechten,
  2. der Kauf von Rettungswagen zu überhöhten Preisen,
  3. Amtsmissbrauch bei der Aushandlung von Verträgen über die Lieferung von Erdgas mit Russland.[36]

Die schließlich ab Dezember 2010 von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe wirkten für viele Beobachter konstruiert und liessen außerdem keinerlei persönliche Vorteilsnahme Tymoschenkos erkennen. Die BBC reagierte mit Unverständnis auf die erhobenen Vorwürfe, ein Gasabkommen verhandeln und die kurzzeitige Verwendung der Gelder des Kyoto-Protokolls zur Auszahlung von Renten kommentierte der Sender: „Das ist, was Premierminister eben machen.“

Eine erste offizielle Anklage erfolgte am 20. Dezember 2010 mit dem Vorwurf der Veruntreuung von Staatsgeldern.[37] Eine zweite Klage folgte am 24. Mai 2011 und lautete auf Amtsmissbrauch, sie habe den Gasliefervertrag 2009 ohne die Zustimmung des Kabinetts unterzeichnet und die vereinbarten Preise seien zu hoch gewesen und hätten die ukrainische Wirtschaft ruiniert.[38]

Tymoschenko bezeichnete die Verfahren gegen sie und mehrere ihrer früheren Minister als Versuch der Janukowytsch-Regierung, die Opposition zu „enthaupten“[39] und reichte Ende Juni 2011 beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde gegen ihre Strafverfolgung ein, diese Beschwerde wurde später auf die Haftbedingungen und die ihrer Ansicht nach ungenügende medizinische Versorgung in der Strafanstalt erweitert.[40]

Julija Tymoschenko im Gerichtssaal, 2011

Im Zuge der Verhandlungen wegen Amtsmissbrauchs vor einem Kiewer Stadtgericht ließ Richter Rodion Kirejew Tymoschenko am 5. August 2011 in Untersuchungshaft nehmen, nachdem die Staatsanwaltschaft dies während des Prozesses beantragt hatte. Zuvor hatte das Gericht die Untersuchungshaft noch abgelehnt. Tymoschenko erkannte den Prozess nicht an[41] und hatte Richter Kirejew u.a. als „Marionette“ bezeichnet. Kurz nach Anordnung der Untersuchungshaft kam es zu Handgreiflichkeiten im Gerichtssaal.[42] Die Festnahme Tymoschenkos wurde von Vertretern der Europäischen Union scharf kritisiert.[43] Sowohl die EU wie auch die USA kritisierten das Strafverfahren als politisch motiviert und warnten die Ukraine vor internationaler Isolation.[44]

Die Staatsanwaltschaft beantragte am 27. September 2011 eine Haftstrafe von sieben Jahren wegen Amtsmissbrauchs.[45] Die Verteidigung verlangte einen Freispruch. Am 11. Oktober 2011 wurde Tymoschenko schuldig gesprochen und zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Tymoschenko 2009 mit Russland Verträge über die Lieferung von Erdgas zum Nachteil der Ukraine abgeschlossen hatte. Dadurch habe die Ukraine einen Schaden von umgerechnet rund 137 Millionen Euro erlitten. Außerdem muss sie Schadenersatz über 137 Millionen Euro leisten und darf im Anschluss an die Haftstrafe drei Jahre lang keine öffentlichen Ämter ausüben. Tymoschenko kündigte umgehend Berufung an.[46]

Die EU, Russland und Deutschland[47] kritisierten das Urteil scharf.[48] Dem Präsidenten Janukowytsch wurde im Zusammenhang mit dem Strafverfahren gegen Tymoschenko und ihrer Inhaftierung und Verurteilung wiederholt vorgeworfen, direkten Einfluss auf die Justiz auszuüben und seine stärkste politische Gegnerin mit Hilfe dieses Strafverfahrens ausschalten zu wollen. Janukowytsch erklärte hingegen, die Justiz sei unabhängig und er wolle nicht in den Prozess gegen Tymoschenko eingreifen.[49]

Im Dezember 2011 verschoben EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso die Unterzeichnung des bereits ausgehandelten Assoziierungsabkommens zwischen der Ukraine und der EU auch wegen der andauernden Inhaftierung von Tymoschenko auf unbestimmte Zeit.[50]

Nur wenige Tage nach der Verurteilung durch das Kiewer Stadtgericht wurde bekannt, dass gegen Tymoschenko wegen Verdachts auf Veruntreuung von 295 Millionen Euro in ihrer Zeit als Chefin des Energiekonzerns EESU (1995 bis 1997) ermittelt wird.[51] Wenige Wochen später verkündete die Generalstaatsanwaltschaft, es gebe auch Hinweise auf eine Verwicklung Tymoschenkos in den Auftragsmord an dem Abgeordneten und Donezker Geschäftsmann Jewhen Schtscherban. Schtscherban wurde 1996 zusammen mit seiner Frau und zwei Besatzungsmitgliedern auf dem Flughafen Donezk erschossen.[52] In diesen Mord soll außerdem Pawlo Lasarenko involviert sein, der bis November 2012 in den USA eine langjährige Gefängnisstrafe wegen Betrug und Geldwäsche verbüßte. Aus Aussagen des in den USA lebenden Geschäftsmannes Petro Kiritschenko, der in den 1990er Jahren geschäftliche Beziehungen zu Lasarenko hatte, gehe zudem hervor, dass der Mord an Schtscherban mit Geld von Konten Lasarenkos und Tymoschenko bezahlt wurde, erklärte der Generalstaatsanwalt Renat Kuzmin.[53]

Das Berufungsverfahren begann am 13. Dezember 2011. Aus gesundheitlichen Gründen nahm sie nicht an der Verhandlung teil. Am 23. Dezember 2011 bestätigte das Berufungsgericht die siebenjährige Haftstrafe.[54] Tymoschenko verzichtete darauf das ukrainische Kassationsgericht anzurufen. Ende Dezember 2011 wurde Tymoschenko vom Untersuchungsgefängnis Lukjaniwska in die Frauenstrafanstalt Nr. 54 Katschanowka im Norden der ostukrainischen Stadt Charkiw zur Verbüßung ihrer Haftstrafe verlegt.[55]

Ihr Ehemann Olexandr Tymoschenko reiste im Januar 2012 nach Tschechien aus und erhielt dort politisches Asyl. Das Asylgesuch stand vor dem Hintergrund von Ermittlungen, die in der Ukraine gegen Julija Tymoschenko im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit für den Konzern Vereinigte Energiesysteme der Ukraine (EESU) vor rund fünfzehn Jahren geführt werden. An der Firma war auch ihr Ehemann, Olexandr Tymoschenko, beteiligt gewesen. Der Direktor des Instituts für internationale Beziehungen in Prag, Petr Kratochvil, schloss nicht aus, dass in diesem Zusammenhang die ukrainischen Behörden auch gegen ihren Ehemann Haftbefehl erlassen könnten.[56]

Kritik an Haftbedingungen und gesundheitliche Probleme[Bearbeiten]

Jewhenija Timoschenko, die Tochter von Julija Tymoschenko

Seit Beginn des Jahres 2012 kam es wiederholt zu öffentlichen Auseinandersetzungen über den Gesundheitszustand von Tymoschenko. Ihre Tochter Jewhenija erklärte, ihre Mutter müsse wegen eines schweren Bandscheibenvorfalls, der permanent schwere Schmerzen verursache, möglicherweise operiert werden und es bestehe der Verdacht auf einen Leistenbruch. Eine „angemessene“ medizinische Versorgung in der Haft werde ihr aber von den ukrainischen Behörden vorenthalten. In diesem Zusammenhang erfolgte im Februar 2012 eine medizinische Untersuchung von Tymoschenko durch kanadische und deutsche Ärzte und im April 2012 eine weitere Untersuchung durch zwei deutsche Ärzte. Die Sprecherin der Berliner Charité sprach von einer bei Tymoschenko festgestellten „ernsthaften Erkrankung“, die eine stationäre Behandlung möglichst außerhalb der Strafanstalt erfordere. Auch sei Tymoschenko, bedingt durch ihre Krankheit, aktuell nicht verhandlungsfähig. Der Beauftragte der deutschen Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, Markus Löning, erklärte in diesem Zusammenhang, in der Ukraine würden sowohl Tymoschenko als auch anderen inhaftierten Politikern gesundheitliche Vorsorge und Behandlung vorenthalten.[57] Im März 2012 forderte die weiterhin inhaftierte Tymoschenko, dass sie in der Charité in Berlin medizinisch behandelt zu werden. Eine Behandlung durch ukrainische Ärzte in der Haft lehnte sie aus Angst vor einer absichtlich herbeigeführten Hepatitis-Infektion ab.[58] Medienberichten zufolge führte die deutsche Bundesregierung in diesem Zusammenhang Gespräche mit der Regierung der Ukraine mit dem Ziel, Tymoschenko eine medizinische Behandlung in Deutschland zu ermöglichen.[59] Am 26. April 2012 erklärte der deutsche Außenminister Guido Westerwelle, die deutsche Seite habe der ukrainischen Regierung wiederholt angeboten, Tymoschenko in Deutschland medizinisch zu behandeln.[60]

Anfang Mai 2012 erklärten die 27 Mitglieder der EU-Kommission um Kommissionspräsident José Manuel Barroso nicht zu den Spielen der Fußball-Europameisterschaft in die Ukraine zu reisen. Damit wolle man gegen die Politik des Präsidenten Janukowytsch sowie gegen den Umgang mit der inhaftierten Tymoschenko protestieren. Diesem Protest, bei dem es sich ausdrücklich um keinen „Boykott“ der EM handle, schloss sich EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy an.

Zweiter Strafprozess wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung[Bearbeiten]

Am 19. April 2012 begann ein weiterer Strafprozess gegen Tymoschenko in Charkiw. In diesem Verfahren wird ihr Steuerhinterziehung und Veruntreuung vorgeworfen, sie blieb der Gerichtsverhandlung aufgrund ihrer Erkrankung fern.[61] Vom 20. April bis zum 9. Mai 2012 trat Tymoschenko aus Protest gegen ihre Haftbedingungen in einen Hungerstreik. Vorangegangen war ein durch das Gefängnispersonal erzwungener Transport in eine Klinik. Nach Angaben ihres Verteidigers sei sie bei diesem Transport auch geschlagen worden. Der für Tymoschenko zuständige Gefängnisdienst der Stadt Charkiw dementierte diese Angaben.[62]

Am 8. Mai 2012 bot Ministerpräsident Mykola Asarow Hafterleichterungen für Tymoschenko an. So könne sie ab sofort auch von deutschen Ärzten in jedem ukrainischen Krankenhaus ihrer Wahl behandelt werden. Auch bot Asarow der deutschen Bundesregierung an, Misshandlungsvorwürfe im Gefängnis durch eine gemeinsame Kommission untersuchen zu lassen.[63] Einen Tag später wurde Tymoschenko in Begleitung des deutschen Neurologen Lutz Harms von der Berliner Charité vom Gefängnis in das Eisenbahner-Krankenhaus nach Charkiw verlegt.[64] Ihren Hungerstreik gab sie nach fast drei Wochen auf. Lutz Harms wurde laut Vize-Gesundheitsministerin Raissa Moisejenko ebenfalls im Krankenhaus untergebracht, damit er sich rund um die Uhr um Tymoschenko kümmern konnte und wurde dabei von einem ukrainischen Team unterstützt.[65]

Bereits am 15. Mai 2012 brach Tymoschenko aus Protest gegen die Veröffentlichung ihres Therapieplans durch die Behörden in Charkiw die Behandlung wieder ab. Lutz Harms sprach von Bedingungen, die in den meisten europäischen Ländern „unvorstellbar“ seien. So werde Tymoschenko selbst beim Duschen und Zubettgehen videoüberwacht.[66] Harms bezweifelte, dass sie in der Lage sei, am Prozess teilzunehmen.[67]

Am 25. Juni 2012, dem ersten Verhandlungstag gegen Tymoschenko, wurde das weitere Verfahren auf den 10. Juli 2012 vertagt, die Zeit nach der Fußball-Europameisterschaft. Das Gericht in Charkiw ordnete eine amtsärztliche Überprüfung des Gesundheitszustandes von Tymoschenko an. Der Prozess gegen sie musste in den folgenden Monaten immer wieder verschoben werden. Nach den Parlamentswahlen am 28. Oktober 2012 trat Tymoschenko aus Protest gegen die ihrer Meinung nach erheblichen Wahlfälschungen erneut in einen Hungerstreik, den sie nach 18 Tagen wieder beendete. Da sie auch weiteren Gerichtsterminen krankheitsbedingt fernblieb, musste der Prozess weiter vertagt werden, da ihre Anwesenheit erforderlich sei.[68][69][70][71] Auch im Jahr 2013 wurde der Prozess erneut immer wieder vertagt.[72]

Debatten um Haftentlassung[Bearbeiten]

Nachdem der zu vier Jahren Haft verurteilte ehemalige Innenminister Jurij Luzenko am 7. April 2013 von Präsident Janukowytsch begnadigt worden war, erklärte Janukowytsch in Hinblick auf Tymoschenko, ihre Begnadigung sei nicht möglich, solange die laufenden Gerichtsverfahren gegen sie nicht abgeschlossen seien.[73]

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) rügte am 30. April 2013 die Inhaftierung Tymoschenkos. Die Untersuchungshaft der Politikerin sei „willkürlich und rechtswidrig“ gewesen, entschied eine kleine Kammer des Gerichts einstimmig. Das Gericht stellte darüber hinaus auch vier Verstöße der Ukraine gegen die Grundrechte Tymoschenkos fest, wies deren Beschwerde wegen schlechter Behandlung in Haft aber zurück.[74] Da die ukrainische Regierung gegen das Urteil keinen Widerspruch einlegte, trat die Entscheidung des EGMR am 31. Juli 2013 in Kraft. In Zusammenhang mit der geplanten Ratifizierung des Assoziierungsabkommen der EU mit der Ukraine, erhöhten Politiker der EU im Herbst 2013 den diplomatischen Druck auf die Ukraine und forderten eine umgehende Freilassung Tymoschenkos.[75] Präsident Janukowytsch erklärte in diesem Zusammenhang, er sei grundsätzlich bereit, Tymoschenko zur ärztlichen Behandlung ins Ausland zu entlassen. Voraussetzung für einen solchen Schritt sei aber, dass das ukrainische Parlament ein Gesetz beschließe, das Tymoschenko die Ausreise erlaube. Eine Begnadigung von Tymoschenko komme für ihn nicht in Frage.[76] Im November 2013 scheiterten im ukrainischen Parlament mehrere Gesetzentwürfe, auf deren Grundlage Tymoschenko die Ausreise zur medizinischen Behandlung in das Ausland ermöglicht werden sollte, an der ablehnenden Haltung der regierenden Partei der Regionen.[77] Nachdem die ukrainische Regierung am 21. November erklärt hatte, das Assoziierungsabkommen mit der EU vorerst nicht ratifizieren zu wollen, trat Tymoschenko erneut in einen Hungerstreik, um gegen die Außenpolitik der Ukraine zu protestieren,[78] beendete diesen allerdings einige Tage später wieder.[79] Das Parlament stimmte am 21. Februar 2014 einem Gesetz zu, das den Weg für Tymoschenkos Freilassung ebnete. Der entsprechende Artikel im Strafgesetzbuch der Ukraine wurde abgeändert, so dass die Taten, für die Tymoschenko verurteilt wurde, nicht mehr strafrechtlich zu ahnden waren. Tymoschenko wurde am 22. Februar 2014 aus der Haft entlassen.[80][81]

Rechtliche Rehabilitierung[Bearbeiten]

Am 28. Februar 2014 wurde das Strafverfahren wegen finanziellen Missbrauchs gegen Julija Tymoschenko aus Tatbestandsmangel geschlossen.[82] Am 24. Juni 2014 stellte das Oberste Gericht der Ukraine fest, dass sich Tymoschenko beim Abschluss der Gasverträge zwischen dem staatlichen Gasversorger Naftogaz Ukrainy und dem russischen Gaskonzern Gazprom im Jahr 2009 keines Verbrechens schuldig machte.[83]

Nach der Haftentlassung[Bearbeiten]

Nach ihrer Entlassung aus mehr als zweieinhalbjähriger Haft flog Tymoschenko noch am 22. Februar 2014 direkt in einem Privatflugzeug nach Kiew. In einem Rollstuhl sitzend forderte sie am Abend in einer Rede auf dem Maidan die Regierungsgegner zum weiteren Kampf auf. Sie warnte die Protestierenden davor, den Maidan jetzt zu räumen. Auch kündigte sie ihre Kandidatur bei den für den 25. Mai angesetzten Präsidentschaftswahlen an.[84][85]

Am 24. März 2014 wurde ein abgehörtes Telefongespräch Tymoschenkos vom 18. März 2014 mit dem Abgeordneten der Werchowna Rada, Nestor Schufritsch, auf der Video-Plattform YouTube veröffentlicht. Die beiden Politiker diskutieren darin das auf der Krim am 16. März abgehaltene Referendum. In dem Gespräch äußerte Tymoschenko unter anderem, sie sei bereit „diesem Bastard in die Stirn zu schießen“, wobei sich diese Äußerung offenbar auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin bezog. Tymoschenko gestand später auf Twitter ein, dieses Telefonat tatsächlich geführt zu haben. Die veröffentlichte Version des Gesprächs sei allerdings teilweise manipuliert gewesen. Für die von ihr verwendete, zum Teil obszöne Sprache entschuldigte sie sich.[86] Tymoschenkos Äußerungen wurden international in vielen Medien kritisch aufgegriffen. Der Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Steffen Seibert, erklärte, bei aller Gegnerschaft zum russischen Vorgehen auf der Krim gebe es Grenzen in Sprache und Denken, die nicht überschritten werden dürften.[87] Tymoschenko hatte Putin bereits einige Tage vorher „ungefilterten Faschismus“ vorgeworfen.[88]

Am 27. März gab sie ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl offiziell bekannt.[89] Bei der Wahl am 25. Mai 2014 erhielt sie 12,81 Prozent der Stimmen.

Am 15. April 2014 rief sie zur Gründung einer bewaffneten „Widerstandsarmee“ auf, die die Ukraine verteidigen und vor allem aus Freiwilligen mit Kampferfahrung bestehen solle.[90] Die Miliz trägt den gleichen Namen wie Tymoschenkos Partei. Sie beteiligt sich am Konflikt in der Ostukraine und soll maßgeblich von Tymoschenko finanziert werden.[91]

Am 30. August 2014 kündigte Tymoschenko an, zusammen mit der geplanten Parlamentswahl am 26. Oktober 2014, ein Referendum über eine künftige Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO abhalten zu wollen.[92]

Am 16. September 2014, nach der überraschenden Verabschiedung eines Sonderstatus für einige Regionen der Ostukraine, erklärte Tymoschenko, durch das Gesetz würden „Terrorismus und Okkupation legalisiert“. Mehrere Abgeordnete der Fraktion der Vaterlandspartei und anderer Fraktionen reichten einen Antrag auf Annullierung des Gesetzes ein.[93][94]

Siehe auch[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dmitri Popov, Ilia Milstein: Julia Timoschenko. Die Zukunft der Ukraine nach der Orangenen Revolution. DuMont, Köln 2006, ISBN 3-8321-7955-0.
  • Dmitri Popov, Ilia Milstein: Julia Timoschenko. Die autorisierte Biografie, Redline Verlag, München 2012, ISBN 978-3-86881-362-3
  • Frank Schumann: Die Gauklerin: Der Fall Timoschenko. Verlag Das Neue Berlin Gmbh, Berlin 2012, ISBN 978-3-360-01842-7

Theater[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Julija Tymoschenko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Julija Tymoschenko – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ukrainische Justiz bestätigt Legitimität von Gasvertrag mit Russland de.ria.ru(24 Juni 2014)
  2. «VATERLAND» angekündigt, das Referendum über die Mitgliedschaft in der NATOnewstwenty4seven.com(30 August 2014)
  3. Askold Krushelnycky, Harvill Secker: An orange revolution: a personal journey through Ukrainian history, 2006, ISBN 978-0-436-20623-8, S. 169.
  4. Azeri reporter pesters Yulia Timoshenko about being Armenian". Site "Ukrayinska Pravda. Armeniandiaspora.com. 27. Dezember 2004. Abgerufen am 11. Oktober 2011.
  5. Galina Ivanova: Yuliya Tymoshenko. Russianelection2008.blogspot.com. 12. November 2007. Abgerufen am 11. Oktober 2011.
  6. a b c d Dmytro Chobit': ЮЛІЯ ТИМОШЕНКО: І. РОДОВІД Ю. ТИМОШЕНКО (Yuliya Tymoshenko: [Part] I. Ancestry of Yu. Tymoshenko) (Ukrainian) Makuha.info. Abgerufen am 27. Januar 2014.
  7. a b Тимошенко Юлия, Korrespondent.net
  8. ''Anna Usik.'' Classmates wrote off work in mathematics at Julia Tymoshenko. Newspaper "Newspaper in Ukrainian" № 1039, 09.06.2010. Category "People". Website "Gazeta.ua". Gazeta.ua. Abgerufen am 11. Oktober 2011.
  9. http://www.zeit.de/2011/33/P-Timoschenko/seite-2
  10. Ulrich Krökel: Porträt: Die Strippenzieherin, Tages-Anzeiger, 24. Oktober 2011
  11. http://www.europeonline-magazine.eu/jewgenija-timoschenko---rockerbraut-im-einsatz-fuer-ihre-mutter_207093.html
  12. Eugenia Tymoshenko: the fight to save my mother Yulia, The Guardian, 23 September 2012
  13. Vorlage:Uk icon Після розлучення Жужа отримала всю нерухомість, а Карр – принтер та сканер With these "trophies" Carr disappeared in the UK, TSN.ua (6 February 2013)
  14. Ukrainische Ex-Premierministerin in Haft, aktuell.ru, 4. Januar 2012
  15. Peter Rutland: The Challenge of Integration. M. E. Sharpe, 1998, ISBN 0765603594, S. 173–174.
  16. Der Stellvertreter, FAZ, 23. Februar 2014
  17. Wie sich Julia Timoschenko zur Jeanne d'Arc stilisiert, Die Presse, 5. Mai 2012
  18. Interpol jagt Timoschenko, Focus, 7. Dezember 2007
  19. Kiew kommt einfach nicht zur Ruhe: Deutliche Bruchstellen in der ukrainischen Innen- und Außenpolitik, Konrad-Adenauer-Stiftung, 18. März 2008
  20. Демократической коалиции больше нет. Рыбаков и Бут заявили о выходе, rus.newsru.ua
  21. Партия регионов не смогла отправить в отставку правительство Тимошенко, rus.newsru.ua
  22. Коалиции больше нет: НУ-НС разрывает союз с БЮТ. Далее - новая коалиция или роспуск ВР, rus.newsru.ua
  23. Коалициада: старое большинство распустили, а нового может не быть, rus.newsru.ua
  24. Jazenjuk erklärt Regierungskoalition offiziell für beendet, Ukraine-Nachrichten.de
  25. Politiker der „Orange Revolution“ mit neuer Koalition in Ukraine, Reuters, 9. Dezember 2008
  26. "Skrupellose Schattenfirma", Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010
  27. Ukraine: Der Fall Tymoschenko, Konrad-Adenauer-Stiftung, 27. Juni 2011
  28. Keine "Große Koalition" in Kiew, uni-kassel.de, 19. Juni 2009
  29. Timoschenko kandidiert, NZZ, 26. Oktober 2009
  30. Верховная Рада отправила Тимошенко в отставку, rus.newsru.ua
  31. Timoshenko supports Yushchenko on Bandera. Stimme Russlands, 30. Januar 2010, abgerufen am 17. März 2014.
  32. „Tymoschenko bei Karlspreisverleihung in Aachen“, Ukraine-Nachrichten, 13. Mai 2013
  33. Timoschenko ruft zu Machtwechsel auf, Handelsblatt, 28. Oktober 2012
  34. Ermittlungen gegen Timoschenko laufen wieder, Frankfurter Rundschau, 12. Mai 2010
  35. Das 500-Mio.-Euro-Problem der Julia TimoschenkoVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, Financial Times Deutschland, 16. Oktober 2010
  36. Ermittlungen gegen ukrainische Ex-Regierungschefin abgeschlossen, RIA Novosti, 24. Mai 2011
  37. Staatsanwalt klagt Timoschenko wegen Untreue an, Spiegel Online, 20. Dezember 2010
  38. Ehemalige Regierungschefin erneut der Korruption beschuldigt, Focus Online, 24. Mai 2011
  39. Julija Timoschenko spricht von "selektiver Justiz" der Ukraine, FAZ Online, 25. Januar 2011
  40. Timoschenko will vor Menschenrechtsgericht um ihr Recht kämpfen, nachrichten.at, 29. Juni 2011.
  41. Ex-Regierungschefin Timoschenko in U-Haft, tagesschau.de, 5. August 2011; (Archiv-Kopie)
  42. Timoschenko muss in Untersuchungshaft, Süddeutsche Zeitung, 4. August 2011.
  43. Konrad Schuller, "Opposition fordert Konsequenzen", in F.A.Z., 7. August 2011, S 5.
  44. Timoschenko schuldig gesprochenVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, Financial Times Deutschland, 11. Oktober 2011
  45. Staatsanwältin fordert Schuldspruch für Timoschenko, Tages-Anzeiger, 27. September 2011
  46. Schuldspruch in Kiew: Scharfe internationale Kritik am Timoschenko-Urteil, Hamburger Abendblatt, 11. Oktober 2011
  47. Außenminister Westerwelle: Timoschenko-Urteil Rückschlag für Rechtsstaatlichkeit in Ukraine, Auswärtiges Amt, 11. Oktober 2011
  48. Ukrainisches Urteil stößt auf Unverständnis, Stern Online, 12. Oktober 2011
  49. Kein Eingriff in Timoschenko-Prozess, Frankfurter Rundschau, September 2011
  50. EU lässt Assoziierungsabkommen mit Ukraine vorerst platzen, reuters.de, 20. Dezember 201
  51. Timoschenko droht neues Strafverfahren, tagesschau.de, 13. Oktober 2011
  52. Nun auch noch eine Mordanklage?, F.A.Z., 11. November 2011
  53. Timoschenko richtet sich mit Brief an das Volk, Die Welt vom 12. Mai 2012
  54. Timoschenko scheitert mit Berufungsantrag, zeit.de, 23. Dezember 2011
  55. Timoschenko im Rollstuhl in Straflager überführt, spiegel.de, 30. Dezember 2011
  56. Timoschenkos Mann erhält Asyl in Prag, NZZ, 7. Januar 2012
  57. Fall Timoschenko - Neuer Prozess, alte Vorwürfe, Deutsche Welle, 18. April 2012
  58. http://www.sueddeutsche.de/politik/politicker-timoschenko-will-in-berliner-charite-verlegt-werden-1.1307856
  59. Bundesregierung will Timoschenko nach Berlin holen, Berliner Morgenpost, 31. März 2012
  60. Westerwelle unterstützt Gaucks Ukraine-Absage, F.A.Z., 26. April 2012
  61. Timoschenko fehlt beim Prozess, Frankfurter Rundschau, 19. April 2012
  62. Radikaler Protest - Julia Timoschenko tritt in Hungerstreik, Die Welt, 24. April 2012
  63. Ukraine bietet Zugeständnisse an: Deutsche Ärzte dürfen Timoschenko rund um die Uhr behandeln bei focus.de, 8. Mai 2012 (abgerufen am 8. Mai 2012).
  64. Julia Timoschenko beendet Hungerstreikbei focus.de, 9.Mai 2012(abgerufen am 9. Mai 2012).
  65. Timoschenko beendet Hungerstreik im Krankenhaus, welt.de, 9. Mai 2012.
  66. Protest gegen Missstände: Timoschenko bricht Behandlung ab, Sueddeutsche Zeitung, 15. Mai 2012.
  67. Ukraine: Timoschenko-Prozess geht erst nach der EM weiter, dw.de, 25. Juni 2012.
  68. Gefälschte Wahl, Timoschenko tritt in Hungerstreik, Stern, 30. Oktober 2012
  69. Ukrainische Oppositionspolitikerin Timoschenko nach Hungerstreik in schlechter Verfassung, Handelsblatt, 19. November 2012
  70. Zweiter Timoschenko-Prozess auf kommendes Jahr verschoben, Abendzeitung, 18. Dezember 2012
  71. Timoschenko droht eine Mordanklage, fr-online.de, 26. Januar 2013
  72. Timoschenko-Prozess verschoben, Wiener Zeitung vom 23. April 2013
  73. Der ukrainischen Oppositionspolitikerin drohen weitere Haftjahre, Schwäbisches Tagblatt vom 13. April 2013
  74. Menschenrechtsgericht rügt Ukraine wegen Haft Timoschenkos, Der Tagesspiegel vom 30. April 2013
  75. Meldung der Agentur NRCU vom 23. Oktober 2013
  76. Assoziierungsabkommen: EU-Minister verlangen Timoschenko-Freilassung, SPON, 21. Oktober 2013
  77. Kiew stoppt EU-Annäherung, NZZ vom 22. November 2013
  78. Timoschenko tritt in Hungerstreik, Sueddeutsche Zeitung vom 25. November 2013
  79. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJulia Timoschenko beendet Hungerstreik. In: Die Welt. 6. Dezember 2013, abgerufen am 12. Dezember 2013.
  80. Anwalt: Inhaftierte Tymoschenko dürfte „in nächster Zeit“ freikommen, RIA Novosti, 21. Februar 2014
  81. Ukraine im Umbruch - Julia Timoschenko ist frei. Süddeutsche.de, 22. Februar 2014, abgerufen am 22. Februar 2014 (deutsch).
  82. Anklagen gegen Julia Timoschenko zurückgezogengerman.ruvr.ru(28 Februar 2014)
  83. Ukrainische Justiz bestätigt Legitimität von Gasvertrag mit Russlandde.ria.ru(24 Juni 2014)
  84. ''Timoschenko auf dem Maidan: "Kämpft bis zum Ende!" , NZZ, 23. Februar 2014
  85. Timoschenko und die Revolution: Die Rückkehr der Füchsin , SPON, 23. Februar 2014
  86. Dem Bastard in den Kopf schießen,FAZ vom 25. März 2014
  87. Regierung rügt Timoschenkos „Gewaltphantasien“, FAZ vom 26. März 2014
  88. Timoschenko vergrault deutsche Politiker Handelsblatt vom 19. März 2014
  89. http://www.deutschlandfunk.de/ukraine-plant-massenentlassungen-timoschenko-kandidiert.353.de.html?drn:news_id=340172
  90. Tymoshenko organizing popular resistance movement, Interfax-Ukraine am 15. April 2014
  91. Irreguläre Kämpfer in der Ukraine: Zu den Waffen, Tagesspiegel am 3. August 2014
  92. «VATERLAND» angekündigt, das Referendum über die Mitgliedschaft in der NATOnewstwenty4seven.com(30 August 2014)
  93. Abgeordnete in Kiew wollen Gesetz kippen, am 17. September 2014
  94. Kiewer Autonomiegesetz sorgt für Empörung, Artikel in der Berliner Zeitung vom 17. September 2014