Kálmán Széll

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Kálmán (Koloman) Széll (* 8. Juni 1843 in Gasztony, Komitat Vas; † 16. August 1915 in Rátót, Komitat Vas) war Politiker, Bankier und von 1899 bis 1903 Ministerpräsident Ungarns.

Kálmán Széll um 1900

Leben[Bearbeiten]

Die Residenz Szélls in Rátot, Architekt Alajos Hauszmann (1890)

Széll schlug vorerst die Laufbahn eines Richters ein, spezialisierte sich jedoch später auf Finanzfragen. Er wurde ein Gefolgsmann seines Schwiegervaters, Ferenc Deák. Seit der Wiedereröffnung des ungarischen Reichstags 1865 war er Abgeordneter und von 2. März 1875 bis 4. Oktober 1878 Finanzminister in der Regierung Kálmán Tisza. Wegen der Okkupation Bosnien-Herzegowinas trat er jedoch zurück. Er blieb Abgeordneter der Liberalen Partei bis 1911 und arbeitete als Bankier in Wien. Széll setzte sich für die Errichtung der Bahnlinie Győr−Szombathely−Sopron ein.[1] 1896 leitete er die ungarische Delegation in den erfolglosen turnusmäßigen Ausgleichsverhandlungen mit Österreich.[2]

Ministerpräsident[Bearbeiten]

Nach dem Rücktritt von Dezső Bánffy wurde Széll vom König am 26. Februar 1899 zum Ministerpräsident ernannt und konnte die Obstruktion der Opposition gegen die Regierung rasch beenden. Er führte eine Steuerreform und eine Neuregelung des Finanz- und Bankwesens durch.[1][3] Er war der erste Regierungschef der konkret versuchte, den Einfluss der Geldinstitute der Minderheiten, besonders der slowakischen Tatra Banka zurückzudrängen.[4] Was die sonstigen Zwangsmaßnahmen der Magyarisierung betraf, war Széll bei deren Durchsetzung weit gemäßigter als sein Vorgänger.[3] Erst Ende 1902 konnte Széll die Ausgleichsverhandlungen durch einen Kompromiss bei der Quote mit der Regierung Ernest von Koerber abschließen.[5] Dennoch musste er im Juni 1903 wegen andauernden Problemen beim Finanzausgleich zurücktreten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Biografie auf szentgotthard
  2. Ernst Rutkowski: Briefe und Dokumente zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band 1: Der verfassungstreue Großgrundbesitz 1880–1899. Verlag Oldenbourg, München 1983, ISBN 3-486-51831-3, S. 273.
  3. a b Peter F. Sugar (Hrsg.): A history of Hungary. Indiana University Press, Bloomington 1990, ISBN 0-253-20867-X, S. 273.
  4. Ágnes Pogány, Eduard Kubů, Jan Kofman: Für eine nationale Wirtschaft. Ungarn, die Tschechoslowakei und Polen vom Ausgang des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Berliner Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-8305-1250-3, S. 34.
  5. Günter Schödl: Alldeutscher Verband und deutsche Minderheitenpolitik in Ungarn, 1890–1914: Zur Geschichte des deutschen „extremen Nationalismus“. Lang, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-261-02391-0, S. 32.