Jutta Hoffmann

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Jutta Hoffmann, 1971

Jutta Hoffmann (* 3. März 1941 in Halle an der Saale) ist eine deutsche Schauspielerin. Sie gehörte in den 1970er Jahren zu den bekanntesten Schauspielerinnen der DDR.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Abitur studierte sie 1959 bis 1962 an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg. Bereits 1960 erhielt sie ihre erste Filmrolle im DEFA-Film Das Rabauken-Kabarett und debütierte auch als Theaterschauspielerin in Und das am Heiligabend am Berliner Maxim-Gorki-Theater, dem sie bis 1973 angehörte.

Sie spielte bei Ruth Berghaus, Robert Wilson, Luc Bondy, Thomas Langhoff und Peter Zadek. Vor allem aber hat Einar Schleef sie geprägt. 1975 war sie bei ihm Strindbergs Fräulein Julie am Berliner Ensemble in der Skandalinszenierung, die den Unwillen der SED-Kulturbürokraten hervorrief und prompt abgesetzt werden musste. «Das Verrückteste, was im Berliner Ensemble je über die Bühne ging», schrieb Theater heute. In Schleefs spektakulärer Inszenierung Verratenes Volk spielte Hoffmann 1995 die Rosa Luxemburg und stand in Herr Puntila und sein Knecht Matti (1996) am Berliner Ensemble auf der Bühne.

Anfang der 1980er Jahre verließ sie die DDR und stand in der Bundesrepublik unter anderem im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg auf der Theaterbühne. Vor allem ihre Arbeiten mit Peter Zadek machten sie dem westdeutschen Theaterpublikum bekannt. Nachdem Luc Bondy sie schon 1978 in Anton Tschechows Platonow besetzte, spielte sie bei den in Salzburger Festspielen in Dieter Dorns Inszenierung von Goethes Torquato Tasso die Leonore d’Este. Danach spielte sie regelmäßig an den Münchner Kammerspielen, in Peter Weiss' Der neue Prozeß oder die Helma in Der Park von Botho Strauß (jeweils Regie Dieter Dorn). Der Regisseur Thomas Langhoff engagierter Hoffmann für seinen Fernsehfilm Hedda Gabler (1979/80). An der Seite von Jutta Wachowiak und Michael Gwisdek spielte sie 1982 auch in Langhoffs eigenwilligen TV-Verfilmung von Goethes Stella – ein Stück, das sie im Jahr zuvor am Theater im Palast gespielt hatte.


Ihre größten Erfolge feierte sie am Theater mit Peter Zadek wie bei Lorcas Yerma (für die sie von der Zeitschrift Theater heute zur „Schauspielerin des Jahres“ gekürt wurde). Sie war die sprachgestörte Gräfin Geschwitz in Zadeks legendärer Inszenierung von Wedekinds Lulu mit Susanne Lothar, Die Herzogin von Malfi an der Seite von Gert Voss und die Mutter von Uwe Bohm im Musical Andi. Bei den Wiener Festwochen spielte sie 1995 Adolf Hitler und die Ehefrau von Hans Frank in Joshua Sobols Der Vater in der Inszenierung von Paulus Manker und 2012 bis 2014 Alma Mahler-Werfel in Mankers Inszenierung von Joshua Sobols "Alma - A Show Biz ans Ende" in Wien.

In Spiel- und Fernsehfilmen beeindruckte Jutta Hoffmann wiederholt durch ihre Ausdrucksfähigkeit. Auf der Leinwand hatte Hoffmann in der DDR in Egon Günthers Film Lotte in Weimar an der Seite von Lilli Palmer oder in der Arnold Zweig-Verfilmung Junge Frau von 1914 ebenso Erfolge wie als Lämmchen in der Fernsehverfilmung von Hans Falladas Kleiner Mann – was nun?. Mit Egon Günthers Kinofilm Der Dritte (1972), der auf den Filmfestivals in Karlovy Vary und auf dem Filmfest in Venedig (Darstellerpreis der FIPRESCI-Jury als Beste Schauspielerin) ausgezeichnet wurde, erlangte sie internationalen Ruhm und konnte bei der Biennale den FIPRESCI-Preis als „Beste Schauspielerin“ für die Darstellung der Margit Flieser entgegennehmen; die DDR ehrte ihre Künstlerin mit dem „Nationalpreis“. Im selben Jahr erhielt Hoffmann den Deutschen Kritikerpreis. Eine weitere Zusammenarbeit mit Egon Günther war der Film Die Schlüssel (1972), der wegen der heiklen Thematik mit einem Aufführungsverbot belegt wurde. Die Ausgrenzung aus dem parteitreuen DDR-Kunstbetrieb spiegelt sich in Filmen wie Herrmann Zschoches Karla, der 1965 verboten wurde oder später Das Versteck mit Manfred Krug (1977).

Von 1993 bis 2006 arbeitete sie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg als Professorin für darstellende Kunst. Während dieser Zeit unterrichtete sie unter anderem Marie Bäumer, Bibiana Beglau und Marc Hosemann.

2005 wurde Hoffmann von der DEFA-Stiftung für ihre Verdienste um den deutschen Film geehrt. Aus Anlass ihres 70. Geburtstages widmete ihr das Filmmuseum Potsdam eine Ausstellung. Seit 12. April 2011 hat Jutta Hoffmann einen Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin.

Jutta Hoffmann war in erster Ehe mit dem Regisseur Herrmann Zschoche und ist jetzt mit dem österreichischen Schauspieler und Regisseur Nikolaus Haenel verheiratet. Sie lebt in Potsdam und hat zwei Kinder.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1979: Die Rache des Kapitäns Mitchell (Fernsehen)
  • 1979: Blauvogel
  • 1980: Hedda Gabler (Fernsehen)
  • 1982: Stella (Fernsehen)
  • 1982: Das Graupenschloß (Fernsehen)
  • 1983: Die Zeit der Einsamkeit (Fernsehen)
  • 1985: Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit
  • 1990: Ach, Boris …
  • 1991: Lulu (Fernsehen)
  • 1993: Motzki (Fernsehserie)
  • 1995: Liebestod (Fernsehserie Bella Block)
  • 1997: Bandits
  • 1999: Mörderkind (Fernsehserie Polizeiruf 110)
  • 2001: Angst (Fernsehserie Polizeiruf 110)
  • 2001: Bei Klingelzeichen Mord (Fernsehserie Polizeiruf 110)
  • 2002: Wandas letzter Gang (Fernsehserie Polizeiruf 110)
  • 2003: Der alte Affe Angst
  • 2007: An die Grenze (Fernsehen)

Hörspiele und Feature[Bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Hoffmanns Star auf dem Boulevard der Stars (2011)
  • Silberner Löwe als „Beste Darstellerin“ bei den Filmfestspielen Venedig (für Der Dritte) (1972)
  • Nationalpreis der DDR 1972
  • Deutscher Kritikerpreis des Verbandes der deutschen Kritiker (1972)
  • Kritikerpreis der Berliner Zeitung für Minna von Barnhelm am Maxim-Gorki-Theater (1972)
  • DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres (1973)
  • Schauspielerin des Jahres für Yerma an den Münchner Kammerspielen (1984)
  • Beste Schauspielerin der DDR (von 21 Kritikern aus Ost und West in einem Rückblick der Zeitschrift Film und Fernsehen auf die DEFA) (1992)
  • Nominierung zum Deutschen Filmpreis (für Bandits) (1998)
  • Caroline-Neuber-Preis der Stadt Leipzig (1998)
  • Kritikerpreis der Berliner Zeitung für Rosa Luxemburg in Verratenes Volk (2000)
  • Preis der DEFA-Stiftung für Verdienste um den deutschen Film (2005)
  • Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin (2011)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jutta Hoffmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jochen Hieber: Ausflüge in die Anarchie. Hörbuch des Monats April: Brigitte Reimanns Tagebücher, FAZ vom 10. April 2000, S. 57
  2. Martin Z. Schröder: Ein Diamant. - Jutta Hoffmann liest "Kleiner Mann - was nun?", Süddeutsche Zeitung vom 9. Februar 2007, S. 14