Junkers J.I

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Junkers J.I
Junkers J.I
Typ: Erdkampfflugzeug
Entwurfsland: Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
Hersteller: Junkers & Co.
Erstflug: 28. Januar 1917
Indienststellung: Oktober 1917
Stückzahl: 227

Die Junkers J.I[1] (Werksbezeichnung J.4) war ein zweisitziges Erdkampfflugzeug der deutschen Fliegertruppe im Ersten Weltkrieg.

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Konstrukteur Hugo Junkers und sein Chefingenieur Otto Mader hatten diesen schweren Eineinhalbdecker ursprünglich als robustes Verbindungs- und Kurierflugzeug konzipiert. Der Testpilot Arved von Schmidt führte am 28. Januar 1917 an der Fliegerschule Döberitz den Erstflug durch; danach erhielt das Flugzeug als Infanterieflugzeug[2] die militärische Bezeichnung Junkers J.I. Die Serienmaschinen erhielten einen stärkeren Motor und hatten überstehende ausbalancierte Quer-, Höhen- und Seitenruder.

Die Maschine hatte einen stabilen Flugzeugkörper aus Duraluminium und zusätzlich eine 5 mm dicke und 470 kg schwere Panzerplatte, die Besatzung und Benzintank gegen Abwehrfeuer schützen sollte. Das große Gewicht der Maschinen erforderte eine außergewöhnlich große Spannweite. Weitere Merkmale waren die kurzen Unterflügel, ein eher kurzes Fahrgestell.

Da der wissenschaftlich-technisch versierte Hugo Junkers keine Erfahrung mit der Serienfertigung hatte, wurde er angewiesen, die Produktion mit dem wirtschaftlich und effizient arbeitenden Praktiker Anton Fokker zu teilen, was zu einer Reihe von technischen und organisatorischen Schwierigkeiten führte. Ab Oktober 1917 lief die Produktion bei der neu gegründeten Junkers-Fokker-AG an.

Bis zum Waffenstillstand waren 189 Flugzeuge an die Einsatzverbände geliefert worden, 38 weitere noch im Bau befindliche Flugzeuge mussten nach Kriegsende für die Alliierten fertiggestellt werden.

Einsatz[Bearbeiten]

J.I in Bickendorf im Dezember 1918

Ende 1917/Anfang 1918 gelangten die ersten Junkers J.I an die Front und wurden wegen ihrer Größe, ihres klobigen Aussehens und ihrer eher langsamen, schwerfälligen Flugeigenschaften von den Frontfliegern skeptisch „Kaffee Wellblech“[3], „Möbelwagen“ oder „Blechesel“ getauft.

Die J.I kamen rechtzeitig zur großen Deutsche Frühjahrsoffensive 1918. Hier bewiesen die J.I erstmals die volle Gefechtstauglichkeit der Ganzmetallflugzeuge. Ihr Gefechtswert im Erdkampfeinsatz war deutlich höher als der der Infanterieflugzeuge Albatros J.I und AEG J.I. Gut gepanzert, damit robust und beschussfest, konnte die besser geschützte Besatzung waghalsige Tiefflugeinsätze zur Luftnahunterstützung für die Infanterie fliegen, das Vorrücken von Sturmtruppen überwachen, feindliche MG- und Geschützstellungen niederhalten, Gegenangriffe von Reserven abriegeln oder abgeschnittene Stoßtrupps mit Abwurf von Proviant und Munition versorgen.

Im Gegensatz zu den übrigen leinwandbespannten oder holzverkleideten Flugzeugen konnten die J.I ohne weiteren Schutz im Freien abgestellt werden, was Kräfte und Zeit bei den raschen Verlegungen im Zuge der Angriffsoperationen sparte und auch die Wartung vereinfachte, da das Flugzeug auf die übliche wartungsintensive Verspannung verzichtete. Allerdings waren die schweren Maschinen auf Feldflugplätze mit langen Start- und Landebahnen angewiesen und nicht leicht zu landen.

Die ersten Flugzeuge waren zusätzlich mit zwei nach unten gerichteten MGs bewaffnet, später wurden stattdessen FT-Geräte[4] eingebaut, um Verbindung zu Gefechtsständen oder Batteriestellungen der Artillerie zu halten, oder es wurden Luftbildkameras zur Gefechtsfeldaufklärung eingehängt.

Erhaltene Flugzeuge[Bearbeiten]

Junkers J.I im Canada Aviation and Space Museum

Die einzige noch erhaltene Junkers J.I (586/18) befindet sich im Canada Aviation and Space Museum[5] in Ottawa.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße[6] J.I
Einsatzzweck: Infanterieflugzeug
Baujahr: 1917-18
Stückzahl: 227[7]
Spannweite: 16,00 m
Länge 9,10 m
Höhe: 3,40 m
Flügelfläche: 49,4 m²
Leergewicht: 1.766 kg
Startgewicht: 2.176 kg
1 wassergekühlter 6 Zylinder-Reihenmotor: Benz Bz IV mit 200 PS
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h
Steigzeit auf 1.000m:
Steigzeit auf 2.000m: 33 min
Dienstgipfelhöhe: 3.000 m
Reichweite: 310 km
Flugdauer:
Bewaffnung: 2-3 MG[8], 50 kg Bomben
Besatzung 2

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Flugzeuge. Von den Anfängen bis zum 1. Weltkrieg (= Falken-Handbuch in Farbe. Bd. 391). Falken-Verlag Sicker, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9.
  • Karlheinz Kens, Hanns Müller: Die Flugzeuge des Ersten Weltkriegs, 1914–1918. Eine Flugzeugtypen-Sammlung. Mit 120 Typenbeschreibungen. 6. Auflage. Heyne, München 1980, ISBN 3-453-00404-3.
  • Günter Kroschel, Helmut Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910–1918. In 127 Vierseitenrissen im Massstab 1 : 144. Lohse-Eissing, Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-920602-18-8.
  • Kenneth Munson: Kampfflugzeuge. Jagd- und Schulflugzeuge 1914–1919. 2., neu bearbeitete Auflage. Orell Füssli, Zürich 1976, ISBN 3-280-00824-7, S. 24 und S. 121–122.
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918. Lehmanns, München 1959.
  • Karl R. Pawlas: Deutsche Flugzeuge 1914–1918. Eine Dokumentation (= Luftfahrtdokumente. Bd. 20). Publizistisches Archiv Pawlas, Nürnberg 1976, ISBN 3-88088-209-6, S. 63–65.
  • Jane's All the World's Aircraft. 1919, ZDB-ID 958040-2, S. 320a–321a.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nicht zu verwechseln mit der Junkers J.1, dem ersten Ganzmetallflugzeug der Welt, Baujahr 1915
  2. Schlachtflugzeuge zur Luftnahunterstützung für die Infanterie wurden auch als Infanterieflugzeuge bezeichnet
  3.  Wolfgang Mühlbauer: Infanterie-Flugzeug Junkers J.I. In: Flugzeug Classic. Bd. 10, Nr. 11, 2009, ISSN 1617-0725, S. 52–57.
  4. Funkentelegraphen für Tastfunkverbindungen
  5. Canada Aviation Museum: Junkers J.I
  6. Angaben in den Quellen z.T. widersprüchlich
  7. vgl. Kroschel, a.a.O
  8. Kaliber 7.92x57 mm, 1-2 MG LMG 08/15, 1 MG 14 Parabellum

Weblinks[Bearbeiten]