Jungingen

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Jungingen im Zollernalbkreis. Für einen Stadtteil von Ulm siehe Jungingen (Ulm), für zwei Hochmeister des Deutschen Ordens mit diesem Namen siehe Konrad von Jungingen sowie Ulrich von Jungingen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Jungingen
Jungingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Jungingen hervorgehoben
48.3288888888899.0425597Koordinaten: 48° 20′ N, 9° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Zollernalbkreis
Höhe: 597 m ü. NHN
Fläche: 9,33 km²
Einwohner: 1385 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 148 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72417
Vorwahl: 07477
Kfz-Kennzeichen: BL, HCH
Gemeindeschlüssel: 08 4 17 036
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Lehrstraße 3
72417 Jungingen
Webpräsenz: www.gemeinde-jungingen.de
Bürgermeister: Harry Frick CDU
Lage der Gemeinde Jungingen im Zollernalbkreis
Landkreis Sigmaringen Landkreis Tuttlingen Landkreis Rottweil Landkreis Freudenstadt Landkreis Tübingen Landkreis Reutlingen Albstadt Balingen Bisingen Bitz Burladingen Dautmergen Dormettingen Dotternhausen Geislingen (Zollernalbkreis) Grosselfingen Haigerloch Hausen am Tann Hechingen Jungingen Meßstetten Nusplingen Obernheim Rangendingen Ratshausen Rosenfeld Schömberg (Zollernalbkreis) Straßberg (Zollernalbkreis) Weilen unter den Rinnen Winterlingen Zimmern unter der BurgKarte
Über dieses Bild

Jungingen ist eine Gemeinde knapp sieben Kilometer südöstlich von Hechingen im baden-württembergischen Zollernalbkreis.

Geographie[Bearbeiten]

Jungingen vom Raichberg im Südwesten aus gesehen, im Hintergrund der Kornbühl
Nordostansicht von Jungingen, im Hintergrund der Raichberg und die Burg Hohenzollern

Geographische Lage[Bearbeiten]

Jungingen liegt auf 597 m ü. NN im hier zu einem kleinen Kessel geweiteten Tal der Starzel, die nach Nordwesten zum Neckar entwässert. Das Steiltal, das der Fluss in die Schwäbische Alb gegraben hat, heißt Killertal nach dem nächsten Dorf Killer flussaufwärts. Weniger als 1,5 km entfernt ragt im Nordosten des Dorfes über Hangwald der Köhlberg (853 m ü. NN) auf, ein kleiner Sporn der waldfreien Albhochfläche rechts des Tales, linksseitig läuft im Süden des Dorfes die Alb im größeren und gänzlich bewaldeten Himberg (854 m ü. NN) aus.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an Jungingen:

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Jungingen gehören das Dorf Jungingen und das Gehöft Bürglishof.

In der Gemeinde liegt die Wüstung Weiler ob Schlatt. Der Ort wurde 1355 erstmals erwähnt und 1393 von den Herren von Lichtenstein an die Zollern verkauft. Zuletzt bestand lediglich noch ein fürstlicher Hof, der 1780 durch die Gemeinde Jungingen gekauft und aufgeteilt wurde und die 1806 abgebrochene Katharinenkapelle.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Jungingen ist vermutlich im 4. Jahrhundert gegründet worden, als Wohnort eines alemannischen Sippenältesten namens Jungo. Die Gemeinde wird erstmals 1075 urkundlich erwähnt.

Auf dem einen Kilometer südlich des Dorfes gelegenen Hügel „Bürgle“ stand die Burg der Adeligen von Jungingen, die Burg Hohenjungingen. Um 1278 ging sie an den Johanniterorden über und kam um 1300 an Graf Eberhard I. von Württemberg. 1311 wurde die Burg im Städtekrieg von Reutlingen zerstört, wobei auch das Dorf niedergebrannt wurde.

Die bedeutendsten Träger des Namens Jungingen waren die beiden Hochmeister-Brüder des Deutschen Ritterordens, Konrad von Jungingen und Ulrich von Jungingen. Unter Konrad erlebte das Deutschordensland in Preußen seine höchste Blüte (1393–1407), Ulrich fiel in der Schlacht bei Tannenberg (1410), die den Niedergang des Ordensstaates in Preußen einleitete.

Im Jahre 1473 wurde die neu entstandene Ansiedlung zollerisch.

Jungingen hat sich in den letzten Jahrzehnten vom Bauern- und Handwerkerdorf zu einer reinen Industriegemeinde entwickelt. Zunächst waren es die Handwerker, die ihre Holzwaren fertigten und die Händler, welche diese und andere Waren wie Peitschen und Textilien verkauften. Anschließend waren es die Feinmechaniker, die in Jungingen für Arbeit, Einkommen und damit für Wohlstand gesorgt haben. Die Industrialisierung in Jungingen begann 1852. Zu dieser Zeit gründete Ludwig Bosch eine Waagenfabrik, nachdem er als Lehrling in Onstmettingen die neuen Erkenntnisse über die von „Mechaniker-Pfarrer“ Philipp Matthäus Hahn entwickelte Pendelwaage gewonnen hatte. Damals registrierte man 850 Gemeindeeinwohner. Hundert Jahre später, 1950 also, waren es rund 1200 Personen, heute zählt die Gemeinde knapp 1500 Einwohner.

Am Abend des 2. Juni 2008 wurden die Bewohner Jungingens und des restlichen Killertals Opfer von schweren Überschwemmungen, die durch ein heftiges Gewitter ausgelöst wurden. Zwei Frauen starben, nachdem ihr Fahrzeug von den Wassermassen in den überfluteten Dorfbach Starzel gespült wurde. In der Nachbarstadt Hechingen ertrank eine Frau in ihrem Keller, als sie von dem eindringenden Hochwasser überrascht wurde. Es wurden Niederschlagsmengen von 50 bis 80 Litern pro Quadratmeter gemessen, die Schäden beliefen sich auf Millionen. Über 1000 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks und der Feuerwehr waren stundenlang zugange, vom Wasser eingeschlossene Personen zu retten.[4]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1966-1986: Norbert King (CDU)
  • 1986-1995: Jürgen Weber (FW)
  • seit 1. März 1996: Harry Frick (CDU)

Raumplanung[Bearbeiten]

Jungingen gehört zusammen mit Hechingen, Burladingen, Bisingen, Rangendingen, Grosselfingen und Haigerloch als Teil der Raumordnungs- und Planungsregion Neckar-Alb zum Mittelbereich Hechingen. Ferner ist Jungingen zusammen mit Rangendingen Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Hechingen.

Verkehr[Bearbeiten]

Den Öffentliche Nahverkehr betreibt der Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (naldo), die Gemeinde liegt in der Wabe 332. Jungingen ist mit dem Bahnhof Jungingen (Hohenz) Regionalbahn-Halt an der Bahnstrecke Hechingen–Gammertingen der Hohenzollerischen Landesbahn. An Wochenenden ist der Zugverkehr im Killertal ausgedünnt und wird größtenteils durch die Buslinie 9 der Hohenzollerischen Landesbahn ersetzt.

Parallel zur Bahnstrecke verläuft die Bundesstraße 32 durch Jungingen, die die Gemeinde im nahen Hechingen mit der autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraße 27 und in der Gegenrichtung über das deutlich fernere Sigmaringen mit Ravensburg am Bodensee verbindet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Jungingen gibt es eine Grundschule mit rund 100 Schülern.

Bosch und Sohn, ein Hersteller von Blutdruckmessgeräten, hat in Jungingen ihren Sitz.

Kirche[Bearbeiten]

St. Sylvester

1466 wurde die erste Junginger Kirche (Kapelle auf der Lehr, heute: St. Anna Kapelle) erstmals urkundlich erwähnt. Aufgrund von Platzmangel begann man im 15. Jahrhundert am heutigen Standort St. Sylvester zu errichten, die vom 6. Mai bis zum 11. November 1819 erweitert wurde. Dieses Projekt kostete 16.999 fl. Der neue Bau bot Platz für die Bauernglocke aus dem 14. Jahrhundert, die Jungingens bedeutendstes Kulturdenkmal ist. Die Kopie des Gnadenbildes der Mutter Gottes aus Einsiedeln in der Schweiz, die sich seit dem 25. März 1935 am Gnadenaltar der Kirche befindet, zieht bis heute Wallfahrer an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Lambert Bumiller (1852-1908), Pfarrer, Reichstags- und Landtagsabgeordneter
  • Casimir Bumiller (1895–1973), Schriftsteller und Heimatforscher
  • Matthias Bumiller (*1964), Illustrator und Buchgestalter

Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Nach der Topographischen Karte 1:100.000
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 228–229
  4. Berichterstattung des SWR vom 3. Juni 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jungingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien