Jungfern-Ellerling

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Jungfern-Ellerling
2007-10-20 Cuphophyllus virgineus.jpg

Jungfern-Ellerling (Cuphophyllus virgineus)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Schnecklingsverwandte (Hygrophoraceae)
Gattung: Ellerlinge (Cuphophyllus)
Art: Jungfern-Ellerling
Wissenschaftlicher Name
Cuphophyllus virgineus
(Wulfen : Fr.) Kovalenko

Der Jungfern-Ellerling (Cuphophyllus virgineus) ist eine Pilzart aus der Familie der Schnecklingsverwandten. Er wächst bevorzugt auf mageren, moosigen Grasflächen und bildet im Herbst kleine, weitgehend einfarbig-weißliche und teils glasig durchscheinende Fruchtkörper, weshalb der Pilz auch als Glasig- oder Schneeweißer Ellerling bezeichnet wird. Er ist essbar.

Merkmale[Bearbeiten]

Blick auf die Hutunterseite des Jungfern-Ellerlings mit den Lamellen
Im Vergleich zum Kirschroten Saftling (Hygrocybe coccinea) erscheinen die Fruchtkörper des Jungfern-Ellerlings winzig.

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die Fruchtkörper wachsen meist in Gruppen. Der dünnfleischige Hut misst 1,5–3(–5) cm im Durchmesser und ist jung gewölbt, später flach oder in der Mitte etwas niedergedrückt und kann einen leichten Buckel haben. Die Oberfläche ist (elfenbein)weiß und verfärbt sich leicht bei feuchter Witterung (Hygrophanität). Die Ränder sind in feuchtem Zustand durchscheinend gerieft. Die dicken, wachsigen, cremeweiß gefärbten Lamellen stehen entfernt und laufen am Stiel herab. Ihre Schneiden sind glatt. Der Stiel wird 2–5(–6) cm lang und 3–5 mm dick. Er ist weitgehend zylindrisch geformt und am unteren Ende zugespitzt. Innen ist er zunächst vollfleischig, später hingegen ausgestopft bis hohl. Außen ist er glatt, hutfarben und an der Basis manchmal auch +/- rosabräunlich gefärbt. Das wässrige Fleisch ist geruchlos und schmeckt mild. Das Sporenpulver ist weiß und zeigt mit Jodreagenzien keine Farbreaktion (inamyloid).

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die oberflächlich glatten Sporen messen 7–11 × 4–5,5 Mikrometer und sind mehr oder weniger elliptisch geformt. Die Huthaut ist eine dünne Ixocutis.

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Sehr ähnlich ist der Juchten-Ellerling (Cuphophyllus russocoriaceus), der als Speisepilz nicht empfohlen werden kann. Er unterscheidet sich gut durch seinen feinen Geruch nach Juchtenleder. Der ähnliche Weiße Wiesen-Ellerling (Cuphophyllus pratensis var. pallidus ) hat typischerweise größere Fruchtkörper und ist nicht hygrophan. Gefährlich wären Verwechslungen mit dem potenziell tödlichen Feld-Trichterling (Clitocybe dealbata).[1][2][3]

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten]

Die Art lebt vermutlich in Symbiosegemeinschaften mit Moosen[4] in mageren Grasflächen, bevorzugt in kalkhaltigen Böden, und in Nordamerika in Wäldern.

Sie fruktifiziert von September bis Dezember.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Jungfern-Ellerling ist in der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel weit verbreitet und kommt in ganz Europa sowie Nordamerika und Nordasien vor, wurde aber auch in Australien angetroffen. Die Art ist häufiger als ihre großteils gefährdeten Gattungsverwandten und gilt als nicht gefährdet.

Systematik und Taxonomie[Bearbeiten]

Die 1821 von Elias Magnus Fries sanktionierte wissenschaftliche Erstbeschreibung stammt aus einem 1781 veröffentlichten Werk von Franz Xaver von Wulfen, wo er ihn als Agaricus virgineus bezeichnete.[5] Nach verschiedenen anderen Gattungszuordnungen wurde er von Alexander E. Kovalenko der Gattung der Ellerlinge (Cuphophyllus) zugeordnet.[6] Verbreitet ist auch die Zuordnung zur Gattung der Saftlinge (Hygrocybe) nach Peter Darbishire Orton und Roy Watling,[7] was nach genetischen Untersuchungen jedoch nicht haltbar erscheint.[8] Das 1772 von Giovanni Antonio Scopoli erstbeschriebene Taxon Hygrocybe nivea[9] wird mittlerweile als synonym angesehen.

Das Epithetonvirgineus“ ist ein lateinisches Adjektiv und bedeutet „jungfräulich“ in Bezug auf ein reines, weißes Aussehen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Er ist essbar und wird als Speisepilz genutzt.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  David Boertmann: The genus Hygrocybe. In: Danish Mycological Society (Hrsg.): Fungi of Northern Europe. 2. Auflage. 1, Svampetryk, 2010, ISBN 978-8798358176, S. 200 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans E. Laux: Der große Kosmos-Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. Kosmos, Stuttgart 2001, ISBN 3-440-12408-8, S. 114.
  2.  Markus Flück: Welcher Pilz ist das?. 3. Auflage. Kosmos, Stuttgart Juni 2009, ISBN 978-3440115619, S. 141.
  3. Michael Kuo: Hygrocybe virginea. In: MushroomExpert.com website. 2007, abgerufen am 26. April 2012 (englisch).
  4.  Brian H. Seitzman, Andrew Ouimette, Rachel L. Mixon, Erik A. Hobbie, David S. Hibbett: Conservation of biotrophy in Hygrophoraceae inferred from combined stable isotope and phylogenetic analyses. In: The Mycological Society of America (Hrsg.): Mycologia. 103, Nr. 2, 2010, S. 280–290, doi:10.3852/10-195.
  5.  Franz Xaver Wulfen, Nicolai Joseph Jacquin (Hrsg.): Miscellanea Austriaca ad botanicam, chemiam, et historiam naturalem spectantia. 2, Johann Paul Krauss, Wien 1781, S. 104–105, Tafel 15 (http://archive.org/details/miscellaneaaust00plapgoog).
  6.  Alexander E. Kovalenko: Opredelitel' Gribov SSSR. Leningrad 1989, S. 37.
  7.  Peter Darbishire Orton, Roy Watling: A reconsideration of the classification of the Hygrophoraceae. In: Notes from the Royal Botanical Garden, Edinburgh. 29, Nr. 1, 1969, S. 129–138.
  8.  M. Babos, K. Halász, T. Zagyva, Á. Zöld-Balogh, D. Szegő, Z. Bratek: Preliminary notes on dual relevance of ITS sequences and pigments in Hygrocybe taxonomy. In: Nationaal Herbarium Nederland & Centraalbureau voor Schimmelcultures (Hrsg.): Persoonia – Molecular Phylogeny and Evolution of Fungi. 26, Juni 2011, S. 99–107, doi:10.3767/003158511X578349 (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3160800/).
  9.  Giovanni Antonio Scopoli: Flora carniolica. exhibens plantas Carnioliæ indigenas et distributas in classes, genera, species, varietates ordine linnaeano. 2. Auflage. 2, Johann Paul Krauss, Wien 1772, S. 430–431 (http://archive.org/details/floracarniolica00scopgoog).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cuphophyllus virgineus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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