Jurij Bojko

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Jurij Bojko im Juni 2012
Kyrillisch (Ukrainisch)
Юрій Анатолійович Бойко
Transkr.: Jurij Anatolijowytsch Boiko
Kyrillisch (Russisch)
Юрий Анатольевич Бойко
Transl.: Jurij Anatol'evič Bojko
Transkr.: Juri Anatoljewitsch Boiko

Jurij Anatolijowytsch Bojko (ukrainisch Юрій Анатолійович Бойко; russisch Юрий Анатольевич Бойко; * 9. Oktober 1958 in Gorlowka) ist ein ukrainischer Politiker. Er war vom 24. Dezember 2012 bis zum 27. Februar 2014 Stellvertretender Ministerpräsident der Ukraine im Kabinett von Mykola Asarow.

Leben[Bearbeiten]

Bojko absolvierte in den 1980er Jahren zunächst ein Studium zum Chemieingenieur und erlangte später einen Bachelor-Abschluss in Ökonomie. Nachdem er in den 1990er Jahren Raffinerien und chemische Betriebe in der Ostukraine geleitet hatte, wurde er zu Beginn des Jahres 2002 zum Direktor des Staatsunternehmens Naftohas sowie gleichzeitig zum Staatssekretär ernannt. Im Jahr 2003 ernannte ihn der damalige Premierminister Wiktor Janukowytsch zum Stellvertretenden Minister für Brennstoff und Energiewirtschaft.

In dieser Funktion trug Bojko mit dazu bei, das Unternehmen RosUkrEnergo als Zwischenhändler für die Erdgaslieferungen zu etablieren, welche die Ukraine aus Russland und zentralasiatischen Ländern erhält[1]. Seitdem gilt er als eine Schlüsselfigur der lukrativen wie auch politisch stets heiklen Erdgasgeschäfte zwischen der Ukraine und Russland.[2] Bojko gilt auch als ein enger Vertrauter des Unternehmers Dmytro Firtasch dem 45 % der Anteile von RosUkrEnergo gehören.

Nach der Orangen Revolution wurde Bojko Anfang des Jahres 2005 aus seinem Amt entlassen. Im August 2006 wurde er, vom nun erneut ins Amt des Ministerpräsidenten berufenen Janukowytsch, zum Minister für Brennstoff und Energiewirtschaft ernannt. Bojko gelang es in dieser Funktion im Herbst 2007 mit Russland eine Vereinbarung über die Sicherstellung der Erdgaslieferungen an die Ukraine zu erzielen[3].

Bei den Parlamentswahlen 2007 wurde Bojko in die Werchowna Rada gewählt. Im Dezember 2007 verlor er zunächst sein Ministeramt. Nach dem Wahlsieg von Janukowytsch bei den Präsidentschaftswahlen 2010 wurde er am 11. März 2010 dann erneut zum Minister für Brennstoffe und Energiewirtschaft ernannt. Bei der Umbildung des Kabinetts nach den Parlamentswahlen 2012 im Dezember 2012 erlangte Bojko das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Er galt als enger Vertrauter von Janukowytsch und von Dmytro Firtasch.[4]

Anfang April 2014 wurde Jurij Bojko zusammen mit Sergei Tigipko und Oleg Zarjow aus der Partei der Regionen ausgeschlossen.[5] Bei der ukrainischen Präsidentschaftswahl im Mai 2014 trat er als unabhängiger Kandidat an und erreichte 0,19% der Stimmen.[6] Bei der ukrainischen Parlamentswahl im Oktober 2014 wurde er an der Spitze des Oppositionsblocks erneut ins Parlament gewählt.[7] [8]

Anfang 2015 schlug Jurij Bojko als Führer des Oppositionsblocks die Stationierung von UN-Friedenstruppen in den separatistischen Gebieten der Ostukraine (DNR/LNR) vor, um dort die Waffenruhe zu gewährleisten und den Frieden zu sichern.[9] Boiko warf Anfang Februar 2015 den herrschenden Kräften in der Ukraine vor, gar kein Interesse an einer friedlichen Lösung des Konflikts in der Ostukraine zu haben. Stattdessen würde versucht, diejenigen, die sich für eine friedliche Lösung einsetzten, mundtot zu machen.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Bojko erhielt im Mai 2003 den ukrainischen Verdienstorden dritter Klasse. Im August 2004 erhielt er den Orden Held der Ukraine[11], die höchste Auszeichnung des Landes.

Privates[Bearbeiten]

Juri Bojko ist verheiratet und hat seine Frau Wera bereits in der Jugend kennengelernt. Sie gingen beide in die gleiche Schulklasse. Die beiden haben gemeinsam drei Söhne und drei Töchter. Juri Bojko spielt seit seiner Kindheit Geige.[12][13]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,601825,00.html
  2. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ukraine-die-seilschaft-zog-die-faeden-an-beiden-enden-1606031.html
  3. http://www.tagesspiegel.de/politik/international/russland-und-ukraine-legen-gasstreit-bei/1064916.html
  4. Alle Macht der „Familie“ – der von Präsident Janukowitsch! Die Presse vom 14. April 2013
  5. Ukraine's Party of Regions expels presidential hopefuls Tigipko, Tsariov and Boiko, interfax.com.ua, 7. April 2014
  6. Offizielles Wahlergebnis auf der Webseite der Zentralen Wahlkommission der Ukraine
  7. Opposition Bloc outperforms forecasts, expected to be fourth largest party, kyivpost.com, 27. Oktober 2014
  8. "The Opposition bloc" told about taking 10% of the votes in parliamentary elections, rin.ru, 27. Oktober 2014
  9. The ‘Junta’ strikes back, unian.info, 29.01.2015
  10. Юрий Бойко: Власть пытается закрыть рот всем, кто против войны на Донбассе, vesti-ukr.com, 3. Februar 2015
  11. http://www.president.gov.ua/documents/1924.html
  12. История любви Юрия Бойко: Семья со студенческих лет, ivona.bigmir.net, 6. Mai 2014
  13. Юрій Бойко. Біографія, novynar.com.ua. Webseite am 2. April 2012 von archive.org archiviert.