Justizvollzugsanstalt Bochum

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Justizvollzugsanstalt Bochum
Außenanlagen
Justizvollzugsanstalts-Information
Name Justizvollzugsanstalt Bochum
Bezugsjahr 1897
Haftplätze 861
Mitarbeiter ca. 400[1]
Anstaltsleitung Thomas König[2]
Außenanlagen

Die JVA Bochum, auch Krümmede genannt, ist eine Haftanstalt für erwachsene männliche Gefangene in der Stadt Bochum. Die JVA Bochum hat eine Kapazität von über 861 Haftplätzen, eingeschlossen sind 39 Plätze in der Pflegeabteilung, 26 Plätze in der Drogenabstinenzabteilung und 15 Plätze in der sozialtherapeutischen Abteilung.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Vor dem Hintergrund der Preußischen Strafrechtsreform (1871) wurde das Gefängnis bzw. Zuchthaus als Königlich Preußisches Centralgefängnis mit einer Kapazität für etwa 800 männliche und zu einem kleineren Teil für weibliche Gefangene in den Jahren 1892 bis 1897 auf der ehemaligen Vöde von Bochum errichtet.[4]

Die Anlage wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Nach Kriegsende bis 1947 stand das Gefängnis unter Leitung eines englischen Offiziers. Die Anstalt hieß zu diesem Zeitpunkt Strafgefängnis und Untersuchungshaftanstalt Bochum. Seit 1969 heißt das Gefängnis Justizvollzugsanstalt Bochum.[3]

Die JVA Bochum wurde im Jahr 2009 um einen Anbau mit 102 Plätzen erweitert.[3] Der Erweiterungsbau an der Stelle des früheren, abgerissenen Frauenkrankenhauses in Bochum ergänzt den sternförmigen Bau aus dem 19. Jahrhundert mit einem modernen Stahlbetongebäude. Das neue Hafthaus, mit vorwiegend Einzelzellen und Räumen zur medizinischen Versorgung, ersetzt die baufällige Zweiganstalt in Recklinghausen. Im Frühjahr 2010 konnte eine weitere Arbeitshalle in Betrieb genommen werden. Das gesamte Erweiterungsprojekt kostete ca 17,5 Millionen Euro.

Zuständigkeit[Bearbeiten]

Die JVA Bochum ist Zuständig für die Vollstreckung von:

Die Zuständigkeiten der Justizvollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen sind im Vollstreckungsplan des Landes NRW geregelt (AV d. JM v. 16. September 2003 – 4431 – IV B. 28 -).[6]

In den Medien[Bearbeiten]

Im Januar 2011 entkam ein 26-jähriger Libanese, der sich wegen des Verdachts des schweren Raubes in U-Haft befand. Der U-Häftling war durch eine Dachluke auf das Dach eines Hafthauses geklettert und dann sechs Meter tief auf das Flachdach eines weiteren Gebäudes gesprungen. Von dort aus sprang er rund fünf Meter tief in die Freiheit und floh über einen Bürgersteig.[7]

Am 16. Januar 2012 konnte ein zu lebenslanger Haft verurteilter Gewaltverbrecher seine Haftraumgitter durchsägen und versuchte zu fliehen. Da dies momentan nicht gelang, versteckte er sich auf dem Dachboden des Kirchenraumes, wo er auf die kommende Nacht warten wollte. Dort wurde er jedoch von einem Suchhund aufgespürt. Er hatte mehrere Metallsägeblätter, ein Mobiltelefon sowie einen selbstgefertigten, funktionsfähigen Durchgangsschlüssel bei sich.[8]

Nur 13 Tage später entkam ein polnischer Häftling, indem er ein Panzerglasfenster aus der Halterung entfernte und über das Dach flüchtete. Am 17. Februar 2012 flüchtete ein 31-jähriger Häftling, der nach einer Kopfverletzung in einem Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses behandelt wurde.[9]

Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty suspendierte daraufhin den Leiter der Haftanstalt Friedhelm Ritter von Meißner und ersetzte ihn durch Uwe Nelle-Cornelsen. Kutschaty sagte, Herr von Meißner habe dem Ministerium unzutreffend, unvollständig und zum Teil sogar irreführend über die Flucht von Strafgefangenen berichtet, zudem habe er bei der Beaufsichtigung der Gefangenen gegen elementare Regeln verstoßen.[10]

Bei einer anschließenden Überprüfung des Gefängnisses wurden mehr als 100 sicherheitsrelevante Mängel festgestellt, deren Behebung etwa 70 Millionen Euro kosten würde. Diese Summe soll bis 2015 investiert werden.[11]

Im Juni 2013 entkam ein 25-jähriger Niederländer, der sich wegen des Verdachts des bandenmäßigen Diebstahls in U-Haft befand. Der junge Mann hatte sich mit privater Kleidung einer Besuchergruppe angeschlossen und mit einer entwendeten Besuchermarke unbehelligt die JVA verlassen. Der Sprecher des Landesjustizministeriums Detlef Feige, nannte die Flucht mit Besuchermarke als bislang einmalig in Nordrhein-Westfalen. Die CDU-Opposition im Landtag sprach von einem unglaublich peinlichen Vorgang.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.jva-bochum.nrw.de/aufgaben/index.php
  2. Bekanntmachung zum 18.12.2012 (PDF; 412 kB)
  3. a b c http://www.jva-bochum.nrw.de/wir_ueber_uns/geschichtlicher_rueckblick/Anstaltshistorie_Teil_3/index.php
  4. http://www.jva-bochum.nrw.de/wir_ueber_uns/geschichtlicher_rueckblick/index.php
  5. http://www.datenbanken.justiz.nrw.de/pls/jmi/vp_zweck
  6. Vollstreckungsplan für das Land NRW, (AV d. JM v. 16. September 2003-4431-IV B. 28-) (PDF; 1,3 MB)
  7. http://www.derwesten.de/panorama/blaulicht/u-haeftling-flieht-aus-der-jva-in-bochum-id4191418.html
  8. http://www.derwesten.de/staedte/bochum/geflohener-verbrecher-aus-jva-bochum-ist-gefasst-id6250697.html
  9. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/ausbruchsserie-in-jva-bochum-direkt-aus-der-anstalt-a-812259.html
  10. Ruhrnachrichten.de vom 29. März 2012
  11. http://www.rp-online.de/regionales/regionale-nachrichten/in-der-jva-bochum-bringen-friseure-die-drogen-1.2825280
  12. Häftling flieht mit Besuchermarke aus JVA Bochum

51.4888888888897.2397222222222Koordinaten: 51° 29′ 20″ N, 7° 14′ 23″ O