Jutta Oesterle-Schwerin

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Jutta Oesterle-Schwerin (* 25. Februar 1941 in Jerusalem) ist eine deutsche Politikerin. Sie war von 1987 bis 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Jutta Schwerin ist die Tochter des im Spätsommer 1935 aus Deutschland ausgewanderten jüdischen Kommunisten Heinz Schwerin und dessen Ehefrau Ricarda. Sie ist die Schwester des israelischen Historikers Tom Segev.

Schwerin verbrachte ihre Kindheit in Israel. Im Alter von etwa 10 Jahren wurde sie Mitglied der Jugendorganisation Schomer Hatzair.[1]

1958 – im Alter von 17 Jahren – verweigerte Schwerin den israelischen Militärdienst. Als Begründung gab sie an, dass sie das Kind einer nichtjüdischen Mutter sei. Im diesem Zusammenhang kam es auch zu einem persönlichem Gespräch mit Ben Gurion.[2]

Nach dem Schulbesuch in Israel verließ sie das Land 1960. Für einige Zeit arbeitete sie in einem jüdischen Kinderheim in der Schweiz.[3] 1962 begann sie in Stuttgart ein Studium an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste, welches sie 1969 als Innenarchitektin abschloss. In dieser Zeit kam sie auch in Kontakt mit dem SDS.[4] Nach der Trennung von ihrem Mann war sie von 1978 bis 1987 als selbständige Innenarchitektin in Ulm tätig.

In Israel trat sie der kommunistischen Jugend bei (vgl. Meyer 1997: 238). Ihr politisches Engagement in Deutschland begann schon 1962 in der Ostermarsch-Bewegung. Sie war dann auch Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Sie engagierte sich außerdem seit der Geburt ihres Sohnes 1970 in der Kinderladen- und der Frauenbewegung.

1974 wurde sie Mitglied der SPD, aus der sie aber 1980 aus Protest gegen den NATO-Doppelbeschluss austrat. 1983 wurde sie Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Von 1975 bis 1980 war sie für die SPD, von 1984 bis 1987 für die Grünen Mitglied im Ulmer Stadtrat.

1987 wurde sie über die Landesliste in den Deutschen Bundestag gewählt. Hier fungierte sie ab 1989 als Fraktionssprecherin, außerdem war sie Mitglied des Ausschusses für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. Eine hitzige Auseinandersetzung um die Frage, wie Schwule und Lesben in Dokumenten des Bundestags benannt werden, löste sie 1988 mit ihrem Antrag zum Thema „Beeinträchtigung der Menschen- und Bürgerrechte von Schwulen und Lesben ... in Großbritannien“ aus (vgl. Pusch 1995: 250ff.). In den folgenden Jahren engagierte sie sich u. a. für die Einbeziehung lesbischer Lebensweisen in die Frauenpolitik; 1990 wurde sie dann Sprecherin des Lesbenring e.V. (vgl. Meyer 1997: 248f.).

Schwerin gehörte am 9. November 1989 zu jenen drei Abgeordneten, die den Plenarsaal anlässlich des Singens der deutschen Nationalhymne durch Teile der CDU/CSU-Fraktion, verließ.[5]

Nachdem die Grünen bei der Bundestagswahl 1990 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert waren, schied sie aus dem Bundestag aus. 1994 scheiterte sie beim Versuch einer Wiederaufstellung bei den Grünen und trat in Bonn für die Feministische Partei DIE FRAUEN an. Sie war zeitweilig Mitarbeiterin der Abgeordneten Christina Schenk damals Bundestagsgruppe Bündnis 90 – die Grünen.

Bis 2008 arbeitete Jutta Schwerin als freie Architektin in Berlin. 2012 erschien bei Spector Books Leipzig ihre autobiografische Erzählung „Ricardas Tochter – Leben zwischen Deutschland und Israel“.

Literatur [Bearbeiten]

  • Ina Hochreuther: Frauen im Parlament. Südwestdeutsche Abgeordnete seit 1919. Theiss, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-1012-8. S. 196ff.
  • Birgit Meyer: Wenn wir uns anpassen, dann verlieren wir uns. In: Dies: Frauen im Männerbund. Politikerinnen in Führungspositionen von der Nachkriegszeit bis heute. Campus, Frankfurt/Main 1997, S. 233-254. ISBN 3-593-35889-1
  • Luise Pusch: Ein Streit um Worte? Eine Lesbe macht Skandal im deutschen Bundestag. In: Women in German yearbook, Bd. 10, 1995, herausgegeben von Jeanette Clausen und Sara Friedrichsmeyer, S. 239-266. ISSN 1058-7446
  • Ilse Lenz: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-14729-1.
  • Jutta Schwerin „Ricardas Tochter – Leben zwischen Deutschland und Israel“ Spector Books Leipzig ISBN 978-3-940064-33-2.

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Gespräch mit Jutta Schwerin, in: konkret 10/2012, S. 30f..
  2. Gespräch mit Jutta Schwerin, in: konkret 10/2012, S. 31.
  3. Gespräch mit Jutter Schwerin, in: konkret 10/2012, S. 31.
  4. Gespräch mit Jutta Schwerin, in: konkret 10/2012, S. 31.
  5. Gespräch mit Jutta Schwerin, in: konkret 10/2012, S. 31f..

Weblinks [Bearbeiten]