Junot Díaz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Junot Díaz 2007

Junot Díaz (* 31. Dezember 1968 in Santo Domingo) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) für Kreatives Schreiben. Im Mittelpunkt von Díaz' Œuvre steht die Dualität der Erfahrungen von Immigranten. Für seinen Roman Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao erhielt er 2008 den Pulitzer-Preis, den Dayton Literary Peace Prize und den Anisfield-Wolf Book Award. Stilistisch werden viele seiner Werke dem Magischen Realismus zugeordnet.

Leben[Bearbeiten]

Díaz wurde in Villa Juana geboren, einem Stadtteil von Santo Domingo (Dominikanische Republik).[1] Er verbrachte als drittes Kind von fünf Kindern seine ersten sechs Lebensjahre bei seiner Mutter und seinen Großeltern, während sein Vater Rafael Díaz in den Vereinigten Staaten arbeitete. Im Dezember 1974 wanderte die Familie nach Parlin (New Jersey) aus, um sich dem Vater wieder anzuschließen. In New Jersey lebte die Familie weniger als eine Meile von einer Mülldeponie, die Díaz als eine der größten in New Jersey beschrieb.[2]

In New Jersey besuchte er die Grundschule „Madison Park Elementary“[3] und entwickelte such frühzeitig zu einem unersättlichen Leser, der häufig vier Meilen lief, um sich aus der lokalen Stadtbücherei Bücher auszuleihen. Sehr früh entwickelte er eine Faszination für apokalyptische Filme und Bücher, darunter besonders für die Werke von John Christopher, die britische Miniserie Am Rande der Finsternis sowie die ersten Filmserie Planet der Affen (1968-1973), die sich an der ursprünglichen Romanvorlage von Pierre Boulle orientierte. 1987 schloss er die Highschool ab.

Er begann seine Collegezeit am Kean College in Union Township, New Jersey, wechselte nach einem Jahr aber an die Rutgers University, wo sein Hauptstudienfach Anglistik war. Durch Creative-Writing-Kurse lernte er sowohl die Nobelpreisträgerin Toni Morrison als auch die Autorin Sandra Cisneros kennen, wobei letztere über einen ähnlichen Familienhintergrund wie er verfügt und die der Chicano-Literatur zugerechnet wird, die sich mit der Problematik eines bikulturellen Hintergrunds auseinandersetzt. Beide Autorinnen motivierten ihn, sich schriftstellerisch auszuprobieren. Sein College-Studium finanzierte er unter anderem durch die Auslieferung von Billardtischen, als Küchenhilfe, als Arbeiter an Tankstellen und in der Stahlindustrie. In einem Interview, in dem er sich auf seine Erfahrungen während der College-Zeit bezieht, sagte Díaz:

„Ich kann mit Sicherheit behaupten, dass ich das untere Seite der Vereinigten Staaten gesehen habe… Als Individuum mag ich eine Erfolgsgeschichte sein. Aber wenn man den Knopf nur ein bisschen zurückdreht und auf die Familie blickt, aus der ich stamme, dann würde ich behaupten, dass meine Familie eine sehr viel komplizierte Geschichte erzählt. Sie erzählt die Geschichte von zwei Kinder, die im Gefängnis sitzen. Sie erzählt eine Geschichte von ungeheurer Armut und von ungeheuren Schwierigkeiten.“[4]

In seiner Kurzgeschichtensammlung Drown ist die Abwesenheit des Vaters ein sich wiederholendes Motiv. Darin spiegelt sich Díaz' schwierige Beziehung zu seinem eigenen Vater wider, mit dem er nicht länger in Kontakt steht. Als Díaz in einem Artikel für eine Dominikanischen Zeitung die Behandlung von Haitianern durch Dominikaner kritisierte, schrieb sein Vater einen Brief an den Verleger, in dem dieser festhielt, dann solle er doch nach Haiti nach Hause gehen.[5]

Nach seinem Bachelor-Abschluss an der Rutgers University arbeitet er kurzzeitig für die Rutgers University Press als Assistent des Herausgebers. In dieser Zeit erfand Díaz für eine Kurzgeschichte, mit der er sich unter anderem zu Beginn der 1990er Jahre für ein Rasterprogramm bewarb, die semi-autobiografischen Figur Yunior. Diese Figur spielt sowohl in Drown als auch in This is How You Lose Her eine größere Rolle.[6] Diaz erläuterte später, dass es ursprünglich seine Idee gewesen sei, fünf oder sechs Romane mit Yunior als Hauptfigur zu schreiben, die letztlich ein größeres erzählerisches Werk formen würden.[6]

Seinen Master machte Díaz an der Cornell University in Ithaca, wo er den größten Teil seiner ersten Kurzgeschichtensammlung schrieb. Derzeit unterrichtet Díaz kreatives Schreiben am Massachusetts Institute of Technology.[7] Sein Lebensmittelpunkt ist New York City und Boston und ist einer der Gründer des „Voices of Our Nations Arts Writing Workshop“, der sich gezielt an farbige US-Amerikaner richtet. Díaz selbst schreibt in Englisch, auch wenn seine Muttersprache Spanisch ist.

Werk[Bearbeiten]

Seine Kurzgeschichten erschienen im The New Yorker, der ihn als einen der 20 wichtigsten Schriftsteller des 21. Jahrhunderts listet. Seine frühe Kurzgeschichtensammlung Drown gilt heute als ein wichtiges Werk zeitgenössischer Literatur; zu dieser Einordnung kam es jedoch erst als die Erscheinung seines mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichneten Romanes The Brief Wondrous Life of Oscar Wao zu einer Neubewertung seines Frühwerkes führte.[8] Nach der Ersterscheinung war die Kurzgeschichtensammlung zwar in zahlreichen Publikationen besprochen wurde, fand aber gespaltene Aufnahme.[9] Die Geschichten in Drown konzentrieren sich auf die verarmte, vaterlose Jugend des Ich-Erzählers in der Dominikanischen Republik und sein Bemühen, sich seinem neuen Leben in New Jersey anzupassen.

Im September 2007 sicherte sich Miramax die Rechte zur Verfilmung des Romans Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao. An diesem ersten Roman, der Bezüge zu Herman Melville, Franz Kafka, David Foster Wallace und Homer herstellt und der die Geschichte der Dominikanischen Republik zitiert, hat Junot Díaz elf Jahre (1996-2007) gearbeitet.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Díaz erhielt den Eugene McDermott Award 1998[10], ein Guggenheim-Stipendium, den Lila Wallace Readers Digest Award, den PEN/Malamud Award 2002, 2003 ein US-Japan Creative Artist Fellowship des National Endowment for the Arts, ein Fellowship des Radcliffe Institute for Advanced Study an der Harvard University sowie den Rom-Preis der American Academy of Arts and Letters.

Zusätzlich zum Pulitzer-Preis gewann ...Oscar Wao auch den John Sargent Sr. First Novel Prize[11], den National Book Critics Circle Award als Bester Roman 2007 [12], den Anisfield-Wolf Award [13], den Dayton Literary Peace Price for Fiction 2008 [14], den Hurston/Wright Legacy Award 2008 sowie den Massachusetts Book Prize 2008 für Belletristik[15]. Díaz gewann außerdem den M.F.K. Fisher Distinguished Writing Award der James Beard Foundation für seinen Aufsatz “He’ll Take El Alto,” der im Gourmet September 2007 erschien.[16] 2012 erhielt Díaz eine MacArthur Fellowship.

Bibliografie[Bearbeiten]

Roman
Kurzgeschichten
  • Ysrael (Story, Autumn 1995)
  • How To Date A Browngirl, Blackgirl, Whitegirl, or Halfie (The New Yorker, December 25, 1995)
  • Drown. (EV: Riverhead, New York 1996) Faber & Faber, London 2008 ISBN 0-571244971
  • Fiesta 1980 (Story, Winter 1996)
  • The Sun, The Moon, The Stars (The New Yorker, February 2, 1998)
  • Otravida, Otravez (The New Yorker, June, 21, 1999)
  • Flaca (Story, Autumn 1999)
  • Nilda (The New Yorker, October 4, 1999)
  • The Brief Wondrous Life of Oscar Wao (The New Yorker, December 25, 2000)
  • Wildwood (The New Yorker, November 18, 2007)
  • Alma (The New Yorker, December 24, 2007)
  • Und so verlierst du sie. Aus dem Englischen von Eva Kemper, Fischer, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-10-013922-1.
Essays
  • Homecoming, with Turtle (The New Yorker, June 14, 2004)
  • He'll Take El Alto (Gourmet, September, 2007)
  • Summer Love, Overheated (GQ, August, 2008)

Literatur[Bearbeiten]

  • Contreras Jaime Perales und Tovar Wendolyn Lozano: Two Pulitzer Prize (Junot Diaz and Oscar Hijuelos) Talk to Literal Magazine. Latin American Voices. Winter 2008–2009.
  • Evelyn Nien-Ming Ch'ien: The Exploding Planet of Junot Diaz in Granta online.
  • Evelyn Nien-Ming Ch'ien: The Shit That's Other: Junot Diaz. In: Weird English. Harvard University Press, Cambridge, MA 2004.
  • Raphael Dalleo und Elena Machado Sáez: Moving On Up and Out: Lowercase Latino/a Realism in the Work of Junot Díaz and Angie Cruz. In: The Latino/a Canon and the Emergence of Post-Sixties Literature. Palgrave Macmillan, New York 2007.
  • John Robert Lennon: Writers at Cornell: Interview with Junot Díaz. 22. Februar 2007.
  • Lucia Suarez: The tears of Hispaniola. Haitian and Dominican diaspora memory. University Press of Florida, Gainesville 2006.
  • Junot Díaz: Writer, Tigre, Ghetto Nerd, College Professor. In: Lucero 14, 2003; interview.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Jacquelyn Loss, "Junot Díaz." in Alan West-Durán (Hrsg): Latino and Latina Writers Detroit: Charles Scribner's Sons, 2003. S. 803-S. 816.
  2. The Brief Wondrous Life of Junot Diaz... So Far. In: Splash of Red. 30. November 2009. Abgerufen am 17. Februar 2014.
  3. Adriana V. López: The Importance of Being Junot—A Pulitzer, Spanglish, and Oscar Wao. In: Criticas Magazine. 1. November 2008. Archiviert vom Original am 3. März 2010. Abgerufen am 11. Februar 2014.
  4. Hao Ying: Writing wrongs. In: Global Times. 14. April 2010. Abgerufen am 17. Februar 2014.. Im Original lautet das Zitat "I can safely say I've seen the US from the bottom up...I may be a success story as an individual. But if you adjust the knob and just take it back one setting to the family unit, I would say my family tells a much more complicated story. It tells the story of two kids in prison. It tells the story of enormous poverty, of tremendous difficulty."
  5. "Guest DJ: Pulitzer Prize-Winning Author Junot Diaz", by Jasmine Garsd, September 6, 2012. NPR music Alt Latino. 6. September 2012. Abgerufen am 17. Februar 2013.
  6. a b Interview: Junot Díaz Talks Dying Art, the Line Between Fact and Fiction, and What Scares Him Most. Complex. 17. Dezember 2012. Abgerufen am 17. Februar 2014.
  7. MIT, Writing and Humanistic Studies. Retrieved February 23, 2012. Writing.mit.edu. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  8. Michiko Kakutani: Travails of an Outcast, The New York Times. 4. September 2007. Abgerufen am 17. Februar 2014. 
  9. David Gates: From A Sunny Mordor to The Garden State: Junot Díaz's first novel is worth all the waiting, Newsweek. 10. September 2007. Abgerufen am 17. Februar 2014. 
  10. http://arts.mit.edu/mcdermott/past-recipients/
  11. http://www.mercantilelibrary.org/awards/sargent.php
  12. Junot Diaz wins big award for 'Oscar Wao', CNN. 7. April 2008. Abgerufen am 8. April 2008. 
  13. en:Anisfield-Wolf_Book_Awards
  14. http://www.daytondailynews.com/e/content/oh/story/entertainment/2008/09/04/ddn090408peaceprizeweb.html
  15. http://www.massbook.org/pastwinners.html
  16. http://www.gourmet.com/services/presscenter/pressreleases/awards