Julius Fürst (Orientalist)

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Julius Fürst (1870)

Julius Fürst (* 12. Mai 1805 in Zerkow bei Posen; † 9. Februar 1873 in Leipzig) war ein deutscher Orientalist.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Fürst studierte in Berlin (bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel), Breslau und Halle (bei Wilhelm Gesenius). Er wurde ein anerkannter Gelehrter für semitische Sprachen sowie ein Vertreter der Haskala. Sein Forschungsfeld umfasste im Wesentlichen semitische Linguistik und Literatur sowie Geschichte des Vorderen Orients. Für Leopold Zunz' Bibelausgabe übersetzte er 1838 die Bücher Daniel und Esra. 1840 bis 1851 gab er die jüdisch-aufklärerische Wochenzeitschrift Der Orient heraus.

Zu seinen Freunden zählte ab 1834 der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy, mit dem er auch korrespondierte. 1848 hielt sich Fürst in Berlin auf und begrüßte die dortige Märzrevolution. Unter dem Eindruck der Ereignisse entstand sein Deutscher Freiheitsgesang, der von Robert Schumann vertont wurde.

Aufgrund seiner hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen erhielt er 1857 einen Ruf an die Universität Leipzig, wo er zunächst Dozent war und 1864 als erster Jude zum Professor ernannt wurde. Er leitete dort die Abteilung für Orientalische Sprachen und Literatur von 1864–1873 und verfasste während dieser Zeit zahlreiche Veröffentlichungen. Bekannt wurde er auch als Herausgeber der Zeitschrift Der Orient (Der Orient. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. Leipzig 1840-1851), welche dem Studium der kulturellen, historischen und linguistischen Wurzeln des Judentums gewidmet war.

Werke[Bearbeiten]

  • Librorum Sacrorum Veteris Testamenti Concordantiae Hebraicae atque Chaldaicae. Tauchnitz, Leipzig 1840.
  • Hebräisches und Chaldäisches Schulwörterbuch über das Alte Testament. Tauchnitz, Leipzig 1842.
  • Bibliotheca Judaica. Bibliographisches Handbuch der gesammten jüdischen Literatur mit Einschluss der Schriften über Juden und Judenthum und einer Geschichte der jüdischen Bibliographie. 3 Bände. Engelmann, Leipzig 1849 (Digitalisat Band 1), 1851 (Digitalisat Band 2), 1863 (Digitalisat Band 3).
  • Geschichte des Karäerthums. 3 Bände. Leiner, Leipzig 1862 (Digitalisat Band 1), 1865 (Digitalisat Band 2), 1869.
  • Biblia germanica et hebraica. Illustrirte Prachtbibel für Israeliten. Payne, Leipzig 1874.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jakob Auerbach: Fürst, Julius (Orientalist). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 211–213.
  • Katharina Vogel: Der Orientalist Julius Fürst (1805–1873). Wissenschaftler, Publizist und engagierter Bürger. In: Dan Diner (Hrsg.): Leipziger Beiträge zur jüdischen Geschichte und Kultur 4. Universitätsverlag, Leipzig 2006, S. 41–60
  • Katharina Vogel: Julius Fürst (1805–1873). In: Gerald Wiemers (Hrsg.): Sächsische Lebensbilder, Bd. 6 (Teilbd. 1: A–K), Steiner, Stuttgart 2009, S. 257–276

Weblinks[Bearbeiten]