Kämpfer (Architektur)

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Der Kämpfer (4) überträgt die Last des Bogens auf die Wände

Der Kämpfer oder Impost ist der oberste Teil des Widerlagers eines Bogens oder Gewölbes.

Kämpfer (lateinisch incumba) nennt man ursprünglich jeden besonderen, aus der Mauer kragenden, lasttragenden Stein (Widerlager), so etwa wenn er einen Balken trägt oder beim Kämpferfenster.

Konstruktion[Bearbeiten]

Der Kämpfer liegt auf einem Pfeiler oder dem Kapitell einer Säule auf oder springt aus der Wand.

  • Bei einer Säule fungiert als Kämpfer in der Regel die Deckplatte auf dem Kapitell, die in der klassisch antiken Säulenordnung als Abakus bezeichnet wird. Oft liegt aber auf dem Abakus noch ein Fries- und ein Gebälkstück auf, so dass erst darüber der Bogen aufsetzt. In der spätantiken christlichen Architektur wird der Kämpfer zu einem eigenen Block über dem Kapitell ausgebildet. Dieser ist in der Regel trapezoidal geformt und entlastet so die Ecken des darunterliegenden Kapitells. Wenn Kämpferprofil und Kapitell aus einem einzigen Werkstück bestehen, ist dieses statisch-konstruktiv insgesamt der Kämpfer, formal-ästhetisch wird jedoch zwischen Kämpferplatte und Kapitell unterschieden.
  • Ein in einer Wand liegender Kämpfer kann als Kragstein oder Impost, aus der Wand vortreten. Werden profilierte Kämpfer wie ein Gesims fortlaufend angewendet, so bilden sie ein Kämpfergesims.
  • Vom Kämpfer zu unterscheiden ist der Gewölbefuß oder Anfänger, der erste Wölbstein des Jochs über der Kämpferlinie. Gelegentlich wird dieser Stein als Kämpferstein des Bogens bezeichnet, da er auf dem Kämpfer aufliegt (was zur Verwechslung des Kämpfersteins mit dem Kämpfer selbst führen kann). Bei Gratgewölben spricht man vom Gratstein.

Ornamentale Ausbildung[Bearbeiten]

Die Kämpfer werden glatt gelassen oder profiliert, und „sprechen dann eine bestimmte Sonderung zwischen Widerlager und Bogen aus“.[1] Die byzantinischen Kämpfer sind hohe Blöcke. Die Romanik gestaltet den Kämpfer ähnlich den Kapitellen ornamental oder figürlich aus. In der Gotik verschwindet beim Kelchknospenkapitell der Kämpfer fast völlig. Die Renaissance kehrt zu der Kämpferausbildung der antiken Säulenordnungen zurück.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kämpfer [2]. In: Meyers großes Konversations-Lexikon: ein Nachschlagwerk des allgemeinen Wissens. Bd. 10. 6. Aufl. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1907, S. 524.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kämpfer (Architektur) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien