Juno (Film)
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| Filmdaten | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Juno |
| Originaltitel: | Juno |
| Produktionsland: | USA, Kanada |
| Erscheinungsjahr: | 2007 |
| Länge: | etwa 92 Minuten |
| Originalsprache: | Englisch |
| Altersfreigabe: | FSK ab 6[1] |
| Stab | |
| Regie: | Jason Reitman |
| Drehbuch: | Diablo Cody |
| Produktion: | Lianne Halfon, John Malkovich, Mason Novick, Russell Smith |
| Musik: | The Moldy Peaches (Kimya Dawson; Adam Green), Matt Messina |
| Kamera: | Eric Steelberg |
| Schnitt: | Dana E. Glauberman |
| Besetzung | |
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Juno ist eine kanadisch-US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 2007. Regie führte Jason Reitman, das Drehbuch schrieb Diablo Cody.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Handlung
Die 16-jährige Schülerin Juno MacGuff aus Minnesota stellt fest, dass sie gleich beim „ersten Mal“ von ihrem besten Freund und langjährigen Bewunderer, Paulie Bleeker, schwanger geworden ist. Sie geht in eine Abtreibungsklinik, die jedoch abschreckend auf sie wirkt. Juno entschließt sich, das Kind auszutragen und zur Adoption freizugeben. Sie informiert ihren Vater sowie ihre Stiefmutter darüber, die ihr in dieser Situation beistehen.
Als mögliche Adoptionseltern kommen der vermögende Komponist Mark Loring und seine Frau Vanessa in Frage, die Junos Freundin Leah in einer Zeitungsannonce findet. Juno besucht die Eheleute zuerst mit ihrem Vater und dann immer häufiger alleine, was vor allem daran zu liegen scheint, dass Mark und Juno sich gut verstehen. Noch vor der Geburt trennen Mark und Vanessa sich voneinander, da Mark sich nicht reif genug für die Vaterrolle fühlt. Juno und Paulie nähern sich wieder an und gestehen einander ihre Liebe. Nach der Geburt adoptiert Vanessa vereinbarungsgemäß das Kind.
[Bearbeiten] Hintergründe
Der Film wurde in Vancouver und in anderen Orten von British Columbia gedreht.[2] Seine Produktionskosten betrugen schätzungsweise 7,5 Millionen US-Dollar.[3][4]
Der Film hatte seine Weltpremiere am 1. September 2007 auf dem Telluride Film Festival. Am 8. September 2007 wurde er auf dem Toronto International Film Festival 2007 gezeigt; es folgten weitere Filmfestivals. Am 5. Dezember 2007 startete der Film in ausgewählten Kinos der USA, am 25. Dezember 2007 begann die breite Veröffentlichung in den US-Kinos. Der deutsche Kinostart folgte am 20. März 2008.[5] Insgesamt spielte der Film weltweit ca. 229,9 Millionen US-Dollar ein, darunter ca. 143,5 Millionen US-Dollar in den Kinos der USA.[3][4]
[Bearbeiten] Filmmusik
Die Musik spielt in dem Film eine zentrale Rolle. Besonders die Songs von Kimya Dawson unterstreichen die Handlung mit ihren Texten. Auf dem Soundtrack sind neben Dawsons Songs, Stücke von weiteren Independent Bands wie Belle and Sebastian und Cat Power vertreten. Außerdem enthält er die Rockmusik, die Juno und Mark untereinander austauschen. Neben dem Original gibt es auch die Coverversion des Moldy-Peaches-Titels „Anyone Else But You“, gesungen von den Hauptdarstellern Ellen Page und Michael Cera. Das Soundtrack-Album verkaufte sich in den USA überraschend gut und erreichte Platz 1 der Billboard Charts, wurde mit Gold ausgezeichnet[6] und war 10 Wochen lang das am häufigsten verkaufte Album im amerikanischen iTunes Music Store. Auch in den deutschsprachigen Ländern kam der Soundtrack in die Hitparaden (Deutschland Platz 81, Österreich Platz 34, Schweiz Platz 100).
[Bearbeiten] Kritik
[Bearbeiten] In den Vereinigten Staaten
Roger Ebert von der Chicago Sun-Times gab dem Film die volle Wertung von vier Sternen und nannte ihn „einfach den besten Film des Jahres. […] Gab es dieses Jahr eine bessere schauspielerische Leistung als Ellen Pages Darstellung der Juno? Ich denke nicht.“[7] Kirk Honeycutt schrieb in der Zeitschrift The Hollywood Reporter vom 10. September 2007, der Film trotze den Erwartungen auf Wendungen und komplexe Charaktere. Die Dialoge würden gekünstelt, aber witzig wirken; der Film mache aus der altbackenen Geschichte eine „beschwingte“ Komödie.[8] Todd McCarthy schrieb in der Zeitschrift Variety vom 5. September 2007, die Hauptdarstellerin Ellen Page sei „sichtbar talentiert“. McCarthy kritisierte den mittleren Teil der Handlung als „übel“. Die Dialoge würden stellenweise zu ausgesuchte Worte beinhalten, aber keiner der Charaktere würde altklug wirken. Die Regie sei „flott“; die Handlung würden „ins Ohr gehende“ Songs begleiten.[9]
[Bearbeiten] Wertungen der deutschsprachigen Presse
Ein Teil der Kritik befasste sich mit dem Independent-Charakter des Films. Gemäß der Tageszeitung Die Presse lasse sich an seinen aufgesetzten Independent-Kino-Außenseiterfiguren demonstrieren, „wie die Nischenmarkt-Markenzeichen des angeblich unabhängigen 'Independent-Films' seit den 90ern zum Mainstream-Businessmodell ausgebaut wurden.“[10] Wie so manche US-Independent-Filme verbreite der Film in seinem Kern die Lüge, wonach jeder mit Anstrengung und Wille sein Glück verwirklichen kann, fand Der Spiegel; immerhin halte Juno nicht die Fahne der Unabhängigkeit von Hollywood hoch.[11]. Ähnliches schrieb die Filmzentrale über den "Konsensfilm" im Bezug auf die Thematik der Schwangerschaft: Der Film verharmlose "durch das Aussparen gesellschaftlicher Widrigkeiten und (ernsthafter) persönlicher Zweifel [...] erfolgreich die existenzielle Bedeutung einer solchen Lebenssituation und schlittert schließlich leichtfüßig in den Teenageralltag zurück".[12] Weiter hieß es im Spiegel, ideologisch sei die Produktion konfus; sie versuche allen Zielgruppen und deren entgegengesetzten Positionen gefällig zu sein.[10] Der Tagesspiegel erklärte, „nur schlechtgelaunte Beobachter“ verträten diese Ansicht,[13] und der gemäß dem Spiegel liege der Charme gerade darin, „dass der Film stets achselzuckend, aber immer voller Zuneigung den Launen seiner Heldin folgt.“[11]
Einen „quietschlustigen Wohlfühlfilm“ machte der Spiegel aus, dessen Regisseur ein „schönes Gespür für Lässigkeit“ habe und das Geschick, den Film wie ein Youtube-Popvideo daherkommen zu lassen. Die ideenreiche Komödie biete eine „enthemmte Pointenschleuderei“, nehme ihre schrulligen Figuren dennoch ernst, und eine Stärke sei die Darstellerin des Backfischs. Die deutsch synchronisierte Tonfassung sei ulkig und dem Original fast ebenbürtig.[11] Der Tagesspiegel fand, Reitmans Film „reißt den Zuschauer vom Start weg in einen Strudel aus Frische, Schmerz, Glück, Albernheit, Weisheit, Ewigkeit und immer wieder neuem Augenblicksvergnügen.“ Das äußerst witzige Drehbuch vermeide vorhersehbare Handlungsverläufe, und die Figurenzeichnung die potenzielle Klischeehaftigkeit.[13] Die Cinema bezeichnete die Komödie als „herrlich unverkrampft, aber nie albern, rotzfrech und doch einfühlsam.“[14]
Etwas getrübter waren die Urteile im film-dienst und in der taz. Zwar kämen die Erwachsenen wie Karikaturen daher, meinte der film-dienst, und die Dialoge Junos blieben auch in ernsthaften Situationen schnoddrig. Doch ansonsten entwickle der packende Film menschliche Tiefe und verfüge über eine überzeugende Hauptdarstellerin. Auf Jugendliche wirke er erzieherisch und führe sie zu mehr Verantwortung.[15] Obwohl sich der Film zeitgemäß gebe, verzichte er auf Realitätsnähe, erklärte die taz. Es sei unglaubwürdig, dass ein so egozentrisches, hartgesottenes Mädchen sich für den beschwerlichen Weg der fortgesetzten Schwangerschaft entscheidet. „Mädchen heutzutage sind selbstständig, jedes tapeziert sich seine Hölle selbst.“ Die solide gepielte Komödie biete Überraschungen, sei ein „Wohlfühlfilm für die ganze Familie“ und erfrischend frei von bigotter Moral. Sie bestreitet, dass die leibliche Mutter zwingend die beste für das Kind ist, und Juno braucht nicht zu büßen. „Die patriarchale Logik, die Frauen kleinhält, indem sie Selbstzweifel bei jeder Gelegenheit bestätigt und erbrachte Leistungen systematisch als selbstverständlich oder ungenügend entwertet, diese Logik ersetzt der Film beschwingt durch einen unhintergehbaren solidarischen Optimismus.“[16]
Trotz charmanter Darstellerin und des vergnüglichen Herangehens an ein Problemthema distanzierte sich epd Film von überschwänglich lobenden US-Kritiken. Sie stellte fest, dass der nicht so tolle Film keine interesseweckenden Figuren, „also Menschen mit einem Schicksal, einer Seele, einem Gewissen - porträtiert, sondern in sattsam bekannter Sitcom-Manier Typen konstruiert. Typen, die eine komische Außenseite darbieten, an der sich ein forciertes Feuerwerk von Dialoggags abarbeiten kann [..]“ – Gags auf niedrigem Niveau.[17] Sehr ähnlich analysierte Die Presse, der Streifen sei faktisch eine auf Filmlänge gedehnte Sitcom. Er glänze auf den ersten Blick mit starken, aber oberflächlichen Dialogen und Pointen, aber es fehlen inhaltliche Substanz und Figuren mit Tiefe. Die Hauptdarstellerin agiere sehr sicher, ihr Charme sei freilich synthetisch.[10]
[Bearbeiten] Auszeichnungen
Juno wurde bei den Satellite Awards 2007 in drei Kategorien (Beste Hauptdarstellerin (Komödie), Film (Komödie), Originaldrehbuch) nominiert und gewann in allen dreien. Ellen Page gewann 2007 außerdem die Nachwuchsdarstellerpreise der Gotham Awards und des National Board of Review.
Der Film wurde für den Golden Globe 2008 in drei Kategorien nominiert, ging aber leer aus: Als Bester Film – Komödie oder Musical, Ellen Page als Beste Hauptdarstellerin – Komödie oder Musical und für Bestes Filmdrehbuch.
Bei den Independent Spirit Awards 2008 wurde der Film in vier Kategorien (Bester Film, Regie, Ellen Page als Hauptdarstellerin und Erstlingsdrehbuch) nominiert und gewann in den Kategorien Film, Regie und Hauptdarstellerin.
Im Jahr 2008 wurde der Film für vier Oscars nominiert: Als Bester Film, für Beste Regie für das Beste Originaldrehbuch und für Ellen Page als Beste Hauptdarstellerin. Letztlich gewann nur Drehbuchautorin Diablo Cody den Oscar für das beste Originaldrehbuch.
[Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Gespräche
- Mit Jason Reitman auf kino.de: „Schwerer Stoff als Komödie, das ist Kunst“
[Bearbeiten] Kritikenspiegel
Positiv
- Cinema Nr. 4/ 2008, von Ulrike Schröder, S. 42: Juno
(Hochdaumen für eine kleine Sensation) - film-dienst Nr. 6/2008, S. 54–55, fd 38618, von Michael Kohler: Juno
(packend; überzeugende Hauptdarstellerin, für Jugend erzieherisch wertvoll) - Der Spiegel, Heft 12/2008 vom 17. März 2008, S. 160, von Wolfgang Höbel: Fruchtzwerg mit Riesenklappe
(quietschlustiger Wohlfühlfilm mit Liebe zu den Figuren, sprüht vor Pointen und Ideen) - Der Tagesspiegel, 19. März 2008, S. 25, von Jan Schulz-Ojala: Ein bisschen Mutter
(witzig, ernsthaft, klischeefreie Figuren, unvorhersehbare Handlung)
Eher positiv
- taz, 19. März 2008, S. 16, von Ines Kappert: Büßen ist was für Bigotte
(realitätsfern, solides Spiel, voll Überraschungen, wider patriarchale Moral)
Eher negativ
- epd Film Nr. 3/2008, S. 44, von Rainer Gansera: Juno
(2 von 5 Sternen; nur Sitcom-Typen statt echter Figuren)
Negativ
- Die Presse, 17. März 2008, von Christoph Huber: Anstandslos aus der Abtreibungsklinik
(schlagfertige Dialoge, aber nur funktionale Figuren ohne Tiefe, keine Substanz, ideologisch konfus)
[Bearbeiten] Weblinks
- Offizielle Website
- Juno in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
- Kritiken zu Juno auf Rotten Tomatoes (englisch)
- Gesammelte Zeitungskritiken zu Juno auf Metacritic.com (englisch)
- Zusammenstellung von Pressekritiken zu Juno auf film-zeit.de (deutsch)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ FSK-Vergabe für die DVD
- ↑ Filming locations für Juno, abgerufen am 17. September 2007
- ↑ a b www.boxofficemojo.com, abgerufen am 13. Oktober 2008
- ↑ a b Box office / business for Juno, abgerufen am 13. Oktober 2008
- ↑ Premierendaten für Juno, abgerufen am 13. Oktober 2008
- ↑ http://www.billboard.com/bbcom/news/article_display.jsp?vnu_content_id=1003853385
- ↑ Filmkritik von Roger Ebert, abgerufen am 7. März 2008
- ↑ Filmkritik von Kirk Honeycutt, abgerufen am 17. September 2007
- ↑ Filmkritik von Todd McCarthy, abgerufen am 17. September 2007
- ↑ a b c Die Presse, 17. März 2008, von Christoph Huber: Anstandslos aus der Abtreibungsklinik
- ↑ a b c Der Spiegel, Heft 12/2008 vom 17. März 2008, S. 160, von Wolfgang Höbel: Fruchtzwerg mit Riesenklappe
- ↑ Filmkritik von Jan-Philipp Kohlmann, abgerufen am 9. Juni 2009
- ↑ a b Der Tagesspiegel, 19. März 2008, S. 25, von Jan Schulz-Ojala: Ein bisschen Mutter
- ↑ Cinema Nr. 4/ 2008, S. 42, von Ulrike Schröder
- ↑ film-dienst Nr. 6/2008, S. 54-55, fd 38618, von Michael Kohler
- ↑ taz, 19. März 2008, S. 16, von Ines Kappert: Büßen ist was für Bigotte
- ↑ epd Film Nr. 3/2008, S. 44, von Rainer Gansera: Juno

