Julius Döpfner

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Der Kardinal im Juli 1964 im Alter von 50 Jahren
Bischof Döpfner beim 1. Unterfränkischen Katholikentag am 1./2. September 1951 in Aschaffenburg

Julius August Kardinal Döpfner (* 26. August 1913 in Hausen bei Bad Kissingen; † 24. Juli 1976 in München) war Bischof von Würzburg und Berlin sowie Erzbischof von München und Freising. Er wurde während des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962 bis 1965 zu einer „der prägendsten Figuren der katholischen Kirche“.[1]

Herkunft und Werdegang[Bearbeiten]

Julius Döpfner wurde als Sohn des Hoteldieners Julius Matthias Döpfner in Hausen bei Bad Kissingen (Unterfranken) geboren[2] und wuchs in sehr einfachen Verhältnissen auf. 1924 wurde er ins Gymnasium der Augustiner in Münnerstadt, 1925 ins bischöfliche Knabenseminar Kilianeum zu Würzburg aufgenommen und legte 1933 das Abitur als Klassenbester ab. Anschließend begann er an der Universität Würzburg ein Theologiestudium und wechselte bereits nach einem Semester mit einem Stipendium an das Collegium Germanicum der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. In Würzburg wurde er als Student Mitglied des Katholischen Studentenvereins Normannia im KV.

In der Kirche Il Gesù in Rom empfing er am 29. Oktober 1939 durch Luigi Traglia das Sakrament der Priesterweihe. 1941 promovierte er über „Natur und Übernatur bei John Henry Newman“ zum Doktor der Theologie.

Von 1941 bis 1944 war Döpfner Kaplan in Großwallstadt, Schweinfurt und Gochsheim, von 1944 bis 1945 Präfekt am bischöflichen Knabenseminar Kilianeum in Würzburg. 1945 erfolgte die Ernennung zum Subregens am Würzburger Priesterseminar.

Bischof von Würzburg[Bearbeiten]

Kardinal Döpfner 1971 während der Fronleichnamsprozession in München

Am 11. August 1948 ernannte Papst Pius XII. ihn als Nachfolger von Matthias Ehrenfried zum Bischof von Würzburg; der Bamberger Erzbischof Joseph Otto Kolb weihte ihn am 14. Oktober. Mitkonsekratoren waren der damalige Bischof von Eichstätt und spätere Kurienkardinal Joseph Schröffer sowie der Bamberger Weihbischof Artur Michael Landgraf. Mit 35 Jahren war Döpfner damit der jüngste katholische Bischof Europas. Sein bischöflicher Wahlspruch lautete: „Praedicamus crucifixum“ („Wir verkünden [Christus,] den Gekreuzigten“) und entstammt dem 1. Korintherbrief (1 Kor 1,23 EU).

Julius Döpfners Amtszeit begann in einer völlig zerstörten Stadt, in der zum Kriegsende nur noch etwa 6000 Menschen hausten. Zerstörte Kirchen wurden zunächst notdürftig für erste Gottesdienste wieder instand gesetzt. Die Wiederherstellung des Würzburger Domes dauerte bis Ende der 1950er-Jahre. Der neue Bischof galt als volksnahe Persönlichkeit, da er jenseits des Pastoralvokabulars die richtigen Worte fand. Seine Sorge angesichts der zerstörten Stadt galt dem Wohnungsbau. Er gründete dazu 1949 das St.-Bruno-Werk.[3] „Wohnungsbau ist Dombau“, war seine Überzeugung. Bei den Feierlichkeiten anlässlich des 1200-jährigen Bestehens des Bistum Würzburg fanden sich 50.000 Gläubige ein, darunter als besonderer Ehrengast der Bischof Austin Quinn von Kilmore, von wo auch der hl. Kilian gekommen sein soll. 1958 erhielt Döpfner von der Stadt Bad Kissingen wegen seiner Verdienste um den sozialen Wohnungsbau (St.-Bruno-Werk) die Ehrenbürgerwürde. 1952 exkommunizierte er als Bischof den späteren Kirchenkritiker Karlheinz Deschner, weil der eine geschiedene Frau geheiratet hatte.[1]

Bischof von Berlin[Bearbeiten]

Am 15. Januar 1957 ernannte ihn Pius XII. zum Bischof von Berlin, die Inthronisation erfolgte im März. Am 15. Dezember 1958 erfolgte die Erhebung zum Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Maria della Scala durch Johannes XXIII., damit war Döpfner der jüngste Kardinal der katholischen Kirche.

Erzbischof von München und Freising und Zweites Vatikanisches Konzil[Bearbeiten]

Kardinalswappen als Erzbischof von München und Freising

Am 3. Juli 1961 erfolgte die Ernennung zum Erzbischof von München und Freising mit der Inthronisation am 30. September. Gleichzeitig wurde er als Münchener Erzbischof Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz. Im selben Jahr wurde Döpfner in den Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas als Mitglied aufgenommen.

Es war die alte Kirche, in der Döpfner aufstieg. Vom Geist der Ökumene, vom Ideal einer weltoffenen Kirche war in ihr noch nichts zu spüren, die katholische Welt war konservativ und streng. In vielen Gemeinden keimte Kritik und die Kirche änderte sich.[1] Zunächst war Döpfner Mitglied der Zentralen Vorbereitungskommission zum Zweiten Vatikanischen Konzil und nahm auch selbst an demselben von 1962 bis 1965 teil. Für die erste Sitzungsperiode wählte er Joseph Pascher als theologischen Berater. Als einer von vier Moderatoren des Konzils (neben Grégoire-Pierre Agagianian, Giacomo Lercaro und Léon-Joseph Suenens) wirkte er maßgeblich an dessen Beschlüssen mit und stimmte mit Johannes XXIII. in der Vorstellung einer Kirche, die sich selbst ständig prüft und erneuert („ecclesia semper reformanda“), überein. In der Berichterstattung zum Konzil galt er damals als einer der Wortführer des Reformflügels, der vorwärtsgewandten Mehrheit.[4] Im Juni 1963 nahm Döpfner am Konklave zur Wahl Pauls VI. teil. Am 3. Dezember 1965 wurde er in Rom zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt, von 1971 bis 1975 war er zudem Präsident der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland.

Als Papst Paul VI. 1968 in der Enzyklika „Humanae Vitae“ die künstliche Empfängnisverhütung verbot, ging Döpfner einen Mittelweg. Er verteidigte den Papst, trieb aber zugleich die „Königsteiner Erklärung“ der deutschen Bischöfe voran. [5] Bei der Verhütung sei die „verantwortungsbewusste Gewissensentscheidung der Gläubigen“ zu achten. Um die Umsetzung der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils bemühte sich Döpfner zeitlebens. Im Erzbistum München und Freising schritt er voran. 1967 begann Döpfner eine Strukturreform der Seelsorge, 1968 setzte er die ersten Laien als Kommunionhelfer ein, 1971 deutschlandweit die ersten Laien als Pastoralassistenten. Zu ökumenischen Gottesdiensten besuchte Döpfner die evangelische Matthäuskirche.[1] In den Jahren 1973/74 kämpfte er gegen die Streichung des § 218 StGB und für den Schutz des ungeborenen Lebens.

Döpfner starb völlig unerwartet am 24. Juli 1976 in der Pförtnerloge des Erzbischöflichen Palais[6] in München im Alter von 62 Jahren an einem Herzinfarkt, einen Tag nachdem er für den Rundfunk noch das Wort zum Sonntag für den 7. August 1976 aufgezeichnet hatte. Das Thema der Sendung war die „Begegnung mit Gott“. Döpfner wurde am 29. Juli 1976 in der Krypta des Münchner Liebfrauendomes beigesetzt. Joseph Kardinal Höffner zelebrierte das Requiem und Hermann Kardinal Volk predigte. Die sich anschließende Beisetzung in der Gruft des Domes nahm Kapitularvikar Weihbischof Ernst Tewes vor.

Auf dem Domberg in Freising ist das Bildungszentrum Kardinal-Döpfner-Haus nach ihm benannt.

Julius Döpfner war Ehrengroßprior der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.[7]

Philatelistische Würdigung[Bearbeiten]

Zum 100. Geburtstag gab die Deutsche Post AG mit dem Erstausgabetag 8. August 2013 ein Sonderpostwertzeichen im Wert von 58 Eurocent heraus. Der Entwurf stammt von den Grafikern Iris Utikal und Michael Gais aus Köln.

Werke[Bearbeiten]

  • Das Verhältnis von Natur und Übernatur bei John Henry Kardinal Newmann. Rom 1945 (zugl. Diss. Pontif. Univ. Greg.).
  • Deutscher Katholizismus und konziliare Erneuerung. Erfahrungen d. Bischofs in Würzburg, Berlin u. München. Würzburg 1965.
  • Die Berliner Jahre. Julius Kardinal Döpfner als Bischof von Berlin 1957-1961. Berlin 1961.
  • Die Mitte unseres Glaubens. Christologische Ansprachen. Erich Wewel Verlag, München, Freiburg i.Br. 1971.
  • Die Zukunft des Glaubens. Kevelaer 1969.
  • Konzilstagebücher, Briefe und Notizen zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Bearb. v. Guido Treffler. Regensburg 2006.
  • Reform als Wesenselement der Kirche. Überlegungen zum 2. Vatikanischen Konzil. Würzburg 1964.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Wendehorst: Das Bistum Würzburg 1803–1957. Würzburg 1965, S. 109–112.
  • Karl Forster: Julius Cardinal Doepfner (= The men who make the council, Band 13), Notre Dame, Indiana, University of Notre Dame Press, 1965.
  • Klaus Wittstadt: Julius Kardinal Döpfner. 26. August 1913 bis 24. Juli 1976. Würzburg 1996.
  • Peter Pfister (Hrsg.): Julius Kardinal Döpfner und das Zweite Vatikanische Konzil. Vorträge des Wissenschaftlichen Kolloquiums anlässlich der Öffnung des Kardinal-Döpfner-Konzilsarchivs am 16. November 2001. Regensburg 2002.
  • Guido Treffler, Peter Pfister (Hrsg.): Erzbischöfliches Archiv München, Julius Kardinal Döpfner. Archivinventar der Dokumente zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Regensburg 2004.
  • Klaus Wittstadt: Julius Kardinal Döpfner (1913–1976). Anwalt Gottes und der Menschen. München 2001.
  • Anton Landersdorfer: Döpfner, Julius (August), in: Erwin Gatz (Hrsg.), Franz Xaver Bischof (Mitarbeit), u. a.: Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1945–2001. Ein biographisches Lexikon, Berlin 2002, ISBN 3-428-10684-9, S. 386–394.
  • Ekkart SauserJulius Döpfner. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 17, Bautz, Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8, Sp. 277–279.
  • Kurzbiografie zu: Döpfner, Julius. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Werner Eberth: Julius Kardinal Döpfner zum 100. Geburtstag – „Des ist unnr Kardinal“ (4. Band der Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach), Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2013
  • Karl Lehmann: Brückenbauer in einer Zeit des Übergangs. Julius Kardinal Döpfner zum Gedenken. Echter Verlag, Würzburg, 2013, ISBN 978-3-429-03659-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Julius Döpfner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Jakob Wetzel: Der resolute Reformer – Kardinal Julius Döpfner. In: Süddeutsche Zeitung, 24./25. August 2013.
  2. Julius Döpfner (1913-1976) Bischof von Würzburg, Bischof von Berlin, Erzbischof von München und Freising, Kardinal, Bistum Würzburg, online abgerufen am 15. August 2012
  3. Homepage des St. Bruno-Werks
  4.  Kardinal König: Diplomat in Gottes Diensten. In: Die Presse. 18. Juli 2009 ([1]).
  5. zeit.de: Die Pille bleibt verboten, aus dem Jahre 1968
  6.  Gestorben. Julius Döpfner. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1976, S. 124 (2. August 1976, online).
  7. Hans Jürgen Brandt: Jerusalem hat Freunde. München und der Ritterorden vom Heiligen Grab, EOS 2010, Seite 84
Vorgänger Amt Nachfolger
Joseph Kardinal Frings (Fuldaer Bischofskonferenz) Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
1965–1976
Joseph Kardinal Höffner
Joseph Kardinal Wendel COA cardinal DE Dopfner Julius August.pngErzbischof von München und Freising
1961–1976
Joseph Kardinal Ratzinger
Wilhelm Weskamm COA cardinal DE Dopfner Julius August2.pngBischof von Berlin
1957–1961
Alfred Kardinal Bengsch
Matthias Ehrenfried Bischof von Würzburg
1948–1957
Josef Stangl