Julius Weismann

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Julius Weismann (* 26. Dezember 1879 in Freiburg im Breisgau; † 22. Dezember 1950 in Singen (Hohentwiel)) war ein deutscher Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Julius Weismann war Sohn des Zoologen und Vererbungsforschers August Weismann. Er erhielt bereits 1891/92 Kompositionsunterricht von Joseph Rheinberger in München. Nach Klavierunterricht in Freiburg sowie Sprachstudien in Lausanne studierte er 1898/99 Musik in Berlin (u.a. bei Heinrich von Herzogenberg), danach für drei Jahre bei Ludwig Thuille in München. 1902 heiratete er die Sängerin Anna Hecker und ließ sich in München als freischaffender Komponist nieder. 1906 kehrte er nach Freiburg zurück und wirkte als Komponist, Dirigent und Pianist. Weismann, der lange schon als Pianist geschätzt war, gelang in den 1920er Jahren, spätestens jedoch um 1925/1926 der breite Durchbruch im öffentlichen Kulturbetrieb.[1] Zwischen 1919 und 1930 entstanden allein 5 Opern. Besonders zu nennen die Werke nach Textvorlagen von August Strindberg (Schwanenweiß op. 75, Ein Traumspiel op.83, Gespenstersonate op.100). Sein Schaffen fand in diesen Jahren weite Verbreitung.[2]

Ab 1934 war Julius Weismann einer der Ehrenvorsitzenden des „Arbeitskreis nationalsozialistischer Komponisten“.[3] 1935 schrieb er im Auftrag der Nationalsozialistischen Kulturgemeinde eine neue Bühnenmusik zu Shakespeares Komödie Ein Sommernachtstraum, die die Komposition von Mendelssohn ersetzen sollte, sich aber nicht in den Theatern durchsetzen konnte.[4][5]. Am 20. April 1936 ernannte ihn Adolf Hitler zum Professor.[4] Diesen Titel erhielt er nochmals 1950 vom Land Baden. 1938 schrieb er seine erfolgreichste Oper Die Pfiffige Magd nach einer Textvorlage von Ludwig Holberg. 1939 wurde er Ehrenbürger Freiburgs und im gleichen Jahr mit dem Leipziger Johann-Sebastian-Bach-Preis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr zog er nach Nussdorf bei Überlingen (Bodensee) und beendete seine Lehrtätigkeit, komponierte jedoch weiterhin.

Von seinem Spätwerk sind vor allem zu nennen die Komposition für Klavier Der Fugenbaum op.150 (1943-45), ein Zyklus von 24 Präludien und Fugen und das Chorwerk mit Soli und Orchester Der Wächterruf op.151 (1946-49). In diesem Werk hat Weismann „das grauenvolle Geschehen des letzten Jahrzehnts“ und die Zerstörung seiner Heimatstadt Freiburg im November 1944 verarbeitet [6].

Nach seinem Tod entstand 1954 auf Anregung Wieland Wagners in Duisburg ein Julius Weismann-Archiv.

Werk[Bearbeiten]

Weismann hinterließ über 150 mit Opuszahlen versehene Werke (daneben auch zahlreiche unnummerierte). Darunter finden sich 6 Opern, 3 Sinfonien, 3 Klavierkonzerte, 4 Violinkonzerte, 11 Streichquartette, Klaviermusik und etwa 250 Lieder.

Stilistisch folgte Weismann der deutschen Romantik, insbesondere Schumann und Brahms, es finden sich aber auch Einflüsse seines Lehrers Thuille, Elemente des Impressionismus, Anklänge an Reger und vor allem im Spätwerk eine Hinwendung zur Kontrapunktik Johann Sebastian Bachs. Trotz dieser Einflüsse stellt Weismanns Werk in seiner Klangsinnlichkeit, die oft mit lakonischer Trockenheit und aphoristischer Prägnanz einhergeht, einen eigenständigen und bedeutenden Beitrag zur Musik des 20. Jahrhunderts dar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius Weismann 1879 - 1950, Werkverzeichnis erstellt von Ursel Küppers-Weismann u. Wilm Falcke, hrsg. vom Weismann-Archiv e.V., Duisburg 1990.
  • Franz Hirtler: Julius Weismann: Zum 100. Geburtstag des deutschen Komponisten in Duisburger Forschungen Band 27, Duisburg 1979, Seite 164-176
  • Fred K. Prieberg: Musik im NS-Staat, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-596-26901-6
  • Fred K. Prieberg: Handbuch deutscher Musiker 1933-1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2004, S.7637-7638
  • Horst Ferdinand: Julius Weismann, in: Badische Biographien. Neue Folge. Band IV, Stuttgart 1996, Seite 314 ff.
  • Gerd Rataj: Julius Weismann - ein Leben in Julius Weismann - Leben und Wirken, hrsg. vom Julius Weismann Archiv, Duisburg 1990
  • Rudolf Lück: Julius Weismann in MGG neu Band XX, 2007, Sp. 717-718
  • Sibylle Lützner: Gebrauch und Missbrauch: Julius Weismann - ein Komponist im Spannungsfeld nationalsozialistischer Ästhetik und Kulturpolitik in Die Deutsche Last: Musik und Nationalsozialismus, hrsg. von Brunhilde Sonntag, Hans-Werner Boresch, Dieter Gojowy; Schriften zur Musikwissenschaft und Musiktheorie Band 3, Köln 1999, S.199ff.
  • Carola Wiegand: Julius Weismann und seine Klaviermusik, Frankfurt am Main 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sibylle Lützner: Gebrauch und Mißbrauch: Julius Weismann - ein Komponist im Spannungsfeld nationalsozialistischer Ästhetik und Kulturpolitik in Die Deutsche Last: Musik und Nationalsozialismus, hrsg. von Brunhilde Sonntag, Hans-Werner Boresch, Dieter Gowoj; Schriften zur Musikwissenschaft und Musiktheorie Bd 3, Köln 1999, S. 199ff.
  2. Rudolf Lück: Julius Weismann in MGG neu Band XX, 2007, Sp. 717-718
  3. Fred K. Prieberg: Musik im NS-Staat, Frankfurt 1982, Seite 171
  4. a b Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2004, S. 7.637–7.638.
  5. Fred K. Prieberg: Musik im NS-Staat, Frankfurt 1982, Seite 150ff.
  6. Programmheft der Uraufführung, Duisburg 11. Januar 1950