Julius Stieglitz

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Julius Oscar Stieglitz (* 26. Mai 1867 in Hoboken, New Jersey; † 10. Januar 1937) war ein US-amerikanischer Chemiker.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Seine Eltern waren Edward Stieglitz (1833–1909) und Hedwig Ann Werner (1845–1922), beide jüdischen Glaubens. Edward stammte aus Gehaus. Hedwig hatte einen Cousin namens Adolph Werner, der Professor am City College of New York war. Julius hatte einen Zwillingsbruder namens Leopold, der Mediziner wurde, und einen Bruder namens Alfred Stieglitz.

Julius ging in New York City in den Kindergarten und lernte in dieser Stadt auch Violoncello spielen. Aus geschäftlichen Gründen ging Edward dann nach Karlsruhe. Julius setzte das Musizieren mit dem Instrument intensiv fort und besuchte ab 1881 das dortige Realgymnasium. Anschließend studierte er Chemie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und machte dort bei Ferdinand Tiemann 1889 seinen Doktor-Abschluss.

Am 27. August 1891 heiratete er Anna Stieffel, die aus Konstanz stammte. Sie hatten drei Nachkommen, die alle in Chicago geboren wurden. Flora Elisabeth wurde am 10. August 1893 geboren, starb aber bereits am folgenden Tag. Hedwig, geboren am 16. April 1895, studierte am der University of Chicago und am Rush Medical College und wurde in Hammond (Indiana) in der Augenheilkunde tätig. Edward, geboren am 6. Juni 1899, studierte am Rush Medical College, wurde dort Assistenzprofessor und ab 1938 medizinischer Berater für das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten. Anna starb 1932.

Am 30. August 1934 heiratete Julius in Chicago Mary M. Rising, die aus Ainsworth (Nebraska) stammte und außerordentliche Professorin für Chemie an der University of Chicago war. Da Rising ein Kind mit dem Vornamen Katharine Menardi adoptiert hatte, hieß dieses nach der Hochzeit ebenfalls Stieglitz mit Nachnamen. Anna und Mary waren protestantischen Glaubens. Julius hielt sich in religiösen Fragen zurück und favorisierte den in Nathan der Weise thematisierten Toleranzgedanken.

Wirken[Bearbeiten]

Sein Arbeitsfeld war im Wesentlichen die organische Chemie. Er lieferte Beiträge zu chemischen Indikatoren, zum Zusammenhang zwischen Farbe und chemischer Struktur, und zu chemischen Gleichgewicht.

Nach seiner Promotion arbeitete er für kurze Zeit an der Universität Göttingen unter Victor Meyer. Danach arbeitete er kurzzeitig bei John Ulric Nef an der Clark University. Zwei Jahre arbeitete er auch an toxikologischen Fragen bei Parke-Davis (heute zu Pfizer gehörend) in Detroit. An der University of Chicago war er ab 1892. Dort wurde er 1905 Professor und 1933 emeritiert.

Befunde zur Beckmann-Umlagerung gehörten zu den ersten seiner zahlreichen Veröffentlichungen. Unter seiner Leitung promovierten 118 Studenten, darunter Otto Folin (1897), Emma P. Carr (1910), Agnes Fay Morgan (1914) und Dorothy Virginia Nightingale (1928).

Im Ersten Weltkrieg zeigte er sich verärgert, „was die Preußen Deutschland angetan haben“ und unterstützte daher die Position der US-Regierung nicht nur ideell, sondern auch durch Forschungsstudien zu Schlafmitteln sowie zu Novocain und Arsphenamin. Mehrmals nahm er an Konferenzen zu Munitionsfragen im Edgewood Arsenal teil.

Neben der Forschung war er auch langjährig für die American Medical Association und den United States Public Health Service tätig. Zudem war er Mitherausgeber des Journal of the American Chemical Society. Er war Mitglied der National Academy of Sciences und 1917 Vizepräsident der American Association for the Advancement of Science sowie Präsident der American Chemical Society. Von 1917 bis 1919 war er Präsident von Sigma Xi.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1909: Ehrendoktor an der Clark University
  • 1916: Ehrendoktor an der University of Pittsburgh
  • 1923: Willard Gibbs Medal

Literatur[Bearbeiten]

  • William Albert Noyes: Biographical Memoir of Julius Stieglitz. National Academy of Sciences, 1939.
  • Herbert Newby McCoy: Julius Stieglitz. In: Journal of the American Chemical Society. Vol. 60, Nr. 3, 1938.

Weblinks[Bearbeiten]