Justus Dahinden

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Justus Dahinden (* 18. Mai 1925 in Zürich) ist ein Schweizer Architekt, emeritierter Professor der Technischen Universität Wien und einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsarchitektur in der Schweiz.

Leben[Bearbeiten]

Kirche St. Paulus, Dielsdorf (1960–1962)
Ferrohaus in Zürich (1970)
Universitätsbibliothek der Technischen Universität Wien (1984)
Migros OM Supermarkt in Bern-Ostermundigen (1987)
Wohnpark Binzmühle Zürich (2005)

Justus Dahinden, 1925 in Zürich geboren, studierte 1945 bis 1949 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Architektur, wie auch seinerzeit Max Frisch und Alberto Camenzind, bei Prof. William Dunkel. Seit 1955 hat Dahinden ein eigenes Atelier in Zürich. 1956 wird er mit seiner Arbeit Standortbestimmung zur Gegenwartsarchitektur an der ETH promoviert. 1974 erhielt er einen Ruf als Ordinarius für Raumgestaltung und Entwerfen an die TU Wien. Er wird gleichzeitig Vorstand des Institutes für Raumgestaltung und Entwerfen an der Technischen Universität Wien.

Justus Dahinden ist Mitglied und Ehrenmitglied verschiedener internationaler Organisationen und Vereinigungen, wie beispielsweise der „Groupe International d'Architecture Prospective“ (GIAP) in Paris, der SIAC „Société Internationale d’Artistes Chrétiens“, des „Colegio De Arquitectos Del Estado De Jalisco AC“ in Mexico, und ist mit diesen Gremien bekannt geworden. Internationale Beachtung fand das 1984 durchgeführte „Internationales Architektur Symposium ‚Mensch und Raum‘“ an der TU Wien, an dem beispielsweise Bruno Zevi, Dennis Sharp, Pierre Vago, Jorge Glusberg, Otto Kapfinger, Frei Otto, Paolo Soleri, Ernst Gisel, Ionel Schein und andere teilnahmen.

Justus Dahinden ist im Jahre 1995 emeritiert, gleichwohl noch Leiter der Forschungseinheit Mensch und Raum an der TU Wien. Über sein Wirken an der TU Wien hinaus war und ist Justus Dahinden an verschiedenen Hochschulen und Universitäten in aller Welt als Lehrkörper gefragt, wie als Professor an der Universidad de Buenos Aires, und der International Academy of Architecture (IAA) in Sofia / Bulgarien. 2009 wurde sein Büro als neues „IAA Center Zürich“ initiiert, um die International Academy of Architecture weltweit zu unterstützen.

Wirken[Bearbeiten]

Neben gesellschaftsrelevanten Projekten erforscht Justus Dahinden theoretische Grundlagen aufbauend auf gestaltpsychologischen und philosophischen Erwägungen, verschiedenen Grundbegriffen wie dem „Gesetz der Drei“ (Synthese von Struktur, Gestalt und Geist), der Idee des „Kontextualismus in der Architektur“ (Einheit zwischen Bauwelt, Natur und Mensch) oder der „Philosophie der Schräge“.[1] Die Integration ökologischer (biogenetischer) Aspekte, in architektonische „Archetypen“, ist Grundlage seiner Architekturentwürfe, beispielsweise in seinen Stadthügelprojekten. Dahinden hat sich darüber hinaus intensiv mit Archigram und den Metabolisten auseinandergesetzt.

Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, Forschungsarbeiten und Aufsätze über Architekturtheorie und Technologie; in seinem 2005 erschienenen Buch „Mensch und Raum“ hat er die Begegnung des Menschen mit dem Raum zusammengefasst. Für seine Bauten und Entwürfe erhielt er zahlreiche internationale Anerkennungen sowie Preise in nationalen und internationalen Wettbewerben. 1981 wurde ihm der Grand Prix d'Architecture verliehen.

Wichtige Bauten und Projekte (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1960–1962 Kirche St. Paulus (Dielsdorf), Schweiz
  • 1963–1965 Kirche Maria Krönung (Zürich-Witikon), Schweiz
  • 1964 Feriendorf Pro Juventute 'Bosco della Bella', Fornasette, Gemeinde Monteggio (TI)
  • 1964-1965 Katholische Kirche Herz Jesu in Buchs SG, Schweiz
  • 1969 Trigon-Dorf im Doldertal Zürich, Schweiz[2]
  • 1969 Restaurants im Swiss Centre, London
  • 1970-2005 über 30 Kirchenbauten in Afrika, Taiwan, Deutschland, Italien, Schweiz
  • 1970 Pfarrkirche St. Antonius in Wildegg, Schweiz
  • 1972 Kathedrale Mityana Pilgrims’ Shrine in Mityana, Uganda
  • 1973 Kathedrale The Uganda Martyrs Namugongo Shrine in Namugongo, Uganda[3]
  • 1970 Ferrohaus Zürich (heute: Klinik Pyramide am See, Zürich)[4] [5]
  • 1971 Restaurant Tantris in München, Deutschland[6] [7]
  • 1973 Schwabylon in München, Deutschland[8]
  • 1974 Pfarrei Bruder Klaus / Mehrzweck-Kirche in Spiez, Schweiz (seit 1994 unter Denkmalschutz)
  • 1976 La chiesa di San Giuseppe in Monza, Italien
  • 1979 Pfarrkirche St. Jakobus mit Pfarrzentrum, Pfarrhaus und städtischem Gemeinschaftshaus, Limburg-Lindenholzhausen, Deutschland.
  • 1980 Feriendorf Twannberg, Schweiz (Grand Prix d’Architecture 1981)
  • 1982 Stierenhaus in Witikon, Schweiz (Die Skulpturen stammen vom Schweizer Künstler Bruno Weber)
  • 1983 Parkhotel Bad Mergentheim, Deutschland
  • 1984 Freizeitzentrum Tel Aviv, Israel
  • 1984 Universitätsbibliothek der Technischen Universität Wien (zusammen mit Gieselmann, Marchart, Moebius & Partner)
  • 1985 Kettenhaussiedlung „Gass“ in Gaggenau, Deutschland (zusammen mit Guido Krucker)
  • 1987 Migros OM Zentrum Ostermundigen, Schweiz (zusammen mit Ivo Dahinden, Christoph Wagener)
  • 1987 Gymnasium Derksen in München, Deutschland (zusammen mit Guido Krucker, Christoph Wagener)
  • 1989 Pier Pile Project New York, USA (zusammen mit Christoph Wagener)
  • 1992 La chiesa San Maximilian Kolbe in Varese, Italien (zusammen mit Ihab Morgan)
  • 2002 Basilika in St. Petersburg, Russland (zusammen mit Rudolf Plech)
  • 2003 Heilige Franziskus Kirche und Minoriten-Kloster, Bratislava (in Kooperation mit STUDIO FOR); Nominierung für den Mies van der Rohe Award for European Architecture 2003[9] [9] [10]
  • 2005 Binzmühle in Zürich, Schweiz (zusammen mit Ivo Dahinden)
  • 2005 „aquabasilea“ (Erlebniswelt Raurica Nova), Schweiz (zusammen mit Ivo Dahinden)[11]
  • 2007 Umbau Grand Hotel Kronenhof in Pontresina (zusammen mit Ivo Dahinden)

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1973 Ehrenmitgliedschaft/ Honorary Member of the AIA American Institute of Architects
  • 1981 Grand Prix d'Architecture 1981, CEA Cercle d'Ètudes Architecturales, Paris
  • 1981 INTERARCH 81, Weltbiennale der Architektur, Sofia, Auszeichnung und Preis der Stadt Nantes für Wohnbauten im Iran
  • 1983 INTERARCH 83, Weltbiennale der Architektur, Wettbewerb HUMA 2000, Sofia, Auszeichnung und Preis des nationalen Friedenskomitees für Stadthügelprojekte
  • 1985 INTERARCH 85, Weltbiennale für Architektur, Sofia, Auszeichnung für eigene Projekte und Realisierungen
  • 1985 Professor honoris causa der Fakultät für Architektur und Städtebau der Universität von Buenos Aires, der FAU - Facultad de Arquitectura y Urbanismo, Universidad de Buenos Aires
  • 1989 Professor honoris causa der „Scuola de Altos Estudios del CAYC“, Centro de Arte y Comunicación (CAYC) in Buenos Aires
  • 1989 INTERARCH 89, Weltbiennale für Architektur, Sofia, Auszeichnung für Monographie „Justus Dahinden-Architektur-Architecture“
  • 1995 Ehrendoktorwürde der Georgischen Technischen Universität in Tiflis
  • 1996 Ehrendoktorwürde der Slowakischen Technischen Universität in Bratislava
  • 2003 Nominierung für den Mies van der Rohe Award for European Architecture (Heilige Franziskus Kirche und Minoriten-Kloster in Bratislava; in Kooperation mit STUDIO FOR)

Wichtige Ausstellungen[Bearbeiten]

Gruppenausstellungen[Bearbeiten]

Paris (1967), Salzburg/München (1968), Moskau/London/St. Louis (1969), New York/Lyon (1973), Zürich (1974), Warschau (1975), Lausanne (1976), Moskau/ETH Zürich (1978), Museum of Modern Art New York MOMA (1979), Paris/ USA (1981), Mailand/Sofia/Tokio (1985), Buenos Aires (1986/1989), São Paulo/Belo Horizonte (1987), Rom/Moskau/Tiflis (1988), Bratislava, Prag (1991)

„The Fifty World’s Leading Architects“[Bearbeiten]

Architektur-Triennale Belgrad (1985)

Wanderausstellung eigener Werke[Bearbeiten]

1981 bis 1987 Paris, USA, Mailand, Sofia, Tokio, Buenos Aires, São Paulo, Belo Horizonte, Rom

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1956 „Standortbestimmung der Gegenwartsarchitektur“ Verlag Girsberger Zürich, ISBN B0000BHA3M
  • 1966 „Bauen für die Kirche in der Welt“, Echter-Verlag Zürich, ISBN B0000BQFM1
  • 1971 „Stadtstrukturen für morgen“ Verlag Gerd Hatje Stuttgart, ISBN 3775700110
  • 1971 „Construire pour l’Eglise dans le monde“ Verlag St. Paul Fribourg,
  • 1972 „Urban Structures for the Future“ Pall Mall Press, New York
  • 1973 „Denken-Fühlen-Handeln“ Monographie, Verlag Karl Krämer, Stuttgart und A. Kraft, Lausanne, ISBN 3782814231
  • 1973 „Neue Restaurants“ mit Günther Kühne, Verlag Callwey, München, ISBN 3766702920
  • 1974 „Akro-Polis. Frei-Zeit-Stadt / Leisure City“ Verlag Karl Krämer, Bern und Stuttgart, ISBN 378281018X
  • 1974 „Kunst und Kirche“ Kunstverlag Linz
  • 1987 „Architektur in Deutschland '87/ Deutscher Architekturpreis 1987“ mit Christian Norberg-Schulz und Jürgen Joedicke, Verlag Karl Krämer, Stuttgart, ISBN 3782814967
  • 1988 „Justus Dahinden - Architektur - Architecture“ Monographie, Verlag Karl Krämer, Stuttgart, ISBN 3782816013
  • 1991 „M… anders /autrement /different. Migros-Zentrum Ostermundigen“ Verlag Karl Krämer, Stuttgart, ISBN 3782816080
  • 1996: Bruno Webers phantastische Welt: von der Harmonie zwischen Phantasie und Natur; der Weinrebenpark als Gesamtkunstwerk, Weitbrecht, Stuttgart / Wien / Bern 1996, ISBN 3-522-72185-3 / ISBN 3-522-72155-1.
  • 2005 „Mensch und Raum - Man and Space“, ETH-Bibliothek Zürich (Hrsg.), Verlag Karl Krämer Stuttgart, ISBN 3782816145

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Emmanuel Muriel: „Contemporary Architects“, St. Martin's Press New York, 1980, ISBN 0312166354
  • Isabelle Rucki, Dorothea Huber: „Architektenlexikon der Schweiz 19./20. Jahrhundert“, Birkhäuser Verlag 1998, ISBN 3764352612
  • Kaye Geipel: „Architekten. Justus Dahinden.“, IRB Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3816726860
  • IRB-Literaturdokumentation: „Architekten – Justus Dahinden“, Fraunhofer IRB Verlag Stuttgart 2005, ISBN 3816726860

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Justus Dahinden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Schräger wohnen. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1989, S. 218–223a (online).
  2. Luftaufnahme Trigon-Dorf im Doldertal Zürich
  3. „About Namugongo Shrine and Parish“, Uganda Martyrs Namugongo Shrine
  4. „Diese Liebe rostet nicht“, Die Zeit, Ausgabe Nr. 20, 13. Mai 1994
  5. Ralph Hofbauer: „Das Dolder Grand unter Zürichs Spitälern“, Tagesanzeiger, 25. September 2009
  6. „Aufregende Restaurants in Deutschland: Tantris München“, Die Welt, 20. April 2008
  7. „Orgien in grellem Orange“, Die Tageszeitung, 12. November 2005
  8. „Schwabylon - Hommage an Justus Dahinden“, Bayerische Architektenkammer, Dezember 2005
  9. a b Eintrag auf Mies-Arch, 3. August 2009
  10. „S. Francesco D'Assisi a Bratislava“, Chiesa Oggi 63, eingesehen am 3. August 2009
  11. „Grundsteinlegung: aquabasilea“, 27. November 2007