Jung & Frei

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Jung und Frei (auch Jung & Frei geschrieben) gehörte zu den sogenannten FKK-Magazinen, die sich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigten und in Deutschland jahrelang an Kiosken und in Zeitschriftenläden frei auslagen und verkauft wurden. Das Magazin enthielt zahlreiche Fotos nackter Kinder und Jugendlicher, zusätzlich Texte um den Bereich des FKK, wobei das Bildmaterial den größeren Raum einnahm. 1996 wurde die Zeitschrift durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS, heute Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, BPjM) indiziert.

Beschreibung[Bearbeiten]

Jung & Frei erschien monatlich vom Juli 1987 bis mindestens Januar 1997 im Londoner Verlag Peenhill Ltd., der auch die international bekannte Zeitschrift Health & Efficiency publiziert. Für die Texte zeichneten laut Impressum Sarah und Stephan Schneider verantwortlich. Als Kontaktadresse für Leser und Abonnenten wurde die MM-Verlagsbetreuung mit Postfach in Freising angegeben. Der Kaufpreis der im gesamten deutschsprachigem Raum erhältlichen Zeitschrift betrug im Januar 1993 DM/SFR 11,50 / öS 90,- und im Januar 1997 DM/SFR 14,80 / öS 120,-. Das Heft im A4-Format hatte im Umschlag jeweils einen Umfang von 64 Seiten, von denen etwa 40 Seiten farbig und der Rest schwarz/weiß bedruckt waren. Ab September 1996 war das Heft durchgehend farbig.

Der hauptsächliche Teil der Fläche bestand aus Bildern wie oben beschrieben, in der Mitte war jeweils ein großes farbiges, doppelseitiges Bild. Darunter gab es einfache Kurzgeschichten, soziale Thematiken, einfache Reiseinformationen und Reiseberichte, Spielvorschläge, Leserbriefe oder Berichte aus dem „FKK-Bereich“.

Es gab eine französische Schwesterausgabe namens Jeunes & Naturels (auch Jeunes et Naturels geschrieben), die zumindest vom Bildmaterial identisch war.

Indizierung in Deutschland[Bearbeiten]

Bereits 1986 wurde die Indizierung durch die damalige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften beantragt und zunächst abgelehnt. Nach erneuten Anträgen durch Jugendämter kam es 1992 zu einer erneuten Prüfung. Zeitgleich zur Prüfung fand das Verfahren, das zur sogenannten Mutzenbacher-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes führte, statt. Da die BPjS bereits erstinstanzlich vor dem Verwaltungsgericht Köln unterlegen war, holte es ein Gutachten durch Prof. Dr. Horst Scarbath ein. Dieser kam zum Schluss, dass Jung und Frei sowie Sonnenfreunde Sonderhefte trotz der Hervorhebung des Genitalbereiches und der Wahl entsprechender Kameraperspektiven nicht sozialethisch desorientierend oder kinderpornografisch seien. Es würde lediglich die Freikörperkultur dargestellt. Die Indizierung wurde daher erneut abgelehnt. Durch zunehmenden öffentlichen Druck kam es 1996 zur erneuten Prüfung. Nach eingehender Analyse der Abbildungen in den Heften kam der Prüfungsausschuss zu dem Schluss, dass keineswegs eine Darstellung der Freikörperkultur erfolge. Vielmehr würden Kinder und Jugendliche zu sexuellen Anschauungsobjekten degradiert. Der Jugendschutz umfasse auch den Schutz vor sexuellen Übergriffen durch Pädophile, zu denen diese Hefte animieren würden. Die Kunstfreiheit stünde dem nicht entgegen, da es sich nach der Rechtsprechung – im Gegensatz noch zu der Annahme Professor Scarbaths – nicht um Kunst handele. Es kam daher zur Indizierung.[1] Daraufhin wurde das Erscheinen einige Monate später eingestellt.

2002 kam es zu einer erheblichen Kritik an eBay in Deutschland, da Jung und Frei auch über diese Internet-Plattform vertrieben wurde. Als Reaktion nahm E-Bay entsprechende Angebote in Deutschland aus dem Programm.[2]

Lage außerhalb Deutschlands[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu Deutschland ist aus anderen Ländern so etwas wie eine Indizierung nicht bekannt. Die Magazine wurden in der Schweiz und Österreich weiterhin bis zu ihrer Einstellung frei verkauft. Aus den USA ist ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2000 bekannt, das durch Beschlagnahmung von importierten Magazinen durch den Zoll ins Rollen gebracht wurde und in zweiter Instanz den Besitz und Vertrieb dieser Magazine in den USA erlaubt hat.[3] Das Gericht befand den Inhalt nicht als obszön oder pornografisch, sondern als normale Naturisten-Darstellungen, wie sie auch in anderen Magazinen vorkommen. Zudem wurde der Fokus nicht ausschließlich auf die jugendlichen Körper, sondern insbesondere die jugendlichen Freizeitaktivitäten im FKK-Zusammenhang gesehen. Die Magazine fallen in den USA unter das First Amendment, das Recht auf Meinungsfreiheit, und sind dem Gericht nach von politischem Wert,[4] da sie die Freiheit und Einstellungen der FKK-Bewegung forcieren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (Hrsg.): Neue Medien, neue Gefahren?! Böhlau, Köln u. a. 1998; darin Reiner Laschet: Kinderpornographie. Entstehung, Vertrieb und Bekämpfungsstrategien. Eine aktuelle Bestandsaufnahme aus kriminalpolizeilicher Sicht. S. 79–86, bes. S. 84 f.; Bundesprüfstelle: Entscheidung zu sogenannten FKK-Heften („Jung und Frei“ Nrn. 107, 108 und 109), S. 87–108, ISBN 3-412-06497-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilfried Schneider, Entwicklung der Spruchpraxis … (PDF; 47 kB), Vortrag, gehalten auf der Jahrestagung der Bundesprüfstelle 2000, BPjS-aktuell, Heft 4/2001
  2. Heise Online vom 27. Januar 2002
  3. UNITED STATES COURT OF APPEALS for the District of New Jersey, Berufungsurteil über Zurückgabe vom Zoll beschlagnahmter, in die USA importierter Jung-&-Frei-Magazine vom 22. September 2000
  4. Nudism Magazines Deemed Not Obscene. Philly News vom 24. Oktober 2000