JungsozialistInnen Schweiz

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JungsozialistInnen Schweiz

Logo der JungsozialistInnen Schweiz

Gründungsdatum: 1906
Ideologie: Sozialdemokratie,
Demokratischer Sozialismus
Präsidium: Fabian Molina
Generalsekretär: Dario Schai
Mitglieder: ca. 2900
(Stand: 2013)
Nationalrat: 3
Parteigliederung: 45 Sektionen
(Stand: 2011)
Gruppierungen:
  • Juso Frauen
  • Juso LGBT (GaynossInnen)
Hausanschrift: Spitalgasse 34
3011 Bern
Website: www.juso.ch

Die JungsozialistInnen Schweiz (kurz: Juso, oder Eigenschreibweise: JUSO; französisch Jeunesse socialiste suisse, italienisch Gioventù Socialista Svizzera, rätoromanisch Giuventetgna Socialista svizra) ist die Jungpartei der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP). Trotz ihrer Verbundenheit zur SP ist die Juso selbständig und bestimmt selbst, wie sie sich politisch engagiert. Gleichzeitig versucht sie, die politische Ausrichtung der SP zu beeinflussen. Ihre Position sieht sie am gewerkschaftsnahen linken Flügel der Sozialdemokratie. Die Sektionen der Juso Schweiz verfügen über ein hohes Mass an Autonomie gegenüber der Mutterpartei, was auch durch die föderalistische Struktur der Schweiz begründet ist.

Der Name JungsozialistInnen Schweiz wird von der Partei bewusst offiziell mit Binnen-I geschrieben, was die Gleichstellung der beiden Geschlechter darstellen soll.

Positionen[Bearbeiten]

Die Juso fordert eine solidarische Gesellschaft, in der jeder gleiche Chancen hat, ungeachtet der persönlichen Hintergründen wie Hautfarbe, Geschlecht und Herkunft. Sie setzt sich zudem gegen Rayon- und Ausgangsverbote ein. So rief die Jungpartei im Sommer 2008 die Veranstalter von Botellones auf, die von Städten wie Bern ausgesprochenen Verbote zu missachten.[1]

Die Juso hat eine kritische bis ablehnende Haltung zur Armee, was sich zum Beispiel durch Teilnahme an der eidgenössischen Volksinitiative «gegen neue Kampfflugzeuge» äussert.[2][3] Sie setzt sich für den Klimaschutz ein und fordert den Ausstieg aus der Kernenergie.[4]

In der Bildungspolitik fordert die Juso die Abschaffung von Noten, die durch «qualitative Beurteilungen» ersetzt werden sollten. Sie fordern zudem eine Aufstockung des Lehrerpersonals, da sie sich dadurch bessere Lernbedingungen für Schüler erhofft. Ihr Bildungspapier fordert weiter einen einheitlichen Mindestlohn von 1'500 Franken für Lehrlinge; Stipendien sollten national vereinheitlicht werden und zumindest das Existenzminimum garantieren.[5]

Organisation[Bearbeiten]

Die Juso ist als feste Jugendorganisation in den Statuten der SP Schweiz eingetragen, ist allerdings organisatorisch unabhängig. Sie organisiert sich in Kantonalsektionen und Untersektionen. Statutarische Organe der Juso sind die Delegiertenversammlungen, die mindestens vier mal im Jahr einberufen wird, die Jahresversammlung, die die Hauptkompetenz hat, die Geschäftsleitung und das Präsidium zu wählen, sowie die Geschäftsleitung mit dem Präsidium selbst. Die Geschäftsleitung ist mit neun Personen besetzt, administrative Aufgaben werden durch das Zentralsekretariat erledigt. Wichtige Entscheidungen (beispielsweise Positionspapiere und Resolutionen) werden grundsätzlich von einer Delegierten- oder Jahresversammlung gefällt.

Die Juso ist Teil der internationalen Arbeiterbewegung und der weltweiten sozialistischen Jugendbewegung und ist daher zusammen mit ihren Schwesterorganisationen in der International Union of Socialist Youth (IUSY) zusammengeschlossen. Da die Schweiz nicht EU-Mitglied ist, waren die Schweizer Juso lange Zeit nur assoziiertes Mitglied der Young European Socialists (YES). Anfang November 2012 wurde die Jugendorganisation nach kurzer Diskussion die volle Mitgliedschaft zugesprochen.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Demonstration der Sozialdemokratischen Jugend für den Achtstundenarbeitstag (ca. 1920)

Vorgängergruppierungen 1900–1971[Bearbeiten]

Die erste historisch belegte Gründung einer sozialistischen Jugendgruppierung fand mit den «Jungsozialisten» 1894 in Luzern statt. In Bern und Basel wurden darauf zwei ähnliche Gruppierungen gegründet, die jedoch aus Mitgliedermangel erfolglos blieben. In Zürich gründeten einige junge Männer am 25. März 1900 die «Vereinigung gleichgesinnter Arbeiterjünglinge zum Zwecke der Belehrung und der Freundschaft» (Jungburschen). 1906 formierten sich die Jungsozialisten zum «Verband schweizerischer Jungburschen», der eigentliche Vorreiter der JungsozialistInnen Schweiz. Die Organisation wuchs rasch an und gründete in vielen Orten der Deutschschweiz Sektionen, in denen sie die Mitglieder förderte und bildete.

Willi Münzenberg (ca. 1920)

Willi Münzenberg spielte eine zentrale Rolle der sozialdemokratischen Jugendbewegung, als er der erste eidgenössische Sekretär der Jungsozialisten in Bern wurde. In Zürich trafen sich die Jungburschen im «Pockenhüsli» in Aussersihl, wo sich nebst den Jungburschen auch politische Emigranten trafen. Ab 1911 konnten erstmals auch Frauen der Organisation beitreten, weswegen sich die Jungburschen zur «Sozialdemokratische Jugendorganisation der Schweiz» neu gründeten. 1913 zählte die Organisation rund 750 Mitglieder, 1917 wurden 5000 Mitglieder gezählt, davon etwa ein Fünftel Mädchen. In der Zwischenkriegszeit spalteten sich die Sozialdemokratische Partei ab, und gründete die Kommunistische Partei. Mit der Gründung der Kommunistischen Jugendinternationalen 1919 schloss sich die sozialdemokratische Jugendorganisation ihr an und änderte ihren Namen zu «Kommunistischer Jugendverband der Schweiz (KJV)». Erst 1922 nahm die sozialdemokratische Jugendorganisation ihre Arbeit wieder auf, als im Tessin die «Federazione Giovanile Socialista Ticinese» gegründet wurde. Sie setzte sich im italienischsprachigen Landesteil gegen den aufkommenden italienischen Faschismus ein.

Anfangs der 1950er Jahre wurde die sozialistische Jugend in die «Sozialdemokratische Jugend (SDJ)» umgetauft. Während den 1950ern Jahren hatte die SDJ rund 1’200 Mitglieder und publizierte sechs- bis zwölfmal jährlich die Zeitung «Neue Schweiz». 1946 trat die SDJ der neu gegründeten International Union of Socialist Youth bei. Als zentrales Thema nannte die SDJ die Situation der Lehrlinge und der jungen Arbeitnehmern. Sie setzte sich für die Vierzigstundenwoche ein sowie für drei Wochen bezahlte Ferien für Lehrlinge ein. Weiterhin beschäftigte sich die Organisation mit der Bildung der Mitglieder und engagierte sich in den Jugendparlamenten der Grossstädte. 1961 wurde die «Vereinigung Junger Sozialdemokraten (VJS)» gegründet, die aus den sozialdemokratischen Fraktionen der Jugendparlamenten entstand. Sie löste die SDJ als offizielle Jugendorganisation der SP ab, löste sich hingegen Anfang der 1970ern Jahre so gut wie auf.

Gründung der Jungsozialistischen Partei[Bearbeiten]

Beim Wiederaufbau und der Gründung 1971 der «Schweizerischen Jungsozialisten» war der heutige Nationalrat Andreas Gross nicht beteiligt. Erster Präsident war 1971 der später bekannte Zürcher Wirtschaftsanwalt Peter Nobel. Andi Gross engagierte sich ab 1974 bei den Zürcher Jusos, und erst ab 1977 auf der schweizerischen Ebene für die Jusos, zuerst als Redaktor des neu lancierten "Infrarot", dann im Vorstand und von 1979 bis 1983 als Juso-Präsident. In dieser Zeit wurde auch die Idee einer "Schweiz ohne Armee" entwickelt und 1981 erstmals öffentlich gemacht. Diese Idee wurde dann aber von den Jusos abgekoppelt und zur Lancierung der entsprechenden Volksinitiative 1982 eigens eine eigene Organisation, die GSoA, gegründet. Gross wurde 1983 von einem dreiköpfigen Co-Präsidium abgelöst. Ihre heutigen Strukturen stammen grösstenteils aus dem «Jahr der neuen Juso» 1991: Der damalige Vorstand sowie das Co-Präsidium wurden durch eine Geschäftsleitung ersetzt, die aus den Ressorts Medien/Werbung, Internationales, Kontakte mit der SP Schweiz, Finanzen, Bildung und inländische Kontakte umfasst. Ihre Aktivitäten finanziert die Juso aus Beiträgen der SP, Subventionen des Bundes sowie aus Mitgliederbeiträgen.

Gegen Mitte der 1990ern Jahren verschärfte sich der Konflikt zwischen den einzelnen Sektionen, die sich zwischen reformistischem und marxistischem Flügel besetzten. Im Jahresbericht von 1993 heisst es: «Beide Gruppen arbeiteten und feilten an je einem Grundsatzpapier, welches ihren Positionen gerecht werden sollte. Die beiden Papiere wurden an einer Tagung den interessierten JUSOs vorgestellt und diskutiert. Hintergründe wurden aufgezeigt und nach Mittelwegen gesucht. Diese zu finden, zeigte sich aber als immer unwahrscheinlicher.» An einer ausserordentlichen Jahresversammlung entschieden sich die Jungsozialisten für das «reformistische Papier», worauf einige Mitglieder der Geschäftsleitung zurücktraten.

Wiedereinführung Präsidium[Bearbeiten]

Anfang des 21. Jahrhunderts änderte sich mit der Beilegung der Streitereien innerhalb der Partei deren Stil. Die Jungpartei professionalisierte sich und erzielte politische Erfolge. So stimmte im Mai 2007 die Glarner Landsgemeinde dem Juso-Antrag zu, das Stimmrechtsalter auf 16 zu senken. An der Jahresversammlung 2007 beschlossen die JungsozialistInnen, ein Präsidium einzuführen, worauf Cédric Wermuth zum Parteipräsidenten gewählt wurde. Mit der Wahl der neuen Geschäftsleitung wurde eine «Agenda 2011» formuliert, die als Ziel hatte, die Juso zur stärksten Jungpartei zu machen. Zudem entstanden in mehreren Kantonen weitere Sektionen. Die Jungsozialisten gerieten wieder vermehrt in die Medien, sei es durch Positionen und Aktionen zu aktuellen Themen, aber auch durch Diskrepanzen mit ihrer Mutterpartei: Beispielsweise kritisierte die Jungpartei das Sicherheitspapier der SP, welches insbesondere Bettel- und Rayonverbote sowie Videoüberwachung vorsah. Die Differenzen konnten zwar nicht beigelegt werden, jedoch wurden viele der kritisierten Punkte verändert. Am gleichen Parteitag der SP Schweiz wurde Cedric Wermuth ins Vizepräsidium der SP gewählt. Weiter machte die Partei durch das Rauchen eines Joints von Wermuth am Parteitag der SP, mittels einer Hausbesetzung der aargauischen Sektion oder durch eine Grossdemonstrationen gegen variable Lohnbestandteile («Boni») vor der UBS am Paradeplatz in Zürich auf sich aufmerksam.

Ende 2008 äusserte die Parteileitung den Wunsch, eine eidgenössische Volksinitiative zu lancieren. Die so genannte Eidgenössische Volksinitiative «1:12 – Für gerechte Löhne» konnte sich am ordentlichen Parteitag im März 2009 gegen andere Vorschläge durchsetzen. Das Volksbegehren, welches schliesslich am 6. Oktober 2009 offiziell lanciert wurde, sieht eine Beschränkung der Lohnschere vor, bei der sich der tiefste und der höchste Lohn innerhalb eines Unternehmens um nicht mehr als das Zwölffache unterscheiden dürfen. Für die Initiative wurden rund 130'000 Unterschriften gesammelt, sie wurden am 21. März 2011 eingereicht.[7]

Während der Amtszeit von Wermuth stiegen die Mitgliederzahlen von 1500 auf 3000. Am 5. September 2010 gaben der Präsident Cédric Wermuth[8], die Zentralsekretärin Tanja Walliser sowie die zwei Geschäftsleitungsmitglieder Marco Kistler und Sebastian Dissler ihre Rücktritte bekannt. Als Grund nannte die Geschäftsleitung, dass damit einen Generationenwechsel erreichen wollen. An der Jahresversammlung der JUSO am 12. März 2011 wurde David Roth als Nachfolger von Wermuth gewählt, Kristina Schüpbach übernahm das Zentralsekretariat. Als Nachfolger von Kistler und Dissler wurden Florian Sieber und Meret Herger gewählt, die bisherigen wurden wiedergewählt. An der Jahresversammlung der JUSO am 17. März 2012 wurde das Präsidium und die übrigen Mitglieder der neunköpfigen Geschäftsleitung von den Mitgliedern für eine weitere Amtszeit wiedergewählt. Zudem wurde auch beschlossen im Laufe des Jahres eine neue Eidgenössische Volksinitiative zu lancieren. Die Delegierten an der Delegiertenversammlung zum 19. Mai 2013 in Frauenfeld sprachen sich für eine Initiative aus, welche ein Spekulationsverbot mit Nahrungsmitteln vorsieht.

Am 16. März 2014 wurde Fabian Molina als Nachfolger von David Roth gewählt.

Aktuelle Geschäftsleitungsmitglieder[Bearbeiten]

Fabian Molina (Präsident), Charlotte Gabriel (Vize-Präsidentin), Ursula Näf (Vize-Präsidentin), Dario Schai (Zentralsekretär), Filippo Rivola (Vize-Zentralsekretär), Hanna Bay, Guilhelm Kokot, Andrea Scheck, Jonas Zürcher

Bekannte ehemalige Mitglieder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: JungsozialistInnen Schweiz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. news.ch: JUSO: Aufruf zur Missachtung des Botellón-Verbots, vom 21. August 2008
  2. juso.ch: Positionspapier «Nein zum Kauf neuer Kampfjets!»
  3. juso.ch: Positionspapier zur Armee
  4. juso.ch: Positionspapier «Kampf dem Klimawandel!»
  5. juso.ch: Positionspapier zur Bildung
  6. Meldung vom 5. November 2012 auf 'juso.ch' zur Aufnahme
  7. juso.ch: 1:12-Initiative eingereicht!, vom 21. März 2011
  8. tagesanzeiger.ch: Cédric Wermuth zieht es nach Bern, vom 5. September 2010