Julikrise

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Chronologie
  • 28. Juni: Attentat von Sarajevo auf Thronfolger Franz Ferdinand
  • 5./6. Juli: „Mission Hoyos“ und der deutsche „Blankoscheck“
  • 20.–23. Juli: Besuch der französischen Regierung in St. Petersburg
  • 23. Juli: Österreichisches Ultimatum an Serbien
  • 25. Juli: Russische Einleitung der Teilmobilmachung
  • 25. Juli: Vorbehalte Serbiens gegen Teile des Ultimatums
  • 25. Juli: Serbische Generalmobilmachung
  • 25. Juli: Österreichische Teilmobilmachung
  • 28. Juli: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien
  • 29. Juli: Beschießung Belgrads
  • 29. Juli: Fünfter britischer Vermittlungsvorschlag (von insgesamt sieben): „Halt in Belgrad“
  • 30. Juli: Russische Generalmobilmachung
  • 31. Juli: Österreichische Generalmobilmachung
  • 31. Juli: Deutsches Ultimatum an Russland, seine Mobilmachung einzustellen
  • 31. Juli: Deutsches Ultimatum an Frankreich, sich neutral zu erklären
  • 1. August: Generalmobilmachung und Kriegserklärung Deutschlands an Russland
  • 2. August: Deutsches Ultimatum an Belgien, Deutschland Durchmarschrechte zu gewähren
  • 3. August: Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich
  • 3. August: Einmarsch deutscher Truppen in Belgien
  • 4. August: Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland
  • 6. August: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Russland
  • 8. August: Kriegserklärung Großbritanniens an Österreich-Ungarn
Die offizielle Bündnissituation in der Julikrise:
 Dreibund
 Triple Entente

Die Julikrise war die Zuspitzung der Konfliktlage zwischen den fünf europäischen Großmächten sowie Serbien, die auf die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 folgte und die zum Ersten Weltkrieg führte. Bis heute werden die Motive und Handlungsweisen aller beteiligten Mächte, Politiker und Diplomaten sowohl in der Öffentlichkeit als auch unter Historikern kontrovers diskutiert.

So hängt etwa die jeweilige Antwort auf die Kriegsschuldfrage entscheidend davon ab, wie die Ereignisse während der Julikrise bewertet werden, wobei mit den Bewertungsfragen auch bestimmte psychologisch-soziologische Aspekte des „Vabanque-Spielens“ wichtig werden, etwa die sog. „Brinkmanship“.

Folgen des Attentats von Sarajevo[Bearbeiten]

Franz Ferdinand und Sophie Chotek, wenige Minuten vor dem Attentat
Hauptartikel: Attentat von Sarajevo

Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie wurden am 28. Juni 1914 bei einem offiziellen Besuch in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo von dem Schüler Gavrilo Princip erschossen. Princip war Mitglied der nationalistischen Jugendbewegung Mlada Bosna. Er und seine Mitverschwörer konnten schnell gefasst werden.

In Wien wurden die Auftraggeber des Doppelmords jedoch in Belgrad vermutet:

„Es erhellt aus den Aussagen und Geständnissen der verbrecherischen Urheber des Attentates vom 28. Juni, daß der Mord von Sarajevo in Belgrad ausgeheckt wurde, daß die Mörder die Waffen und Bomben, mit denen sie ausgestattet waren, von serbischen Offizieren und Beamten erhielten, die der Narodna Odbrana angehörten, und daß schließlich die Beförderung der Verbrecher und deren Waffen nach Bosnien von leitenden serbischen Grenzorganen veranstaltet und durchgeführt wurde.“[1]

Es konnten auch zwei Namen ermittelt werden: der des serbischen Offiziers Vojislav Tankosić, der bereits an der Ermordung des serbischen Königs Aleksandar Obrenović beteiligt gewesen war, und der eines bei der serbischen Reichsbahn beschäftigten Bosniers namens Milan Ciganović. Von diesem vermutet der australische Historiker Christopher Clark, dass er ein V-Mann des serbischen Ministerpräsidenten Nikola Pašić innerhalb der konspirativen serbischen Offiziersorganisation Schwarze Hand war.[2] Von der Existenz und Beteiligung der Schwarzen Hand wusste man 1914 allerdings noch nichts. Statt dessen sah man die Narodna Odbrana als Drahtzieher des Attentats. Klarheit bestand jedoch über das Motiv der Attentäter und ihrer etwaigen Hintermänner: Sie wollten Österreich-Ungarn schwächen und so langfristig einen Anschluss von Bosnien und Herzegowina an Serbien erreichen.

Der serbischen Regierung wurde eine moralische Mitschuld gegeben, da sie Organisationen wie die Nardodna Odbrana gewähren ließ. Zu konkreten Verwicklungen allerdings schrieb der leitende Ermittler in Sarajewo, Sektionsrat Friedrich Wiesner, in seinem Bericht vom 13. Juli 1914 an das k.u.k. Außenministerium:

„Mitwissenschaft serbischer Regierung an der Leitung des Attentats oder dessen Vorbereitung und Beistellung der Waffen durch nichts erwiesen oder auch nur zu vermuten. Es bestehen vielmehr Anhaltspunkte, dies als ausgeschlossen anzusehen. Durch Aussagen Beschuldigter kaum anfechtbar festgestellt, daß Attentat in Belgrad beschlossen und unter Mitwirkung serbischen Staatsbeamten Ciganović' und Major Tankošic' vorbereitet, von welchen beiden Bomben, Brownings, Munition und Zyankali beigestellt.“[3]

Nach dem Krieg vertrat Wiesner allerdings die These von einer Mitwisserschaft der serbischen Regierung.[4]

Der serbischen Regierung war bewusst, dass die Gefahr bestand, dass die Regierung Österreich-Ungarns mit einem Militärschlag auf das Attentat reagieren würde.[5] Sie bedauerte deshalb offiziell die Ermordung des Thronfolgers, bestritt jegliche Verwicklung und wies darauf hin, dass alle Täter aus dem von Österreich-Ungarn annektierten Bosnien stammten und damit k.u.k. Untertanen seien.

In Bosnien und Kroatien kam es zu heftigen antiserbischen Ausschreitungen.[6] Diese wurden von der serbischen Presse zu massiven Anschuldigungen gegen Österreich-Ungarn benutzt, was in einen regelrechten Pressekrieg zwischen Serbien und dem Habsburgerreich mündete.[7] In Wien sah man in den serbischen Verlautbarungen einen Beweis für eine serbische Mitschuld am Attentat. Serbien berief sich dagegen auf die im Lande verfassungsrechtlich garantierte Pressefreiheit und sah in der amtlich beeinflussten nationalistischen österreichisch-ungarischen Presse (besonders der konservativen Reichspost) den wahren Problemherd.[8]

Österreich-Ungarn[Bearbeiten]

Außenminister Leopold Graf Berchtold
Armeechef Franz Conrad von Hötzendorf

In Österreich-Ungarn drängten hochrangige Militärs und Politiker wie der Chef des Generalstabs, Franz Conrad von Hötzendorf, der österreichische Ministerpräsident Karl Stürgkh und Kriegsminister Alexander von Krobatin bereits seit Jahren auf ein militärisches Vorgehen gegen Serbien. Sie glaubten, nur so der großserbischen Bewegung beikommen zu können, die auf einen Anschluss aller südslawischen Gebiete des Habsburgerreichs an Serbien abzielte. Außenminister Leopold Berchtold, Kaiser Franz Joseph I. und vor allem der ermordete Thronfolger Franz Ferdinand hatten sich diesen Plänen jedoch bislang widersetzt.

Nach dem Attentat forderte Conrad einen sofortigen Angriff gegen Serbien. Berchtold erwiderte, ein solcher Schritt müsse gut vorbereitet werden. Am 1. Juli teilte er dem ungarischen Ministerpräsidenten István Tisza mit, man habe sich im Auswärtigen Amt auf eine Abrechnung mit Serbien verständigt. Tisza jedoch hielt den Augenblick für ungünstig und protestierte mit einem Schreiben an Kaiser Franz Joseph.[9] Dem ungarischen Ministerpräsidenten ging es auch darum, zu verhindern, dass das prekäre Gleichgewicht der Doppelmonarchie durch eine eventuelle Annexion Serbiens gestört würde. Denn ein Zuwachs an slawischen Untertanen hätte den Anhängern eines Trialismus Auftrieb geben und die Stellung Ungarns schwächen können.[10]

Conrads Plan eines schnellen und entscheidenden Überraschungsschlags war jedoch militärisch für die k.u.k. Armee nicht durchführbar, da sie selbst bei einem begrenzten Krieg gegen Serbien eine Mobilmachungszeit von 16 Tagen hatte. Der Generalstabschef wollte damit nur den Kriegszustand erreichen und jegliches Einlenken von Seiten der Politik ausschließen.[11]

„Mission Hoyos“ und „Blankoscheck“[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mission Hoyos

In einer Ministerrat-Sitzung am 2. Juli 1914 in Wien konnte noch keine Einigung mit Tisza erzielt werden, doch man beschloss, Legationsrat Alexander Hoyos, den Kabinettschef und engsten Berater von Außenminister Berchtold, als Gesandten nach Berlin zu schicken, um zu eruieren, ob es eine deutsche Rückendeckung für ein militärisches Vorgehen gäbe.

Hoyos reiste am 5. Juli 1914 nach Berlin und hatte dort eine Unterredung mit Arthur Zimmermann, dem Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt. Hoyos drängte, der Habsburgermonarchie „bei dieser Gelegenheit freie Hand gegen Serbien“ zu geben.[12] Nach einer Unterredung mit dem österreichisch-ungarischen Botschafter Ladislaus von Szögyény-Marich stellte Kaiser Wilhelm II. dann den berühmten „Blankoscheck“ aus,[13] den Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg am 6. Juli bestätigte.[14] In einem Telegramm sicherte er Österreich-Ungarn bei einem Vorgehen gegen Serbien die volle und bedingungslose Unterstützung des Reiches zu:

„Kaiser Franz Joseph könne sich aber darauf verlassen, daß S[eine] M[ajestät] im Einklang […] und seiner alten Freundschaft treu an Seite Österreich-Ungarns stehen werde.“[15]

Inwieweit es sich von deutscher Seite tatsächlich um eine Blanko-Vollmacht handelte, ist strittig. Während etwa Sebastian Haffner meint, die Entscheidung für den Schlag gegen Serbien sei nicht in Wien, sondern am 5. Juli 1914 in Potsdam gefallen, und zwar ausdrücklich auch für den Fall, dass sich daraus „ernste europäische Komplikationen“ ergeben sollten,[5] äußert der Historiker Eric A. Leuer, dass „der Krieg sehenden Auges vom k.u.k. Außenministerium herbeigeführt und billigend in Kauf genommen wurde“. Dabei habe Wien nicht nur einen lokal begrenzten Krieg geplant, sondern die Verantwortlichen seien bereit gewesen, einen weite Teile Europas umfassenden Krieg auszulösen, weil sie glaubten, dadurch den „Vielvölkerstaat“ Österreich-Ungarn wieder stabilisieren und somit retten zu können.[16]

Eingreifen Russlands[Bearbeiten]

Das europäische Bündnissystem vor dem Ersten Weltkrieg

Die Gefahr des österreichischen Vorgehens lag in einem Eingreifen Russlands, das sich als Schutzmacht Serbiens betrachtete. Bei einem (unprovozierten) Angriff Russlands gegen Österreich-Ungarn aber musste laut Zweibund-Vertrag Deutschland dem Bündnispartner zur Hilfe kommen. Ein Krieg zwischen Russland und Deutschland wiederum bedeutete für Frankreich den Bündnisfall.
Wie sehr die österreichisch-ungarischen Verantwortlichen mit einem russischen Eingreifen rechneten, ist in der Forschung umstritten. Außenminister Berchtold schrieb am 25. Juli in einem vertraulichen Telegramm an seinen Botschafter in St. Petersburg Friedrich von Szápáry:

„In dem Augenblicke, wo wir uns zu einem ernsten Vorgehen gegen Serbien entschlossen haben, sind wir uns natürlich auch der Möglichkeit eines sich aus der serbischen Differenz entwickelnden Zusammenstoßes mit Russland bewußt gewesen. […] Wir konnten uns aber durch diese Eventualität nicht in unserer Stellungnahme gegenüber Serbien beirren lassen, weil grundlegende staatspolitische Considerationen uns vor die Notwendigkeit stellten, der Situation ein Ende zu machen, daß ein russischer Freibrief Serbien die dauernde, ungestrafte Bedrohung der Monarchie ermögliche.“[17]

Pläne zur Aufteilung Serbiens[Bearbeiten]

Kaiser Franz Joseph I.

Darüber, was mit Serbien nach einem Militärschlag geschehen solle, bestand zum Zeitpunkt der Hoyos-Mission noch keine Einigkeit. In einem Schreiben vom 2. Juli an Kaiser Wilhelm, das Hoyos im Rahmen seiner Mission übergab, formulierte Kaiser Franz Joseph, Ziel seiner Regierung sei „die Isolierung und Verkleinerung Serbiens“. Dieser Staat sei „Angelpunkt der panslawistischen Politik“ und müsse daher „als politischer Machtfaktor am Balkan ausgeschaltet“ werden.[18] Hoyos persönlich sprach am 5. Juli gegenüber Zimmermann von einer „völligen Aufteilung“ Serbiens, was Berchtold später nach dem Protest Tiszas als persönliche Meinung des Grafen darstellte.[19]

In einer Ministerratsitzung am 19. Juli 1914 verständigten sich die k.u.k. Minister darauf, nach Möglichkeit kein serbisches Territorium zu annektieren, Serbien aber durch Abtretung großer Gebiete an befreundete Balkanstaaten zu schwächen.[20] Außerdem beschloss man, gegenüber anderen Mächten ein territoritales Desinteresse zu erklären. Österreichisch-ungarische Diplomaten in Sankt Petersburg und London betonten deshalb wiederholt, man habe keine Eroberungsabsichten. So ließ Berchtold dem russischen Außenminister Sergei Dmitrijewitsch Sasonow mitteilen:

„daß wir bei unserer Aktion gegen Serbien keinerlei territorialen Erwerb beabsichtigen und auch die selbständige Existenz des Königreiches ganz und gar nicht vernichten wollen. […] Die Monarchie ist territorial saturiert und trägt nach serbischem Besitz kein Verlangen. Wenn der Kampf mit Serbien uns aufgezwungen wird, so wird dies für uns kein Kampf um territorialen Gewinn, sondern lediglich ein Mittel der Selbstverteidigung und Selbsterhaltung sein.“[21]

Allerdings wurden die österreichischen Pläne, Serbien zu verkleinern, durch Indiskretionen österreichisch-ungarischer Botschaftsmitarbeiter in London bekannt. Der deutsche Kanzler Bethmann Hollweg äußerte sich daraufhin empört über die „unerträgliche Zweideutigkeit“ Wiens hinsichtlich seiner Kriegsziele.[22]

Gegenüber der britischen Regierung ließ die k.u.k Regierung am 29. Juli verlauten, sie könne nicht voraussehen, was sie nach einem siegreichen Krieg tun werde. Es sei jedoch natürlich, dass „alle auf unser Desinteressement bezüglichen Erklärungen nur für den Fall gelten, dass der Krieg zwischen uns und Serbien lokalisiert bleibe“.[23]

Ultimatum an Serbien[Bearbeiten]

Am 14. Juli konnten sich die k.u.k. Minister mit Tisza darauf verständigen, Serbien nach einem geplanten französischen Staatsbesuch in Russland ein auf 48 Stunden befristetes Ultimatum zu stellen, dessen Forderungen so scharf sein sollten, „daß mit der Wahrscheinlichkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung gerechnet werden muß.“[24] Der deutsche Verbündete wurde darüber informiert und drängte, dass das Ultimatum unannehmbar sein müsse.[25] Auch Berchtold hatte bereits am 7. Juli 1914 den k.u.k. Gesandten in Belgrad Wladimir Giesl instruiert: „Wie immer die Serben reagieren – Sie müssen die Beziehungen abbrechen und abreisen; es muss zum Krieg kommen“.[26]

Das Ultimatum wurde am 23. Juli um 18 Uhr abends durch den Gesandten Giesl in Belgrad übergeben. Es enthielt 10 Forderungen, unter anderem Tankosić und Ciganović schnell festzunehmen, die Narodna Odbrana und ähnliche Vereine aufzulösen, alle anti-österreichischen Publikationen zu verhindern und alle der anti-österreichischen Propaganda schuldigen Lehrer, Offiziere und Beamte zu entlassen. Am brisantesten waren die Punkte 5 und 6. Sie forderten,

„5. einzuwilligen, daß in Serbien Organe der k. u. k. Regierung bei der Unterdrückung der gegen die territoriale Integrität der Monarchie gerichteten subversiven Bewegung mitwirken; 6. eine gerichtliche Untersuchung gegen jene Teilnehmer des Komplottes vom 28. Juni einzuleiten, die sich auf serbischem Territorium befinden; von der k. u. k. Regierung hierzu delegierte Organe werden an den diesbezüglichen Erhebungen teilnehmen;“[27]

Die meisten Historiker gehen davon aus, dass das Ultimatum bewusst unannehmbar gefasst wurde und gar nicht angenommen werden sollte. So konstatiert etwa Manfried Rauchensteiner: „Einig war man darüber, die Begehrnote an Serbien zum frühestmöglichen Zeitpunkt abzusenden und sie so zu redigieren, dass sie von Belgrad abgelehnt werden musste“.[28] Dafür spricht auch, dass bereits am 25. Juli, das heißt einen Tag vor Ablauf der Frist des Ultimatums durch Baron Hold von Ferneck im k.u.k. Außenministerium im Voraus eine ablehnende Antwort auf die Reaktion Serbiens erarbeitet wurde. Falls Serbien alle Bedingungen des Ultimatums annehme, dabei aber auch nur den leisesten Protest äußere, sollte die Reaktion aus den folgenden Gründen als unzureichend beurteilt werden: 1.) Weil Serbien entgegen seiner 1909 eingegangenen Verpflichtung Österreich-Ungarn gegenüber eine feindliche Haltung eingenommen habe, 2.) Weil es die Befugnis Österreich-Ungarns, Serbien nach eigenem Ermessen zur Verantwortung zu ziehen, offensichtlich in Frage stelle, 3.) weil von einer inneren Umkehr Serbiens keine Rede sein könne, obwohl es mehrmals dazu ermahnt wurde, 4.) weil es Serbien offensichtlich an ehrlicher Absicht und Loyalität mangele, um die Bedingungen des Ultimatums zu erfüllen. Auch wenn Serbien alle Bedingungen ohne Widerrede annehme, so könne dennoch angemerkt werden, dass es die im Ultimatum geforderten Schritte weder unternommen noch über sie informiert habe.[29]

Christopher Clark dagegen rechtfertigt das Ultimatum damit, dass Serbien entgegen der offiziellen Zusicherung niemals Ermittlungen gegen die Hintermänner des Attentats eingeleitet habe, die der Schwere der Tat angemessen gewesen seien. Die Ermittlungen seien eine Woche nach dem Attentat weitgehend abgeschlossen worden. Außerdem habe es in der Geschichte schon weit gravierendere Forderungen gegeben, die nicht als unannehmbar gegolten hätten, etwa jene, die die NATO Serbien 1999 im Vertrag von Rambouillet gestellt hat.[30] Auch John Keegan sieht in der Forderung nach Ermittlungen durch k.u.k. Behörden nichts, was andere Nationen als Verletzung ihrer Grundsätze hätten betrachten müssen, da Serbien wie er wortwörtlich ausführt - zu dieser Zeit in den Augen der internationalen Gemeinschaft fast den Status eines „Schurkenstaates" besessen habe.[31]

Noch vor Ablauf der Serbien gesetzten Frist wurde am 25. Juli in Budapest der serbische Generalstabschef und Kriegsminister Radomir Putnik verhaftet, der sich auf der Durchreise von einer Kur im steirischen Bad Gleichenberg nach Serbien befand. Putnik wurde jedoch schnell wieder freigelassen.[32]

Deutsches Reich[Bearbeiten]

Generalstabschef Helmuth Johannes Ludwig von Moltke

Zu den umstrittensten Aspekten der Julikrise zählt seit langem die Einschätzung der Rolle der deutschen Führung.

Nach dem Attentat sind zunächst keine Aktivitäten oder Pläne dokumentiert. Am 3. Juli jedoch hatte der sächsische Militärbeauftragte Traugott Leuckart von Weißdorf ein Gespräch mit dem Oberquartiermeister im Generalstab Georg von Waldersee. Leuckart berichtete anschließend seiner Regierung, Waldersee habe gesagt, es könne von heute auf morgen zum Krieg kommen. Nach Leuckarts Einschätzung würde der Generalstab einen Krieg auch begrüßen. Allerdings zögere der Kaiser noch.

Präventivkriegspläne oder Lokalisierungsglauben?[Bearbeiten]

Seit der Gründung der Triple Entente im Jahr 1907 fühlte sich Deutschland von seinen Gegnern zunehmend eingekreist. Vor allem der Generalstab sah eine existentielle, militärische Bedrohung und ging fest davon aus, dass die Aufrüstung von Russland und Frankreich dazu dienen sollte, ungefähr 1916 einen Krieg vom Zaun zu brechen. Zu diesem Zeitpunkt glaubte Generalstabschef Moltke, einen Krieg nicht mehr gewinnen zu können. Deshalb drängte er bereits seit 1908 auf einen Präventivkrieg zu einem früheren Zeitpunkt. Im Kriegsrat vom 8. Dezember 1912[33] diskutierte Wilhelm II. mit den Spitzen des Militärs, ob die durch den Ersten Balkankrieg entstandene Krise dazu genutzt werden solle, einen solchen Krieg herbeizuführen. Da der Leiter des Reichsmarineamtes Admiral Tirpitz sich noch nicht ausreichend gerüstet sah, nahm man von dem Plan Abstand. Der Generalstab warnte die Regierung jedoch weiter eindringlich vor der, seiner Meinung nach, immer brisanter werdenden militärischen Lage, zuletzt in einem Memorandum vom 15. Mai 1914.[34] Zahlreiche Historiker wie Andreas Hillgruber und Imanuel Geiss sind der Meinung, dass das Attentat von Sarajevo vom Generalstab als „goldene Gelegenheit“ für einen Krieg begrüßt wurde.[35]

Als am 5. Juli der „Blanko-Scheck“ ausgestellt wurde, gingen offenbar die meisten Beteiligten auf deutscher Seite davon aus, dass Russland in einen österreichisch-serbischen Krieg nicht eingreifen würde. Hans von Plessen, der Generaladjutant Wilhelms II., notierte nach einem Gespräch mit dem Kaiser, Kriegsminister Erich von Falkenhayn und Moriz von Lyncker, dem Chef des kaiserlichen Militärkabinetts in sein Tagebuch:

„Bei uns herrscht die Ansicht, dass die Österreicher je früher, je besser gegen Serbien losgehen und dass die Russen - obwohl Freunde Serbiens - doch nicht mitmachen.“[36]

Kriegsminister Falkenhayn dagegen schrieb in einem Brief an den in Karlsbad zur Kur weilenden Generalstabschef Moltke, sowohl er wie Kanzler Bethmann Hollweg seien der Ansicht, dass sich Österreich letztendlich doch nicht zu einem ernsten Schritt aufraffen werde.[37] Der stellvertretende Leiter des Auswärtigen Amtes, Arthur Zimmermann, allerdings soll in der Unterredung mit Hoyos von „90 Prozent Wahrscheinlichkeit“ gesprochen haben, dass ein großer Krieg komme. Trotzdem, so äußerte er sich später gegenüber Vertrauten, habe er den zögernden Kanzler zur Bestätigung des Blanko-Schecks gedrängt.[38] In den Tagebuchaufzeichnungen von Kurt Riezler, dem engsten Vertrauten von Reichskanzler Bethmann Hollweg, heißt es am 8. Juli:

„Eine Aktion gegen Serbien kann zum Weltkrieg führen. Der Kanzler erwartet von einem Krieg, wie er auch ausgeht, eine Umwälzung alles Bestehenden […]. Kommt der Krieg aus dem Osten, so dass wir also für Oesterreich-Ungarn und nicht Oest[erreich]-Ungarn für uns zu Felde zieht, so haben wir Aussicht, ihn zu gewinnen. Kommt der Krieg nicht, will der Zar nicht oder rät das bestürzte Frankreich zum Frieden, so haben wir doch noch Aussicht, die Entente über diese Aktion auseinander-zumanoeuvrieren.“[39]

Gegen Ende des Krieges gestand Bethmann Hollweg selber: „In gewissem Sinne war es ein Präventivkrieg“.[40]

Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg

Diese widersprüchliche Quellenlage ist ein Hauptgrund für die bis heute anhaltende Forschungsdebatte. Fritz Fischer ging davon aus, dass die politische Führung Deutschlands 1914 gezielt einen europäischen Krieg herbeiführen und damit einen Griff nach der Weltmacht tun wollte. Egmont Zechlin dagegen vertrat die Meinung, dass die deutsche Politik zwar bewusst das Risiko eines Weltkrieges in Kauf genommen habe, jedoch nicht, um Weltmachtspläne zu realisieren, sondern um einem als sicher angenommenen baldigen Angriff Russlands und Frankreich zu einem „günstigeren Zeitpunkt“ zuvorzukommen. Er meint, die deutschen Politiker hätten vielfach den gängigen begrenzten „Kabinettskrieg“ erwartet, die Entente habe jedoch mit einem „Hegemonialkrieg“ geantwortet. Da Bethmann Hollweg mit einem solchen „Auskämpfen“ nicht gerechnet habe, habe er den europäischen Krieg als tragbares Risiko betrachtet.[41] Auch andere Forscher sehen die Angst vor der steigenden Macht Russlands als zentrales Motiv der deutschen Politik. Obwohl die Stärke Deutschlands immer mehr zunahm, hielten demnach der „fatalistische“ Bethmann Hollweg, der „selbstzweifelnde“ Moltke und der „labile“ Wilhelm, mit seinen Ängsten vor Sozialismus, „Gelber Gefahr“ und „Slawischer Flut“ die Zeit für die „letzte Abrechnung“ gekommen.[42] Lüder Meyer-Arndt glaubt, dass sich die deutschen Politiker an die „unüberlegte Erklärung“ Kaiser Wilhelms gebunden fühlten, was ihnen in der Folge die Handlungsfreiheit genommen habe.[43] Gerd Krumeich vertritt die These, dass die Forderung der deutschen Regierung, der Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien müsse unter allen Umständen lokalisiert bleiben, einen groben Verstoß gegen die damaligen diplomatischen Usancen bildete. Dahinter habe die Idee gestanden, Russlands Kriegsbereitschaft und -willigkeit zu testen. Sollte Russland nicht auf die Lokalisierungsforderung eingehen, gelte es für Deutschland, den Krieg sofort zu führen, ehe das Zarenreich noch mehr aufrüste. Die Folgen dieser Erpressungsstrategie seien nicht vorhergesehen worden.[44]

Die Vorbereitung des Ultimatums[Bearbeiten]

Am 6. Juli trat der Kaiser seine geplante Urlaubsreise nach Norwegen an. Ob man nur die Öffentlichkeit durch eine Absage nicht beunruhigen wollte, ob es sich um eine bewusste Täuschung über den Ernst der Lage handelte oder ob Bethmann Hollweg vor allem den unberechenbaren Kaiser aus dem Weg haben wollte, ist umstritten. Auch zahlreiche andere Politiker und Militärs traten ihre Urlaube an. Dafür kam Gottlieb von Jagow, der Staatssekretär im Auswärtigen Amt am 8. Juli von seiner Hochzeitsreise zurück. In der Folge übernahm das Außenministerium die Federführung der Politik. Allerdings waren sowohl Bethmann Hollweg auf seinem Landgut in Hohenfinow wie Georg von Waldersee auf Schloss Ivenack telegraphisch erreichbar und kamen beide während der nächsten zweieinhalb Wochen mehrmals nach Berlin. Auch der Kaiser hatte auf seiner Jacht Hohenzollern eine Funkanlage und wurde – allerdings selektiv – auf dem Laufenden gehalten.

In den Gesprächen mit Hoyos und Szögyény-Marich am 5. und 6. Juli hatten sich sowohl der Kaiser als auch Zimmermann und Bethmann Hollweg für ein möglichst schnelles Fait accompli ausgesprochen. In der Folge drängten die deutschen Politiker in Wien wiederholt, möglichst rasch zu handeln und das geplante Ultimatum unannehmbar abzufassen. So erklärte der deutsche Botschafter in Wien, Heinrich von Tschirschky, k.u.k. Außenminister Berchtold, Kaiser Wilhelm habe ihn angewiesen, „hier mit allem Nachdruck zu erklären, daß man in Berlin eine Aktion gegen Serbien erwarte und daß es in Deutschland nicht verstanden würde, wenn wir die gegebene Gelegenheit vorübergehen ließen, ohne einen Schlag zu führen.“ Ein weiteres „Transigieren“ (Verhandeln) mit Serbien, so interpretierte Berchtold, würde in Deutschland als Schwächebekenntnis ausgelegt.[45]

Inwieweit bereits Vorbereitungen für einen großen Krieg getroffen wurden, ist umstritten. Fritz Fischer ging davon aus, dass die Ministerrunden in Berlin am 10., 15. und 18. Juli der Kriegsvorbereitung dienten. Waldersee erklärte am 17. Juli:

„Wir sind hier im Generalstabe fertig.“[46]

Am 22. Juli wurde die deutsche Regierung von Wien über den genauen Wortlaut des Ultimatums informiert.[47] Offiziell beharrte sie jedoch während der gesamten Krise darauf, die österreichisch-ungarischen Pläne nicht gekannt zu haben.

Russland[Bearbeiten]

Außenminister Sergei Dmitrijewitsch Sasonow

Die russische Politik war bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Bestreben geprägt, eine möglichst große Kontrolle über den Balkan und damit über die für den russischen Handel immens wichtigen türkischen Meerengen Bosporus und Dardanellen zu bekommen. Seit dem Ende des Zweiten Balkankrieges im August 1913 war jedoch Serbien als einziger Verbündeter auf dem Balkan geblieben.

Nach dem Attentat von Sarajewo rechnete man in St. Petersburg von Anfang an mit einer „Strafaktion“ Österreichs gegen Serbien. Bereits am 7. Juli lancierte deshalb die russische Botschaft in Wien eine Zeitungsmeldung, in der es hieß, man werde nicht protestieren, wenn Österreich eine Untersuchung in Belgrad verlange, einer Beeinträchtigung der politischen Selbstständigkeit Serbiens aber nicht zusehen.[48] Am 16. Juli und 18. Juli erfolgten ähnliche Warnungen an die Regierung in Wien.

Um den 17. Juli herum erfuhr man in St. Petersburg aus verschiedenen Quellen, dass Österreich ein „scharfes“ Ultimatum plante.[49] Vom 20. bis 23. Juli stand ein lange geplanter Staatsbesuch des französischen Verbündeten an. Über den Inhalt ihrer Gespräche mit der russischen Regierung gibt es keine offiziellen Protokolle. Christopher Clark hat jedoch zahlreiche inoffizielle Dokumente ausgewertet, die darauf schließen lassen, dass die französische Seite ein „festes Zusammenstehen“ in der kommenden Krise forderte. Aus dem Abschluss-Kommuniqué des Besuches geht ebenfalls „die volle Entschlossenheit der französischen Regierung“ hervor, Bündnistreue zu wahren und gemeinsam mit den Russen zu handeln.[50]

Auch die russische Führung scheint entschlossen gewesen zu sein, keine weitere diplomatische Demütigung wie in der bosnischen Annexionskrise 1908 und keine Schwächung ihrer Position auf dem Balkan mehr hinzunehmen. Die Verantwortlichen fürchteten vermutlich auch eine Revolution für den Fall, dass sie das „slawische Brudervolk“ im Stich ließen.[51]

Frankreich[Bearbeiten]

Präsident Raymond Poincaré

Die französische Staatsregierung scheint nach dem Attentat zunächst nicht mit gefährlichen politischen Folgen gerechnet zu haben. Ausschlaggebend war wohl die Einschätzung des erfahrenen Botschafters in London, Paul Cambon, der meinte, Österreich-Ungarn werde Serbien mit Sicherheit nicht für eine Untat verantwortlich machen, die von k.u.k. Untertanen begangen worden sei.[52] Dies änderte sich schlagartig, als Präsident Raymond Poincaré sowie Ministerpräsident und Außenminister René Viviani während des Staatsbesuchs in Sankt Petersburg erfuhren, dass Wien offenbar ein „scharfes“ Ultimatum plante. Poincaré erklärte daraufhin, Frankreich würde seine Bündnisverpflichtungen im Falle eines Krieges einlösen. Diese Zusage wird oft als „zweiter Blanko-Scheck“ bezeichnet.

Der Historiker Stefan Schmidt weist in seiner auf neu erschlossenen französischen Quellen basierenden Arbeit darauf hin, dass neben dem Wunsch nach Rache für die Niederlage von 1870/71 und der Rückholung Elsass-Lothringens macht- und bündnispolitische Überlegungen einen hohen Einfluss auf die Denkweise der französischen Führung ausübten. Es galt einerseits, das Ansehen Frankreichs als Großmacht zu wahren. Andererseits kannte und fürchtete man die deutschen Präventivkriegsüberlegungen. Deshalb hatte das Bündnis mit Russland außenpolitisch größte Priorität. Allerdings ließ die wachsende Militärmacht des Zarenreichs bei der französischen Führung auch die Angst aufkommen, der Verbündete könne sich bei einem Konflikt mit Deutschland, der nur französische Interessen tangiere, vor seinen Bündnisverpflichtungen drücken. So entschieden sich Poincaré und Maurice Paléologue, der französische Botschafter in Sankt Petersburg, Russland die unbedingte Unterstützung Frankreichs zuzusichern, verlangten im Gegenzug jedoch im Falle eines Krieges einen schnellen russischen Angriff auf Ostpreußen, um den deutschen Schlieffen-Plan zu unterlaufen.[53] Diese französische Politik der «fermeté», der Stärke und Festigkeit, war darauf gerichtet, den deutsch-österreichischen Zweibund entweder von einem Krieg gegen Serbien abzuschrecken, oder einen gesamteuropäischen Krieg, falls er denn käme, erfolgreich zu führen: „Denn war es einerseits in innen- und außenpolitischer Hinsicht erforderlich, das Deutsche Reich mit der Kriegsschuld zu belasten und ihm im Zuge eines kalkulierten Manövers die Initiative im Rekurs auf die militärischen Machtmittel zu überlassen, so galt es andererseits sicherzustellen, dass Russland zu einem umgehenden und uneingeschränkten Angriff auf das Deutsche Reich schritt“, resümiert Stefan Schmidt.[54]

Großbritannien[Bearbeiten]

Außenminister Edward Grey, 1. Viscount Grey of Fallodon

Großbritannien war mit Frankreich und Russland seit 1907 in der Triple Entente verbunden. Der Vertrag von Sankt Petersburg aus diesem Jahr enthielt jedoch keine Bündnisverpflichtungen im Kriegsfall. Allerdings hatte die Regierung mit Frankreich ein geheimes Marine-Abkommen geschlossen. Dieses sah vor, dass die gesamte französische Flotte im Mittelmeer stationiert war. Im Gegenzug versprach Großbritannien den Schutz der französischen Kanal- und Atlantikküste.[55] Im Sommer 1914 war es ein Hauptinteresse der britischen Politik, mit Russland in gutem Einvernehmen zu bleiben, um ein Aufbrechen von Konflikten im Nahen und Mittleren Osten zu verhindern. Die deutsche Regierung jedoch machte sich aufgrund verbesserter Beziehungen zu Großbritannien im Jahr 1914 Hoffnung, dass dieses seinen Entente-Partnern im Konfliktfall nicht beispringen würde. Inwieweit das Vertrauen auf eine britische Neutralität die Politik der deutschen Reichsleitung in der Julikrise bestimmte, ist unter Historikern nach wie vor umstritten. Während etwa Fritz Fischer davon ausging, dass das gesamte Kalkül der deutschen Regierung in der Julikrise auf einer englischen Neutralität im Kriegsfall beruhte, verweisen andere wie etwa Gerd Krumeich auf britisch-russische Gespräche über eine Marinekonvention im Frühsommer 1914. Die deutsche Regierung hatte über einen Spion davon erfahren. Als die britische Regierung auf Nachfrage verneinte, dass es überhaupt Gespräche gebe, sei das „Wasser auf die Mühlen der Einkreisungsphobie der deutschen Regierung“ gewesen.[56]

Am 6. Juli suchte der deutsche Botschafter in London, Karl Max von Lichnowsky den britischen Außenminister Grey auf und äußerte „privatim“ seine Befürchtung, dass die k.u.k. Regierung eventuell aufgrund der serbenfeindlichen Stimmung im Land militärisch gegen Serbien vorgehen werde und dass aufgrund der russischen Rüstungen und der Marine-Gespräche die deutsche Regierung zu der Auffassung kommen könne, „dass es darum besser wäre, Österreich nicht zurückzuhalten und das Übel lieber jetzt als später herankommen zu lassen.“[57] Grey versuchte daraufhin, Lichnowsky zu beschwichtigen, dass es keine Anzeichen gäbe, dass „die Russen hinsichtlich Deutschlands besorgt, gereizt oder feindselig gesinnt seien.“ Über etwaige Entwicklungen in Österreich-Ungarn sei aber auch er besorgt und werde, wenn Verwicklungen entstünden, „allen mir zu Gebote stehenden Einfluss aufbieten, um Schwierigkeiten zu verringern und aus dem Wege zu räumen.“ Zwei Tage später erklärte Grey dem russischen Botschafter in London, Alexander Konstantinowitsch Benckendorff, „es wäre sehr wünschenswert, wenn die russische Regierung … alles in ihrer Macht tun wollte, um Deutschland zu beruhigen und es zu überzeugen, dass kein Coup gegen es vorbereitet werde“.[58]

Als in den nächsten Wochen der britische Botschafter in Wien, Maurice de Bunsen, mehrmals warnte, dass Österreich eine Demütigung Serbiens beabsichtige und Russland, laut seinem Botschafter in Wien, Nikolai Schebeko, Serbien im Kriegsfall beistehen werde, führte dies im britischen Außenministerium jedoch zu wenig Aufregung. In einem Gespräch mit Paul Cambon erklärte Grey, er vertraue darauf, dass Deutschland mäßigend auf seinen Bündnispartner einwirken werde.[59]

Italien[Bearbeiten]

Das Königreich Italien war durch den Dreibund von 1882 verpflichtet, seinen Bündnispartnern Österreich-Ungarn und Deutschland beim Angriff zweier anderer Mächte oder bei einem unprovozierten Angriff Frankreichs auf ein Mitglied beizustehen.

Berchtold unterließ es jedoch absichtlich, Italien und das 1883 dem Dreibund beigetretene Königreich Rumänien von der beabsichtigten Aktion gegen Serbien zu unterrichten, da er voraussah, dass diese ihre Zustimmung nur gegen Kompensationen geben würden.[60] Aber bereits am 14. Juli ließ der italienische Außenminister verlauten,

„unsere ganze Politik muss darauf gerichtet sein, […] jede territoriale Vergrößerung Österreichs zu verhindern, wenn diese nicht durch eine angemessene territoriale Entschädigung Italiens ausgeglichen wird.“

Die italienische Regierung machte auch keinerlei Vermittlungsversuche, sondern verfolgte in erster Linie die Frage möglicher Kompensationen im Falle einer Annexion Serbiens durch Österreich-Ungarn.[61]

Die Reaktionen auf das Ultimatum[Bearbeiten]

Das österreichisch-ungarische Ultimatum an Serbien wurde von den Mächten der Triple-Entente als Angriff auf die Souveränität Serbiens angesehen. Der britische Außenminister Edward Grey etwa bezeichnete es als „brüsk, unvermittelt und herrisch“[62] und erklärte gegenüber dem deutschen Botschafter Lichnowsky, es überträfe alles, was er bisher in dieser Art jemals gesehen habe. Er regte an, dass Deutschland und England sich in Wien zusammen für eine Verlängerung der Frist einsetzen sollten. Außerdem schlug er vor, dass, falls sich gefährliche Spannungen zwischen Österreich-Ungarn und Russland ergäben, die vier nicht unmittelbar beteiligten Mächte England, Deutschland, Frankreich und Italien die Vermittlung übernehmen sollten.[63]

Der russische Außenminister Sasonow meinte, die harten Forderungen stünden in keinem Verhältnis zu den Versäumnissen, die Serbiens Regierung vielleicht angelastet werden könnten. Die Zerstörung Serbiens und des Mächtegleichgewichts auf dem Balkan müsse verhindert werden. Der russische Ministerrat, der Kronrat und der Zar beschlossen daher bereits am 24. und 25. Juli für den Fall einer österreichischen Kriegserklärung an Serbien eine Mobilmachung der Militärbezirke Odessa, Kiew, Kasan und Moskau.[64] An Serbien gab der Ministerrat am 24. Juli ein benachrichtigendes Memorandum heraus, wonach sich Russland bei den europäischen Großmächten für eine Fristverlängerung des Ultimatums einsetzen werde, um „eine eingehende Untersuchung des Attentats von Sarajevo“ zu ermöglichen. Aus dem Memorandum geht weiter hervor, dass Russland seine Finanzmittel aus Deutschland und Österreich abziehen und im Falle eines österreichisch-ungarischen Angriffes auf Serbien nicht untätig bleiben werde.[65]

Am Abend des 25. Juli um 17.55 Uhr überreichte Serbien, das bereits seit 15.00 Uhr die Generalmobilmachung in Kraft gesetzt hatte,[66] eine Antwort auf das österreichisch-ungarische Ultimatum. Darin versprach es, die meisten Punkte zu erfüllen, wies jedoch die Teilnahme von k.u.k. Beamten bei Untersuchungen in Serbien zurück:

„Die königliche Regierung hält es selbstverständlich für ihre Pflicht, gegen alle jene Personen eine Untersuchung einzuleiten, die an dem Komplotte vom 15./28. Juni beteiligt waren oder beteiligt gewesen sein sollen, und die sich auf ihrem Gebiete befinden. Was die Mitwirkung von hierzu speziell delegierten Organen der k.u.k. Regierung an dieser Untersuchung anbelangt, so kann sie eine solche nicht annehmen, da dies eine Verletzung der Verfassung und des Strafprozeßgesetzes wäre. Doch könnte den österreichisch-ungarischen Organen in einzelnen Fällen Mitteilung von dem Ergebnisse der Untersuchung gemacht werden.“[67]

Die Antwort wurde von den Entente-Mächten als weitgehendes Entgegenkommen gewertet, von Österreich-Ungarn aber als „ungenügend“ und „vom Geist der Unaufrichtigkeit erfüllt“ zurückgewiesen.[68] Die deutsche Regierung unterstützte diese Sichtweise. Sie wies alle Vermittlungsversuche mit der Begründung zurück, dass man Österreich-Ungarn wegen seines Konfliktes mit Serbien nicht vor ein europäisches Gericht ziehen könne.[69]

Der am 27. Juli aus dem Urlaub zurückgekehrte Kaiser Wilhelm II. sah in der serbischen Antwort eine „Kapitulation demütigster Art“, mit der jeder Grund zum Krieg entfalle. Wilhelm schlug vor, dass Österreich lediglich Belgrad als „Faustpfand“ besetzen solle, um die Durchsetzung seiner Forderungen zu erzwingen.[70] Diese Anregung reichte die deutsche Regierung jedoch nur verzögert und verstümmelt nach Wien weiter.[71] Einen ganz ähnlichen Vorschlag machte der britische Außenminister Grey am 29. Juli. Er meinte, Österreich solle nach einer Besetzung Belgrads seine Bedingungen bekannt geben, über die verhandelt werden könne.[72] Dieser Vorschlag wurde am 30. Juli von der deutschen Regierung an Österreich-Ungarn weitergeleitet, dort jedoch zurückgewiesen. Auch der französische Präsident Poincaré lehnte ihn ab, so dass der französische Ministerpräsident Viviani ihn nicht weiter unterstützte.[73]

Während viele Historiker die österreichisch-ungarische Weigerung, auf diesen Vorschlag einzugehen, als Fehler sehen, hält Christopher Clark die englischen Vermittlungsvorschläge für unrealistisch, da sie Österreich-Ungarn entweder keine wirklichen Vorteile gebracht hätten oder gegenüber Frankreich und vor allem Russland nicht durchsetzbar gewesen seien.[74]

Vom österreichisch-serbischen zum großen europäischen Krieg[Bearbeiten]

Berlin, Unter den Linden: Bekanntgabe des Zustands der drohenden Kriegsgefahr am Nachmittag des 31. Juli 1914 durch einen Offizier des Alexander Garde-Grenadier-Regiments
Extra-Blatt des Neuen Görlitzer Anzeigers vom 1. August 1914

Noch während der laufenden Vermittlungsbemühungen erklärte Österreich am 28. Juli Serbien den Krieg, denn Graf Berchtold wollte jedem Interventionsversuch den Boden entziehen und vollendete Tatsachen schaffen. Um die Unterschrift von Kaiser Franz Josef unter die Kriegserklärung zur erhalten, erwähnte er einen serbischen Angriff bei Temes Kubin, der jedoch wohl nie stattgefunden hat. Die eigentlichen Kriegshandlungen begannen vermutlich mit einer Beschießung Belgrads am 29. Juli wenige Minuten vor ein Uhr morgens durch das DDSG Schiff Inn und mehrere k.u.k. Monitore. Die am Semliner Ufer versammelten Zuschauer glaubten schon an eine Beendigung dieses Zwischenfalls, als kurz darauf die Serben um zwei Uhr früh einzelne Felder der Eisenbahnbrücke zwischen Belgrad und Semlin sprengten, und die k.u.k. Haubitzenbatterie auf der Semliner Seite eröffnete das Feuer. Zu diesem Zeitpunkt war Belgrad bereits teilweise evakuiert.[75] Der von Conrad von Hötzendorf lange geplante massive Beschuss Belgrads durch Artillerie und die k.u.k. Donauflottille hatte damit begonnen. Obwohl er militärisch bedeutungslos war, entfaltete er politische Wirkung, da Österreich-Ungarn nun alle Vermittlungsversuche als „zu spät gekommen“ zurückwies.[76]

Russland antwortete am 29. Juli mit der Teilmobilmachung. Außenminister Sasanow versicherte dem deutschen Botschafter Pourtalès, dass sich diese Mobilmachung nur gegen Österreich-Ungarn richte und es keine Maßnahmen gegen Deutschland gebe. Unter anderem die neuen Forschungen von Christopher Clark zeigen jedoch, dass bereits umfangreiche Vorbereitungsmaßnahmen in den zu Deutschland hin gelegenen Militärbezirken im Gange waren. Gleichzeitig bemühte sich Sasanow um eine friedliche Lösung unter der Bedingung, dass diese nicht gegen die Souveränität und territoriale Integrität Serbiens gerichtet sei. Berchtolds Erklärung vom 28. Juli 1914, Russland habe nach Erhalt seiner Zusicherung, dass Österreich keinen Gebietserwerb anstrebe, kein Recht zur Einmischung blieb wirkungslos, weil Sasonow die „Herabdrückung“ Serbiens zu einem österreichischen „Satellitenstaat“ befürchtete.[77]

Einige Historiker wie Sean McMeekin[78] und Christopher Clark interpretieren die russische Mobilmachung als Kriegsentschluss. Diese Annahme ist jedoch nicht zwingend. Es könnte sich genauso gut um ein Drohszenario oder eine reine Vorsichtsmaßnahme gehandelt haben, da Russland eine Mobilmachungszeit von mehreren Wochen hatte.

Die französische Regierung war wegen der Heimreise von St. Petersburg erst am 29. Juli wieder voll handlungsfähig und erhielt in der Nacht zum 30. Juli die Nachricht von der russischen Teilmobilmachung. Sie bat den Verbündeten, möglichst wenig offen und herausfordernd zu agieren, um keine deutsche Mobilmachung zu provozieren. Während Außenminister Viviani aufgeschlossen für eine Verhandlungslösung im Sinne der englischen Vermittlungsangebote war, hatte es für Poincaré und die Spitzen des Militärs Vorrang, England zu einer offenen Bündniszusage zu bewegen, um sowohl die Drohkulisse gegenüber dem Zweibund wie die eigene Position im Kriegsfall entscheidend zu stärken.[73]

Für das deutsche Militär ergab sich durch die russische Mobilmachung eine Zwangslage. Der Schlieffen-Plan, zu dem man keine Alternative hatte, sah vor, die russische Mobilmachungszeit zur Niederwerfung Frankreichs zu nutzen. Da man davon ausging, dass Russland mehrere Wochen für die Mobilisierung der Armee brauche, gab man nach der russischen Mobilisierung dem Druck der Militärs zugunsten einer schnellen Offensive im Westen nach. Die Option, dass Russland mobilisieren und zugleich verhandlungsbereit sein könne, war im deutschen Szenario nicht vorgesehen.[79] Die deutsche Regierung ließ in St. Petersburg deshalb mitteilen, dass ein Fortschreiten der russischen Maßnahmen mit eigener Mobilmachung beantwortet werden müsse.[80] Russland jedoch ließ am 30. Juli das ganze Heer mobilmachen. Der deutsche Generalstabschef Helmuth von Moltke und Kriegsminister Erich von Falkenhayn drängten daraufhin massiv auf eine deutsche Mobilmachung, um nicht wertvolle Zeit zu verlieren. Während Kanzler Bethmann Hollweg noch zögerte, forderte Moltke seinen österreichischen Kollegen Conrad von Hötzendorf zur Generalmobilmachung auf, die am 31. Juli erfolgte. Am gleichen Tag verkündete Deutschland den „Zustand drohender Kriegsgefahr“ und stellte Russland ein Ultimatum von 12 Stunden, innerhalb derer die russische Generalmobilmachung einzustellen sei. Ein weiteres Ultimatum von 18 Stunden an Frankreich verlangte dessen Neutralität im Fall eines deutsch-russischen Konflikts. Um zu verhindern, dass Frankreich sich anfangs für neutral erklärte und später in den Krieg eintrat, was den Schlieffenplan sabotiert hätte, sollte Botschafter Wilhelm von Schoen die Grenzfestungen Verdun und Belfort als Pfand für eine französische Neutralität verlangen. Dazu kam es nicht, denn die französische Regierung antwortete, Frankreich werde „entsprechend seinen Interessen“ handeln.[81]

Nachdem eine russische Antwort ausgeblieben war, ließ Berlin am 1. August das deutsche Heer mobilmachen und erklärte Russland am Abend den Krieg. Da Frankreich die ultimative deutsche Neutralitätsforderung ausweichend beantwortet hatte, folgte am 3. August die deutsche Kriegserklärung an Frankreich.

Auf die deutsche Entscheidung, zur Eroberung Frankreichs, wie im Schlieffenplan vorgesehen, zuerst das neutrale Belgien zu besetzen, drohte Großbritannien mit Krieg. Kanzler Bethmann Hollweg bat den britischen Botschafter Edward Goschen, doch wegen eines „Fetzens Papier“ nicht den Frieden zu brechen – gemeint war die internationale Garantie für die belgische Neutralität aus dem Jahr 1839.[82] Großbritannien jedoch erklärte Deutschland am 4. August den Krieg.

Die Krise in der Öffentlichkeit[Bearbeiten]

Morgenausgabe des 2. Augusts der Lübeckischen Anzeigen

In der Öffentlichkeit wurde die Krise lange Zeit nicht als solche wahrgenommen. Zwar rechnete man nach dem Attentat allgemein mit einem „Schritt“ Österreich-Ungarns gegen Serbien, vertraute aber den offiziellen Versicherungen, dass kein Eingriff in serbische Hoheitsrechte geplant sei. Als das Ultimatum bekannt wurde, hielt ein großer Teil der deutschsprachigen Presse es für gerechtfertigt.[83] Es gibt Hinweise darauf, dass die deutsche Regierung hier im Vorfeld Einfluss genommen hat. So wies etwa der Legationsrat im Auswärtigen Amt, Ernst Langwerth von Simmern, den Geschäftsträger der Regierung in Hamburg an, die Chefredakteure von Hamburger Nachrichten, Korrespondent und Hamburger Fremdenblatt vertraulich darauf hinzuweisen, dass ein Krieg am besten dadurch vermieden werden könne, wenn Deutschland ruhig und fest an der Seite Österreich-Ungarns stehe.[84] Die SPD rief am 25. Juli im Vorwärts zu Anti-Kriegskundgebungen am 28. Juli auf. In ganz Deutschland beteiligten sich daran schätzungsweise 500.000 bis 750.000 Menschen, darunter etwa 20 Prozent Frauen. Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei oder mit nationalen Demonstranten.[85] Dagegen feierten deutschnationale Studenten, der Jungdeutschland-Bund und Teile des „gutbürgerlichen Publikums“ die serbische Ablehnung am 25. und 26. Juli mit Straßenkundgebungen.[86]

Auch in den folgenden Tagen kam es zu Massenaufläufen in den deutschen Innenstädten, vor allem in Berlin. Diese rührten auch daher, dass die Menschen dort durch Extrablätter, Anschläge an den Litfaßsäulen oder offizielle Bekanntmachungen am schnellsten die neuesten Entwicklungen erfuhren.

Am 2. August erfuhr die deutsche Bevölkerung aus der Presse von ersten russischen Angriffen in Ostpreußen, nicht jedoch, dass die eigene Regierung Russland bereits am Tag zuvor den Krieg erklärt hatte. Ebenfalls am 2. August kamen Gerüchte über französische Grenzverletzungen wie Bombenabwürfe bei Nürnberg auf, die am 3. August als amtlich bestätigte Mitteilung an die Presse weitergegeben wurden, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bereits als „Tatarenmeldungen“ identifiziert worden waren. Der Glaube, sowohl von Russland wie von Frankreich heimtückisch überfallen worden zu sein, während der eigene Kaiser angeblich unermüdlich um den Frieden bemüht gewesen sei, führte in Deutschland zu einem Schulterschluss fast aller politischen Kräfte und zu einer großen Zustimmung zum Krieg. Das Gefühl, schuldlos in den Krieg hineingezogen worden zu sein, gab es auch in den anderen beteiligten Ländern. Die ausziehenden Soldaten wurden vielerorts begeistert verabschiedet.

Siehe auch: Augusterlebnis

Die Beurteilung der Julikrise[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kriegsschuldfrage

Nach Kriegsende wurde in den Pariser Vorortverträgen die alleinige Verantwortung der Mittelmächte am Kriegsausbruch festgeschrieben. Im Versailler Vertrag, den die Siegerstaaten mit Deutschland schlossen, heißt es in § 231:

„Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.[87]

Diese Schuldzuweisung lehnten fast alle Weimarer Parteien und der überwiegende Teil der deutschen Öffentlichkeit ab. Anfängliche Bestrebungen, das Handeln der Vorkriegs-Verantwortlichen selber zu untersuchen und juristisch zu ahnden, wurden damit im Keim erstickt. Zwar gab es in der Weimarer Republik eine umfangreiche Beschäftigung mit den Ereignissen der Julikrise, die jedoch nahezu ausschließlich als „Unschuldsforschung“ angelegt war und einem Vertragsrevisionismus dienen sollte. Von den republikfeindlichen Parteien, vor allem von der DNVP und der NSDAP, wurde die „Kriegsschuldlüge“ zur Bekämpfung der Weimarer Verfassung herangezogen.

Kontroverse nach 1945[Bearbeiten]

Die Diskussion um die Beurteilung der Julikrise und damit der Kriegsschuld flammte im Oktober 1959 durch einen Aufsatz des Hamburger Historikers Fritz FischerDeutsche Kriegsziele – Revolutionierung und Separatfrieden im Osten 1914–1918 – und vor allem durch sein Buch Griff nach der Weltmacht (1961) wieder auf. Fischer zog das Fazit:

„Da Deutschland den österreichisch-serbischen Krieg gewollt, gewünscht und gedeckt hat und, im Vertrauen auf die deutsche militärische Überlegenheit, es im Jahre 1914 bewusst auf einen Konflikt mit Russland und Frankreich ankommen ließ, trägt die deutsche Reichsführung einen erheblichen Teil der historischen Verantwortung für den Ausbruch eines allgemeinen Krieges.[88]

Daraufhin kam es zur so genannten Fischer-Kontroverse, in der nach Ansicht von Volker Ullrich bis heute keine Einigung erzielt worden ist: „Lässt man die ältere apologetische Version von „Hineinschlittern“ der europäischen Mächte in den Weltkrieg beiseite, die kaum noch Fürsprecher findet, so stehen sich im Wesentlichen drei Interpretationen gegenüber“:[89]

  1. Die erste Gruppe um Fritz Fischer und seine Schüler versuchte nachzuweisen, dass die Reichsleitung einen Kontinentalkrieg mit Russland und Frankreich provoziert hätte, um eine Hegemonie in Europa und damit die Weltmachtstellung zu erreichen.
  2. Die zweite Gruppe um Wolfgang J. Mommsen und Hans-Ulrich Wehler wählte den innenpolitischen Ansatz: Innere Schwierigkeiten und Reformunfähigkeit hätten eine „Flucht nach vorn“ verursacht, um durch Aggression nach außen die gefährdete Stellung der traditionellen Eliten zu stabilisieren (Sozialimperialismus).
  3. Die dritte Gruppe mit Egmont Zechlin, Karl Dietrich Erdmann, Andreas Hillgruber und Klaus Hildebrand betrachtet die deutsche Politik in der Julikrise als außenpolitisch-strategisch motiviert. Um die diplomatische Isolation zu durchbrechen, habe man eine Politik des „kalkulierten Risikos“ verfolgt, eine Lokalisierung des österreichisch-serbischen Konflikts sei aber gescheitert.

Ein weiterer Diskussionspunkt in der deutschen Forschung war, dass die deutsche Politik in der Julikrise nach Ansicht vieler Historiker weit mehr als die der anderen Staaten „weitgehend von rein militärtechnischen Erwägungen bestimmt [gewesen sei]. Die hilflose Abhängigkeit der deutschen politischen Führung von den Plänen der Militärs war der wesentliche Grund für ihr Versagen im entscheidenden Augenblick“.[90] Für Gerhard Ritter waren Bethmann Hollweg, aber auch Generalstabschef Moltke, der nach Kriegsbeginn zusammenbrach, hilflose Opfer der Umstände. Sie wurden, so Ritter, gegen ihren Willen in den Krieg geführt, gezwungen von der „Unerbittlichkeit militärischer Aufmarschpläne“, für die sie nicht verantwortlich waren und deren Konsequenzen nie richtig vorhergesehen worden waren. Die schlimme Inflexibilität und die Fehler der deutschen Politik in der Julikrise waren in den Augen Ritters und anderer durch den Schlieffenplan bedingt. Die Starrheit der deutschen militärischen Planungen, die keine Alternative kannten, sei hauptverantwortlich für die Ausweitung des Konfliktes zum Weltkrieg gewesen.[91] Das lag daran, dass die Führungsstruktur des Deutschen Reiches durch ein Nebeneinander von politischer und militärischer Führung „unterhalb“ des nur formal integrierenden Monarchen geprägt war. Die deutsche Diplomatie wurde in den entscheidenden Momenten „auf eine dienende Rolle zur Abschirmung der Militärplanung verwiesen“. Letztlich setzte sich damit – nach Hillgruber – das Präventivkriegskonzept des Generalstabes durch.[92]

Eberhard von Vietsch hebt besonders hervor, dass eine echte Diskussion über die Notwendigkeit oder Zwecklosigkeit des Krieges in Deutschland während der Krise nicht stattgefunden habe.

„Am bestürzendsten hatte sich dies in der obersten Staatsphäre selbst, nämlich in der entscheidenden Sitzung des preußischen Staatsministeriums Ende Juli, gezeigt, wo nicht einmal die Minister mehr als einige Zwischenfragen zweitrangiger Art zu den Ausführungen des leitenden Staatsmannes zu stellen wagten, die den Existenzkampf in Sicht brachten. Demgegenüber waren im Wiener Ministerrat die großen Grundsatzfragen der Monarchie in jenen Tagen doch immerhin mit ganz anderer Schärfe und Eindringlichkeit erörtert worden. In Preußen-Deutschland aber wirkten auch die höchsten Staatsbeamten noch immer als bloße Befehlsempfänger.“[93]

Jürgen Angelow fasste im Jahre 2010 aus seiner Sicht die deutschen Forschungstendenz wie folgt zusammen:

„In Auseinandersetzung mit den Thesen Fritz Fischers hat sich in der deutschen Historiografie die Auffassung durchgesetzt, dass das Vorgehen der Reichsleitung während der Julikrise 1914 aus einer außenpolitischen Defensivposition resultierte. Die für notwendig befundene Verbesserung der eigenen Position sollte mit Hilfe einer ‚Politik der begrenzten Offensive‘, unter Inkaufnahme eines ‚kalkulierten Risikos‘, durchgesetzt werden. Das Risiko ihres Scheiterns habe darin gelegen, zur Führung eines Großkriegs gezwungen zu werden, dessen Siegeschancen von den maßgeblichen Militärs von Jahr zu Jahr immer skeptischer bewertet wurden. […] Tatsächlich bringen die Begriffe ‚begrenzte Offensive‘ und ‚kalkuliertes Risiko‘ das Unverantwortliche und Abgründige der deutschen Position nicht vollständig zum Ausdruck. Dagegen beschreibt der von jüngeren Historikern verwendete Begriff ‚Brinkmanship‘ eine waghalsige Politik des ‚unkalkulierten Risikos‘, des Wandelns am Rande des Abgrunds.“[94]

Kontroverse um Die Schlafwandler[Bearbeiten]

Im Jahr 2013 forderte der australische Historiker Christopher Clark in seinem Bestseller Die Schlafwandler eine Sichtweise, die sich weniger auf Deutschland konzentriert, sondern stärker auch das Verhalten der übrigen Nationen in den Blick nimmt. Sein Fazit:

„Alle [europäischen Großmächte] meinten, unter Druck von außen zu handeln. Alle meinten, der Krieg werde ihnen von den Gegnern aufgezwungen. Alle trafen jedoch Entscheidungen, die zur Eskalation der Krise beitrugen. Insofern tragen sie auch alle die Verantwortung, nicht bloß Deutschland“[95]

Andere Historiker wie Gerd Krumeich[96] und Stig Förster[97] warfen Clark jedoch vor, dabei die deutsche Rolle zu verharmlosen. Auch Annika Mombauer spricht sich in ihrem Buch Die Julikrise gegen Clarks These aus und meint, dass der Krieg hauptsächlich von Deutschland und Österreich-Ungarn bewusst herbeigeführt worden sei.[98] Im Zusammenhang mit der Rolle dieser beiden Länder wird erneut an die „Mission Hoyos“ erinnert.

Der Historiker Volker Ullrich wirft Clark vor, dass dieser wichtige Fakten wie etwa Bethman Hollwegs Aussage, dass ein Krieg gegen Serbien zu einem Weltkrieg führen könne, unter den Tisch fallen lasse und allgemein dem Agieren Deutschlands während der Julikrise zu unkritisch gegenüberstehe.[99]

Clark entgegnet seinen Kritikern, dass sein Buch keine einseitige pro-deutsche Darstellung der Julikrise enthalte und international auf breite Zustimmung treffe, was auch an den Verkaufszahlen im englischsprachigen Raum erkennbar sei. Die heftigen Reaktionen vor allem deutscher Historiker betrachtet Clark als geschichtspolitisch motiviert:

„Auf irgendeine rätselhafte Weise hängt die Kriegsschuldthese vom Ersten Weltkrieg mit dem Schuldkomplex des Zweiten Weltkriegs zusammen. Und da haben es die Deutschen unzweifelhaft mit einem historisch und moralisch einmaligen Erbe zu tun, das sich nicht nur aus der Kriminalität des NS-Regimes ergibt, sondern auch aus den Hunderttausenden von Mitläufern und Mittätern. Manchmal habe ich bei den Kritikern meines Buchs das Gefühl, dass sie glauben, dass das ganze Gefüge ins Wanken kommt, wenn man an irgendeinem Teil des Schuldkomplexes im 20. Jahrhundert rüttelt. Das sehe ich aber nicht so. Denn eine Debatte über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wie jene über den Ersten wird es niemals geben.“[100]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christopher Clark: The Sleepwalkers. How Europe went to War in 1914. Allen Lane, London u. a. 2012, ISBN 978-0-7139-9942-6.
    • deutsch: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013, ISBN 978-3-421-04359-7.
  • Karl Dietrich Erdmann (Hrsg.): Kurt Riezler. Tagebücher-Aufsätze-Dokumente. Eingeleitet und herausgegeben von Karl Dietrich Erdmann. Vandenhock & Ruprecht, Göttingen 1972, ISBN 3-525-35817-2. (Wichtiges Quellenwerk, Riezler war Mitarbeiter und Vertrauter von Reichskanzler Bethmann Hollweg.)
  • Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Droste, Düsseldorf 1984, ISBN 3-7700-0902-9, S. 46–86. (1. Auflage 1961)
  • Fritz Fischer: Krieg der Illusionen. Die Deutsche Politik von 1911–1914. 2. Auflage. Droste, Düsseldorf 1970, ISBN 3-7700-0913-4, S. 663–738.
  • Fritz Fischer: Juli 1914: Wir sind nicht hineingeschlittert. Rowohlt, Reinbek 1983, ISBN 3-499-15126-X.
  • David Fromkin: Europas letzter Sommer. Die scheinbar friedlichen Wochen vor dem Ersten Weltkrieg. Blessing, München 2005, ISBN 3-89667-183-9.
  • Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch 1914. Eine Dokumentensammlung. Band I. Bearbeitet und eingeleitet von Immanuel Geiss. Mit einem Vorwort von Fritz Fischer. Verlag für Literatur und Zeitgeschichte, Hannover 1963.
  • Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch 1914. Eine Dokumentensammlung. Band II. Bearbeitet und eingeleitet von Imanuel Geiss. Verlag für Literatur und Zeitgeschichte, Hannover 1964.
  • Imanuel Geiss (Hrsg.): Juli 1914. Die europäische Krise und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 3. Auflage. DTV, München 1986, ISBN 3-423-02921-8 (Auswahl der wichtigsten Dokumente aus Geiss 1963/64).
  • Imanuel Geiss: Der lange Weg in die Katastrophe. Die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges 1815–1914. 2. Auflage. München 1991, ISBN 3-492-10943-8.
  • Dieter Hoffmann: Der Sprung ins Dunkle oder wie der 1. Weltkrieg entfesselt wurde. Militzke, Leipzig 2010, ISBN 978-3-86189-827-6.
  • James Joll: Die Ursprünge des Ersten Weltkriegs. List, München 1988, ISBN 3-471-77870-5.
  • Gerd Krumeich: Juli 1914. Eine Bilanz. Schöningh, Paderborn 2013, ISBN 978-3-506-77592-4.
  • Eric A. Leuer: Die Mission Hoyos. Wie österreichisch-ungarische Diplomaten den ersten Weltkrieg begannen. Centaurus-Verlag, Freiburg i.Br. 2011, ISBN 978-3-86226-048-5.
  • Lüder Meyer-Arndt: Die Julikrise 1914. Wie Deutschland in den Ersten Weltkrieg stolperte. Böhlau, Köln 2006, ISBN 3-412-26405-9.
  • Annika Mombauer: Die Julikrise. Europas Weg in den Ersten Weltkrieg. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66108-2.
  • Christa Pöppelmann: Juli 1914. Wie man einen Weltkrieg beginnt und die Saat für einen zweiten legt. Ein Lesebuch. Scheel, Berlin 2013, ISBN 978-3-9804198-6-4.
  • Stefan Schmidt: Frankreichs Außenpolitik in der Julikrise 1914. Ein Beitrag zur Geschichte des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. (=Pariser Historische Studien. 90). Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-59016-6, online auf perspectivia.net.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schreiben Graf Berchtolds an Freiherrn von Giesl in Belgrad (Ultimatum an Serbien)
  2. Christopher Clark: Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013, ISBN 978-3-421-04359-7, S. 89; auf S. 496 schreibt Clark diese Vermutung jedoch Luigi Albertini zu.
  3. Telegramm Wiesners vom 13. Juli 1914 bei World War I Document Archive
  4. Friedrich Wiesner: Die Mordtat von Sarajewo und das Ultimatum. Reichspost (28. Juni 1924), S. 2 f.
  5. a b Sebastian Haffner: Die sieben Todsünden des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg. Verlag Lübbe, Bergisch Gladbach 1981, ISBN 3-7857-0294-9, S. 26.
  6. Christa Pöppelmann: Juli 1914. Wie man einen Weltkrieg beginnt und die Saat für einen zweiten legt. Ein Lesebuch. Clemens Scheel Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-9804198-6-4, S. 37 f.
  7. Christa Pöppelmann: Juli 1914. Wie man einen Weltkrieg beginnt und die Saat für einen zweiten legt. Ein Lesebuch. Clemens Scheel Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-9804198-6-4, S. 70 ff.
  8. Österreichisch-ungarisches Rotbuch. Diplomatische Aktenstücke zur Vorgeschichte des Krieges 1914. Volksausgabe. Manzsche k.u.k. Hof-Verlags- und Universitäts-Buchhandlung, Wien 1915, Dok. 19, S. 32–48.
  9. Vortrag des ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tisza
  10. William Jannen, Jr: The Austro-Hungarian Decision For War in July 1914. In: Samuel R. Williamson, Jr, Peter Pastor (Hrsg.): Essays On World War I: Origins and Prisoners of War. New York 1983, S. 55–81, hier: S. 72; und József Galántai: István Tisza und der Erste Weltkrieg. In: Österreich in Geschichte und Literatur. 8 (1964), S. 465–477, hier: S. 477.
  11. Samuel R. Williamson, Jr.: Vienna and July 1914: The Origins of the Great War Once More. In: Samuel R. Williamson, Jr., Peter Pastor (Hrsg.): Essays On World War I: Origins and Prisoners of War. New York 1983, ISBN 0-88033-015-5, S. 9–36, hier: S. 27–29.
  12. Friedrich Kießling: Gegen den „großen“ Krieg? Entspannung in den internationalen Beziehungen 1911–1914. Verlag Oldenbourg, München 2002, ISBN 3-486-56635-0, S. 259 f.
  13. Bericht des Grafen Szögyény
  14. Telegramm Szögyény
  15. Karl Kautsky: Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914. Herausgegeben im Auftrag des Auswärtigen Amtes. Band 1, Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, Berlin 1921, S. 32 f.
  16. Eric A. Leuer: Die Mission Hoyos. Wie österreichisch-ungarische Diplomaten den ersten Weltkrieg begannen. Centaurus-Verlag, Freiburg i.Br. 2011, ISBN 978-3-86226-048-5.
  17. Telegramm an Szapary
  18. Schreiben Kaiser Franz Josephs; Ludwig Bittner, Hans Uebersberger (Hrsg.): Österreich-Ungarns Außenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Diplomatische Aktenstücke des österreichisch-ungarischen Ministeriums des Äußeren. Wien/ Leipzig 1930, Band 8, S. 250 ff. (Nr. 9984)
  19. Kautsky Band 1, S. 35; József Galántai: Hungary in the First World War. Budapest 1989, ISBN 963-05-4878-X, S. 34.
  20. Protokoll der Sitzung
  21. Telegramm an Szapary
  22. Walter Goldinger: Österreich-Ungarn in der Julikrise 1914. In: Institut für Österreichkunde (Hrsg.): Österreich am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Graz/ Wien 1964, S. 48–62, hier S. 58.
  23. Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1963/64. Band 1, S. 345 ff., 408 und 448 f.
  24. Graf Berchtold am 14. Juli
  25. Kautsky: Band 1, u.a, S. 93 und 113 ff
  26. Manfried Rauchensteiner: Der Tod des Doppeladlers: Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg. Verlag Styria, Graz/ Wien/ Köln 1997, ISBN 3-222-12116-8, S. 75.
  27. Das Ultimatum an Serbien
  28. Manfried Rauchensteiner: Der Tod des Doppeladlers: Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg. Verlag Styria, Graz/ Wien/ Köln 1997, ISBN 3-222-12116-8, S. 79.
  29. Vladimir Ćorović: Odnosi između Srbije i Austro-Ugarske u XX veku. Biblioteka grada Beograda, Belgrad 1992, ISBN 86-7191-015-6, S. 758.
  30. Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013, S. 502 ff.
  31. John Keegan, Der Erste Weltkrieg - Eine europäische Tragödie (2003), S. 91.
  32. Manfried Rauchensteiner: Der Tod des Doppeladlers: Österreich-Ungarn und der Erste Weltkrieg. Styria, Graz/ Wien/ Köln 1997, ISBN 3-222-12116-8, S. 118f.
  33. Der „Kriegsrat” (Dezember 1912)
  34. Annika Mombauer: Helmuth Von Moltke and the Origins of the First World War. Cambridge University Press, 2001, ISBN 0-521-79101-4, S. 177 f.
  35. Andreas Hillgruber: Die gescheiterte Großmacht. Eine Skizze des Deutschen Reiches 1871–1945. Düsseldorf 1980, S. 47; und Imanuel Geiss: The Outbreak of the First World War and German War Aims. In: The Journal of Contemporary History. 1, No 3 (1966), S. 75–91, hier: S. 81.
  36. Meyer-Arndt S. 28.
  37. Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1963, Band 1: Nr. 23
  38. Lüder Meyer-Arndt: Die Julikrise 1914. Wie Deutschland in den Ersten Weltkrieg stolperte. Böhlau, Köln 2006, ISBN 3-412-26405-9, S. 25.
  39. Karl Dietrich Erdmann (Hrsg.): Kurt Riezler. Tagebücher-Aufsätze-Dokumente. Eingeleitet und herausgegeben von Karl Dietrich Erdmann. Vandenhock & Ruprecht, Göttingen 1972, ISBN 3-525-35817-2, S. 182 ff. Zu beachten ist dabei, dass Erdmanns Edition der Riezler-Tagebücher nicht von allen Historikern akzeptiert wird: Der Quellenwert der Riezler-Tagebücher, ihre Echtheit und die Edition durch Erdmann waren ihrerseits Gegenstand heftiger Kontroversen; vgl. Bernd Sösemann: Die Tagebücher Kurt Riezlers. Untersuchungen zu ihrer Echtheit und Edition. In: Historische Zeitschrift 236, 1983, Heft 2, S. 327–369, und die Erwiderung von Karl Dietrich Erdmann: Zur Echtheit der Tagebücher Kurt Riezlers. Eine Antikritik. In: Historische Zeitschrift 236, 1983, Heft 2, S. 371–402.
  40. Andreas Hillgruber: Deutschlands Rolle in der Vorgeschichte der beiden Weltkriege. Göttingen 1979, ISBN 3-525-33440-0, S. 57.
  41. Egmont Zechlin: Probleme des Kriegskalküls und der Kriegsbeendigung im Ersten Weltkrieg. In: Egmont Zechlin: Krieg und Kriegsrisiko. Zur deutschen Politik im Ersten Weltkrieg. Aufsätze. Düsseldorf 1979, S. 32–50, hier: S. 39 f.
  42. William Jannen, Jr: The Austro-Hungarian Decision For War in July 1914. In: Samuel R. Williamson, Jr, Peter Pastor (Hrsg.): Essays On World War I: Origins and Prisoners of War. New York 1983, S. 55–81, hier: S. 73.
  43. Lüder Meyer-Arndt: Die Julikrise 1914. Wie Deutschland in den Ersten Weltkrieg stolperte. Böhlau, Köln 2006, ISBN 3-412-26405-9, S. 40.
  44. Gert Krumeich: Juli 1914. Eine Bilanz. Paderborn 2014, S. 13.
  45. Darüber Berchtold an Tisza; Ludwig Bittner, Hans Uebersberger (Hrsg.): Österreich-Ungarns Außenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Diplomatische Aktenstücke des österreichisch-ungarischen Ministeriums des Äußeren. Wien/ Leipzig 1930, Band 8, S. 370 f. (Nr. 10145).
  46. Kautsky: Band 1, S. 102.
  47. Kautsky: Band 1, S. 128.
  48. Kautsky: Band 2, S. 47.
  49. Clark: Sleepwalkers, S. 427.
  50. Raymond Poidevin, Jacques Bariéty: Frankreich und Deutschland. Die Geschichte ihrer Beziehungen 1815–1975. Verlag C.H. Beck, München 1982, ISBN 3-406-04124-8, S. 286 f.
  51. Michael Fröhlich: Imperialismus. Deutsche Kolonial- und Weltpolitik. 1880–1914. DTV, München 1994, ISBN 3-423-04509-4, S. 134.
  52. Gerd Krumeich: Juli 1914. Eine Bilanz. Schöningh, Paderborn 2013, S. 86.
  53. Stefan Schmidt: Frankreichs Außenpolitik in der Julikrise 1914. Ein Beitrag zur Geschichte des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. (=Pariser Historische Studien. Band 90). Verlag Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-59016-6, S. 356. Online perspectivia.net.
  54. Stefan Schmidt: Frankreichs Außenpolitik in der Julikrise 1914. Ein Beitrag zur Geschichte des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. (=Pariser Historische Studien. Band 90). Verlag Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-59016-6, S. 361. Online perspectivia.net.
  55. Gerd Krumeich: Juli 1914. Eine Bilanz. Schöningh, Paderborn 201, S. 35.
  56. Gerd Krumeich: Juli 1914. Eine Bilanz. Schöningh, Paderborn 2013, S. 48.
  57. Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1963, Band 1: Nr. 38.
  58. Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1963, Band 1: Nr. 56
  59. Gerd Krumeich: Juli 1914. Eine Bilanz. Schöningh, Paderborn 2013, S. 95 ff.
  60. Hugo Hantsch: Leopold Graf Berchtold. Grandseigneur und Staatsmann. Verlag Styria, Graz/ Wien/ Köln 1963. Band 1, S. 567.
  61. Leo Valiani: Verhandlungen zwischen Italien und Österreich-Ungarn 1914–1915. In: Wolfgang Schieder (Hrsg.): Erster Weltkrieg. Ursachen, Entstehung und Kriegsziele. Köln/Berlin 1969, S. 317–346, hier: S. 318 f.
  62. Robert K. Massie: Die Schalen des Zorns. Großbritannien, Deutschland und das Heraufziehen des Ersten Weltkriegs. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-596-13497-8, S. 756 f.
  63. Kautsky Band 1, S. 169ff.
  64. Volker Berghahn: Sarajewo, 28. Juni 1914. Der Untergang des alten Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997, ISBN 3-423-30601-7, S. 105; Günther Kronenbitter: „Krieg im Frieden“. Die Führung der k.u.k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906–1914. Verlag Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56700-4, S. 497.
  65. Benachrichtigendes Memorandum des russischen Ministerrats an Serbien vom 11./24. Juli 1914.
  66. Christopher Clark, Die Schlafwandler (2013) S. 599.
  67. Text der serbischen Note
  68. K.u.k-Zirkulnarnote vom 28. Juli
  69. Kautsky Band 1, S. 241f.
  70. Kautsky: Band 2, S. 18 f.
  71. Kautsky: Band 2, S. 38 f.; Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1963, Band 2, S. 378 (Nr. 789); Ludwig Bittner, Hans Uebersberger (Hrsg.): Österreich-Ungarns Außenpolitik von der bosnischen Krise 1908 bis zum Kriegsausbruch 1914. Diplomatische Aktenstücke des österreichisch-ungarischen Ministeriums des Äußeren. Wien/ Leipzig 1930, Band 8, S. 910 (Nr. 11026).
  72. Kautsky Band 2, S. 86f.
  73. a b Stefan Schmidt: Frankreichs Außenpolitik in der Julikrise 1914. Ein Beitrag zur Geschichte des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges. (=Pariser Historische Studien. Band 90). Verlag Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-59016-6, S. 359. Online perspectivia.net.
  74. Clark: Sleepwalkers. S. 488 ff.
  75. Clark, Die Schlafwandler (2013), S. 602.
  76. Günther Kronenbitter: „Krieg im Frieden“. Die Führung der k.u.k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906–1914. Verlag Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56700-4, S. 484.
  77. Imanuel Geiss (Hrsg.): Julikrise und Kriegsausbruch. Eine Dokumentensammlung. Hannover 1964, Band 2, S. 718 f. Walter Goldinger: Österreich-Ungarn in der Julikrise 1914. In: Institut für Österreichkunde (Hrsg.): Österreich am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Graz/ Wien 1964, S. 48–62, hier S. 58.
  78. Sean McMeekin: July 1914. Countdown to war. Basic Books, New York 2013, ISBN 978-0-465-03145-0, S. 284 ff.
  79. Gerd Krumeich: Juli 1914. Eine Bilanz. Paderborn 1914, S. 151ff.
  80. Kautsky Band 2, S. 59 und S. 101.
  81. Raymond Poidevin, Jacques Bariéty: Frankreich und Deutschland. Die Geschichte ihrer Beziehungen 1815–1975. Beck, München 1982, S. 288.
  82. Erwin Hölzle (Hrsg.): Quellen zur Entstehung des Ersten Weltkrieges. Internationale Dokumente 1901–1914. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1978, S. 490.
  83. Christa Pöppelmann: Juli 1914. Wie man einen Weltkrieg beginnt und die Saat für einen zweiten legt. Ein Lesebuch. Clemens Scheel Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-9804198-6-4, S. 147 f.
  84. Kautsky, Band 1, S. 129..
  85. Wolfgang Kruse: Krieg und nationale Integration. Eine Neuinterpretation des sozialdemokratischen Burgfriedensschlusses 1914/15. Essen 1994, S. 36; Leseprobe aus Juli 1914 28./29. Juli 1914, S. 8f.
  86. Christa Pöppelmann: Juli 1914. Wie man einen Weltkrieg beginnt und die Saat für einen zweiten legt. Ein Lesebuch. Clemens Scheel Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-9804198-6-4, S. 167 f. und 177ff.
  87. Versailler Vertrag
  88. Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht. Droste, Düsseldorf 1984, ISBN 3-7700-0902-9, S. 97. (1. Auflage 1961)
  89. Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs 1871–1918. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-11694-5, S. 251 f.
  90. Gerhard Ritter: Staatskunst und Kriegshandwerk. Das Problem des „Militarismus“ in Deutschland. Band 3: Die Tragödie der Staatskunst. Bethmann Hollweg als Kriegskanzler (1914–1917). München 1964, ISBN 3-486-47041-8, S. 19.
  91. James Joll: The 1914 Debate Continues. Fritz Fischer and his Critics. In: H. W. Koch (Hrsg.): The Origins of the First World War. Great Power Rivalry and German War Aims. London 1985, S. 30–45, hier: S. 40; und Karl Dietrich Erdmann: War Guilt 1914 Reconsidered. A Balance of New Research. In: ebenda, S. 343–370, hier: S. 347.
  92. Andreas Hillgruber: Die gescheiterte Großmacht. Eine Skizze des Deutschen Reiches 1871–1945. Düsseldorf 1980, S. 49; ders.: Deutschlands Rolle in der Vorgeschichte der beiden Weltkriege. Göttingen 1979, ISBN 3-525-33440-0, S. 53.
  93. Eberhard von Vietsch: Bethmann Hollweg. Staatsmann zwischen Macht und Ethos. Boppard am Rhein 1969, S. 211.
  94. Jürgen Angelow: Der Weg in die Urkatastrophe. Der Zerfall des alten Europa 1900–1914. be.bra, Berlin 2010, ISBN 978-3-89809-402-3, S. 26 f.
  95. Zündschnur und Pulverfass (Interview mit Christopher Clark zu seinem Buch Die Schlafwandler), In: Die Zeit. 12. September 2013.
  96. Interview mit Gerd Krumeich
  97. Interview mit Stig Förster
  98. Annika Mombauer: Die Julikrise. Europas Weg in den Ersten Weltkrieg. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66108-2, S. 117f.
  99. Volker Ullrich: Zündschnur und Pulverfass
  100. Wer war schuld am Ersten Weltkrieg? Interview mit Christopher Clark orf.at, 13. Juni 2014.