Käfertal (Mannheim)

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49.5125398.517786Koordinaten: 49° 30′ 45″ N, 8° 31′ 4″ O

Käfertal
Stadt Mannheim
Wappen von Käfertal
Fläche: 10,75 km²
Einwohner: 23.834 (31. Dez. 2013)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1897
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Lage von Käfertal in Mannheim

Käfertal ist ein Stadtbezirk und ein Stadtteil von Mannheim in der Metropolregion Rhein-Neckar.

Geographie[Bearbeiten]

Käfertal liegt im Nordosten Mannheims. Angrenzende Stadtbezirke sind Vogelstang, Feudenheim, Wohlgelegen und Waldhof. Im Nordosten liegt die Stadt Viernheim (Kreis Bergstraße).

Geschichte[Bearbeiten]

1175 wurde Käfertal erstmals in einer Schenkungsurkunde des Wormser Bischofs an Lorsch urkundlich erwähnt. Die erste datierte Erwähnung des Dorfs Käfertal erfolgte am 30. April 1227 als Keverndal in einer Urkunde des Pfalzgrafen Ludwig I. für das Kloster Schönau.[2] Im Laufe der Geschichte wurde der Ort Cheverndal, Keverndal, Kefferndal, Kefferthal und Käferthal genannt. Der Name leitet sich von Keverendale, Tal der Kiefern, ab was der Lage am Rand des „Käfertaler Waldes“ geschuldet ist. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde Käfertal kurpfälzisch. 1689 wurde das Dorf von den Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört. 1784 zählte man 484 Einwohner. 1803 wurde Käfertal badisch.

Jahr Einwohner
1439 90
1577 225
1727 310
1818 1060
1852 1828
1875 4036
1895 6661

Lebten bisher ausschließlich alteingesessene Bauern- und Handwerkerfamilien hier, kamen durch die Industrialisierung zahlreiche Fabrikarbeiter hinzu. 1882 vollzog man einen Gemarkungstausch mit der Stadt Mannheim: die Spiegelfabrik auf dem Waldhof blieb bei Käfertal, dafür wurde der Luzenberg abgetreten. Als Ausgleich erhielt Käfertal die Felder nördlich des Speckwegs. 1884 erteilte man Mannheim die Erlaubnis, im Käfertaler Wald ein Wasserwerk zu bauen.

Eine bessere Verkehrsanbindung ermöglichte ab 1887 die von Herrmann Bachstein erbaute Schmalspurbahn von Mannheim über Käfertal und Viernheim nach Weinheim, die 1897 in die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) und 1911 in die Oberrheinische Eisenbahngesellschaft (OEG) überging. Diese unterhielt auch ein Anschlussgleis zum Wasserwerk sowie ab 1909 die in Käfertal beginnende Zweigstrecke über Wallstadt nach Heddesheim.

1897 folgte die Eingemeindung nach Mannheim. Ab 1903 verkehrte die Mannheimer Straßenbahn auf der extra hierfür elektrifizierten SEG-Strecke. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden Siedlungshäuser in Käfertal-Süd gebaut. Die Überlassung erfolgte teilweise auf Rentenbasis für Kriegsversehrte. Noch heute stehen viele Häuser auf Grundstücken in städtischer Erbpacht.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs rückten die amerikanischen Truppen durch den Käfertaler Wald vor. Am Mittwoch, dem 28. März 1945, handelte Gretje Ahlrichs, eine Telefonistin der Stadt Mannheim, über eine intakt gebliebene Leitung von der Innenstadt zum Wasserwerk Käfertal mit den im Wasserwerk befindlichen Amerikanern eine Feuerpause aus. Diese konnte sie nutzen, um einen der wenigen noch nicht geflohenen Mitarbeiter der Stadtverwaltung ans Telefon zu holen, der befugt war, die Kapitulation der Stadt auszuhandeln. Vermutlich war dies die erste telefonische Kapitulation in der Geschichte. Seit dem Krieg befindet sich mit dem Benjamin-Franklin-Village und mehreren Kasernen ein großer Stützpunkt der United States Army in Käfertal. In den 1990ern wurde mit dem Rott ein eigenständiges Wohngebiet gebaut.

Politik[Bearbeiten]

Käfertaler Rathaus

Käfertal hat einen aus zwölf Mitgliedern bestehenden Bezirksbeirat. Er ist zu allen wichtigen, den Stadtbezirk betreffenden Fragen zu hören. Die Entscheidungen trifft aber letztlich der Gemeinderat der Stadt Mannheim.

Partei 2009 2004 1999 1994
CDU 4 5 7 5
SPD 5 5 5 5
GRÜNE 1 1 0 1
Mannheimer Liste 1 1 0 1
FDP 1 0 0 0

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Karlsternpavillon im Käfertaler Wald
Laurentiuskirche im Weinbrenner-Stil

Im Norden liegt der Käfertaler Wald, der größte Wald Mannheims, mit verschiedenen Wildgehegen rund um den Karlstern.

Die Mannheimer Straße ist die Haupteinkaufsstraße Käfertals, beidseitig gesäumt von Geschäften, Banken, Kulturhaus und Gastronomie. Das 1967 in Betrieb genommene Kulturhaus liegt inmitten des großflächigen Stempelparks. Die Ortsmitte besitzt eine ungewöhnliche Dichte von Bauten im Stil des Friedrich Weinbrenner. Das Rathaus (erbaut 1818/19), die katholische St.-Laurentius-Kirche (1834/35) und das Langhaus der evangelischen Unionskirche zeigen den für Baden typischen zurückhaltenden, aber wuchtig-körperhaften Klassizismus.

Käfertal ist zudem eine über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Fasnachtshochburg. Sein Straßenfest ist eines der ältesten Feste dieser Art in der Region.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Brown, Boveri & Cie (BBC), aus der 1988 durch Fusion mit der schwedischen ASEA die Asea Brown Boveri (ABB) hervorging, gründete 1900 ihre deutsche Tochtergesellschaft in Mannheim und errichtete auf einem circa 85.000 m² großes Areal in Käfertal eine Fabrik. Gefertigt wurden Turbinen, Generatoren, Motoren und Transformatoren sowie Lokomotiven (z. B. Baureihen 110, 140 und 141) in steigenden Stückzahlen, u. a. Transformatoren für die Städtischen Elektrizitätswerke und Großkraftwerke in Mannheim, Frankfurt, Elberfeld, Elverlingsen und Hannover. Das Werk liegt verkehrstechnisch sehr günstig und es können über eine entsprechende Straßenanbindung Schwerlasten bis ca. 500 t in die nahegelegenen Rheinhäfen Mannheim (Rheinauhafen) bzw. Lampertheim transportiert werden.

Kurz vor der Fusion zur ABB beschäftigte BBC in Mannheim (Hauptwerk Käfertal und Lokomotivbau im Werk Süd) über 12.000 Mitarbeiter. Innerhalb weniger Jahre ging infolge verschiedener Restrukturierungsmaßnahmen die Mitarbeiterzahl bei ABB in Käfertal auf unter 800 zurück. Zum einen wurden Teile des Werks bzw. Produktionen geschlossen (z. B. Transformatorenfabrik, Motorenfabrik, Klein- und Mittelmechanik, etc.) oder verkauft (z. B. Turbinen- und Generatorfabrik). Heute beschäftigt ABB rund 2200 Mitarbeiter in Mannheim-Käfertal. Unter anderem wird von hier aus das ABB-Geschäft in Deutschland und der Region Zentraleuropa geführt. Die meisten Mitarbeiter arbeiten für die Division Energietechnik-Systeme und Prozessautomatisierung. Das Werk-Süd gehört heute zu Bombardier und im ehemaligen Stammwerk (ca. 1700 Mitarbeiter, Stand 2008) befindet sich noch die Turbinenmontage und Großmechanik von ALSTOM.

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Mannheim-Käfertal liegt an der Riedbahn von Frankfurt am Main nach Mannheim. Am Bahnhof hält täglich ein einziger Zug. Die östliche Riedbahn soll in die S-Bahn RheinNeckar mit einbezogen werden, sodass der Bahnhof künftig stündlich bedient wird. Die Linien 4 und 5 der Straßenbahn Mannheim/Ludwigshafen queren Käfertal im Südosten. Mehrere Buslinien der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft verbinden den Stadtteil mit der Straßenbahnhaltestelle Mannheim-Käfertal RNV und dem benachbarten Waldhof.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lorenz Klingert: Festbuch zur Siebenjahrhundert-Feier der ehemaligen Gemeinde Käfertal 1227–1927. Mannheim 1927.
  • Günter Bertschmann: Käfertal: 750 Jahre Käfertal 1227–1977. Mannheim 1977.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStadt Mannheim: Einwohnerbestand zum 31.12.2013. Mai 2014, abgerufen am 7. Juni 2014 (PDF 730 KB).
  2. Friedrich Teutsch, Käfertal I, Zurück zu den Quellen, in: Hansjörg Probst (Hrsg.), Mannheim vor der Stadtgründung, Teil II Band 2, Mannheim, 2008, S. 104-121.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mannheim-Käfertal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien