Jungholz

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Jungholz in Österreich, zur Ortschaft Jungholtz im Elsass siehe Jungholtz.
Jungholz
Wappen von Jungholz
Jungholz (Österreich)
Jungholz
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Reutte
Kfz-Kennzeichen: RE
Fläche: 7,06 km²
Koordinaten: 47° 34′ N, 10° 27′ O47.57361111111110.4472222222221054Koordinaten: 47° 34′ 25″ N, 10° 26′ 50″ O
Höhe: 1054 m ü. A.
Einwohner: 288 (1. Jän. 2014)
Postleitzahlen: 6691 (Österreich)
87491 (Deutschland)
Vorwahl: 05676
Gemeindekennziffer: 7 08 18
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Jungholz 55
6691 Jungholz
Website: www.jungholz.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Bernhard Eggel (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(11 Mitglieder)
5 ÖVP,
4 unabhängige
Lage der Gemeinde Jungholz im Bezirk Reutte
Bach Berwang Biberwier Bichlbach Breitenwang Ehenbichl Ehrwald Elbigenalp Elmen Forchach Grän Gramais Häselgehr Heiterwang Hinterhornbach Höfen Holzgau Jungholz Kaisers Lechaschau Lermoos Musau Namlos Nesselwängle Pfafflar Pflach Pinswang Reutte Schattwald Stanzach Steeg Vorderhornbach Tannheim Vils Wängle Weißenbach am Lech Zöblen TirolLage der Gemeinde Jungholz im Bezirk Reutte (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Jungholz ist eine Tiroler Gemeinde der Region Tannheimer Tal im Bezirk Reutte mit einer Fläche von 7 km² auf einer Seehöhe von 1054 m und 288 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Reutte. Die Einheimischen bezeichnen ihren Ort auch als „ein Stück Tirol im Allgäu“.

Geografie[Bearbeiten]

Blick auf Jungholz

Das Gemeindegebiet von Jungholz ist ringsum von Bayern, also deutschem Staatsgebiet umgeben und wird daher auch als österreichische bzw. Tiroler Exklave bezeichnet. Genaugenommen trifft dies aber nicht zu, denn Jungholz ist in einem Punkt nahe dem 1636 m hohen Gipfel des Sorgschrofens mit dem übrigen Tirol verbunden[1] und bildet dadurch eine funktionelle Exklave.

Folgende Ortschaften liegen im Gemeindegebiet: Die Dörfer Gießenschwand, Langenschwand, Obere Höfen und Untere Höfen, der Weiler Habsbichl, sowie die Alpen Stubentalalpe und Älpele.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Nachbargemeinden von Jungholz mit linienhafter Grenze, also mehr als punktförmiger Berührung, befinden sich alle auf deutschem Staatsgebiet. Es sind dies Bad Hindelang (Südwesten), Wertach (Westen und Norden), Nesselwang (Nordosten) und Pfronten (Osten). An dem Punkt,[1] an dem Jungholz das übrige Tirol berührt (der Gipfel des Sorgschrofen), ergibt sich im Süden eine Nachbarschaft zur Gemeinde Schattwald im Tannheimer Tal. Die beiden deutschen Gemeinden, die sich in diesem Punkt berühren, sind Bad Hindelang (Gemarkung Unterjoch) westlich und Pfronten (Gemarkung Steinachpfronten) östlich des Grenzpunktes.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste urkundliche Erwähnung fand Jungholz in einem Kaufvertrag zwischen einem Bewohner von Wertach und einem von Jungholz, der am 24. Juni 1342 abgeschlossen wurde. Dadurch kam das Gebiet von Bayern zu Tirol und verblieb dort trotz mehrerer Grenzstreitigkeiten. Die endgültige Festlegung der Grenzen erfolgte durch Verträge zwischen dem Königreich Bayern und dem Kaisertum Österreich von 1844 und 1850.

Deutsches Zollanschlussgebiet[Bearbeiten]

Durch den Zollvertrag vom 3. Mai 1868 wurde die Gemeinde Jungholz wirtschaftlich an das Königreich Bayern angebunden.[3]

Aufgrund ihrer geografischen Lage ist die Gemeinde (wie auch das Kleinwalsertal) Zollanschlussgebiet der Bundesrepublik Deutschland mit einer deutschen (87491) und einer österreichischen Postleitzahl (6691). Im Jahr 2006 wollte die Österreichische Post die deutschen Postleitzahlen für Jungholz und das Kleinwalsertal nicht mehr akzeptieren, ließ sie aber nach Protesten der Bevölkerung weiter zu.[4] Für abgehende Sendungen gelten die österreichischen Tarife, insbesondere das Auslandsporto für Post nach Deutschland. Die deutsche Telefonvorwahl (08365 – gleich wie Wertach in Deutschland) wurde abgeschaltet, sodass der Ort nur noch über die österreichische Telefonvorwahl erreichbar ist.

Die besondere geografische Lage bedingt auch den Wohnanteil von je fast 50 % deutschen und österreichischen Staatsbürgern.

Zugehörigkeit zum Landkreis Sonthofen[Bearbeiten]

Vom 15. Oktober 1938 bis zum 8./9. Mai bzw. 19. September 1945 gehörte Jungholz zum bayerischen Landkreis Sonthofen.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Im Gemeindewappen versinnbildlicht der aus einem Flügel des Tiroler Adlers wachsende grüne Zweig die Besiedlungsgeschichte und die Zugehörigkeit von Jungholz zu Tirol.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Jungholz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Jungholz war bis zur Einführung der Euro-Währung die Deutsche Mark das offizielle Zahlungsmittel; durch diese Besonderheit war Jungholz lange Jahre ein besonderer Finanzplatz für deutsches Anlagevermögen. Obwohl Jungholz nur um die 300 Einwohner hat, befinden sich drei Zweigstellen österreichischer Banken im Ort. Das macht Jungholz zum Ort mit der größten Bankendichte Österreichs.[6] Trotz Zoll- und Währungsunion sowie dem Wegfall der Grenzkontrollen aufgrund des Schengener Abkommens gilt hier weiterhin das österreichische Bankgeheimnis, weshalb nach wie vor Geld aus Deutschland bei den Banken angelegt wird. Und das nicht immer auf legalem Wege: Im Jahr 2007 stellten deutsche Beamte 100.000 Euro an der Grenze zu Jungholz sicher.[6]

1948 wurde in Jungholz der erste Skilift des Bezirks Reutte und gleichzeitig der Region Tannheimer Tal errichtet. Wirtschaftlich von Bedeutung ist auch der zweisaisonale Tourismus. Der Ort betrachtet sich als Teil der beiden Tourismusregionen Allgäu und Tannheimer Tal und konzentriert sich auf den Familientourismus.

Auch nach der Einführung der Gemeinschaftswährung hat Jungholz als deutsches Zollanschlussgebiet die deutschen Mehrwertsteuersätze.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Straßenverbindungen zum übrigen Tirol führen über Bayern. Die Bundesstraße 310 führt vorbei an Unterjoch nach Oberjoch, wo sie in die Bundesstraße 308 mündet, die in das Tannheimer Tal führt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ernst Stavro Blofeld: The boundary cross at Jungholz. In: Enclaves.org. Abgerufen am 1. Januar 2014 (englisch).
  2. Statistik Austria: Ortsverzeichnis Tirol, S. 155
  3. Vertrag über den Anschluß der zur Grafschaft Tirol gehörigen Gemeinde Jungholz an das Bayerische Zoll- und indirekte Steuersystem. Wien, am 3. Mai 1868 (ratifiziert 26. Juni 1868). Wortlaut in: Deutscher Zollverein: Verträge und Verhandlungen aus dem Zeitraume von 1833 bis einschliesslich 1870 über die Bildung und Ausführung des Deutschen Zoll- und Handels-Vereins. Band 5, Staatsdruckerei, Berlin 1871, S. 478–481 (Google eBook, vollständige Ansicht).
  4. Kehrtwende der österreichischen Post, Webseite des Kleinwalsertals, abgerufen am 17. Januar 2013
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 571.
  6. a b Das Schweigen der Berglämmer. In: Datum.at. 1. April 2008, abgerufen am 1. Januar 2014.

Weblinks[Bearbeiten]